Die Neuen machen den Unterschied

Wiedersehensfreude zwischen Kathrin Patzke und Friederike Austein

Wiedersehensfreude zwischen Kathrin Patzke und Friederike Austein

Schleswig-Holstein-Liga, 15. Spieltag
SV Henstedt-Ulzburg – SSG Rot-Schwarz Kiel 5:0 (2:0)

SV Henstedt-Ulzburg: Berith Voigt [1] – Katarina Jansen [2], Jennifer Torba [11, C], Lara Mundt [4] (ab 46. Riana Wrage [5]), Britt Siebert [8] – Dagmar Runge [3] (ab 46. Sarah Schulte [12]), Mareike Schmedes [6] (ab 77. Lara Mundt [4]), Josefine Krengel [15] (ab 82. Kimberly Zietz [9]), Sonja Jaacks [7] – Kathrin Patzke [14], Kimberly Zietz [9] (71. Beate Spiller [13])
SSG Rot-Schwarz Kiel: Karina Ehrlich [1] – Claudia Torp [12], Cathleen Wolter [6] (34. Metscher), Melanie Torp [5, C], Britta Gromoll [14] – Catharina Mendel [19], Carolin Ehrlich [23], Bente Hansen [10], Darja Wackerhagen [4] – Friederike Austein [17], Miriam Bayati [2]
Schiedsrichter: Christopher Sven Otte (TSV Nahe)
Tore: 1:0 Patzke (4.), 2:0 K. Ehrlich (29., Eigentor), 3:0 Krengel (47.), 4:0 Krengel (56., Foulelfmeter), 5:0 Patzke (80.)
Gelbe Karten: Krengel (64.) / C. Torp (55.)

Spielbericht

Im Stadion am Beckersberg standen neben dem Feld beinahe weniger Zuschauer als Spielerinnen auf dem Feld. Dabei hatte der Tabellensiebte, SV Henstedt-Ulzburg, zum ersten Ligaspiel des Jahres gegen den Tabellenfünften SSG Rot-Schwarz Kiel zwei namhafte Neuzugänge an Bord: Josefine Krengel und Kathrin Patzke waren von Bundesligist Lok Leipzig an die Alsterquelle gewechselt. Sie waren zumindest prominent genug, um im Zentrum eines zweieinhalbminütigen Berichtes des „Schleswig-Holstein-Magazin“ (NDR Mediathek) zu stehen, für den der NDR ein Kamerateam aus der Landeshauptstadt geschickt hatte. Auch die Rot-Schwarzen hatten eine ehemalige Bundesligaspielerin auf dem Feld, über deren Anwesenheit sich Patzke freute: Friederike Austein, von 2003 bis 2004 Teamkollegin beim HSV.

Britt Siebert klärt vor Catharina Mendel

Britt Siebert klärt vor Catharina Mendel

Die erste nennenswerte Szene hatte dann auch die zweifache Zweitliga-Torschützenkönigin in der vierten Minute. Sie erhielt an der Mittellinie links den Ball und setzte zu einem ihrer typischen Dribblings an, die in der vierten Liga wohl noch einen Tick leichter sein dürften: Auf ihrem Weg zur Grundlinie ließ sie vier Kielerinnen hinter sich, spielte beim Zug nach innen auch Melanie Torp aus und nutzte die Unachtsamkeit von Torhüterin Karina Ehrlich, die die kurze Ecke offen gelassen hatte, zum frühen Führungstreffer. Zwei Minuten später hätte Zietz nach Anspiel von Patzke und einem Fehler von Melanie Torp beinahe schon erhöhen können, aber die Keeperin lenkte den Lupfer noch um den rechten Pfosten.

Josefine Krengel - hier gegen Mendel - verteilte im SVHU-Mittelfeld die Bälle

Josefine Krengel - hier gegen Mendel - verteilte im SVHU-Mittelfeld die Bälle

Nach dem anfänglichen Schrecken schien sich Rot-Schwarz Kiel nun zu sammeln und vehementer dagegen zu halten. Folge war in der 11. Minute die erste Torchance der Kielerinnen, die einen zu kurzen Abschlag von Berith Voigt abfingen. Austein entwischte Lara Mundt, doch der linke Fuß war nicht ihr starker, und so konnte Voigt sicher ausbügeln. Die Gastgeberinnen waren weiterhin gefährlicher und effektiver. Patzkes Eckball auf den kurzen Pfosten verlängerte Sonja Jaacks mit dem Hinterkopf, und nur Claudia Torp verhinderte auf der Linie das zweite Tor. Auch wenn diese Szenen etwas anderes vermuten ließen, lief nicht alles über Patzke. Im Gegenteil: Meist versuchte es der SVHU über die rechte Seite mit dem Dreieck Krengel-Jaacks-Zietz, während Patzke manchmal zu verhungern schien. Vor allem Krengel war oft in den Spielaufbau eingebunden.

Krengel zieht Bente Hansen zu Boden - Freistoß für Kiel

Krengel zieht Bente Hansen zu Boden - Freistoß für Kiel

Rot-Schwarz Kiel drängte die Gastgeberinnen nun deutlicher zurück. Allerdings gelang es ihnen nicht, zum Abschluss zu kommen. Immer wieder war eine Abwehrspielerin dazwischen, um zu klären, wenn auch manches Mal mit einem unattraktiven Befreiungsschlag. Die Drangphase der Gäste verebbte wieder, und Henstedt-Ulzburg kam wieder zu Torgelegenheiten. In einer Doublette des 1:0 bekam Patzke links von Mareike Schmedes den Ball zugespielt und dribbelte auf dem gleichen Weg zur Torauslinie und zum Fünfmeterraum, schlenzte dann aber aus spitzem Winkel drüber (27.). Zwei Minuten später brachte sie eine Ecke herein, die Rot-Schwarz nicht aus dem Strafraum bekam. Kimberly Zietz köpfte den Ball wieder nach rechts zu Patzke, die ihn mit der Seite hoch vor das Tor brachte. Von Jaacks anscheinend irritiert, aber nicht regelwidrig angegangen, ließ Karina Ehrlich den Ball über die Hände ins eigene Netz rutschen – Eigentor zum 2:0. Die Kielerinnen protestierten nicht, Jaacks‘ Einsatz war offenbar in Ordnung gewesen.

Bei Patzkes Flanke greift Karina Ehrlich nicht richtig zu ...

Bei Patzkes Flanke greift Karina Ehrlich nicht richtig zu ...

... und ärgert sich über das 0:2 aus Kieler Sicht

... und ärgert sich über das 0:2 aus Kieler Sicht

Rot-Schwarz Kiel zeigte zunächst eine Trotzreaktion. Nach langem Ball aus dem Mittelfeld von Bente Hansen trieb Catharina Mendel den Ball am Strafraum und versuchte, Britt Siebert auszuspielen. Zwei Schussversuche wurden abgeblockt, der dritte mit links flog hoch aufs Tor. Voigt pflückte das Leder im Nachfassen herunter (30.). Die Partie schien Tempo zu bekommen, denn vor dem Kieler Tor scheiterte Zietz keine sechzig Sekunden später an Karina Ehrlich. Doch an spielerischen Highlights war es das in der ersten Halbzeit. Auch Unterbrechungen störten den Spielfluss. So musste die Kielerin Cathleen Wolter nach 34 Minuten mit Oberschenkelproblemen passen. Für sie kam Laane Metscher. Und kurz vor der Pause schickte Schiedsrichter Otte Patzke mit einer blutigen Kniewunde zur Behandlung vom Platz – Zeugnis der Gangart drei Spielklassen tiefer.

Siebert blockt zwei Versuche von Mendel ...

Siebert blockt zwei Versuche von Mendel ...

... im dritten Versuch kommt der Schuss der Kielerin durch ...

... im dritten Versuch kommt der Schuss der Kielerin durch ...

... aber Berith Voigt schnappt sich den Ball im Nachfassen

... aber Berith Voigt schnappt sich den Ball im Nachfassen

Die Halbzeitführung für die Gastgeberinnen ging in Ordnung. Sie waren ballsicherer und weitgehend spielbestimmend. Die Gäste aus der Landeshauptstadt wehrten sich zwar, waren jedoch in Strafraumnähe zu harmlos. Vor allem die beiden Stürmerinnen Friederike Austein und Miriam Bayati hingen meist in der Luft und wurden von der vielbeinigen Defensive des SVHU gestoppt. Für die wahrscheinliche Vorentscheidung sorgte letztlich ein Torwartfehler.

Engagierter Zweikampf zwischen Sonja Jaacks und Claudia Torp - mit dem besseren Ende für die Kielerin

Engagierter Zweikampf zwischen Sonja Jaacks und Claudia Torp - mit dem besseren Ende für die Kielerin

Durchgang zwei begann für Henstedt-Ulzburg mit neuem Personal: Riana Wrage ersetzte Lara Mundt in der Innenverteidigung, und Sarah Schulte kam für die unglücklich aufspielende Dagmar Runge. Sollte Rot-Schwarz Kiel noch Hoffnungen auf ein Comeback in dieser Partie gehabt haben, waren sie in der 47. Minute Makulatur: Nach Ablage von Jaacks traf nun auch Josefine Krengel aus 14 Metern rechts ins Netz zum 3:0. Es sollten sehr einseitige 45 Minuten werden. Henstedt-Ulzburg spielte weiter nach vorn und kam nun sogar ins Kombinieren. Schulte spielte den Ball steil an den Strafraum, wo ihn Zietz erlief und mit der Fußspitze quer Richtung Elfmeterpunkt passte. Patzke war vor Claudia Torp am Ball, die versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war. Sie verhinderte zwar Patzkes zweiten Treffer, jedoch auf Kosten einer Regelwidrigkeit, für die Schiedsrichter Otte Strafstoß und Gelb für die Übeltäterin verhängte. Krengel trat an und verwandelte sicher zum 4:0 in der 56. Minute.

Schiedsrichter Otte zeigt Claudia Torp die Gelbe Karte ...

Schiedsrichter Otte zeigt Claudia Torp die Gelbe Karte ...

... Krengel tritt zum Elfmeter an ...

... Krengel tritt zum Elfmeter an ...

... Karina Ehrlich zeigt keine Reaktion - 4:0

... Karina Ehrlich zeigt keine Reaktion - 4:0

Henstedt-Ulzburg spielte weiter munter nach vorn. Einer erfolgreichen Ballstaffette über Siebert, Zietz und Patzke stand nach einer Stunde nur der verunglückte Abschluss von Katarina Jansen im Weg, die, gestört von Darja Wackerhagen, abrutschte. Zwei Minuten später kombinierten sie wieder in den Strafraum, bei Zietz‘ Querpass ließ Jaacks das Leder durchlaufen, Krengel boltze es quer an den Fünfmeterraum, und bei Zietz‘ Nachsetzen verhinderte der Pfosten das fünfte Tor.

Die nächste Chance leitet Krengels Flanke ein ...

Die nächste Chance leitet Krengels Flanke ein ...

... aber Karina Ehrlich ist vor der heranstürmenden Sonja Jaacks am Ball

... aber Karina Ehrlich ist vor der heranstürmenden Sonja Jaacks am Ball

Von Rot-Schwarz Kiel kam in dieser Phase nichts, sie kamen kaum einmal über die Mittellinie. Nur der SVHU hatte Chancen, vergab sie teils kläglich. Jansen spielte links in der 67. Minute Patzke frei, deren Querpass an den Fünfer Zietz mit langem Schritt rechts am Tor vorbei lenkte. Dahinter maulte die besser postierte Sonja Jaacks der vergebenen Möglichkeit hinterher.

Langer Ball von Katarina Jansen auf ...

Langer Ball von Katarina Jansen auf ...

... Kathrin Patzke, die in der Mitte eine Anspielstation sucht ...

... Kathrin Patzke, die in der Mitte eine Anspielstation sucht ...

... aber Kimberly Zietz vergibt die Möglichkeit

... aber Kimberly Zietz vergibt die Möglichkeit

Im zweiten Spielabschnitt kam Hektik auf, weil auch der Schiedsrichter nachließ. So bekam Krengel, die für den zum Einwurf berechtigten Gegner den Ball holte, wegen Zeitspiels die Gelbe Karte. Ein Foul üblerer Sorte von Hansen an Krengel versah er hingegen nicht mit einer Verwarnung. Zumindest blieb er Krengel gegenüber gnädig, wegen deren Wortwahl andere durchaus schon mal vom Platz gestellt worden sind, gleichwohl blieb sie platzverweisgefährdet. Vielleicht war es auch der Frust über ausgelassene Tormöglichkeiten. Zietz blockte einen Klärungsversuch im Kieler Strafraum, brachte den Ball dann aber zweimal nicht an Karina Ehrlich vorbei (70.). Ihre unterbeschäftigte Torhüterin Voigt musste nach 74 Minuten erstmals richtig eingreifen. Nach einem Ballverlust von Siebert zog Metscher frei aufs Tor zu, zögerte aber zu lange mit dem Abschluss, und Voigt schnappte sich das Spielgerät.

Nächste Szene: Karina Ehrlich rettet zunächst gegen Kimberly Zietz ...

Nächste Szene: Karina Ehrlich rettet zunächst gegen Kimberly Zietz ...

... und der Nachschuss der Henstedt-Ulzburgerin geht ans Außennetz

... und der Nachschuss der Henstedt-Ulzburgerin geht ans Außennetz

Ein Dokument, wie sich Rot-Schwarz zu einem guten Teil auch selbst schlug, sahen die Zuschauer in der 80. Minute. Wrage spielte einen Freistoß auf Patzke, die aus 18 Metern am Tor vorbei zielte. Nach verunglücktem Ehrlich-Abstoß kam Patzke an den Ball, zog aus 20 Metern ab und schlenzte über die Keeperin hinweg zum 5:0 ins Tor. Der Endstand. Acht Minuten vor dem Ende nahm SVHU-Trainer Jan Sievers zur Sicherheit Josefine Krengel vom Platz und brachte die zehn Minuten zuvor ausgewechselte Kimberly Zietz wieder ins Spiel. Zietz ging in den Sturm, und Patzke besetzte nun die ungewohnte Doppelsechs-Position Krengels. Zwei Chancen gab es noch. Zunächst zielte Jaacks nach Ablage von Zietz klar rechts vorbei (88.). Auf der Gegenseite wurde Metscher links lang geschickt, gab den Ball von der Torauslinie zurück, doch der Schuss von Austein war zu schwach, um Voigt zu überwinden.

Sonja Jaacks verzieht aus der zweiten Reihe

Sonja Jaacks verzieht aus der zweiten Reihe

Am Ende waren die Kielerinnen mit den fünf Gegentoren gut bedient. Henstedt-Ulzburg war nach dem 3:0 klar überlegen, ließ aber beste Möglichkeiten für ein Schützenfest aus. Im Vergleich zur ersten Hälfte steigerten sie sich. Der Unterschied war letztlich doch deutlicher, als dass man ihn allein mit den Personalien Krengel und Patzke erklären könnte. Immerhin konnten sich beide mit je zwei Treffern in die Torschützenliste eintragen. Der SVHU kletterte nach dem Sieg auf Rang sechs, bei 13 Punkten Rückstand auf Tabellenführer TSV Ratekau ist ein Aufstieg bei sieben verbleibenden Spielen aber ausgeschlossen. Der SVHU zeigte jedoch in diesem Spiel auch, dass sie dafür qualitativ noch zu großen Nachholbedarf haben. Rot-Schwarz Kiel hingegen stürzte auf Platz acht ab und führt nun den Kieler Viererpack am Tabellenende an.

Nach dem Spiel musste Kathrin Patzke dem NDR Rede und Antwort stehen

Nach dem Spiel musste Kathrin Patzke dem NDR Rede und Antwort stehen

Ligaprimus Ratekau schlug Holstein Kiel II. klar mit 4:1 und vergrößerte den Abstand auf den SSC Hagen Ahrensburg (nur 1:1 gegen den SV Neuenbrook/Rethwisch) auf fünf Zähler plus zwei Nachholspiele. Der FC Riepsdorf verteidigte Rang vier hinter dem spielfreien TuRa Meldorf durch ein 6:1 gegen den TSV Russee. Der Fünfte, Olympia Neumünster, setzte sich beim TSV Klausdorf mit 2:1 durch.

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