Am Ende aller Superlative

 

Carina Blumroth herzt Jaqueline Rohr und Dorit Evers gleich beide

Carina Blumroth herzt Jaqueline Rohr und Dorit Evers gleich beide

Verbandsliga Hamburg, 21. Spieltag
Altona 93 – Bramfelder SV 3:6 (3:1)

Altona 93: Kerstin Lethe [1] – Tanja Krause [10], Katja Marks [23], Birte Gehrmann [18], Melanie Schober [5] – Mareile Scheidemann [12], Etje Schröder [7], Finja Witte [2], Linn Holthey [6] (ab 46. Swante Kuhr [4]) – Manja Spaller [11], Jenny Schleinitz [17]
Bramfelder SV: Andrea Rehfeldt [1] – Dorit Evers [16], Frauke Graetz [4], Julia Hoffmann [23], Shirin Lentfer [12] – Denise Stroda [13], Carina Blumroth [8] (79. Daniela Bartocha [11]), Sina Ahlers [6] (33. Jaqueline Rohr [15]), Catharina Schimpf [10] – Karina Lüth [7] (46. Josephine Scholz [9]), Tatjana Schulz [22]
Schiedsrichter: Jörg Thomas (BSV 19) mit Onur Kaya und Ogün Öztürk
Zuschauer: 50
Tore: 1:0 Schleinitz (15.), 2:0 Holthey (21.), 2:1 Blumroth (36.), 3:1 Holthey (45.+2), 3:2 Schimpf (52.), 3:3 Blumroth (54.), 3:4 Rohr (64.), 3:5 Bartocha (80.), 3:6 Schimpf (86.)
Gelbe Karten: Witte (26., Foulspiel), Lethe (29., Foulspiel) / Schimpf (89., Meckern)

Spielbericht

Alfred Hitchcock hätte es kaum besser inszenieren können: Während der Meister Schleswig-Holsteins, TSV Ratekau, am vergangenen Wochenende kampflos den Meistertitel holte und auch der Bremer Vertreter in der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord, ATS Buntentor, vorzeitig feststand, entschied sich der Nachfolger des entthronten Hamburger Meisters SC Eilbek erst am letzten Spieltag: Tabellenführer Duwo 08 und den Zweiten Bramfelder SV trennten gerade einmal zwei Tore in der Differenz, dazu waren die geschossenen und gefangenen Treffer beinahe identisch. Bramfeld musste das Auswärtsspiel beim Tabellensechsten Altona 93 entweder drei Tore höher gewinnen als Duwo 08 zuhause gegen den Siebten TSC Wellingsbüttel – oder zwei Tore höher, aber mit einem um zwei Treffer höheren Ergebnis. Vereinfacht: Bei einem 2:1 für Duwo reichte dem BSV entweder ein 4:0 oder ein 6:3; ein 4:1 war hingegen zu wenig, ein 5:2 hätte Punkt- und Torgleichheit und somit ein Entscheidungsspiel herbeigeführt.

Altona 93 setzte Bramfeld mächtig zu - hier Manja Spaller gegen Sina Ahlers

Altona 93 setzte Bramfeld mächtig zu – hier Manja Spaller gegen Sina Ahlers

Rund 50 Zuschauer hatte es in die alte Adolf-Jäger-Kampfbahn an der Griegstraße verschlagen. Was in den folgenden 94 Spielminuten passieren sollte, ahnte noch niemand, als die Partie wegen Linienmarkierungsarbeiten (zuvor hatte ein Footballspiel stattgefunden) einige Minuten verspätet von Schiedsrichter Jörg Thomas freigegeben wurde. Irrsinn, Wimpernschlagfinale, Verrücktheit – nichts von alledem sollte den Geschehnissen gerecht werden. Selbst der Superlativ „Drama des Jahrhunderts“ wäre noch freundlich untertrieben. Geboten wurde ein Schauspiel, das in seiner Einmaligkeit selbst für eine Frauenfußball-Telenovela als Stoff zu kitschig und irreal gewesen wäre.

Für Bramfeld gab es kaum ein Durchkommen in Halbzeit 1

Für Bramfeld gab es kaum ein Durchkommen in Halbzeit 1

Die Begegnung startete zerfahren. Den Gästen aus Bramfeld war die Nervosität durchaus anzusehen. Altona 93 begann etwas frecher und war definitiv nicht gewillt, wettbewerbsverfälschend in den Meisterkampf einzugreifen. Dennoch gab der Favorit, den man eigentlich selbstbewusst und zielgerichtet hätte erwarten können, den ersten Warnschuss ab. Kapitänin Carina Blumroth probierte es in der 7. Minute aus 25 Metern – verzogen. Nach etwa einer Viertelstunde schien der Tabellenzweite den Gegner besser in den Griff zu bekommen, als Altona 93 ebenfalls seinen ersten ernsthafteren Torschuss abgab. Mareile Scheidemann gab die Kugel links auf Stürmerin Manja Spaller, die den sich bietenden Raum nutzte. Ihre Flanke von der Strafraumgrenze fand in Jenny Schleinitz eine Abnehmerin, die den Kopfball gegen die Laufrichtung von Torfrau Andrea Rehfeldt platzierte – 1:0. Schlechter hätte es für den Aufstiegsaspiranten nicht laufen können.

Manja Spaller flankt in den Strafraum ...

Manja Spaller flankt in den Strafraum …

... Jenny Schleinitz platziert ihren Kopfball gegen den Lauf ...

… Jenny Schleinitz platziert ihren Kopfball gegen den Lauf …

... von Andrea Rehfeldt ...

… von Andrea Rehfeldt …

... und freut sich über das überraschende 1:0

… und freut sich über das überraschende 1:0

Entsprechend geschockt war die Mannschaft von Manuel Alpers auch. Zur ohnehin bestehenden Drucksituation kam nun auch noch der Rückstand. Und es schien nicht so, als würde der Bramfelder SV den verdauen können. Denn sechs Minuten später sah der nächste vielversprechende Altonaer Angriff ähnlich aus: Scheidemann links auf Spaller, Flanke in den Strafraum. Die segelte zu nah vors Tor, aber Rehfeldt konnte mit ihrer Flugparade nur etwas abfälschen. Am Fünfmeterraum war Linn Holthey vor ihrer Gegenspielerin zur Stelle und staubte zum 2:0 ab (21.).

Mareile Scheidemann passt auf Manja Spaller ...

Mareile Scheidemann passt auf Manja Spaller …

... deren Flanke erreicht Rehfeldt nur mit den Fingerspitzen ...

… deren Flanke erreicht Rehfeldt nur mit den Fingerspitzen …

... und lenkt ihn nach hinten ...

… und lenkt ihn nach hinten …

... wo Linn Holthey abzieht ...

… wo Linn Holthey abzieht …

... und zum verdienten 2:0 trifft

… und zum verdienten 2:0 trifft

Jetzt sah es für die Ambitionen der Gäste zappenduster aus. Zumal Spallers nächste Flanke auf Schleinitz nach dem gleichen Muster fast den dritten 93-Treffer bedeutet hätte. Doch mit etwas Glück lenkte Rehfeldt den Volleyschuss aus nächster Nähe am Tor vorbei (24.). Die Konter des AFC, vor allem über Spaller, zogen den ohnehin unkonzentrierten Bramfelderinnen den Zahn. Selbst war der BSV bis dahin harmlos, ein Schatten seiner selbst. Bei den Schwarzen lief nichts, alle Angriffe bis dahin blieben in der zupackenden Viererkette von Altona 93 stecken.

Fast das 3:0: Spaller flankt ...

Fast das 3:0: Spaller flankt …

... Schleinitz ist Evers entwischt und macht's direkt ...

… Schleinitz ist Evers entwischt und macht’s direkt …

... aber mit Hand und Gesicht kann Rehfeldt diesesmal ...

… aber mit Hand und Gesicht kann Rehfeldt diesesmal …

... den Ball ins Toraus lenken

… den Ball ins Toraus lenken

Nach 29 Minuten sah es mal nach einer guten Chance aus, als sich Tatjana Schulz gegen Katja Marks durchsetzen konnte. Aber Torhüterin Kerstin Lethe war weit aus dem Kasten geeilt und senste Schulz um. Glück für Lethe, dass Schulz den Ball noch nicht kontrolliert Richtung Tor mitgenommen hatte, sonst wäre ihr Einsatz schärfer zu bestrafen gewesen, doch so gab es nur die Gelbe Karte. Der anschließende Freistoß von Dorit Evers aus 26 Metern war für Lethe kein Problem. Aber er war auch ein Symbol für die Bramfelder Leistung bis dahin: Für die Aufstiegsambitionen war das Gezeigte bedeutend zu wenig. Immerhin half hinten nun etwas das Glück: Als der Ball diagonal durch den Strafraum sprang, schoss Scheidemann von der Strafraumgrenze volley über die Latte (31.). Und als Rehfeldt 60 Sekunden später eine Ecke von Finja Witte zentral zu Spaller boxte, ballerte auch die aus ähnlicher Position drüber. Inzwischen war die Altonaer Führung hochverdient. Altona 93 war cleverer und durchsetzungsstärker. Bramfeld hatte zwar mehr Ballbesitz, ihnen fehlte aber die Effektivität. Manuel Alpers musste reagieren und brachte nach 33 Minuten Jaqueline Rohr für Sina Ahlers. Rohr übernahm das rechte Mittelfeld, die bis dahin blasse Ex-Bundesligaspielerin Catharina Schimpf rückte in die Mitte.

Kerstin Lethe holt Tatjana Schulz von den Füßen ...

Kerstin Lethe holt Tatjana Schulz von den Füßen …

... und sieht dafür zurecht Gelb vom guten Schiedsrichter Jörg Thomas

… und sieht dafür zurecht Gelb vom guten Schiedsrichter Jörg Thomas

Drei Minuten nach dem Wechsel schlug Karina Lüth einen Freistoß vom linken Flügel in den Strafraum. Blumroth war vor Lethe mit der Fußspitze dran, der Ball kullerte an der Keeperin vorbei – nur noch 2:1. Immerhin ein Hoffnungsschimmer für den BSV, der nun auf den Ausgleich drückte. Nach einer kurzen Ecke schlug Blumroth den Ball in den Strafraum, von Schulz sprang der Ball zu Schimpf, deren Versuch von Marks und Witte abgeblockt wurde. Schulz setzte mit langem Bein gegen Lethe nach, bekam ihn aber auch nicht an der Keeperin vorbei. Zuletzt stand Tanja Krause dem Nachschuss von Rohr im Weg (40.). Nach ähnlichem Muster kam Schimpf in der 43. Minute aus 14 Metern zum Direktschuss und traf die Latte. Nun kam auch noch Pech dazu.

Catharina Schimpf probiert es ...

Catharina Schimpf probiert es …

... mal artistisch per Volley ...

… mal artistisch per Volley …

... Kerstin Lethe kann dem Ball nur hinterherschauen ...

… Kerstin Lethe kann dem Ball nur hinterherschauen …

... und das Leder springt von der Latte zurück ins Feld

… und das Leder springt von der Latte zurück ins Feld

In der Nachspielzeit gab es noch einmal Freistoß für Altona 93 vom linken Flügel. Witte brachte ihn auf den langen Pfosten, Schleinitz verpasste, aber dahinter erwischte Holthey ihn vor Rehfeldt und köpfte aus drei Metern zum 3:1 ein.

Finja Wittes Freistoß in der Nachspielzeit ...

Finja Wittes Freistoß in der Nachspielzeit …

... segelt über Jenny Schleinitz hinweg ...

… segelt über Jenny Schleinitz hinweg …

... springt tückisch im Fünfmeterraum auf ...

… springt tückisch im Fünfmeterraum auf …

... und Linn Holthey köpft zum 3:1 ein

… und Linn Holthey köpft zum 3:1 ein

Eine Zerrung dämpft ihre Freude aber unmittelbar

Eine Zerrung dämpft ihre Freude aber unmittelbar

War das der Todesstoß für die Meisterhoffnungen des Bramfelder SV? Schlussfrau Rehfeldt war sich ihres Fehlers bewusst und schlich wie ein Häufchen Elend in die Kabine: Der Ball kam zwar tückisch, aber im Fünfmeterraum hätte die Co-Trainerin der Hamburger U15-Auswahl ihn haben müssen. Die Mienen ihrer Mitspielerinnen verrieten nicht weniger Fassungslosigkeit über den Spielstand. Damit hatte niemand gerechnet. Ihnen fehlte in der ersten Hälfte der Biss und die Klasse ihres Tabellenplatzes. Statt dessen leisteten sie sich viele Unkonzentriertheiten. Altona 93 gewann die Zweikämpfe, konterte die Gäste aus und nutzte die Fehler eiskalt. Das Ergebnis ging bis dato in Ordnung.

Rehfeldt verlässt niedergeschlagen das Feld

Rehfeldt verlässt niedergeschlagen das Feld

Vor der zweiten Halbzeit gönnt sich Altona 93-Coach Norman Girbarth einen Schluck Bier - allerdings "geliehen"

Vor der zweiten Halbzeit gönnt sich Altona 93-Coach Norman Girbarth einen Schluck Bier – allerdings „geliehen“

Auch bei der Rückkehr auf den Platz schienen die Bramfelderinnen kaum entschlossener, das Spiel zu drehen. Die Minimalerfordernis, zumindest ein Sieg bei gleichzeitiger Hoffnung, dass Duwo 08 gegen Wellingsbüttel patzen könnte, war in weiter Ferne. Waren sie dem Druck nicht gewachsen?

Anspannung bei Bramfelds Trainern Manuel Alpers und Wolfgang Uhlemann

Anspannung bei Bramfelds Trainern Manuel Alpers und Wolfgang Uhlemann

Sechs Minuten verstrichen im zweiten Durchgang, in denen der BSV nicht den Eindruck machte, dieses Spiel noch einmal wenden zu können, trotz des Ausscheidens der Altonaer Doppeltorschützin Holthey, die sich beim 3:1 verletzt hatte und durch Swantje Kuhr ersetzt wurde. Dann erlief Schimpf einen verunglückten Pass etwa 30 Meter vor dem AFC-Tor. Ihr stellten sich Witte, Schober, Gehrmann und Marks in den Weg, die sie mit einer einzigen Körpertäuschung ins Leere laufen ließ. Durch die Mitte hatte sie plötzlich freie Bahn und schob das Leder an Lethe vorbei – 3:2 (52.). Die frühere HSVerin übernahm, ganz ihrer Rückennummer 10 entsprechend, Verantwortung.

Mit einer Körpertäuschung lässt Catharina Schimpf ...

Mit einer Körpertäuschung lässt Catharina Schimpf …

... gleich vier Altonaerinnen ins Leere laufen ...

… gleich vier Altonaerinnen ins Leere laufen …

... hat freie Bahn ...

… hat freie Bahn …

... und schiebt an Lethe vorbei zum 2:3 ein

… und schiebt an Lethe vorbei zum 2:3 ein

Kurz darauf führte sie rechts einen Einwurf schnell auf Schulz aus. Die Stürmerin steckte durch, Blumroth war in die Gasse nachgerückt, schob zum Ausgleich ein (54.). Und plötzlich war der Titel wieder greifbar. Altona 93 war nun das nervöse Team, sah sich in der Folge dem Bramfelder Dauerdruck ausgesetzt, der durch den Doppelschlag beflügelt wurde. Jetzt zeigten die Gäste die Aggressivität, die sie in den ersten 45 Minuten vermissen ließen, und sie erzwangen Fehler des Gastgebers.

Carina Blumroth ist durch ...

Carina Blumroth ist durch …

... und schiebt den Ball ...

… und schiebt den Ball …

... zum Ausgleich ein

… zum Ausgleich ein

Torgefahr ging jedoch nur von klare Möglichkeiten aus. Schüsse wie der von Schimpf aus 32 Metern nach einer Stunde waren eher harmlos. Anders dagegen sah es bei Shirin Lentfers langem Diagonalpass aus der eigenen Hälfte aus: Denise Stroda war nicht im Abseits gestartet und frei zum Tor durch. Ihren Schuss konnte Lethe noch parieren, den Nachschuss blockte Schober, aber gegen den Abstauber von Joker Rohr waren beide machtlos. Nach 64 Minuten führte Bramfeld 4:3!

Denise Stroda setzt sich gegen Melanie Schober durch ...

Denise Stroda setzt sich gegen Melanie Schober durch …

... aber Lethe kann ihren Schuss abwehren ...

… aber Lethe kann ihren Schuss abwehren …

... doch sie bekommt die zweite Chance ...

… doch sie bekommt die zweite Chance …

... doch Schober blockt ab!

… doch Schober blockt ab!

Gegen das Nachsetzen von Jaqueline Rohr ...

Gegen das Nachsetzen von Jaqueline Rohr …

... sind sie jedoch machtlos - 4:3 für Bramfeld

… sind sie jedoch machtlos – 4:3 für Bramfeld

Bereits jetzt war es ein verrücktes Spiel. Die Gäste wirkten schon mausetot und nun wiederbelebt durch drei Tore binnen 12 Minuten. Und noch blieben ihnen 26 Minuten für mindestens zwei weitere Treffer. Aber sie mussten auch aufpassen, denn trotz schwindenden Kräften war Altona 93 noch für Konter gut. Einen schloss Spaller nach Pass von Witte jedoch nur mit einem harmlosen Roller ab. Auch Etje Schröders Volleyschuss in der 67. Minute war ungefährlich für das Tor von Rehfeldt. Die Gegenwehr der Altonaerinnen ließ die Gäste, die nun hohes Risiko gingen, etwas verkrampfen. Blumroth fehlte in der 69. Minute von der Strafraumgrenze die Genauigkeit. Auf der Gegenseite vergab Schleinitz per Kopf deutlich nach Eckball von Spaller.

Manja Spaller kommt zum Abschluss ...

Manja Spaller kommt zum Abschluss …

... den schnappt sich Andrea Rehfeldt sicher

… den schnappt sich Andrea Rehfeldt sicher

Für Bramfeld war es ein Tanz auf der Rasierklinge. Aber sie mussten alles nach vorn werfen, um noch drei Tore zu erzielen, denn es hatte sich auch auf der Tribüne herumgesprochen, dass Tabellenführer Duwo 08 gegen den TSC Wellingsbüttel mit 2:0 vorne lag. In der 74. Minute fand Schimpfs Halbfeldflanke im Strafraum Jaqueline Rohr, die aus elf Metern direkt links vorbei zielte.

Bramfeld jetzt bissiger, wie Josephine Scholz gegen Melanie Schober beweist

Bramfeld jetzt bissiger, wie Josephine Scholz gegen Melanie Schober beweist

Dorit Evers überspringt Swantje Kuhr

Dorit Evers überspringt Swantje Kuhr

Zu allem Überfluss musste knapp zehn Minuten vor dem Ende auch noch Kapitänin Blumroth humpelnd vom Feld und wurde durch Daniela Bartocha ersetzt. Schlecht für Bramfeld. Oder? Die Neue war gerade 20 Sekunden auf dem Feld, als eine Ablage quer zu ihr kam. Bartocha hielt von der Strafraumgrenze einfach drauf, Lethe war noch dran, aber der Ball senkte sich hinter ihr doch in die Maschen – das 3:5 in der 80. Minute! Bramfelds Coach löste die Viererkette auf, wollte noch mehr Druck gegen inzwischen müde AFC-Deerns. Sie taten es, drückten und drängten und stürmten auf das Tor von Kerstin Lethe. Doch Hoffmanns Schuss aus 25 Metern flog am Kasten vorbei.

Catharina Schimpf bejubelt das 20-Sekunden-Tor von Daniela Bartocha zum 3:5

Catharina Schimpf bejubelt das 20-Sekunden-Tor von Daniela Bartocha zum 3:5

Noch vier Minuten regulär. Die eingewechselte Josephine Scholz steckte den Ball zentral durch die Abwehrkette der Gastgeberinnen auf Schimpf, die Mittelfeldspielerin nahm ihn mit, legte ihn an Lethe vorbei und dann ins leere Tor. Das hatte nun sogar der Altonaer Anhang begriffen, der nach das ganze Spiel andauernden Anfeuerungen und hämischen Gesängen Richtung Bramfeld angesichts dieses Umstands schlagartig verstummte.

Jetzt ist Schimpf selbst Torschützin des 3:6 und wird von Tatjana Schulz umarmt

Jetzt ist Schimpf selbst Torschützin des 3:6 und wird von Tatjana Schulz umarmt

Bramfeld versuchte es mit der Brechstange. Nach Freistoß von Schimpf köpfte Evers links vorbei (89.). In der 90. Minute flankte Lentfer hoch in den Sechzehner, nach Fehler von Schober rauschte Schulz heran und nahm das Leder mit vollem Risiko – aus elf Metern über die Latte! Das wäre es gewesen… Aber einen Torschuss hatten sie noch. Den wagte Bartocha aus 23 Metern, doch er stellte Lethe vor keine Schwierigkeiten.

Dorit Evers kommt nach Schimpfs Freistoß am kurzen Pfosten zum Kopfball ...

Dorit Evers kommt nach Schimpfs Freistoß am kurzen Pfosten zum Kopfball …

... setzt ihn aber am langen Eck vorbei

… setzt ihn aber am langen Eck vorbei

Tatjana Schulz hat die Riesenchance, alles klarzumachen ...

Tatjana Schulz hat die Riesenchance, alles klarzumachen …

... und jagt das Runde über das Eckige

… und jagt das Runde über das Eckige

Und dann war Schluss. Bei Altona 93, das seit Monaten im Training nicht mal elf Spielerinnen zusammen bekam, war man nur froh über das Saisonende. Beim BSV hingegen regierte Unsicherheit: Reichte der 6:3-Sieg? Die Akteurinnen wussten es nicht und wurden erstmal von Manuel Alpers vor der Bank zusammengerufen.

Torwarttrainer Uhlemann mahnt zur Ruhe, Manuel Alpers telefoniert Richtung Ohlstedt, und während die anderen Ersatzspielerinnen bange warten, scheint Helen Akosua Ayidzoe zu fragen: "Was denn nun? Haben wir es gepackt?"

Torwarttrainer Uhlemann mahnt zur Ruhe, Manuel Alpers telefoniert Richtung Ohlstedt, und während die anderen Ersatzspielerinnen bange warten, scheint Helen Akosua Ayidzoe zu fragen: „Was denn nun? Haben wir es gepackt?“

Und dort erfuhren sie, was auf der Tribüne noch niemand ahnte: Giulia Allegrino hatte in der 73. Minute für den TSC Wellingsbüttel gegen Duwo 08 verkürzt, und beim 2:1 war es geblieben. Das bedeutete, der 6:3-Sieg Bramfelds reichte in der knappsten aller möglichen Entscheidungen zum Meistertitel! Gleiche Punktzahl, gleiche Tordifferenz, aber ein mehr geschossenes Tor entschied die Meisterschaft zugunsten des Teams vom Gropiusring, bei dem nun alle Dämme brachen. Tragisch für Duwo 08, doch letztlich hatte es der Tabellenführer selbst in der Hand gehabt.

Sekunden später großer Jubel: Das 6:3 reichte zum Meistertitel!

Sekunden später großer Jubel: Das 6:3 reichte zum Meistertitel!

Unbändige Freude

Unbändige Freude

Auch Andrea Rehfeldt, 50 Minuten zuvor völlig geknickt, kann wieder lachen, während sie am Telefon das Geschehene erzählt

Auch Andrea Rehfeldt, 50 Minuten zuvor völlig geknickt, kann wieder lachen, während sie am Telefon das Geschehene erzählt

Damit verlängert sich für den neuen Hamburger Meister die Saison um zwei Spiele: Nach dem Pokalfinale am kommenden Samstag gegen Regionalliga-Vizemeister Bergedorf 85 stehen noch die beiden Spiele um den Aufstieg in die Regionalliga Nord an. Am 28. Mai (Pfingstmontag) fährt das Alpers-Team zum schleswig-holsteinischen Meister TSV Ratekau, der als Aufsteiger gleich durchmarschieren will. Sechs Tage später kommt dann der Bremer Vertreter ATS Buntentor nach Steilshoop.

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