Ein Abend zum Wegschmeißen

Ich drücke mich ja immer noch um eine Meinung zum Thema Griechenland. Mir geht zwar dieses populistische, undifferenzierte Bashing bar jeder Vernunft und sachlichen Erwägungen ziemlich auf die Nerven, aber das Ganze ist so komplex, dass ich darauf noch nicht eingehen möchte. Da kam mir ein Essen im Restaurant am vergangenen Samstag anlässlich des Geburtstages meines Onkels ganz recht. Gefeiert wurde in kleiner Runde in einem Steakhaus in der Barmbeker Straße. Wir waren dort früher zu Gast und sehr zufrieden. Nachdem allerdings der Inhaber gewechselt hatte, war vor allem ich skeptisch. Ich mochte mich nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden, dass der neue türkische Inhaber den Charme des Restaurants aufrecht erhalten könnte.

Kurz gesagt: Kann er auch nicht. Das war mein seit langer Zeit schlimmster Restaurantbesuch.

Es fing schon mal „gut“ an. Okay, mein Onkel hatte den Tisch spät reserviert. Dass dann allerdings sieben von uns auf nicht mal kniehohen Klappstühlen Platz nehmen mussten, damit kann man eher nicht rechnen. Zumal das Restaurant über ausreichend gleichartiger Tische verfügt, das offenbar aber nicht für die Sitzmöbel gilt. Ich sag’s noch einmal: Klappstühle!

Von innen sah das Restaurant aus wie früher auch schon. Und wenn ich früher sage, dann meine ich: Wie vor sieben bis acht Jahren, als wir dort zuletzt aßen. Und da war die Einrichtung auch schon etwas länger drin. Ich hatte den Eindruck, mit ein paar klugen Gedanken ließe sich dieses Objekt von Grundauf renovieren, ohne an rustikalem Charme einzubüßen. Jedenfalls was davon noch übrig war. Denn früher gab es immer mal wieder live gesungene Ständchen vom Wirt. Die abzuschaffen, wenn niemand beim Personal singen kann, ist okay. Aber muss man denn die Musikanlage so weit aufdrehen, dass Unterhaltungen nur in Stadionlautstärke möglich sind? Auch der Umstand, dass Populärmusik wie Juanés aus den Boxen kam, lässt sich ja gerade noch damit rechtfertigen, dass er immerhin auf Spanisch singt. Was allerdings die Pussycat Dolls mit Argentinien zu tun haben, erschloss sich mir nicht. Kurzum: Ich fühlte mich hin und wieder wie in einer Disko. Nur dass es da keine Klappstühle gibt…

Es irritierte mich nur, dass doch so viele Menschen erpicht darauf waren, dort zu speisen. Und das war der nächste Minuspunkt in Sachen Gemütlichkeit und entspannter Atmosphäre: Gegen Abend füllte sich das Restaurant merklich. Besser gesagt: Es überfüllte sich. In Spitzenzeiten standen ein Dutzend Menschen auf dem Gang und um den Tresen herum und warteten auf einen Tisch. Wie gemütlich sich ein Geburtstag begehen und das Essen genießen lässt, wenn alle fünf Minuten mehrere Augenpaare auf den Tisch starren und sichtbar genervt darauf warten, dass er endlich frei wird, kann man sich vorstellen. Abgesehen davon, dass die Bedienungen so nicht gerade leichter mit Speis und Trank zu den Tischen gelangen. Meiner Mutter und meiner Freundin wurde, da sie an besagtem Gang saßen, mehrfach auf die Füße getreten. Der Knaller war aber an einem anderen Tisch: Der wurde zwischen zwei andere Tische gequetscht, und wenn von einem hinteren Tisch jemand zu Toilette wollte, musste der eingeschobene Tisch erst weggerückt werden, damit der daran sitzenden Gäste. Aber Hauptsache, man kriegt so viele Gäste wie möglich rein. Auslastung zählt. Ich muss ehrlich sagen, dass mir selbst manches Schnellrestaurant-Ambiente da entspannender scheint. An diesem Abend hatte das mehr von einem Döner in der vollen S-Bahn auf dem Weg in die HSH Nordbank Arena eine Dreiviertelstunde vor dem Spiel…

Überhaupt war der Service so, wie er auf mehreren Seiten beurteilt wurde. Dass ich bei einem Ober eine große Cola light bestellte und eine kleine bekam – kann passieren. Dass jemand das falsche Getränk hingestellt bekommt, ließe sich vermeiden, wenn das Personal einfach fragen würde, wer was bekommt. Und wenn man dann fragt, sollte man seine Aufmerksamkeit auch allen Anwesenden widmen und nicht die direkt vor einem sitzenden Gäste übersehen. Besonders, wenn die sich mit Finger melden, dass das zu verteilende Gericht zu ihnen gehört. Dazu quetschten sich die Damen und Herren dann im Nacken der vor ihnen Sitzenden zu den hinteren Plätzen durch. Und ich hoffe, dass die Sour Cream, die unten an dem großen Pfefferstreuer klebte, wenigstens frisch von einem Gericht an unserem Tisch stammte…

Womit wir beim Essen wären. Auch so ein Thema für sich. Man darf keine großen Erwartungen an die Karte stellen, was die Vielfalt angeht. Es ist eben ein Steakrestaurant, und da gibt es in der Hauptsache eben Steaks. Für meine Freundin ergab sich durchaus ein Problem, da sie seit einiger Zeit eine Intoleranz gegen Weizenprodukte, Mandeln und noch einige andere Dinge hat. 90 Prozent auf der Karte konnte sie damit vergessen, vor allem alles, was Sauce hatte, und auch Fischgerichte mit Bandnudeln. Das ist Pech, kann man dem Restaurant nicht anlasten. Aber so eine Intoleranz, die ja gesundheitlich nicht ohne Folgen bleibt, wenn die falschen Zutaten verspeist werden, haben mehr Menschen, als man denken sollte. Vor allem gegen Glutamat.

Und da sind wir beim Thema. Es gibt ein Universalwürzmittel namens „Fondor“. Es hat einen ganz eindeutigen Geschmack, der Richtung der Flüssigwürze des gleichen Herstellers geht. Ein Hauptbestandteil ist Glutamat – also Geschmacksverstärker. Ich habe mal vor Jahren beim Hafenfest in Neustadt/Holstein eine Portion Champignons aus der Pfanne gegessen, da war das Zeug anscheinend kiloweise drin. Daher bin ich geschmacklich, was das angeht, durchaus sensibilisiert. Der geneigte Leser wird sich denken, worauf ich hinaus will: Ich habe den Verdacht, dass dieses geschmacksverstärkende Produkt in der Küche dieses Steakhauses eingesetzt wird, und nicht nur ich. Meine Bestellung war ein Rindersteak mit Pfeffersauce, Backkartoffel und Knoblauchbrot zu 15,90 €, dazu extra eine Portion Champignon-Zwiebel-Gemüse. Schon bei den ersten Bissen des Gemüses meldeten meine Geschmacksnerven Alarm, und erhärtet wurde mein Verdacht durch einen kleinen, braunen Fleck im restlichen Öl auf dem Teller, auf dem das Gemüse serviert wurde, und der nicht bloß von Gewürzen oder eben Öl stammen konnte. Auch meine Freundin hatte den Eindruck gewonnen, dass bei ihrer zusätzlichen Beilage, grünen Bohnen mit Zwiebeln, das Universalwürzmittel zum Einsatz gekommen war: Ihre Bohnen waren oben auf verpfeffert und unten versalzen und schmeckten eben nach der Glutamatmischung. Bedenkt man, dass eine solche zusätzliche Beilage mit 2,40 € zu Buche schlägt, ist das schon happig.

Auch der Rest des Essens war nicht gerade zum Ausflippen lecker. So berichtete meine Freundin von ihrem Truthahnsteak, dass ein Teil davon trocken – in den Kochsendungen heißt es da, der Vogel wurde totgebraten oder -gegrillt – und der andere sehnig war. Kein Genuss. Mein Steak sollte laut Karte 200 Gramm schwer sein. Rein optisch erhärtete sich diese Aussage nicht. Vielleicht vor dem Grillen, aber selbst wenn: Laut Lebensmittelrecht muss das angegebene Gewicht auf dem Teller sein und nicht auf dem Rost. Ich hatte nicht den Eindruck, dass diese Auflage erfüllt wurde – aber beweisen kann ich es nicht. Nächstes Mal nehme ich eine Waage mit. Und irgendwie war ich doch froh, den Ober mein Steak noch mit Pfeffer aus der mit Sour Cream verschmierten Mühle versehen gelassen zu haben. In der Pfeffersauce jedenfalls suchte ich fast verzweifelt den Pfeffer. Ich bin es eigentlich gewohnt, dass in einer solchen Sauce auch mal ein paar Pfefferkörner zu finden sind. Selbst in billigsten Instant-Saucen aus dem Supermarkt findet man sie. Diese Sauce kam ohne daher. Aber vielleicht waren sie ja auch im Streuer gelandet?

Vielleicht hätte man auch etwas Pfeffer geschmeckt, wäre diese Sauce nicht als Suppe dahergekommen. Als das Gericht an den Tisch gebracht wurde, gab es drei Inseln in einem flüssigen, braunen Meer dessen, was auf das Karte als Pfeffersauce angegeben ist: Das Fleisch, die Backkartoffel und das Knoblauchbrot. Und hier konnte ich mal von der Weizenunverträglichkeit meiner Freundin profitieren, als ich ihr Knoblauchbrot bekam. Auf den Verzehr des Brotes auf meinem Teller konnte ich getrost verzichten: Es war schon, als der Teller die Hand des Obers verließ, von dem Pfefferwasser durchsogen. Immerhin war das Stück, das ich von meiner Freundin bekam, noch einigermaßen knusprig. Und von dem Pfefferwasser hatte ich noch länger etwas: Als mir ein Champignon von der Gabel rutschte und in die Sauce fiel, bespritzte sie in für die Masse und Verdrängungsfähigkeit des Champignons erstaunlichem Maße Jackett, Hemd und Krawatte. Die Flecken waren aber recht einfach zu entfernen, es war ja wenig in der Sauce, was Verschmutzung verursachen konnte.

Einen eher zwiegespaltenen Eindruck hatte ich vom bislang noch unerwähnten Bestandteil dieses Gerichts. Wenn man eines der Backkartoffel zu Gute halten konnte, dann das: Sie war heiß. Nein, sie war sogar sehr heiß. Das ist gut, wenn man Keime abtöten will. Insofern war ich im ersten Moment besänftigt. Leider neigt Sour Cream dabei zur Veränderung des eigenen Aggregatzustandes, wenn sie so erwärmt wird. Abgesehen davon, dass ich lange, lange pusten musste, um den in der Backkartoffel steckend angelieferten Esslöffel in den Mund stecken zu können, ohne mir Zunge und Gaumen zu verbrennen. Was gesundheitstechnisch von Vorteil ist, hat aber auch einen Nachteil: Lebensmittel, die man sehr stark erhitzt, verbrennen leicht. Und genau das war offenbar der Schilderung meiner Freundin zufolge mit ihrer Backkartoffel geschehen: Unten war die Kartoffel sehr hart und die Schale sehr, sehr dunkel. Insgesamt kann man, was den Zustand der zum Tisch gebrachten Gerichte angeht, in dieser Preislage eine deutlich bessere Qualität erwarten. Warum dennoch so viele Leute freiwillig stundenlang auf freie Plätze warteten, erschließt sich mir noch immer nicht. Vor allem, da gerade in dieser Region rundherum viele Restaurants auf Kundschaft warten.

Mein Fazit des Abends, den meine Freundin und ich noch vor dem Dessert beendeten, war die Lehre, dieses Restaurant, sofern vermeidbar, nicht wieder aufzusuchen. Da gehe ich – und damit schließt sich der Kreis dieses Blogeintrags – lieber zu meinem Lieblingsgriechen neben dem Lattenkampbahnhof. Preislich sind die merklich günstiger angesiedelt, und qualitativ ist das Essen dort für meinen Geschmack um Längen besser. Mein Lieblingsgericht ist dort die 136: Rumpsteak in Tomatensahnesauce (mit Zwiebeln, Paprika und Champignons), serviert in einer Pfanne, dazu die typisch griechischen Röstkartoffeln und vorneweg ein Salat, den man in besagtem argentinischen Steakhaus extra bezahlen muss, der beim Griechen aber wie der Begrüßungs-Ouzo im Preis enthalten ist. Auch das Ambiente dort passt ins Gesamtkonzept. Und das sage ich nicht, weil ich mit dem Sohn des Hauses in die Grundschule gegangen bin, was ich an dieser Stelle nicht verschweigen will. Das ist jedoch auch kein Kunststück: Das Objekt wurde vor ein paar Jahren nach wechselnden Besitzern (es war früher mal eine Kneipe mit Bundeskegelbahn und danach ein Weinlokal) erst bezogen und von Grundauf renoviert, nachdem sie drei Jahre zuvor ihr altes, ebenfalls sehr charmantes Restaurant in der Alsterdorfer Straße aufgeben mussten, wo auch Olli Dittrich („Dittsche“, RTL Samstag Nacht, Schlagzeuger von „Texas Lightning“) gesichtet wurde.

Der Abend im Steakhaus war hingegen zum Wegschmeißen. Und hoffentlich der letzte dieser Art.

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