„Das ist soo unverdient !“

 

Große Freude über den späten Sieg

Große Freude über den späten Sieg

Schleswig-Holstein-Liga, 16. Spieltag
SV Henstedt-Ulzburg – Holstein Kiel II. 2:1 (1:0)

SV Henstedt-Ulzburg: Berith Voigt [1] – Katarina Jansen [2], Jennifer Torba [11], Maike Tiarks [10, C], Britt Siebert [8] – Mareike Schmedes [4] (46. Dagmar Runge [3]), Josefine Krengel [15], Nadja Schubring [6], Sonja Jaacks [7] – Kathrin Patzke [14], Kimberly Zietz [9]
Holstein Kiel II.: Janina Bornhöft [1] – Sandra Müller [16] (55. Rosa Perez Traulsen [5] / 82. Sabine Pürwitz [17]), Stefanie Mohr [3], Louisa Brauer [2], Lisa Lorenzen [12] (20. Laila Feuerhake [10]) – Annika Bahr [15, C] – Iytte Stelck [18] (37. Jenny Riemer [4]), Eda Kahveci [6], Sabrina Eckhoff [7], Sabine Pürwitz [17] – Eve Saine [20]
Schiedsrichterin: Martina Jänicke (ESV Hansa Lübeck)
Tore: 1:0 Jaacks (12.), 1:1 Stelck (78.), 2:1 Zietz (90.+3)
Gelbe Karten: Patzke (87.), Schubring (88.) / Feuerhake (55.)

Spielbericht

Für den SV Henstedt-Ulzburg ist der Rückrundenstart wie eine Kieler Woche. Nach dem 5:0 gegen Rot-Schwarz stand nun das Heimspiel gegen Holstein II. auf dem Plan. Mit den beiden Ex-Bundesligaspielerinnen Kathrin Patzke und Josefine Krengel war der Sechste gegen den Neunten favorisiert. Im Spiel sah man davon allerdings nichts.

Zweikampf zwischen Eve Saine und Nadja Schubring

Zweikampf zwischen Eve Saine und Nadja Schubring

Von Beginn an war Holstein Kiel II. die entschlossenere Mannschaft und erspielte sich Feldvorteile. Nach 29 Sekunden prüfte Sabrina Eckhoff erstmals Berith Voight im Henstedt-Ulzburger Tor. Die Gastgeber mussten sich in der ersten Viertelstunde einiger Angriffe erwehren und schafften selbst selten das Umschalten in die Offensive. Nach 12 Minuten kamen die Frauen von der Alsterquelle erstmals gefährlich vor das Kieler Tor. Patzke kam halblinks in Ballbesitz, zog in enger Ballführung in den Strafraum und legte den Ball von der Grundlinie quer. Den Versuch von Kimberly Zietz konnte Janina Bornhöft im Kieler Kasten noch mit dem Fuß abwehren, gegen den Abstauber von Sonja Jaacks war sie jedoch machtlos. Das 1:0 kam überraschend und war zu diesem Zeitpunkt sehr schmeichelhaft für die Platzherrinnen.

Kathrin Patzke setzt vor Sabrina Eckhoff zum Dribbling an ...

Kathrin Patzke setzt vor Sabrina Eckhoff zum Dribbling an ...

... überläuft auch Louisa Brauer ...

... überläuft auch Louisa Brauer ...

... passt in die Mitte zurück ...

... passt in die Mitte zurück ...

... Kimberly Zietz kommt unbehelligt zum Abschluss ...

... Kimberly Zietz kommt unbehelligt zum Abschluss ...

... kann Janina Bornhöft noch mit dem Fuß abwehren ...

... kann Janina Bornhöft noch mit dem Fuß abwehren ...

... aber Sonja Jaacks staubt ab ...

... aber Sonja Jaacks staubt ab ...

... und Janina Bornhöft ist geschlagen

... und Janina Bornhöft ist geschlagen

"Ich war's!"

"Ich war's!"

Nach dem Treffer kam Henstedt-Ulzburg besser ins Spiel, die Angriffe versandeten aber oft in der Abwehr der Störchinnen. Deren Offensivbemühungen waren indes auch nicht von Erfolg gekrönt. Nach schnellem Spiel durch das Mittelfeld waren die entscheidenden Anspiele an und in den Strafraum oft zu ungenau. So entwickelte sich eine unansehnliche Begegnung zwischen den Strafräumen, zu deren Highlights nach 19 Minuten eine abgerutschte Zietz-Flanke gehörte, die am langen Toreck vorbeiflog. Das Spiel der Gastgeberinnen war geprägt von Pässen auf Patzke, die das Dribbling bis zur Torauslinie suchte, und damit zu einseitig, um Holstein Kiel zu überraschen. Auf dem anderen Flügel hing Torschützin Jaacks dagegen meist in der Luft, und wurde sie doch ins Spiel einbezogen, fehlte ihr die Unterstützung durch die linkslastige Taktik ihres Teams.

Josefine Krengel gewinnt das Laufduell gegen Eda Kahveci ...

Josefine Krengel gewinnt das Laufduell gegen Eda Kahveci ...

... aber Kiels Kapitänin Annika Bahr hat aufgepasst

... aber Kiels Kapitänin Annika Bahr hat aufgepasst

In der 33. Minute war sie es jedoch, die nach schönem Pass in die Tiefe von Krengel das 2:0 hätte machen können. Ihr Schuss von knapp außerhalb des Fünfmeterraums wurde die Beute von Bornhöft, deren Parade wirklich sehenswert war. Fünf Minuten später konnte Patzke ihre Schnelligkeit und Technik mal gewinnbringend anwenden, als sie einen Fehler von Louisa Brauer nutzte und mit dem Ball in den Strafraum eindrang. Nachdem sie Bornhöft umspielt hatte, brachte sie das Leder nicht mehr kontrolliert aufs Tor. Es hatte den Anschein, als käme der SV Henstedt-Ulzburg nun ins Rollen.

Sonja Jaacks hat das 2:0 auf dem Fuß ...

Sonja Jaacks hat das 2:0 auf dem Fuß ...

... aber Janina Bornhöft hat aufgepasst ...

... aber Janina Bornhöft hat aufgepasst ...

... und hält den knappen Rückstand fest

... und hält den knappen Rückstand fest

Nach 41 Minuten leitete Jennifer Torba mit einem Ballgewinn im Mittelfeld eine Kombination über Zietz und Patzke ein, an deren Ende Zietz vom Fünfmeterraum nur die Latte traf. Die letzte Chance der ersten Hälfte hatte Kathrin Patzke, als sie, anstatt eine besser postierte Mitspielerin in Szene zu setzen, eigensinnig mit dem schwächeren linken Fuß abschloss und Bornhöft nicht ernsthaft prüfte.

Kimberly Zietz hat die Großchance zum 2:0 ...

Kimberly Zietz hat die Großchance zum 2:0 ...

... Janina Bornhöft wäre machtlos, aber die Latte rettet

... Janina Bornhöft wäre machtlos, aber die Latte rettet

Schiedsrichterin Martina Jänicke bat 40 Sekunden zu früh zum Pausentee. Insgesamt machte sie einen guten Eindruck, den sie in der zweiten Halbzeit aber deutlich zerstören sollte. Die Partie war auf schwachem Niveau, und das Chancenverhältnis zugunsten der Heimmannschaft gab den Spielverlauf nicht wieder. Holstein Kiel spielte gut nach vorn, war aber unschädlich für das SVHU-Tor. Dabei offenbarten die Südholsteinerinnen einige Schwächen, die ein gefährlicherer Gegner zu nutzen gewusst hätte. Angefangen bei Patzke, die immer wieder zu egoistischen, leicht zu berechnenden Soli ansetzte.

Sabine Pürwitz versucht das Kieler Spiel anzutreiben

Sabine Pürwitz versucht das Kieler Spiel anzutreiben

Zur zweiten Halbzeit wechselte HU-Coach Siemers aus, brachte auf der linken Seite Dagmar Runge für die angeschlagene Mareike Schmedes herein. Die Kielerinnen tauschten nicht aus, hatten dies allerdings auch schon in der ersten Halbzeit zweimal getan. Der schleswig-holsteinische Großclub, im Jahr 2009 aus SV Henstedt-Rhen, FC Union Ulzburg und MTV Henstedt entstanden und mit rund 5.500 Mitgliedern fast viermal größer als der Gast aus der Landeshauptstadt, begann besser. Nach einem schnellen Einwurf von Zietz zog Patzke in den Strafraum. Ihren Schuss aus 12 Metern hielt Bornhöft im kurzen Eck (47.). Dann aber kamen die Kielerinnen. Deren Weckruf war eine Chance für Eve Saine, die eine Freistoßflanke von Iytte Stelck im Fünfmeterraum mit dem Knie nicht Richtung Tor bekam, so dass der SVHU klären konnte. Nur zwei Minuten später gab es die nächste Großchance, aber Eckhoff scheiterte freistehend an Voigt.

Eve Saine verpasst den Ausgleich

Eve Saine verpasst den Ausgleich

Holstein Kiel drängte nun auf den Ausgleich und brachte die Defensive der Gastgeberinnen wie zu Beginn der ersten Hälfte deutlich ins Schwitzen. Sie waren spielbestimmend, aggressiver und gestatteten Henstedt-Ulzburg kaum Entlastung. So schien der Ausgleich gegen das Team von der Alsterquelle, das sich viele Fehler und Unkonzentriertheiten leistete und auch taktisch kein Mittel gegen die Störchinnen fand, eine Frage der Zeit. Die beinahe beste Offensivaktion Henstedt-Ulzburgs war ein Volley aus der Drehung von Krengel nach einer Flanke von Patzke. Der allerdings war völlig harmlos. Krengel war es auch, die es in der 69. Minute mit einem Flachschuss probierte. Bornhöft hielt sicher.

Artistisch, aber nutzlos: Volleyabnahme von Josefine Krengel

Artistisch, aber nutzlos: Volleyabnahme von Josefine Krengel

Inzwischen hatte Holstein Kiel wieder das Manko des ersten Durchgangs ereilt: Trotz Überlegenheit erspielten sie einfach keine klaren Gelegenheiten, und durch das hohe Risiko der Aufholjagd gestatteten sie dem Gegner seltene Möglichkeiten. Die größte entwickelte sich durch einen Doppelpass zwischen Zietz und Patzke, die im Strafraum von Zietz erneut angespielt wurde. Patzke zielte aufs lange Eck und hatte Pech, dass Rosa Perez Traulsen auf der Linie für ihre Keeperin rettete. Die Stürmerin konnte es nicht fassen. Ansonsten kam ihr Team über Ansätze kaum einmal hinaus. Die Spielanteile hatten sich zwar in dieser Phase etwas zugunsten des SVHU verlagert, doch die drei Punkte hatten sie noch lange nicht eingetütet, wenngleich der Kieler Offensivdrang mangels Effektivität etwas verebbt war.

Vor Louisa Brauer passt Kimberly Zietz den Ball quer ...

Vor Louisa Brauer passt Kimberly Zietz den Ball quer ...

...Kathrin Patzke vollendet den Doppelpass ...

...Kathrin Patzke vollendet den Doppelpass ...

... Zietz legt den Ball wieder quer zurück ...

... Zietz legt den Ball wieder quer zurück ...

... aber Patzke trifft nur Rosa Pérez Traulsen auf der Torlinie ...

... aber Patzke trifft nur Rosa Pérez Traulsen auf der Torlinie ...

... und ärgert sich mächtig über die ausgelassene Möglichkeit

... und ärgert sich mächtig über die ausgelassene Möglichkeit

In der 78. Minute gab es Eckball für Holstein. Eckhoff brachte den Ball von links herein, die eingewechselte Jenny Riemer ließ ihn unfreiwillig abtropfen und legte ihn doch für Iytte Stelck auf. Die nutzte die Ulzburger Unaufmerksamkeit für einen Schuss aus sechs Metern ins lange Eck. Das 1:1 war hochverdient.

Nach der Ecke von Sabrina Eckhoff legt Jenny Riemer ab ...

Nach der Ecke von Sabrina Eckhoff legt Jenny Riemer ab ...

... Iytte Stelck reagiert am schnellsten ...

... Iytte Stelck reagiert am schnellsten ...

... kommt aus der Drehung zum Abschluss ...

... kommt aus der Drehung zum Abschluss ...

... und überwindet Berith Voigt ...

... und überwindet Berith Voigt ...

... zum hochverdienten 1:1

... zum hochverdienten 1:1

Drohte die Partie zu kippen? Henstedt-Ulzburg schien wieder wach. Gleich nach Wiederanpfiff dribbelte sich Patzke durch, ihren Flachschuss aus 14 Metern lenkte Bornhöft um den Pfosten. Kiel hielt dagegen, wollte nun den Sieg. Es entstand eine hektische Schlussphase, in der die lange Zeit ordentlich leitende Schiedsrichterin den Überblick verlor und damit zum allgemeinen Stress auf dem Feld beitrug. Ein Foul an Krengel bewertete sie zu Unrecht als nicht gelbwürdig, beschied aber Patzke wegen deren Forderung nach einer Verwarnung für die Kielerin selbst mit einer Gelben Karte. Sekunden später sollte Nadja Schubring im Gerangel mit Saine den Ellenbogen eingesetzt haben und wurde dafür ebenfalls verwarnt – leider war es genau andersherum.

Kathrin Patzke dribbelt sich in Position ...

Kathrin Patzke dribbelt sich in Position ...

... kommt frei zum Abschluss ...

... kommt frei zum Abschluss ...

... aber Bornhöft lenkt den Schuss um den Pfosten

... aber Bornhöft lenkt den Schuss um den Pfosten

Spielerisch hatten beide noch Siegchancen. Eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit trat Stelck an einem Querpass von Patzke vorbei, doch Bornhöft hielt den Schuss von Runge fest. Auf der Gegenseite flankte Stefanie Mohr von rechts, Riemer legte ab, und Laila Feuerhake scheiterte mit ihrem Schlenzer an Voigt. Die Partie ging in die Nachspielzeit, ohne Anzeige durch die Unparteiische. Der SVHU schien dem Sieg näher. Nach Solo von Patzke schloss Zietz ab, und Bornhöft hielt sicher. Drei Minuten waren über die Zeit gespielt. Jaacks führte eine Ecke kurz aus, Patzke spielte das Leder in den Fünfmeterraum, und am kurzen Eck lenkte Zietz die Kugel über die Linie – 2:1! Bei dieser Szene prallte Bornhöft mit Brauer zusammen und musste lange behandelt werden.

Kathrin Patzke gibt den Ball in die Mitte ...

Kathrin Patzke gibt den Ball in die Mitte ...

... Kimberly Zietz steht am kurzen Pfosten ...

... Kimberly Zietz steht am kurzen Pfosten ...

... und trifft zum 2:1, während Torhüterin Janina Bornhöft, von Louisa Brauer unglücklich getroffen, verletzt liegenbleibt

... und trifft zum 2:1, während Torhüterin Janina Bornhöft, von Louisa Brauer unglücklich getroffen, verletzt liegenbleibt

Janina Bornhöft musste minutenlang behandelt werden

Janina Bornhöft musste minutenlang behandelt werden

Als es weiterging, waren 96 Minuten gespielt – und nun zeigte die Schiedsrichterin noch drei Minuten Nachspielzeit an! Die war vom Spielgeschehen der zweiten Halbzeit in keinster Weise gedeckt, schon die ursprünglichen drei Minuten bis zum Ulzburger Tor waren, vor allem gemessen an der ersten Hälfte, nur schwer zu rechtfertigen, und Sonnenstürme waren über der Stadt auch nicht auszumachen gewesen, als dass ein Chronometer derart falsch liegen konnte. Kiel versuchte alles, um noch zum Ausgleich zu kommen.

Angeführt von Stefanie Mohr drängt Holstein Kiel auf den Ausgleich

Angeführt von Stefanie Mohr drängt Holstein Kiel auf den Ausgleich

Die allerletzte Minute lief aus, und sie erspielten sich noch einen Eckball. In der zehnten Nachspielminute, insgesamt also der einhundertsten, brachte Mohr den Ball auf den ersten Pfosten, Stelck verlängerte per Kopf aufs lange Eck. Doch noch der Ausgleich? Am Pfosten stand Patzke, wollte zurückziehen und hielt doch den Schädel hin. Zum Glück für ihr Team, denn sie köpfte Voigt an, die sich auf den Ball fallen ließ. Direkt danach pfiff Jänicke ab, und alle Ulzburgerinnen herzten die Stürmerin, die ihrer Mannschaft zwei Punkte rettete und es selbst nicht fassen konnte.

Die letzte Kieler Chance: Stelck verlängert den Eckball ...

Die letzte Kieler Chance: Stelck verlängert den Eckball ...

... Berith Voigt kann nicht mehr eingreifen ...

... Berith Voigt kann nicht mehr eingreifen ...

... aber Kathrin Patzke hält am langen Pfosten den Kopf hin ...

... aber Kathrin Patzke hält am langen Pfosten den Kopf hin ...

... rettet damit den Sieg ...

... rettet damit den Sieg ...

... und kann es selbst nicht fassen

... und kann es selbst nicht fassen

Für Holstein Kiel war das Ergebnis eine Enttäuschung, und direkt nach Schlusspfiff hallte ein Kieler Schrei durch das Stadion: „Das ist soo unverdient!“ Berechtigt. Kiel war in der Summe die klar bessere Mannschaft gewesen. Sie hatten nur das Toreschießen vergessen und noch dazu in zwei Szenen Pech. Beim entscheidenden Gegentor fehlte ihnen die Cleverness. Kämpferisch und spielerisch waren sie deutlich überlegen und fuhren nun doch ohne Zähler nach Hause. Die Gastgeberinnen hingegen freuten sich, obwohl ihre Leistung dazu nur wenig Anlass lieferte. Die auf drei Positionen im Vergleich zum Rot-Schwarz-Spiel umformierte Mannschaft bewies selten Spielkultur und durchdachte Aktionen. Auch die beiden ehemaligen Bundesligistinnen Krengel und Patzke lieferten zu wenige Impulse.

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