Bramfeld bestätigt Eindrücke gegen starken Landesligisten

 

Die Zweifach-Torschützin Jaqueline Rohr bei einer Flanke

Die Zweifach-Torschützin Jaqueline Rohr bei einer Flanke

Vorbereitungsspiel
Bramfelder SV – TuS Fleestedt 3:1 (0:0)

Bramfelder SV: Andrea Rehfeldt [1] – Dorit Evers [16], Carina Blumroth [8], Shirin Lentfer [12], Jacqueline Bleser [19]  – Denise Stroda [13], Catharina Schimpf [10], Josephine Scholz [9, C], Jaqueline Rohr [15] – Karina Lüth [7]
TuS Fleestedt: Yvonne Reinstorf [1] – Annika Völz [14], Jasmin Hofmann [17], Katharina Kloth [16, C] (24. Eileen Abeska [12]), Anita Mews [11] (68. Eva-Lotta Lockner [19]) – Stefanie Meier [13] (52. Darlene Schulz [7]), Svenja Reder [6] (30. Helke Tippelmann [5]), Anna-Lena Günthel [20] (85. Svenja Reder [6]), Tanja Thomsen [23] (60. Emma Opolony) – Olga Markus [15] (66. Stefanie Meier [13]), Antonia Noack [8] (44. Nele Heins [10])
Schiedsrichter: Maik Franz (SC Eilbek) mit Mukesh Ahuja und Timo Gebhardt (beide TSV Wandsetal)
Tore: 0:1 Heins (59.), 1:1 Rohr (60.), 2:1 Lüth (79.), 3:1 Rohr (87.)
Gelbe Karten: – / –

Spielbericht

Zum Ende der Saisonvorbereitung sollte eigentlich die Zweite des FFC Oldesloe nach Steilshoop kommen, doch wie schon dessen Nordrivale Holstein Kiel sagte auch der Club aus Stormarn für Mittwochabend ab. Zum Glück fand sich mit dem niedersächsischen Landesligisten TuS Fleestedt zumindest für Donnerstagabend ein Gegner. Dessen Trainer Burkhard Olze, früher Co-Trainer der HSV-Zweiten in der 2. Bundesliga, sagte gern zu.

BSV-Keeperin Andrea Rehfeldt muss bei einem Eckball zupacken

BSV-Keeperin Andrea Rehfeldt muss bei einem Eckball zupacken

Auf dem Papier sieht ein Aufeinandertreffen zwischen einem Regionalligisten und einem Landesligisten immer sehr eindeutig aus. In diesem Fall täuschte das: Einerseits präsentierten sich die Niedersachsen als spielfreudiger und gut eingespielter Gegner, der im Test dem Verbandsligaaufsteiger FC Bergedorf 85 II. ein 3:3 abgetrotzt hatte. Zum anderen mussten die Hamburgerinnen neunzig Minuten lang in Unterzahl agieren – ein Abschlusstest unter erschwerten Bedingungen, also. Im Vergleich zum Spiel gegen den SV Hafen Rostock am Wochenende fehlten Buket Korkmaz, Paula Ziselsberger wegen Urlaubs und Larissa Holland wegen einer Verletzung. Im Kader der Bramfelderinnen stand mit Jacqueline Bleser nur ein Neuzugang. Im Vergleich zum Spiel gegen die Rostockerinnen gab es auf ihrer Seite eine „Jackie“-Achse, denn vor ihr durfte Jaqueline Rohr im rechten Mittelfeld ran, die zuvor noch im zentralen defensiven Mittelfeld aufgelaufen war.

Anita Mews kann Dorit Evers nicht stoppen. Letzte Saison machte Mews mit ihrem Ex-Club SV Wilhelmsburg das Aufstiegsrennen noch spannend: Mit einem 2:1 in Bramfeld.

Anita Mews kann Dorit Evers nicht stoppen. Letzte Saison machte Mews mit ihrem Ex-Club SV Wilhelmsburg das Aufstiegsrennen noch spannend: Mit einem 2:1 in Bramfeld.

Für ein Fazit der ersten 45 Minuten braucht es eigentlich nur zwei Worte: Offensives Abtasten. Die unterschiedlichen Stilrichtungen an diesem Abend waren gut zu beobachten. Während es der BSV in Unterzahl mit langen Bällen hinter die Abwehr versuchte, vorzugsweise über Rohr auf rechts oder die Zentrale mit Lüth, setzte Fleestedt auf ein zügig vorgetragenes Kurzpassspiel. In der ersten Viertelstunde brachte das beiden jedoch keinen Erfolg in Sachen Torabschluss. Den ersten dieser Art setzte Stefanie Meier in der 14. Minute ab. Ihr Schuss aus 24 Metern war jedoch kein Problem für Andrea Rehfeldt.

Catharina Schimpf macht sich im Zweikampf mit Stefanie Meier breit

Catharina Schimpf macht sich im Zweikampf mit Stefanie Meier breit

Bramfeld tat sich im Spiel nach vorn schwer und hatte mit dem Gegner einige Mühe. Exemplarisch war eine Szene nach 18 Minuten, als ein Fehlpass von Yvonne Reinstorf die Gäste in Bedrängnis brachte. Aber Jasmin Hofmann biss sich durch und verhinderte gleich dreimal gegen Jaqueline Rohr, Denise Stroda und Catharina Schimpf grätschend ein Durchbrechen zum Tor.

Jasmin Hofmann klärt mit langem Bein vor Karina Lüth

Jasmin Hofmann klärt mit langem Bein vor Karina Lüth

Bereits in der 24. Minute wechselte Burkhard Olze erstmals aus und brachte in der rechten Innenverteidigung der Gäste Eileen Abeska für Katharina Kloth. In der Folgezeit kam Bramfeld nun etwas besser ins Spiel. Fleestedt hatte zwar mehr Ballbesitz, gestattete jedoch etwas mehr Räume. Die konnte der Regionalligist aber nicht nutzen, war vor allem bei Kontermöglichkeiten hinsichtlich Anspielstationen in der Spitze unterbesetzt. Großchancen erarbeitete sich auch der TuS nicht, war zumindest aber in der 28. Minute gefährlich. Nach einem Fehlpass von Shirin Lentfer konnte Meier vom linken Flügel flanken. Unfreiwillig legte Antonia Noack nach hinten ab, doch der Direktschuss von Anna-Lena Günthel ging über die Latte, so wie in der 31. Minute ein Freistoß von Meier aus 26 Metern.

Anna-Lena Günthel kommt gegen Josephine Scholz ...

Anna-Lena Günthel kommt gegen Josephine Scholz …

... aus der Distanz zum Abschluss ...

… aus der Distanz zum Abschluss …

... aber der Ball fliegt über den Kasten

… aber der Ball fliegt über den Kasten

Nach einer halben Stunde wechselte Fleestedt erneut, und Helke Tippelmann ersetzte Svenja Reder im linken zentralen Mittelfeld. In der 38. Minute verzeichnete der Gastgeber seine erste echte Torchance. Stroda schickte die aufgerückte Scholz links steil. Die wurde von Mews gestellt und musste warten, bis Stroda nachrückte, ehe sie abspielen konnte. Strodas Schlenzer aus 19 Metern war dann aber zu kurz, und Reinstorf fing den Ball im kurzen Eck.

Und wieder Anita Mews, hier im Laufduell mit Josephine Scholz

Und wieder Anita Mews, hier im Laufduell mit Josephine Scholz

Die letzte Gelegenheit hatte der TuS Fleestedt, und das war eine Hundertprozentige. Vor dem Bramfelder Strafraum steckte Olga Markus durch die Schnittstelle der Innenverteidigung auf Noack durch. Die Stürmerin hatte nur noch Rehfeldt vor sich, zog ab und schoss links am kurzen Pfosten vorbei (41.). Das hätte die Führung für die Gäste sein können, sein müssen. So aber ging es – vom Schiedsrichter 30 Sekunden zu früh abgepfiffen – torlos in die Pause, nur mit Nele Heins für Noack, einem Wechsel in der 44. Minute.

Nach dem Zuspiel von Olga Markus kommt Antonia Noack frei zum Schuss ...

Nach dem Zuspiel von Olga Markus kommt Antonia Noack frei zum Schuss …

... überwindet Bramfelds Schlussfrau Andrea Rehfeldt ...

… überwindet Bramfelds Schlussfrau Andrea Rehfeldt …

... aber der Ball geht am Kasten vorbei

… aber der Ball geht am Kasten vorbei

Die Gäste konnten zufrieden sein. Sie erspielten sich nicht zu Unrecht ein Chancenplus, agierten munter und spielfreudig. Ohne Handicap wäre der Bramfelder SV möglicherweise stärker gewesen, Trainer Manuel Alpers hatte am Auftreten seines Teams dennoch einiges auszusetzen und beschallte die Anlage schon nach einer gespielten Viertelstunde mit seinem Unmut. Es war kein Spiel für Ästheten, sondern eher für Taktiker und Zweikampffreunde. Dem BSV fehlte das zündende Element, um die Abwehr der Gäste zu gefährden.

Anita Mews lässt Denise Stroda alt aussehen

Anita Mews lässt Denise Stroda alt aussehen

Bis kurz nach Wiederanpfiff. Da war es Karina Lüth, die die Chance zur Führung hatte. Strodas Flanke von der linken Seite nahm sie per Dropkick zwölf Meter vor dem Kasten direkt – um Zentimeter über den linken Giebel. Alpers‘ Ansprache schien gewirkt zu haben, denn sein Team war nun deutlich aktiver und laufbereiter. In der 49. Minute schlug Lentfer einen Freistoß lang in die Gäste-Hälfte auf Schimpf. Deren Verlängerung konnte Hofmann nicht klären. Lüth bekam den Ball, blieb zunächst an Abeska hängen, verschaffte sich dann aber Platz zum Abschluss, und nur Reinstorf hielt mit einer Flugparade das 0:0 fest.

Catharina Schimpf verlängert Lentfers Freistoß per Kopf ...

Catharina Schimpf verlängert Lentfers Freistoß per Kopf …

... Jasmin Hofmann grätscht gegen Karina Lüth ...

… Jasmin Hofmann grätscht gegen Karina Lüth …

... doch die Stürmerin setzt sich durch ...

… doch die Stürmerin setzt sich durch …

... läuft auf Eileen Abeska zu ...

… läuft auf Eileen Abeska zu …

... und geht an der Verteidigerin vorbei ...

… und geht an der Verteidigerin vorbei …

... und scheitert dann an Yvonne Reinstorfs Flugparade

… und scheitert dann an Yvonne Reinstorfs Flugparade

Dann bekam Denise Stroda die Chance, als Lüth einen Steilpass kurz zu ihr weiterspitzelte. Reinstorf lenkte ihren Schuss aus 20 Metern ab, und Annika Völz klärte vor Rohr (57.). Fleestedt berappelte sich und wurde seinerseits etwas aktiver. Nach einem Fehlpass von Lentfer musste Bleser gegen F07 eingreifen und lief den Ball ab. Ihr Rückpass zu Rehfeldt kam jedoch deutlich zu kurz. Heins ging dazwischen, legte die Kugel an Rehfeldt vorbei und dann zum 0:1 ins leere Tor (59.). Solche Fahrlässigkeiten werden auch jenseits der Regionalliga nicht verziehen. Die gute Nachricht für den Bramfelder Coach: Seine Zehn wehrte sich sofort. Gerade 49 Sekunden vergingen, als Stroda mit einem Querpass auf Rohr am langen Pfosten den Ausgleich vorbereitete. Aus zwei Metern hatte die rechte Mittelfeldspielerin bei dieser Vorlage keine Mühe. Doch der BSV war zunächst weiter die bessere Mannschaft. Nach Eckball von Blumroth köpfte Schimpf im Rückwärtslaufen rechts vorbei (64.). Eine Minute später fing Scholz einen Abstoß von Reinstorf ab, legte sich den Ball selbst vor, doch ihren Linksschuss hatte Reinstorf wieder sicher.

Fleestedt wechselte wieder: Die wieder eingewechselte Stefanie Meier ging links auf den Flügel, Darlene Schulz rückte vor in den Sturm und Markus verließ das Feld. Wahrscheinlich lag es nicht an dieser Umstellung, aber die Gäste wurden sofort wieder aktiver, dank Bramfelder Hilfe. Nach einer Unstimmigkeit mit Rehfeldt klärte Lentfer zu Scholz. Während ihr Team rausrückte, versuchte die Kapitänin einen zu leicht zu erratenden Pass, den Günthel unterband. Sie sah, dass Rehfeldt zu weit vor dem Kasten stand, und probierte es aus 27 Metern. Der Ball ging zum Glück für die Gastgeber am Tor vorbei (67.). Sechzig Sekunden später wurde Tippelmann mit einem langen Ball freigespielt, legte quer, doch Heins konnte die Chance nicht nutzen, verzog ganz knapp (68.). Fleestedt wechselte wieder: Eva-Lotta Lockner ersetzte Anita Mews als Linksverteidigerin, Völz rückte rechts in die Abwehr.

Die zweite Hälfte war schon zu diesem Zeitpunkt das komplette Gegenteil des ganzen ersten Durchgangs. Was den ersten 45 Minuten fehlte, boten die zweiten mit einsetzendem Flutlicht. Beide Teams waren bedeutend offener und mutiger. Der Regionalligist hatte dennoch Probleme mit den Anspielen in die Spitze. Die Pässe kamen immer noch oft ziellos und waren nicht so wirkungsvoll wie erhofft. Defensiv boten sie den Gästen mehr Räume, waren weniger zupackend, beim Gegentor regelrecht schlampig. In diesem Duell bauten sie als entscheidenden Faktor auf eine einzelne Aktion in der Offensive.

Das aber schien noch schwerer zu werden, als Abwehrturm Carina Blumroth vom Feld humpelte. Es sah zunächst nicht so aus, als würde sie in den verbleibenden 15 Minuten nochmal zurückkommen. Umso überraschender war, dass in der 79. Minute ein Angriff der zu neunt agierenden Bramfelderinnen zum Tor durchkam. Schimpf schlug einen langen Ball auf Lüth, die ihn aber Stroda überließ. Die linke Flügelspielerin erreichte ihn vor Reinstorf und konnte quer an der Schlussfrau vorbeilegen. Lüth stand richtig und schob ins leere Tor zum 2:1 ein. Damit war eigentlich nicht zu rechnen gewesen. Und dennoch schien es, als habe der Aufsteiger den längeren Atem, und das wortwörtlich. Denn wie schon gegen den SV Hafen Rostock konnten die Platzherrinnen hinten heraus noch zulegen, trotz Unterzahl, die in der 82. Minute zumindest gemildert wurde, als Blumroth doch auf ihren Platz in der Innenverteidigung zurückkehrte.

Nachdem Yvonne Reinstorf überwunden ist ...

Nachdem Yvonne Reinstorf überwunden ist …

... legt sie quer zu Karina Lüth ...

… legt sie quer zu Karina Lüth …

... und die Angreiferin hat keine Mühe ...

… und die Angreiferin hat keine Mühe …

... zum 2:1 einzuschieben

… zum 2:1 einzuschieben

Tatsächlich wollte der BSV weiter nach vorn spielen. Nach einem harmlosen Flachschuss von Schimpf forderte der Trainer seine Mannschaft nochmal lautstark auf: „Mehr investieren!“ Das taten sie. Lüth setzte mit einem Rückpass von der Grundlinie Stroda zwölf Meter vor dem Tor schön in Szene, doch so gut sie sich freigestohlen hatte, so unplatziert war auch ihr Abschluss: Genau auf Reinstorf (84.).

Denise Stroda hat eine gute Möglichkeit ...

Denise Stroda hat eine gute Möglichkeit …

... und zielt genau auf die Keeperin

… und zielt genau auf die Keeperin

Bei Fleestedt kam Svenja Reder nochmal für Günthel zurück. Doch Bramfeld schien dem 3:1 jetzt näher als der TuS dem Ausgleich. Drei Minuten vor Schluss steckte Schimpf im Mittelfeld nochmal schön gegen den eigenen Lauf durch auf Stroda. Der Linksfuß schlenzte über Reinstorf hinweg – an die Unterkante der Latte. Der Ball sprang wieder raus, war nach Ansicht des Schiedsrichtergespanns noch nicht über die Linie. Instinktiv war Jaqueline Rohr in den freien Raum durchgestartet, stand frei vor Reinstorf und tunnelte die Torhüterin im Stile eines Goalgetters zum 3:1-Endstand in der 87. Minute. Später sollte sie mutmaßen, dass sich das nicht wiederholen werde.

Nach Strodas Lattentreffer steht Jaqueline Rohr goldrichtig ...

Nach Strodas Lattentreffer steht Jaqueline Rohr goldrichtig …

... und sorgt für den 3:1-Endstand

… und sorgt für den 3:1-Endstand

Schiedsrichter Franz beendete die Partie eine ganze Minute zu früh. Dem Landesligisten, der gut mitgehalten und den zwei Klassen höher spielenden Club lange gefordert hatte, ging eine zwanzig Minuten vor dem Ende letztlich doch die Luft aus, und auch die vielen Wechsel sorgten dafür, dass nicht mehr alles zusammenpasste. Beim Bramfelder SV konnte man, trotz vieler fehlender Spielerinnen und Unterzahl einige Dinge erkennen, die dringend verbesserungswürdig sind, wie Richtung und Länge der Laufwege und Nachlässigkeiten bei Versuch, von hinten heraus den Ball kontrolliert und schnell in die gegnerische Hälfte zu bringen.

Andererseits haben auch zehn Bramfelderinnen gezeigt, dass sie dann noch zulegen können, wenn der Gegner in der Schlussphase schwächelt. Unter dem Gesichtspunkt, dass viele aus der „zweiten Reihe“, die in Delmenhorst eher mit der Bank rechnen müssen, Spielpraxis bekamen, verkauften sich die Schwarz-Weißen durchaus nicht schlecht, gerade in Halbzeit zwei. Auch das kann eine beruhigende Erkenntnis sein: Es gibt Alternativen, und sogar welche, die man in dieser Rolle nicht unbedingt auf Anhieb auf der Rechnung hat.

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