Meine ESC-Prognose – 2. Halbfinale

Am Donnerstag steigt das zweite Halbfinale beim Eurovision Song Contest im aserbaidschanischen Baku. Erneut kämpfen 18 Teilnehmer um 10 Finalplätze. Stimmberechtigt sind auch Anrufer aus Deutschland. Ich gebe mal meinen Tipp ab, wobei dieses Halbfinale sogar noch schwerer einzuschätzen ist: Zu starke Gleichförmigkeit, zu wenig Charakter…

(1) Serbien – Željko Joksimovic mit „Nije Ljubav Stvar“
Klassische Instrumente, ruhiger Beginn mit Klavier und Streichern – so kennt man ähnliche Beiträge aus Ex-Jugoslawien. Und zwar nicht nur vom ESC, sondern auch als Hintergrundmusik in Balkan-Restaurants. Auch „Nije Ljubav Stvar“ gehört in diese Kategorie. Vor allem, da hinten raus dann sowohl Lautstärke als auch Emotion aufdrehen. Aber Stimme hat er, der Zweite des ESC von 2004, damals noch für Serbien und Montenegro startend.
Fazit: Wenn es für’s Finale reicht, dann nicht für mehr als einen hinteren Platz.
Tipp: Platz 19-26

(2) Mazedonien – Kaliopi mit „Crno E Belo“
Rock-Ballade mit klassischem Intro. Wer die beiden Sprachen nicht zu unterscheiden weiß, könnte denken, das Lied wäre von Gianna Nannini, denn Kaliopis Stimme erinnert sehr an die italienische Röhre, auch wenn die es noch einen Hauch schriller und kerniger hinbekommt.
Fazit: Solide, aber ob das auch ankommt?
Tipp: Im Halbfinale ist finito

(3) Niederlande – Joan Franka mit „You And Me“
Nachdem die Holländer in den letzten beiden Jahren sowohl mit dem fröhlichen Schlager „Ik ben verliefd“ von Sieneke (für mich überraschend, denn ich mag’s heute noch sehr) als auch mit 08/15-Gitarrenpop von den 3Js baden gegangen sind, probiert es dieses Jahr Joan Franka mit einer Gitarre. Allerdings ist der leichte Countrysound selten massenkompatibel.
Fazit: Wird’s nicht besser machen als ihre Vorgänger
Tipp: Raus im Halbfinale

(4) Malta – Kurt Callejy mit „This Is The Night“
Ja, das ist typischer Eurovision Song Contest-Dance… Nichts, was man kommerziell so richtig vermarkten und in die Clubs bringen könnte. Es klingt ganz gefällig, aber das klingen Titel dieser Kategorie alle, ohne irgendwie herauszuragen. Es ist nichts Besonderes dabei, es kickt nicht.
Fazit: Könnte über das Halbfinale hinausgehen – oder auch nicht.
Tipp: Im Finale füllt er die hinteren Plätze zwischen 22 und 26 auf

(5) Weißrussland – Litesound mit „We Are The Heroes“
Tausend Mal gehörter Rock-Pop, aber weder knackig noch praktisch und schon gar nicht gut. Da fragt man sich, ob Alena Lanskaya disqualifiziert werden musste… Auf jeden Fall ist Weißrussland immer für einen Skandal gut – nur leider eher unspektakulär. Entweder werden Gefälligkeitshymnen geschmettert, die schon aus politischen Gründen durchfallen, oder das gewünschte Ergebnis der Jurywahl wird durch eine Disqualifikation wegen angeblich gekaufter Stimmen „korrigiert“.
Fazit: Sowohl musikalisch wie politisch wird Weißrussland einmal mehr abgekanzelt.
Tipp: Fällt durch’s Halbfinal-Sieb

(6) Portugal – Filipa Sousa mit „Vida Minha“
Nach dem Satirebeitrag von Düsseldorf versuchen es die Portugiesen wieder einmal mit klassischen heimatlichen Klängen. Fado nennt sich der Stil. Eigentlich auch wieder ein typischer Restaurantmusik-Titel, jedoch stimmig und nicht fade.
Fazit: Kein richtiger Knaller, aber durchaus hörbar.
Tipp: Schafft’s ins Finale auf die hinteren Plätze zwischen 19 und 24

(7) Ukraine – Gaitana mit „Be My Guest“
Mit diesem Beitrag gibt sich die Ukraine weltoffen und kosmopolitisch. Sängerin Gaitana ist halbe Kongolesin und verbrachte fünf Jahre ihrer Kindheit im Heimatland ihres Vaters. Der Titel soll eine Einladung zur Fußball-Europameisterschaft sein und sicher auch ein Imagegewinn bei aller Kritik über Unzulänglichkeiten und hohe Kosten für jene Eingeladenen.
Fazit: Optisch einladend wirkt Gaitana auch. Musikalisch ist es eine durchschnittliche Disconummer ohne Siegpotenzial.
Tipp: Platz 8 bis 16

(8) Bulgarien – Sofi Marinova mit „Love Unlimited“
Poli Genova fiel 2011 mit ihrem Rocksong „Na Inat“ durch – warum eigentlich? Nachfolgerin Sofi Marinova liefert eine der vielen Dancenummern, die gerade nochmal so durchgeht. Wie sie im Englischen klingen wird, ist noch ungewiss. Die auf Bulgarisch gesungene Version „Ljubov bez granitzi“ hat zumindest Charakter.
Fazit: Steht auf der Kippe. Wenn es englisch so weichgespült klingt wie bei den Isländern, reicht’s nicht für’s Finale
Tipp: Im Halbfinale hat die Liebe ihr Limit erreicht

(9) Slowenien – Eva Boto mit „Verjamem“
Slowenien schickt die 16-jährige Eva Boto nach Baku. Sie präsentiert eine modernisierte Klassikballade, die in der Tradition des 13. Platzes von Maja Keuc aus dem Vorjahr steht, nur einen Hauch gezügelter. Nach dem Flop mit Volksmusikrock in Oslo bleiben sie beim erfolgreichen Stil des letzten Jahres.
Fazit: Nett anzuhören und anzusehen, aber kein echter Kracher, der nicht ganz Maja Keuc einholen wird.
Tipp: Sollte im Finale zwischen Platz 17 und 21 einlaufen

(10) Kroatien – Nina Badric mit „Nebo“
Ein weiterer Beitrag vom Balkan, in der Landessprache gesungen. Auch Nina Badric folgt dem Trend zur Ballade. Doch was gefühlvoll beginnt, wird doch noch zum Popsong. Schade eigentlich, denn der romantische Balladenteil hätte das Potenzial zum Gewinner seiner Klasse zu werden. Ob der Popteil der Siegfähigkeit abträglich ist, wird die Live-Performance zeigen müssen.
Fazit: Leider nur bis zum zweiten Refrain traumhaft romantisch.
Tipp: Top-10 sollten drin sein, zum Titel reicht’s nicht. Platz 3-9.

(11) Schweden – Loreen mit „Euphoria“
Euphorie kommt bei diesem Lied bei mir nicht unbedingt auf, aber als Dancestück ist das Lied von Loreen ganz brauchbar, möglicherweise sogar charttauglich. Anspruchsvoll ist allerdings was anderes.
Fazit: Solider Finalteilnehmer
Tipp: Platz 15 bis 20

(12) Georgien – Anri Jokhadze mit „I’m A Joker“
Die Georgier, die nach Aserbaidschan die kürzeste Anreise haben, versuchen, das ganz große Brett zu bohren. Es ist ein Titel, der polarisieren wird, denn der Refrain hat das Potenzial zu einer ganz groß inszenierten Pompnummer. Aber dann sind da immer wieder Teile drin, die Brüche bewirken und das ganze Ding unharmonisch wirken lassen. Schade eigentlich, dass der Narrengedanke derart musikalisch untermauert werden muss.
Fazit: Nur mit Potenzial kommt man nicht ins Finale. Nur mit besoffenen Telefonvotern.
Tipp: Guckt beim Finale zu.

(13) Türkei – Can Bonomo mit „Love Me Back“
Ein sephardischer Jude als türkischer Vertreter ist ja schon ein Unikum, zuhause sogar ein Politikum. Aber Can Bonomo legt mit „Love Me Back“ ein nett anzuhörendes Pop-Stück mit Klängen aus seiner Heimat hin, das phasenweise richtig fröhlich wirkt. Wenn auch nicht ganz in der Klasse von Sertab Erener, so muss sich Can Bonomo nicht verstecken.
Fazit: Da im zweiten Halbfinale Deutschland abstimmen darf, dürften ihm viele türkische Anrufer helfen.
Tipp: Hinteres Mittelfeld, aber im Finale, zwischen 14 und 18

(14) Estland – Ott Lepland mit „Kuula“
Mal wieder eine Ballade mit Klavier und Geigen. Doch gerade der eher sparsame, bewusste Einsatz von Instrumenten macht es zu einem harmonischen Träumersong. „Hören“, „Sehen“, „Stille“, „Herz“, „Ich warte auf Dich“ – das sind die Motive des Liedes, das gute Aussichten auf einen guten Platz im Finale hat.
Fazit: Schöne Ballade aus dem Land, das für den ESC ein Händchen hat.
Tipp: Platz 9-12

(15) Slowakei – Max Jason Mai mit „Don’t Close Your Eyes“
Max Jason Mai geht auf jeden Fall einen anderen Weg als die meisten: Mit einem Stück, das Erinnerungen an früher weckt. Genauer gesagt, an die Rockgruppen der 80er. Soundmäßig ist es, als würde man Europe, Megadeth und Bon Jovi in einen Mixer kippen und danach als Suppe aufkochen. Das kann gut ankommen. Muss aber nicht.
Fazit: Mutig, aber springt doch zu weit aus der Reihe
Tipp: Übersteht das Semifinale nicht

(16) Norwegen – Tooji mit „Stay“
Neben den Balladen sind Dancetitel in diesem Jahr ganz groß dabei. Auch Tooji, gebürtiger Iraner, liefert einen solchen, und seine Herkunft wird darin ebenfalls nicht versteckt. Für Ottonormaleurovisionsongcontestgucker ist der Beitrag nur wenig tanzbar, dennoch brennt er sich leicht ins Ohr ein.
Fazit: Tooji wird nicht zu Unrecht auf einem der vorderen Plätze erwartet.
Tipp: Rang 4-10

(17) Bosnien-Herzegovina – Maya Sar mit „Korake Ti Znam“
Eine Ballade vom Balkan, gesungen in der Heimatsprache. Alles wie immer also? Ich persönlich mag das Lied sehr gern, das etwas in Richtung Mariah Carey geht, vor allem vom Gesang her. Trotzdem ist die Balladenkonkurrenz in diesem Jahr nicht zu verachten.
Fazit: Schwer einzuschätzen, wie es ankommt. Vermutlich für den ESC zu unspektakulär.
Tipp: Leider raus im Halbfinale

(18) Litauen – Donny Montell mit „Love Is Blind“
Und wieder eine Ballade, denkt man am Anfang. Doch dann wird doch noch eine durchaus gefällige Popnummer daraus. Allerdings eine, die man schon millionenfach gehört hat. Man muss nicht unbedingt taub sein, um es zu ertragen, aber so besonders ist es dann doch nicht.
Fazit: Zu unterschiedliche Teile, um richtig zu kicken.
Tipp: Raus ohne Applaus.

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