Schuss nicht gehört

BILD erstaunt mich immer wieder. Und nicht nur immer wieder, sondern auch immer widerlicher. Wie nennt man eigentlich so ein Dreckspack? Heuchler, Pharisäer – das alles trifft’s doch nicht wirklich! Und wenn man sie nur „Journaille“ oder „Journalisten“ nennt, tut man Leuten wie Stefan Niggemeier, Lukas Heinser, Jens Weinreich, Heribert Prantl oder dem leider viel zu früh verstorbenen Robin Meyer-Lucht wieder mehr als Unrecht.

Nehmen wir doch mal zwei aktuelle Fälle: Zum einen den Kindermord in Emden, zum anderen die Vergewaltigung auf der Schultoilette in Berlin.

Im ersten Fall zeigt sich BILD Online jetzt mitleidig mit dem 17-Jährigen, der zu Unrecht verdächtigt wurde. Da heißt es:

[Zitate nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]
(Quelle: BILD online)

Was fällt auf? Richtig: Schuld sind die Behörden… Über die eigene Rolle in dieser Sache und die eigene Mitschuld am Lynchmob natürlich kein Wort. Aber wie konnte er denn bloß öffentlich identifiziert werden? Vielleicht durch die Beschreibung?

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]
(Quelle: BILD online)

Und natürlich haben die Schmierfinken auch nichts dafür getan, die Stimmung anzuheizen, oder?

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]
(Quelle: BILD online)

Tja, BILD online tut also so, als hätten sie ganz saubere journalistische Arbeit geleistet und beklagen diesen Lynchmob. Wie widerwärtig das hinsichtlich der ehemaligen Sicherungsverwahrten ist, die in Jenfeld in ein ehemaliges Altenheim eingezogen sind – wo BILD einen ähnlichen Lynchmob mit täglicher und tendenziöser „Bericht“erstattung gefüttert und unterstützt hat, fällt fast nicht auf.

Die eigentliche widerliche Perversion wird erst in einem aktuellen Fall deutlich: Der Schultoiletten-Vergewaltigung von Berlin. Da wurde ein Verdächtiger festgenommen. Und guess what: Wieder die gleiche dreckige Masche der identifizierenden „Bericht“erstattung…

[Zitat nach Verabschiedung des Leistungsschutzrechtes für Presseverleger am 1.3.2013 wegen rechtlicher Unklarheit entfernt.]
(Quelle: BILD online)

Und die Schreiberlinge M. Becker, J. Bergmann, K. Horn und A. Pauly nennen noch mehr Details, wie den erlernten Beruf, derzeitigen Arbeitsstatus, Vorstrafen bzw. vorherige Anschuldigungen. Und das alles auf Grundlage des lediglichen Verdachts. Wie im Falle des 17-Jährigen aus Emden.

Schmankerl am Rande: Im Artikel heißt es, das Handy des Verdächtigen sei zur Tatzeit auf dem Schulgelände „eingeloggt“ gewesen. Welcher Blödsinn das ist, mag dem Laien nicht klar sein. Denn wenn es sich nicht um ein Smartphone handelt, das sich automatisch an einem offenen WLAN-Access Point, der von der Schule betrieben sein müsste, eingeloggt hat – und selbst in dem Falle wäre es eine kriminologische Frickelarbeit, die Logfiles des Access Points auszuwerten -, kann damit nur die Anmeldung in einer Funkzelle gemeint sein. Von einer Funkzelle allein auf den exakten Standort zu schließen – und zwar mit der Genauigkeit der Größe eines Schulgeländes -, ist technisch unmöglich. Eine gewöhnliche GSM-Zelle hat einen Radius von 35 Kilometern. In einem dicht besiedelten Gebiet wie Berlin mögen die Funkzellen enger beieinander sein, und dennoch kann man allein aus der automatischen Anmeldung des Handys in einer Funkzelle keinen Schluss auf den exakten Aufenthaltsort ziehen. Sondern nur darauf, ob es sich in diesem Bereich befindet oder nicht.

Aber da zeigt sich dann auch wieder der Nachteil des Internets: Man kann in einer Internetseite selbst keinen toten Fisch einwickeln – obwohl man damit, wie Volker Pispers treffend bemerkte, den toten Fisch beleidigen würde.
Was ich am liebsten mit den Schmierfinken machen würde, darf ich leider nicht sagen – es wäre strafrechtlich zu beanstanden. Obwohl die Beschreibungen der Schmiermedien im Falle Emden ja durchaus interessante Anregungen gegeben haben.

* Anmerkung: Ich habe den Namen des Opfers anonymisiert. Mir ist klar, dass der Klarname bei BILD online zu lesen ist, wenn man den Links folgt. Allerdings will ich mich mit diesem selbstgerechten Pack nicht gemein machen, und in meinem Blogpost geht es allein um die Rolle der Pöbelfütterer, nicht um den Mordfall selbst.

** Anmerkung: Auch der Verdächtige aus Berlin ist nicht der Tat überführt. Ob die Details von der Staatsanwaltschaft stammen oder bloße Gerüchte sind, wird aus dem Artikel ebenfalls nicht klar. Ich habe erneut anonymisiert.

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