HSV gewinnt im Abstiegskrampf

 

Erleichterung beim HSV nach dem schmeichelhaften 2:0-Sieg

Erleichterung beim HSV nach dem schmeichelhaften 2:0-Sieg

1. Frauen-Bundesliga, 14. Spieltag
Hamburger SV – 1.FC Lokomotive Leipzig 2:0 (1:0)

Hamburger SV: Bianca Weech [1] – Anna Hepfer [20] (46. Henrike Meiforth [13]), Janina Haye [17, C], Nina Brüggemann [23], Friederike Engel [5] – Carolin Simon [3], Marisa Ewers [6] – Jessica Wich [9], Marie-Louise Bagehorn [27], Silva Lone Saländer [10] (58. Maike Timmermann [16]) – Aferdita Kameraj [8] (81. Aylin Yaren [25])
1.FC Lokomotive Leipzig: Carolin-Sophie Härling [22] – Anna Green [7], Lysann Schneider [18], Angelina Lübcke [10] (82. Christina Nauesse [16]), Karoline Aulrich [15] – Yvonne Wutzler [20], Anne Heller [13], Marie-Luise Herrmann [4], Jenista Clark [23] – Kathleen Kelly [5] – Marlene Ebermann [11]
Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf) mit Caroline Telahr (Essen) und Svenja Pleuß (Schwarme)
Zuschauer: 374
Tore: 1:0 Bagehorn (2.), 2:0 Timmermann (68.)
Gelbe Karten: Kameraj (31.) / Heller (24.)

Spielbericht

In dieser Saison ist der HSV einfach kein dankbarer Gegner für Lok Leipzig. Am dritten Spieltag holten die Hanseatinnen in Leipzig mit 3:0 den ersten Dreier, im DFB-Pokal-Viertelfinale unterlag Lok an der Elbe mit 2:3. Und auch im Bundesliga-Rückspiel unterlagen die Sächsinnen am 14. Spieltag im Abstiegsduell mit 0:2. Schon in der Vorsaison gab es gegen die Zweite des HSV in beiden Zweitligaspielen nichts zu feiern – außer den Aufstieg als Vizemeister. Aber in einer Partie, die so grau war wie die Wolken über Hamburg, fehlte ihnen nur die Cleverness zum Sieg.

Janina Haye klärt vor Marlene Ebermann

Janina Haye klärt vor Marlene Ebermann

Das zeigte sich schon nach 83 Sekunden: HSV-Stürmerin Aferdita Kameraj fing einen Klärungsball dreißig Meter vor dem Tor ab und köpfte ihn nach vorn. Marie-Louise Bagehorn erlief die Vorlage, stürmte in den Strafraum, und trotz sehr spitzem Winkel bugsierte sie die Kugel an Carolin-Sophie Härling vorbei zum 1:0 ins Tor. Immer wieder Bagehorn! Im Hinspiel hatte sie zum 0:2 getroffen, im Pokal zweimal zur Führung, und jetzt war die Ex-Potsdamerin wieder zur Stelle.

Marie-Louise Bagehorn auf dem Weg zum Tor ...

Marie-Louise Bagehorn auf dem Weg zum Tor ...

... geht an Carolin-Sophie Härling vorbei ...

... geht an Carolin-Sophie Härling vorbei ...

... zieht den Ball aus spitzestem Winkel ...

... zieht den Ball aus spitzestem Winkel ...

... an der Torhüterin vorbei ...

... an der Torhüterin vorbei ...

... zum 1:0 ins Netz ...

... zum 1:0 ins Netz ...

... und lässt sich von den Teamkolleginnen feiern

... und lässt sich von den Teamkolleginnen feiern

Nach kurzem Schock reagierte Leipzig trotzig und versuchte zu antworten. Binnen drei Minuten hatten Marie-Luise Herrmann (7.), Lysann Schneider (8.) und Yvonne Wutzler (9.) den Ausgleich in Reichweite, aber Herrmanns Schuss wurde von Janina Haye abgeblockt, Schneiders Kopfball nach Ecke von Jenista Clark ging knapp vorbei, und Wutzler traf nach Marlene Ebermanns Ablage nur das Außennetz. Die Gäste spielten weiter druckvoll nach vorn, begünstigt von Hamburgerinnen, die trotz der Führung keine Struktur in ihr Spiel brachten und unerklärlich nervös waren. Sogar Kapitänin Haye patzte bei einer Rückgabe, doch Clark spitzelte den Ball nicht nur an Bianca Weech, sondern auch am Tor vorbei (13.).

Marlene Ebermann legt für Yvonne Wutzler auf ...

Marlene Ebermann legt für Yvonne Wutzler auf ...

... aber Wutzler trifft nur das Außennetz

... aber Wutzler trifft nur das Außennetz

Einer der seltenen Hamburger Entlastungsangriffe brachte Gefahr für das Lok-Tor. Kamerajs kurz abgewehrte Flanke kam zu Bagehorn, die den Zweikampf mit Anna Green mit feiner Technik löste: Ein Heber mit dem Rücken zum Tor, den Ball kurz vorgelegt und aus der Drehung volley Richtung Tor gezogen – alles ohne Bodenberührung des Spielgerätes. Schönheitsfehler für den „Sachsenschreck“: Der Ball sprang fünfzig Zentimeter am langen Pfosten vorbei (16.).

Technisch anspruchsvoll: Bagehorn lupft den Ball mit dem Rücken zum Tor über Anna Green hinweg ...

Technisch anspruchsvoll: Bagehorn lupft den Ball mit dem Rücken zum Tor über Anna Green hinweg ...

... dreht sich und zieht ab ...

... dreht sich und zieht ab ...

... aber der Ball geht knapp vorbei

... aber der Ball geht knapp vorbei

Tendenziell ging es weiter eher Richtung HSV-Tor, aber Mitte der ersten Halbzeit gelang es Lok Leipzig nicht, sich Zählbares herauszuarbeiten. Der HSV stand hinten etwas sicherer, blieb aber anfällig durch Fehler in Spieleröffnung und Stellungsspiel. Immerhin erspielten sich die Hamburgerinnen jetzt Möglichkeiten. Nach einem Foul an Bagehorn sah Anne Heller die Gelbe Karte, und den Freistoß aus zentraler Position setzte Silva-Lone Saländer links daneben (24.). Zwei Minuten später steckte Bagehorn auf Kameraj durch, und Härling musste zur Ecke klären.

Der Freistoß von Silva Lone Saländer verfehlt sein Ziel

Der Freistoß von Silva Lone Saländer verfehlt sein Ziel

Nach einer knappen halben Stunde wurden die Gäste beinahe für ihre Mühe belohnt. Wutzler brachte eine Ecke von rechts herein, der Ball prallte von Ebermann zurück, und Clark schoss aus fünf Metern ein. Aber Schiedsrichterin Marija Kurtes gab den Treffer zurecht nicht, nachdem Ebermann zuvor Weech im Fünfmeterraum angegangen und so das Tor ermöglicht hatte. Dennoch waren die Leipzigernnen das bessere Team. Aber sie waren eben auch zu harmlos und ineffektiv, wie ein Freistoß von Heller aus 25 Metern, der meterweit das Tor verfehlte. So vermochten sie die Abspielfehler und Abwehrpatzer des HSV nicht auszunutzen.

Kein seltenes Bild, aber eine vermeidbare Karte: Gelb für Aferdita Kameraj, weil sie beim Freistoß den Abstand nicht einhielt

Kein seltenes Bild, aber eine vermeidbare Karte: Gelb für Aferdita Kameraj, weil sie beim Freistoß den Abstand nicht einhielt

Selbst war Lok hinten auch nicht sattelfest. Eine Ecke von Simon boxte Härling Richtung zweiter Pfosten. Jessica Wich konnte den Ball erlaufen, dribbelte eine Gegenspielerin aus und schlenzte. Härling lenkte das Leder an die Latte (35.). Insgesamt war das zu wenig. Die Hamburgerinnen wirkten verunsichert und hektisch, ohne Ruhe in den Aktionen. Leipzig war die aggressivere und zweikampfstärkere Mannschaft. Aber mehr als ein Schuss von Heller in die Arme von Weech sprang vor der Pause nicht mehr heraus.

Nach Wutzlers Eckball rammt Ebermann Weech um ...

Nach Wutzlers Eckball rammt Ebermann Weech um ...

... Jenista Clark schießt den Ball ins Tor ...

... Jenista Clark schießt den Ball ins Tor ...

... und beide Seiten reklamieren - das Tor zählt nicht

... und beide Seiten reklamieren - das Tor zählt nicht

HSV-Trainer Achim Feifel sah sich durch die schmeichelhafte Führung zum Handeln animiert und brachte zur zweiten Halbzeit Henrike Meiforth für Anna Hepfer; Carolin Simon wechselte von der Doppelsechs auf die linke Verteidigerposition zurück, Meiforth sollte vor der Abwehr für mehr Klarheit sorgen. Aber Durchgang zwei begann so zerfahren, wie der erste endete. Es gab kaum geordneten Spielaufbau. Nach 54 Minuten hatte Wutzler den Ausgleich auf dem Fuß: Bei Karoline Aulrichs halbhoher Hereingabe trat Brüggemann über den Ball, aber Wutzler scheiterte an Weech und setzte den Nachschuss drüber. Das 1:1 schien eine Frage der Zeit, denn Leipzig setzte sich in der Hamburger Hälfte fest.

Wutzler bekommt in der 54. Minute die Doppelchance, scheitert an Weech und den eigenen Nerven

Wutzler bekommt in der 54. Minute die Doppelchance, scheitert an Weech und den eigenen Nerven

Für neue Impulse nach vorn sollte die Einwechslung von Maike Timmermann für Silva Lone Saländer in der 58. Minute sorgen. Und tatsächlich verschob sich das Geschehen langsam wieder vom Hamburger Tor weg. Nach einer Stunde setzte Bagehorn einen Freistoß neben den Kasten. Auf der Gegenseite mutete die nächste Aktion schon verzweifelt an. Green probierte es aus 25 Metern und stellte Weech nicht vor Schwierigkeiten. Diese Schwächephase wussten die Hamburgerinnen zu nutzen. 68. Minute: Bagehorn schickte Kameraj steil, die sich im Zweikampf gegen Ex-Rothose Angelina Lübcke behaupten konnte. Von der Grundlinie flankte die gebürtige Kosovarin in den Rücken von Schneider und Härling, und aus vier Metern musste Timmermann nur noch einnicken – aus dem Nichts das 2:0 für den HSV.

Maike Timmermann treibt einen Konter an ...

Maike Timmermann treibt einen Konter an ...

... und wird von Anne Heller unsanft gebremst

... und wird von Anne Heller unsanft gebremst

Den fälligen Freistoß setzt Marie-Louise Bagehorn ...

Den fälligen Freistoß setzt Marie-Louise Bagehorn ...

... deutlich neben das Tor

... deutlich neben das Tor

Das zeigte aber auch das ganze Dilemma der Sächsinnen auf: Mit acht Treffern haben sie den zweitschlechtesten Angriff der Liga und mit 37 Gegentreffern die zweitschlechteste Defensive – sie sind einfach nicht in der Lage, Spiele wie dieses gegen einen erschreckend schwachen HSV zu gewinnen oder zumindest einen Punkt mitzunehmen. Trotz aller Überlegenheit – es fehlt die nötige Abgeklärtheit.

Mit vollem Einsatz versucht Janina Haye, Marie-Luise Herrmann aufzuhalten ...

Mit vollem Einsatz versucht Janina Haye, Marie-Luise Herrmann aufzuhalten ...

... aber erst Nina Brüggemann gelingt das auch

... aber erst Nina Brüggemann gelingt das auch

Drei Minuten nach dem zweiten Gegentreffer kam dann auch noch Pech dazu. Wutzler zog aus gut 25 Metern halbrechts ab und überwand Weech, aber das Runde knallte nur an den Querbalken und ins Feld zurück. Der Anschlusstreffer hätte das Spiel nochmal eng machen können, zumal Ebermann nach Flanke von Wutzler Haye entwischte und ihren Kopfball aus aussichtsreicher Position über das Tor setzte (75.). Aber danach schienen sie zu resignieren, vielleicht waren die Kräfte auch verbraucht. Auch mit Dreierkette nach der Hereinnahme von Christina Nauesse für Angelina Lübcke hatten sie in den letzten 15 Minuten keine Tormöglichkeit mehr.

Aylin Yaren ersetzte in der 81. Minute Aferdita Kameraj

Aylin Yaren ersetzte in der 81. Minute Aferdita Kameraj

Der HSV, der sogar noch mit 3:0 hätte siegen können, wenn Timmermann nicht die Hereingabe der eingewechselten Aylin Yaren verstolpert und Ewers danach die Kugel rechts vorbei geschaufelt hätte (86.), brachte das Ergebnis über die Zeit. Sie erkrampften sich in einem Spiel, das man nur unter der Formel „Not gegen Elend hoch zwei“ abhaken konnte, drei wichtige, aber unverdiente Punkte – den ersten Heimsieg in dieser Saison überhaupt. Sie waren effektiver, aber spielerisch stärker war Lok Leipzig gewesen, was beide Trainer im Anschluss auch so sahen. Lok-Coach Jürgen Brauße ärgerte sich, dass sie die zwei Gegentore „zu ungünstigen Zeitpunkten gefressen“ hatten, lobte jedoch die kämpferische Leistung seines Teams. Deutlich kritischer ging Siegertrainer Achim Feifel zu Werke, bemängelte die Passivität seines Teams nach dem Führungstor und benannte als einzigen Unterschied zwischen beiden Mannschaften die beiden Tore. „Einige Spielerinnen kamen überhaupt nicht an ihr Leistungsniveau“, bemerkte er in aller Deutlichkeit – dem gibt es nichts hinzuzufügen.

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