Wer kennt Witze über Osnabrück?

Irgend jemand? Ich jedenfalls nicht. Und bei meiner schnellen Recherche – man nennt’s auch „Googlen“ – habe ich nix dazu gefunden, sieht man mal von der Auflösung des Kennzeichens „OS“ als „Ober-Schwuchtel“ ab. Aber es passt irgendwie ins Bild: Die Stadt – beziehungsweise die Leute – sind so scheiße, dass es anscheinend nicht mal mehr lohnt, darüber Witze zu machen. Das ist sogar noch weniger, als Bielefeld von sich behaupten kann. Der Anlass für meinen Blogartikel ist natürlich mal wieder eine Veranstaltung.

Unter dem Motto „Hollywood in Osnabrück“ veranstaltet das Hörspiel-Label „Hörplanet“ aus Osnabrück in der eigenen Stadt Live-Hörspiele mit bekannten Sprechern wie Sascha Rotermund, Helmut Krauss („Die drei ??? und der seltsame Wecker – Live and Ticking“-Livetour 2009) oder Santiago Ziesmer (Synchronsprecher für Steve Buscemi). Diese drei waren wie auch Robert Missler (Synchronstimme von Robert Sean Leonard / Dr. Wilson in „Dr. House“ und Sprecher der männlichen Blutelfen in „World Of Warcraft“) angekündigt für zwei Live-Hörspiele am letzten Juli-Wochenende: „Nach dem Frost“ (nach Henning Mankell) und eine Folge von „Holger, die Hörspielgurke“ (welche ich persönlich ziemlich fürchterlich finde, aber meine Freundin mag’s). Stattfinden sollte die Veranstaltung im Haus der Jugend in Osnabrück.

Nun gut, meine Freundin und ich besorgten Karten und ein Zimmer in einem alten Hotel direkt am Markt, in dem auch die Künstler absteigen sollten. Der intelligente Leser wird jetzt schon wissen, warum ich im Konjunktiv schreibe: Es fällt aus. Der Grund dafür ist recht einfach: Obwohl ein gewisses Kartenkontingent für ein Feriencard-Projekt reserviert wurde, kamen nicht genug Kartenvorkäufer zusammen, um die beiden Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Per Newsletter war vor zehn Tagen schon einmal eine Vorwarnung publiziert worden, und die Entscheidung sollte heute fallen. Sie fiel auch – negativ aus.

Folglich erhielten wir Emails vom Ticketverkäufer CTS Eventim. Der Inhalt: Soll ich ihn lustig nennen?
CTS Eventim bittet um Rücksendung der Karten nebst der Email angehängtem Rücksendeformular. Unter der Adresse heißt es:

„Wir empfehlen Ihnen zu Ihrer eigenen Sicherheit, die Karten per Einschreiben an uns zurückzusenden.“

Na klar, mach‘ ich. Wäre ja keine Premiere, wenn die Post was verbummeln würde. Und so ein Einschreiben kostet ja auch nur 2,15 €. Das kriege ich ja vom Veranstalter zurück. ODER?

Die Antwort lautet: Nein. Das erschließt sich nämlich durch die Kenntnisse des Kaufvertragsrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und den Formulierungen im Rücksendeformular. Dort heißt es nämlich:

„Bitte versuchen Sie die Karten beim Veranstalter zu stornieren.“

„… beim Veranstalter zu stornieren.“ – was so schön nach Service klingt, hat rechtliche Fallstricke. Denn mit der Rücksendung wird die Haftungsfrage umgekehrt. Die Rechtslage ist nämlich eigentlich eindeutig: Der Veranstalter, Hörplanet, hat die Veranstaltung abgesagt. Das deutet zwar das Stichwort in der Adresse von CTS Eventim auf dem Rücksendeformular an, ist aber rechtlich nicht eindeutig, von wem die Absage kommt. Sie kann auch vom Kunden kommen. Rechtlich liegt hier eine Nichterfüllung eines Vertrages seitens des Veranstalters Hörplanet vor. Das heißt: Wenn Hörplanet die Veranstaltungen absagt, ist er der Störer des Vertragsverhältnisses und muss für sämtliche Kosten seiner Kunden wegen der Nichterfüllung haften. Das bedeutet neben Portokosten für die Rücksendung auch den Schadenersatz, wenn der Kunde am Veranstaltungsort ein Hotel und für die Anreise eine Bahnfahrt oder einen Flug gebucht hat und ihm nun durch die Stornierung derselben Kosten entstehen. Manche Hotels erheben nämlich Stornogebühren, prozentual abhängig vom Zimmerpreis und relativ zum Absagezeitpunkt. Denn dem Hotel entgeht durch die Nichterfüllung des Kunden ein Gewinnausfall. Gleiches gilt für Bahn und Fluggesellschaften. Fällt der Anlass für die Reise und Hotelübernachtung weg, ist der Störer in der Pflicht, seinen Kunden schadlos zu stellen (§ 280 Absatz 1 und 3, § 281 BGB oder § 284 BGB).

Und genau das dreht diese Rücksendeaktion von CTS Eventim um: Durch die Aufforderung zur Stornierung beim Veranstalter wird nämlich der um seinen Spaß geprellte Kunde zu demjenigen, der das Vertragsverhältnis stört. Denn er begeht rechtlich damit einen Rücktritt vom Kaufvertrag. Somit ist der Grund für seine Nichtteilnahme an der Veranstaltung nämlich nicht die Absage durch den Veranstalter, Hörplanet, sondern seine Rücknahme der Willenserklärung. Damit wird der Kunde zum Störer und haftet selbst für alle dadurch anfallenden Kosten. Einschließlich der Portokosten für die Rücksendung. Und der Stornokosten für Anfahrt und Übernachtung.

Nun mag der Veranstalter einwenden wollen, nicht er, sondern CTS Eventim sei Vertragspartner. Doch das verneint CTS Eventim in seinem Anschreiben und auch in der Stornierungsanfrage:

„Bitte versuchen Sie die Karten beim Veranstalter zu stornieren.“
„Nach Erhalt werden wir uns bemühen, die Karten schnellstmöglich beim Veranstalter zu stornieren. Anschließend wird Ihnen der Kartenpreis, die komplette Vorverkaufsgebühr und auch die Buchungsgebühr auf das beim Kauf verwendete Konto oder Ihre Kreditkarte überwiesen.“

CTS Eventim tritt hier nämlich nicht als Vertragspartner, sondern als Vertrags_vermittler_ auf. Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn wer seine Karten über CTS Eventim gebucht hat, hat lediglich die Dienstleistung von CTS Eventim in Anspruch genommen, den Kauf der Karten und damit das Vertragsverhältnis zu vermitteln. Das findet sich auch in den AGB von CTS Eventim wieder:

„Erst mit Zuteilung und Übersendung der Transaktionsnummer durch die CTS EVENTIM AG an den Kunden kommt ein Vertrag zwischen dem Kunden und dem jeweiligen Vertragspartner (Veranstalter, lizenzierter Fan-Artikel-Verkäufer oder CTS) zustande.“
(Punkt II., 1. Satz 2 in den AGB – http://www.eventim.de/tickets.html?affiliate=EVE&doc=info/terms )

„Soweit die CTS EVENTIM AG im Namen der Veranstalter Dienstleistungen aus dem Bereich der Freizeitveranstaltungen anbietet, insbesondere Eintrittskarten für Veranstaltungen, liegt kein Fernabsatzvertrag gemäß § 312b BGB vor. Dies bedeutet, dass ein zweiwöchiges Widerrufs- und Rückgaberecht nicht besteht. Jede Bestellung von Eintrittskarten ist damit unmittelbar nach Bestätigung durch die CTS EVENTIM AG namens des Veranstalters bindend und verpflichtet zur Abnahme und Bezahlung der bestellten Karten.“
(Punkt IV., 1. Satz 1 in den AGB)

Insofern entstehen gegenüber CTS Eventim auch keine Rechtsansprüche. Denn Vertragspartner ist und bleibt der Veranstalter, also Hörplanet. CTS Eventim bietet zwar an, Kartenpreis, Vorverkaufsgebühr und Buchungsgebühr zurück zu überweisen. Dies sind aber auch die einzigen Leistungen, die CTS Eventim erbringt: Vermittlung des Vertrages, Inkasso für Kartenpreis und Gebühren und Weiterleitung des Veranstalteranteils (abzüglich eigener Provision). Und die Rückabwicklung ist eine freiwillige Leistung.

Wer es nicht weiß, bleibt auf seinen Kosten sitzen. Alle anderen werden wahrscheinlich dennoch um ihr Recht kämpfen müssen. Oder – wie meine Freundin – ein paar Euro für nix und wieder nix draufzahlen, um sich den Ärger zu ersparen.

Aber es hätte uns auch von vornherein klar sein können, dass das nix wird. Abgesehen davon, dass Urlaubszeit ist und Osnabrück nicht gerade als touristisches Highlight Niedersachsens bekannt ist – man könnte auch sagen: Das Beste an Osnabrück ist die Auffahrt zur A1 Richtung Hamburg -, haben wir so unsere eigenen Erfahrungen mit dieser Stadt gemacht. Und ich spreche nicht mal von den Fans des VfL, die ich schon zu früheren Regionalligazeiten nicht gut leiden konnte. Im Jahr 2009 trug es sich zu, dass SAILOR („Girls Girls Girls“, „Glass Of Champagne“) in der Stadt auftrat, die sich ja als besonders tolerant und als „Friedensstadt“ geriert. Die Veranstaltung war eine Ü40-Party. Nunja, dass das Zielpublikum in dieser Altersklasse sein sollte, konnte ich schon nachvollziehen, denn immerhin hatte SAILOR seine beste Zeit in den 70ern. Aber es gab doch sicherlich bei einer nicht ausverkauften Veranstaltung noch ein paar Plätze für zwar unter 40-jährige, aber dafür echte und treue SAILOR-Fans, wie zum Beispiel auch Katrin Wagner, die Leiterin des offiziellen SAILOR-Fanclubs… Um sicherzugehen, schrieb ich eine Email an den Veranstalter und bat um weitere Informationen. Die Auskunft war eindeutig: Wer keine 40 ist, kommt nicht rein, und sei er noch so sehr SAILOR-Fan.

Wie kann man von so einer Stadt erwarten, dass da zwei Hörspielveranstaltungen stattfinden? Man könnte Witze darüber machen, wenn es nicht so traurig wäre. Das ist wohl auch der Grund, warum Osnabrück in keinem einzigen Witz vorkommt…

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