Der Chefdemagoge der BamS …

… heißt möglicherweise Michael Backhaus. Aktuell hat er einen Kommentar geschrieben, der – typisch BILD – wieder einmal unsachlich gegen den anscheinend größten Feind im Land geht, wenn man die Presselandschaft so überblickt: Die Piratenpartei. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er gern FDP-freundliche Kommentare schreibt, Patrick Döring eine Selbstdarstellungsplattform ein freundliches Interview ermöglicht und die Piraten der FDP den Rang abzulaufen drohen. Aktuell feuert er unter dem Titel „Umsonst ist geklaut“ gegen die Piraten – bemerkenswerterweise sogar unter Verzicht auf Nazi-Anspielungen! Das will was heißen, wenn das Thema selbst ihm zu billig ist…

Nehmen wir seine Aussagen also mal auseinander…

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Eigentlich nicht. Wer sich das Parteiprogramm der Piraten ansieht, findet heraus, dass „geistiges Eigentum“ als Thema gerade zwei von insgesamt neunzehn programmatischen Punkten belegt. Daneben gibt es Themen wie „Offene Standards“, „Privatsphäre und Datenschutz“, „Bildung“, „Geschlechter- und Familienpolitik“, Drogen- und Suchtpolitik und einiges mehr. Im Wahlprogramm für NRW 2012 spielt das Thema „geistiges Eigentum“ praktisch gar keine Rolle, abgesehen von der Offenlegung öffentlich geförderter Forschungsergebnisse.

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Das ist nur bedingt richtig. Die Piraten sprechen sich gegen technische Kopierschutzmaßnahmen zur Behinderung der berechtigten Nutzung und zur Schaffung einer künstlichen Verknappung aus. Damit ist nichts anderes gemeint, als dass ein beispielsweise via iTunes gekaufter Song auch auf einem herkömmlichen MP3-Player abspielbar sein sollte. Gleiches gilt dann auch für andere Werke, beispielsweise das Audible-Format. Ebenso sprechen sie sich dagegen aus, das nicht-kommerzielle Kopieren – sprich: Das Weitergeben von MP3s auf dem Schulhof und ähnliche Vorgänge – zu entkriminalisieren. Diese Verbreitung sei sogar im Interesse der Urheber, was angesichts des Umstandes, dass beispielsweise Die Ärzte ihr aktuelles Album selbst bei Youtube eingestellt haben, wohl nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Je mehr Menschen von einem Werk Notiz nehmen, desto mehr Menschen entlohnen dies auch.

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Hier übersieht Backhaus die sich aufdrängende Frage: Welcher Markt? Wenn Rihanna ein neues Album herausbringt, erscheint es bei einem einzigen Konzern, derzeit Universal Music. Die Verträge verhindern, dass das gleiche Album auch bei einem anderen Konzern, etwa Sony Music, erscheint und somit ein Preiskampf möglich wäre. Somit hat Universal faktisch ein Monopol auf die Songs von Rihanna. Gleichzeitig verhindert das Urheberrecht, dass ein anderer Künstler die gleichen Lieder selbst gesungen bei einem anderen Verlag herausbringt – es sei denn, er zahlt Tantiemen, von denen dann auch Rihanna profitiert. Natürlich unter der Voraussetzung, dass Universal überhaupt dazu bereit ist, einen anderen Künstler die gleichen Stücke singen zu lassen. Das sieht bei Kinofilmen, Büchern und auch im Zeitungswesen (Stichwort „Total-Buyout“) nicht anders aus.

Eine schöne Stilblüte folgt dann:

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Ehrlich? Ich wüsste nicht, dass Microsoft („Internet Explorer“), Google („Google Chrome“, „Firefox“), Apple („Safari“, „iTunes“), Facebook, Oracle („MySQL“, „OpenOffice“), Avira („Anti-Virus“) oder Adobe („Reader“, „Flash Player“) bereits untergegangen wären. Alle diese geben materielles oder geistiges Eigentum kostenlos ab. Kein populärer Browser, auch nicht Opera, kostet Geld. Ganze Office-Pakete wie OpenOffice oder dessen Fork LibreOffice werden kostenlos abgegeben. Ebenso Antivirenprogramme und Personal Firewalls wie etwa ZoneAlarm oder Comodo Internet Security. Und es gibt eine ganze Reihe kostenloser, freier Programme wie etwa der MySQL-Client HeidiSQL, das FTP-Programm Filezilla, Editoren wie Notepad++, Dateipacker wie 7-Zip oder auch Entwicklungsumgebungen wie Lazarus, in die Programmierer, teils mit Unterstützung großer Softwareunternehmen, viel Zeit und Hirnschmalz gesteckt haben.

Das alles ist für Michael Backhaus anscheinend böse, ja geradezu ein realsozialistisches Teufelswerk. Wo kämen wir hin, wenn man Leistungen ohne Gegenleistung erbringt? Demnach müssten ja die ganzen Tafeln oder auch die Bahnhofsmission ein Werk Luzifers sein…

Lustig wird es allerdings, wenn man sich mal die Webseite von Bild.de ansieht. Dort gibt es nämlich einen Download-Bereich, an dem BILD.de durch Werbung mitverdient. Dieser beinhaltet – kostenlose und freie Software! So zum Beispiel die Content-Management-Systeme Drupal, WordPress und Typo3, mit denen viele professionelle Internetauftritte erstellt werden. Aber auch andere Tools werden dort angeboten, etwa die Shareware „CoffeeCup GIF Animator“. In den Download-Charts ganz vorn: Avira Free Antivirus 2012, CCleaner, der VLC Media Player, eine kostenlose Vollversion des Ashampoo Burning Studio 6 oder auch SopCast – ein Programm zum kostenlosen Empfang von TV-Streams, das ComputerBILD selbst Anfang 2011 als illegal brandmarkte! Uuuups…

Aber weiter mit der Demagogie des Herrn Backhaus.

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Schauen wir mal, was die Piraten dazu sagen. Allein im Forum ist das Thema unter Mitgliedern und Nahestehenden kontrovers diskutiert, in mehr als hundert Threads. Eine genaue Ausgestaltung gibt es nicht. Im Gegenteil: Diesen Punkt haben die Piraten bewusst offen formuliert. Das BGE ist Teil des Programmpunktes „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ – und greift damit ein Problem auf, das gerade die OSZE in Deutschland wiederholt bemängelt hat. Es soll ein Einkommen zur Existenzsicherung für jeden garantieren und damit das Recht auf Menschenwürde wahren. Definitiv ist nur der Satz: „Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum.“

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Auch das hat Herr Backhaus (gewollt?) gründlich missverstanden. Erstens ist dies keine Forderung der Bundespiraten. Erstmals kam die Forderung in Berlin zur Abgeordnetenhauswahl auf. Gefordert wurde ein fahrscheinloser ÖPNV, kostenlos nur in dem Sinne, dass keine Fahrscheine mehr gelöst und keine Zahlungen am Automaten mehr veranlasst werden sollen. Die Finanzierung sollte über kommunale Abgaben gesichert werden. Ein solches Modell versuchte Christopher Lauer kürzlich in „log in“ auf ZDFinfo zu erklären, wurde dabei aber vom Moderator abgewürgt, weil dies „zu technisch“ sei…

Sind die Piraten also DDR-ähnliche Realsozialisten? Nein, nicht nach Backhaus. Der holt die ganz grobe Keule raus und verfrachtet sich damit endgültig nach Absurdistan.

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]

Die Piraten sind also, zusammengefasst, nach Meinung des Axel-Springer-Verlages böse Nazikommunisten. Und ich dachte, blöder als FOX News geht nicht… Aber eine sehr schöne Einzelleistung, Herr Backhaus!

Herzlichst,
Euer Fuxi

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