Kommentar: Sorgenkind BSV

Szene aus dem Spiel Bramfelder SV - Werder Bremen II.

Szene aus dem Spiel Bramfelder SV – Werder Bremen II.

Was ist bloß los mit dem Bramfelder SV? In der Regionalliga Nord kommt der Aufsteiger nicht auf die Beine. Auch nach der Partie gegen den Tabellensiebten SV Werder Bremen II. (0:3), der dritten Niederlage im fünften Spiel, bleibt der Club vom Stadtpark sieglos auf einem Abstiegsplatz. Nun, damit war zu rechnen, immerhin ist es für die meisten Spielerinnen der erste Auftritt in der dritten Liga. Es war von vornherein klar, dass es nur gegen den Abstieg geht. Und zu berücksichtigen ist auch, dass die Schwarz-Weißen fast mit dem letzten Aufgebot antreten mussten und Spielerinnen wie Carina Blumroth, Katharina Stuth oder Larissa Holland fehlten. Doch die Art und Weise, wie die Niederlage zustande kam, treibt Sorgenfalten auf die Stirn.Denn Werder Bremens Reserve war mitnichten ein starker Gegner. Die eingewechselte Jennifer Kaminski klassifizierte die Grün-Weißen nach dem Spiel sogar als schwächsten der bisherigen fünf Opponenten. Dennoch hatte Bramfeld nicht den Hauch einer Siegchance. Und das hat gute Gründe, die auch das Trainerduo kennt. Schon Mitte der ersten Halbzeit motzte Coach Manuel Alpers, dass seine Mannschaft immer wieder die gleichen Fehler mache. In der betreffenden Szene bezog er sich darauf, dass die Defensivabstimmung nicht passte, zwei Spielerinnen kopflos die Ballführende zu attackieren versuchten und dadurch die Außenbahn freigaben.

Doch leider lässt sich diese Erkenntnis auf das gesamte Spiel ausweiten. Das Aufbauspiel in der ersten Halbzeit bestand schwerpunktmäßig daraus, dass die Innenverteidigerinnen Frauke Graetz und Catharina Schimpf den Ball aus einer Position etwa 35 Meter vor dem eigenen Tor über 30, 40 Meter in die gegnerische Hälfte droschen. Dann ergab sich eine von drei Situationen: Die Passempfängerin hatte Probleme mit der Verarbeitung und musste das Leder hergeben, eine Werderanerin ging gleich dazwischen oder der Ball war so ungenau gespielt, dass der Angriff beendet war. Doch den Ball nach außen zu spielen, brachte auch keinen Erfolg, da die Außenpositionen im Mittelfeld zu weit nach vorn rausrückten und das Spielgerät unter dem Druck einer angreifenden Bremerin hektisch verloren ging, und sei es durch ein ungenaues Abspiel ins Seitenaus.

Bei den Gegenangriffen hingegen brauchten sie zu lange, um sich zu den Gegenspielerinnen hin zu orientieren und gewährten den Gästen so die Zeit, die sie selbst gern für die Ballbehandlung gehabt hätten. Wenn es bei Werder II. schnell ging, kamen sie nur schwer hinterher. Überhaupt sind einige Spielerinnen im Antritt für Regionalligaverhältnisse nicht explosiv genug. Das lässt sich durch Antizipieren wettmachen, doch so weit ist der BSV noch nicht.

Frappierend war auch das Offensivspiel in der zweiten Halbzeit, sowohl noch beim Stand von 0:2 wie auch nach dem entscheidenden Treffer von Vanessa Lorenz: Es ist zu kompliziert. Nachdem sie im Laufe des zweiten Durchgangs angefangen hatten, sauberer und vor allem kürzer durch das Mittelfeld zu spielen, was eine deutliche Verbesserung zur ersten Halbzeit darstellte, wählten sie für den entscheidenden Pass in die Tiefe zu oft den falschen Weg. Ganz besonders konnte man das bei einer Szene in den letzten zehn Minuten beobachten, als sie nach einem schnellen Ballgewinn zu dritt gegen vier Bremerinnen konterten: Schimpf trieb den Ball in die gegnerische Hälfte, doch anstatt die auf ihrer Seite zehn Meter weiter vorn durchstartende Jennifer Kaminski auf die freie Bahn Richtung Strafraum zu schicken und sie damit in Position entweder für einen Schuss oder eine scharfe Hereingabe vom rechten Strafraumeck zu bringen, drosch die frühere Bundesligaspielerin das Leder hoch über die gewohnten 30, 40 Meter diagonal in den Strafraum, wo Denise Stroda zwei Gegenspielerinnen hatte. Kurz zuvor hatte Karina Lüth bereits bei einem 2-gegen-3-Konter zu lange gezögert und Kaminski, dann im Abseits stehend, nicht mehr anspielen können. Das sind jedoch Situationen, die man in der Regionalliga entsprechend ausspielen muss. Andere Mannschaften nutzen sowas gegen den Bramfelder SV konsequent.

Der Grund, warum der BSV noch immer auf den ersten Sieg wartet und sogar gegen die drittschlechteste Abwehr der Liga – 14 Gegentreffer in 5 Spielen – nur eine halbwegs brauchbare Torchance herausspielte, wurde auch gegen Werder II. deutlich: Sie versuchen, Verbandsligafußball in der Regionalliga zu spielen. Und das reicht nicht. Sie sind nicht mehr der Favorit der letzten Saison, bei dem der Gegner sich tief hinstellt und die Niederlage in Grenzen halten will – in der Regionalliga sind sie der Underdog, gegen den die Mannschaften ein eigenes Offensivspiel aufziehen wollen, und das tun sie auch.

Die Frauen-Mannschaft des Bramfelder SV hat schlichtweg nach fünf Spielen noch kein Regionalliga-Niveau. Das ist die Erkenntnis. Aber das ist nicht das Problem – Anpassungsschwierigkeiten und ein gewisses Maß an fußballerischer Naivität sind für einen Neuling ganz normal, wenn er nicht gerade personelle und finanzielle Möglichkeiten wie der noch gegentorlose, mit weißer Weste die Liga dominierende Tabellenführer VfL Wolfsburg II. hat.

Die Frage ist, ob es dem BSV gelingt, sich in dieser Saison in der Regionalliga zu akklimatisieren und zum Drittligisten weiterzuentwickeln – und ob sie das rechtzeitig schaffen, um noch die nötigen Punkte zum Klassenerhalt zu sammeln. Um sicher drin zu bleiben, brauchen sie 22 Zähler aus 17 Spielen. Das ist machbar. Allerdings kommen in der Vorrunde erst noch die schweren Gegner wie der TSV Havelse, VfL Wolfsburg II. oder die Sportfreunde Wüsting-Altmoorhausen, die nach dem Fast-Abstieg in der Vorsaison als Vorbild des BSV dienen müssten. Wenn sie drin bleiben wollen, müssen sie schnellstens ihre Lernkurve erhöhen. Dafür haben sie noch 17 Spiele.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: