Der Pokalsieger stürzt den Tabellenführer

Zweikampf zwischen Janine Thormählen und Carina Blumroth

Zweikampf zwischen Janine Thormählen und Carina Blumroth

Verbandsliga Hamburg 17. Spieltag
Bramfelder SV – SV Wilhelmsburg 1:2 (0:0)

Bramfelder SV: Andrea Rehfeldt [1] – Nina Stietz [20] (74. Dorit Evers [16]), Frauke Graetz [4] (84. Simone Stein [17]), Catharina Schimpf [10], Shirin Lentfer [12] – Julia Hoffmann [23], Carina Blumroth [8] – Denise Stroda [13], Josephine Scholz [9, C], Jaqueline Rohr [15] (74. Sina Ahlers [6]) – Karina Lüth [7]
SV Wilhelmsburg: Jennifer Brandis [1] – Denise Mikeska [4], Anita Mews [2], Bianca Mahnke [5], Nadine Müller [3] (73. Gianna Schween [9]) – Özlem Salman [10] (46. Sharien Mahn [12]), Janine Thormählen [18], Vanessa Zawada [20] – Nadine Riedesel [15] (59. Sandra Nuttelmann [22]), Marika Tokarska [11] – Jessica Pais Baptista [7]
Schiedsrichter: Jörg Blume mit Ulf Maaß und Timo Clausen (alle USC Paloma)
Tore: 0:1 Tokarska (64.), 0:2 Hoffmann (82., Eigentor), 1:2 Scholz (89.)
Gelbe Karten: Ahlers (80.) / –

Spielbericht

Dass es für das Überraschungsteam der Liga, den Bramfelder SV, kein leichter Gang werden würde, war klar. Zwar waren die Bramfelderinnen souverän Tabellenführer vor Duwo 08 und Meister SC Eilbek, während der Gast aus Wilhelmsburg auf Rang fünf lag. Doch das Tabellenbild täuschte etwas. Denn trotz der zwölf Punkte Vorsprung des Titelaspiranten war das Torverhältnis beider Teams ähnlich, für den amtierenden Pokalsieger aus Wilhelmsburg sogar einen Tick besser. Sie waren nur in der Hinrunde nicht effektiv genug gewesen, um immer die Punkte mitzunehmen – wie im Hinspiel, als Bramfeld durch einen Doppelpack kurz vor der Pause den 2:1-Sieg einfuhr. Die Zuschauer auf der Anlage am Gropiusring, die der Bramfelder See vom Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf trennte, würden also sehr wahrscheinlich eine enge und packende Partie zu sehen bekommen.

Marika Tokarska kann Denise Stroda noch am Torschuss hindern

Marika Tokarska kann Denise Stroda noch am Torschuss hindern

Die Anfangsphase war dann auch arm an Höhepunkten. Beide Teams tasteten einander auf Augenhöhe ab. Nach einer knappen Viertelstunde wurde der Bramfelder SV zumindest mutiger und probierte es mit Distanzschüssen. Den ersten feuerte Carina Blumroth aus gut 30 Metern über das Tor (12.), den zweiten setzte sie aus kaum geringerer Entfernung links neben den Kasten, und erst beim dritten Versuch von Nina Stietz musste Wilhelmsburgs Torhüterin Jennifer Brandis erstmals eingreifen. Den Volley aufs lange Eck aus gut 30 Metern schnappte sie sich im Nachfassen (17.). Ansonsten aber gab es für beide Mannschaften kaum ein Durchkommen. Aber der BSV schien nun etwas stärker zu werden und durch eine kompakte Formation Mitte des ersten Spielabschnitts Ballgewinne zu erzwingen. Nur die Hereingaben von den Außenpositionen waren deutlich zu ungenau, landeten meistens hinter dem Tor. Wilhelmsburg verlegte sich auf Konter und versuchte, Bramfeld durch viele Positionswechsel, wie sie für das Spiel der Elbinsulanerinnen typisch sind, zu verwirren. Gleichzeitig beschwerten sich Offensivspielerinnen wie Torjägerin Janine Thormählen oder Vanessa Zawada über mangelnde Unterstützung in den eigenen Reihen.

Bramfelds Torjägerin Rohr, hat gegen Müller und Mikeska die Nase vorn

Bramfelds Torjägerin Rohr, hat gegen Müller und Mikeska die Nase vorn

Ein Leckerbissen war diese Begegnung zu diesem Zeitpunkt nicht. Interessant anzusehen war sie durchaus, und der Bramfelder SV tat mehr dafür, näherte sich auch mit seinen Torabschlüssen langsam dem Wilhelmsburger Kasten an. Der Wilhelmsburger Spielaufbau war selten durchdacht, Bramfeld mehr um Linie bemüht. So versuchte es Denise Stroda nach 25 Minuten immerhin schon mal aus 20 Metern. Ihr Schuss war für Brandis keine harte Prüfung. Die beste Gelegenheit der ersten halben Stunde hatte wieder Stroda, die einen Diagonalpass von Blumroth mitnahm und Bianca Mahnke im Strafraum ausspielte. Beim Schuss wurde sie noch gestört, und Brandis hielt sicher.

Diesen Schuss von Stroda aus 20 Metern hält Wilhelmsburgs Torhüterin Brandis sicher

Diesen Schuss von Stroda aus 20 Metern hält Wilhelmsburgs Torhüterin Brandis sicher

In der Folge ließ der Zwischenstadt-Club jedoch nach, und der Pokalsieger kam zu Möglichkeiten. Routinier Nadine Riedesel brachte eine Flanke von der linken Seite an den kurzen Pfosten, aber Marika Tokarska köpfte über die Querlatte. Es war nach 33 Minuten der erste erwähnenswerte Torabschluss der bis dahin harmlosen Gäste. Kurz vor der Pause ergab sich noch einmal eine Szene. Thormählen schickte Tokarska auf den Weg in die Tiefe des Raumes. Die Offensivspielerin legte den Ball noch an Stroda vorbei, ehe sie, anstatt zu schießen, nochmal quer ablegte. Zawada nahm ihn an und schoss von der Strafraumgrenze stramm über das Tor.

Marika Tokarska lässt Frauke Graetz ins Leere laufen und passt quer ...

Marika Tokarska lässt Frauke Graetz ins Leere laufen und passt quer ...

... auf Vanessa Zawada, deren Schuss ...

... auf Vanessa Zawada, deren Schuss ...

... über die Latte des Bramfelder Tores geht

... über die Latte des Bramfelder Tores geht

Trotz dieser Verteilung von Torszenen und Spielanteilen, war das 0:0 zur Pause durchaus leistungsgerecht. Klare Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware, auch wenn sich der BSV Vorteile erspielen konnte, während Wilhelmsburg mit dem Spielaufbau Probleme hatte. SVW-Coach Andreas Pehl sah sich zu Veränderungen gezwungen. Nachdem die linke Flügelspielerin Özlem Salman schon während der Partie mit ihrem rechten Pendant Vanessa Zawada die Position tauschen musste, blieb sie nach der Pause draußen und wurde durch Sharien Mahn ersetzt. Bramfeld kam unverändert aus der Kabine.

Wilhelmsburgs Denise Mikeska spitzelt Jaqueline Rohr den Ball weg

Wilhelmsburgs Denise Mikeska spitzelt Jaqueline Rohr den Ball weg

Doch zunächst ging die Schwächephase, die kurz vor der Halbzeit begonnen hatte, weiter, und Wilhelmsburg erspielte sich optische Vorteile, jedoch ohne daraus Chancen zu generieren. Die hatte der Tabellenführer. Und was für welche! In der 56. Minute stand Jaqueline Rohr nach einer Flanke von Stroda völlig blank im Fünfmeterraum – und köpfte rechts vorbei. Zwei Minuten später brachte Blumroth einen Eckball herein, und auch der Kopfball von Catharina Schimpf verfehlte den Kasten. Die ehemalige Bundesligaspielerin des HSV war von ihrem Trainer Manuel Alpers inzwischen von der Innenverteidigung ins Mittelfeld beordert worden. Es sollte ein Schlüssel für den Ausgang der Partie werden. Zunächst schien es, als würde Bramfeld wieder etwas drängender, der Wilhelmsburger Schwung verpuffte, und die Gäste blieben bis dahin harmlos. Nach einer knappen Stunde musste Wilhelmsburg verletzungsbedingt zum zweiten Mal auswechseln, Sandra Nuttelmann kam für Nadine Riedesel ins Spiel.

Carina Blumroth klärt kraftvoll gegen Jessica Pais Baptista

Carina Blumroth klärt kraftvoll gegen Jessica Pais Baptista

Und ihre Mannschaft machte wieder einmal auf sich aufmerksam. Zawada lupfte den Ball aus dem Halbfeld hinter die Abwehr. Tokarska war gestartet und hatte freie Bahn. Vor Andrea Rehfeldt traf sie den Ball nicht richtig, und doch kullerte er an der BSV-Torhüterin vorbei ins lange Eck – 0:1 (64.). Dem Spielverlauf nach kam der Treffer gleichwohl überraschend, hatte sich nicht abgezeichnet. Der Bramfelder SV antwortete zwar mit zwei Möglichkeiten, von denen eine richtig gut war, dennoch wirkten sie geschockt vom Rückstand. Schimpfs Drehschuss zwei Minuten nach dem 0:1 ging harmlos links am Tor vorbei. In der 70. Minute kam Blumroth über den rechten Flügel und flankte halbhoch an den Fünfmeterraum. Stroda stand vollkommen frei vor dem Kasten, hielt den Fuß hin – und setzte das Leder links vorbei. Unglaublich, was Bramfeld an Chancen liegen ließ.

Nach dem Lupfer von Vanessa Zawada hat Marika Tokarska freie Bahn ...

Nach dem Lupfer von Vanessa Zawada hat Marika Tokarska freie Bahn ...

... trifft den Ball nicht richtig ...

... trifft den Ball nicht richtig ...

... und überwindet dennoch Andrea Rehfeldt ...

... und überwindet dennoch Andrea Rehfeldt ...

... zum 0:1

... zum 0:1

Und dafür wurden sie beinahe bestraft. Rehfeldt musste einen direkten Freistoß von Zawada aus 25 Metern über die Latte lenken. Wilhelmsburg spielte weiter nach vorn und bekam auch durch den Doppelwechsel des BSV, bei dem Sina Ahlers und Dorit Evers nun Jaqueline Rohr und Nina Stietz ersetzten, Räume. Jessica Pais Baptista prüfte Rehfeldt nach 77 Minuten erfolglos.

Kopfballduell zwischen Carina Blumroth und Janine Thormählen

Kopfballduell zwischen Carina Blumroth und Janine Thormählen

Bramfeld wurde hektischer. Gerade fünf Minuten auf dem Feld, kassierte Ahlers für ihr Einsteigen gegen Zawada die einzige Verwarnung des ansonsten fairen Spiels. Aber es sah so aus, als würde der Gast den Tabellenführer auf Distanz halten können. 82. Minute: Tokarska brachte einen Eckball von rechts herein. Rehfeldt boxte den Ball zu kurz aus dem Fünfmeterraum, von Nuttelmann sprang der Ball zu Julia Hoffmann, und die bugsierte ihn beim Klärungsversuch über die eigene Schlussfrau hinweg ins eigene Netz – 0:2.

Rehfeldt verhindert mit einer tollen Parade das 0:2 durch den Freistoß von Zawada

Rehfeldt verhindert mit einer tollen Parade das 0:2 durch den Freistoß von Zawada

War das die Vorentscheidung? Manuel Alpers zog den letzten Joker, nahm Innenverteidigerin Frauke Graetz vom Feld und brachte Simone Stein. Die flankte in der 88. Minute einen Eckball von links in den Strafraum, und am Ende einer Kopfballstaffette über Schimpf, Evers und Ahlers flog die Kugel über die Latte. Glück für Wilhelmsburgs Schlussfrau Brandis, die sich beim Herauslaufen verschätzte und Ahlers nicht am Kopfball hindern konnte.

Gute Bramfelder Möglichkeit: Catharina Schimpf köpft quer ...

Gute Bramfelder Möglichkeit: Catharina Schimpf köpft quer ...

... Dorit Evers an den Fünfmeterraum ...

... Dorit Evers an den Fünfmeterraum ...

... und Jennifer Brandis kommt beim Kopfball von Sina Ahlers zu spät ...

... und Jennifer Brandis kommt beim Kopfball von Sina Ahlers zu spät ...

... hat aber Glück, dass der Ball über das Tor geht

... hat aber Glück, dass der Ball über das Tor geht

Eine Minute später schickte Schimpf rechts Shirin Lentfer auf die Reise. Deren Flanke landete bei einer Abwehrspielerin, die genau zu Josephine Scholz köpfte. Die BSV-Kapitänin schoss von der Strafraumgrenze hoch aufs Tor, und Brandis konnte ihn nicht mehr entscheidend ablenken. Aber kam das 1:2 in der 89. Minute zu spät, oder wurde es hier noch einmal eng?

Nach Abwehr der Gäste kommt Josephine Scholz an der Strafraumgrenze zum Schuss ...

Nach Abwehr der Gäste kommt Josephine Scholz an der Strafraumgrenze zum Schuss ...

... zieht den Ball über die heranstürmenden Gäste hinweg ...

... zieht den Ball über die heranstürmenden Gäste hinweg ...

... Torhüterin Jennifer Brandis versucht noch einzugreifen ...

... Torhüterin Jennifer Brandis versucht noch einzugreifen ...

... und ist trotzdem zum 1:2 geschlagen

... und ist trotzdem zum 1:2 geschlagen

In der Nachspielzeit hätte zunächst Janine Thormählen für Wilhelmsburg alles klar machen können, sie schoss aber nach Ablage von Pais Baptista am Tor vorbei. Die letzte Möglichkeit hatte der Bramfelder SV. Schimpf, deren Verschiebung ins Mittelfeld wohl mitentscheidend gewesen war, wurde lang halbrechts in den Strafraum geschickt. Aus spitzem Winkel versuchte sie, Brandis zu überwinden – und schoss am langen Pfosten vorbei. Danach war Schluss.

Die letzte Chance: Catharina Schimpf im Strafraum ...

Die letzte Chance: Catharina Schimpf im Strafraum ...

... versucht es mit dem Schuss ...

... versucht es mit dem Schuss ...

... auf die lange Ecke ...

... auf die lange Ecke ...

... und scheitert - es bleibt beim 1:2

... und scheitert - es bleibt beim 1:2

Der Wilhelmsburger Sieg war nicht ganz unverdient, wenn auch etwas schmeichelhaft. Dem BSV fehlte in der zweiten Halbzeit eine klare spielerische Linie, insbesondere durch die Umstellungen. Vielleicht in dem Irrglauben, den Gäste müssten ob ihrer Routine langsam die Kräfte schwinden, wurde die Abwehrreihe geschwächt, um selbst einen Sieg herbeizuführen. Nach vorn mangelte es überraschend an Konzentration im Abschluss und an Durchsetzungsfähigkeit. Vor allem aber waren Ballverluste ausschlaggebend. Damit machten sie Wilhelmsburg stark. War das 0:1 auf eine Unaufmerksamkeit zurückzuführen, war der zweite Gegentreffer Pech. Das Aufbäumen mit dem 1:2 kam zu spät. So kämpften die Gäste erfolgreich für einen Sieg, der wegen des hohen Aufwands durchaus verdienstvoll zustande kam.

Enttäuschung bei Carina Blumroth und Manuel Alpers

Enttäuschung bei Carina Blumroth und Manuel Alpers

Erleichterung hingegen beim Sieger SV Wilhelmsburg

Erleichterung hingegen beim Sieger SV Wilhelmsburg

Durch die Niederlage büßte der Bramfelder SV seine Tabellenführung ein, denn Verfolger Duwo 08 gewann beim SC Vier- und Marschlande und setzte sich an die Spitze. Aber in zwei Nachholspielen gegen Wellingsbüttel und Wilhelmsburg kann sich Meister SC Eilbek Anfang April wieder an die Spitze setzen. Der gewann am Vortag mit Mühe 3:2 gegen den SC Nienstedten. Im Pokal könnte es erst im Finale ein Wiedersehen zwischen dem Bramfelder SV und dem SV Wilhelmsburg geben: Im Halbfinale muss Bramfeld Mitte April gegen den SC Vier- und Marschlande antreten, der SV Wilhelmsburg muss zum Sieger der Viertelfinalpartie zwischen Verbandsliga-Primus Duwo 08 und Regionalliga-Tabellenführer Bergedorf 85.

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