Edelnutten in Stollenschuhen

Ich muss mal was loswerden. Es ist ja sonst nicht mein Ding, mit Kraftausdrücken und Herabsetzungen um mich zu schmeißen, aber die „HSV-Profifußballer“ treiben mir im Moment derart den Blutdruck in die Höhe, dass der Kessel langsam, aber sicher platzt. Das Ding gestern in Hoffenheim ist eigentlich nur das Sahnehäubchen.

Was die „Herren“ sich seit Monaten in der Bundesliga hinzulegen trauen, ist keine Leistung. Das ist widerlicher Alibi-Scheißdreck! Trainer hin oder her. Nicht, dass Labbadia keine Fehler machen würde. Aber der Trainer ist mir scheißegal. Ganz ehrlich. Ob da Labbadia, Sözer, Moniz, Reitmaier, Köppel, Lattek, Vogts oder Sir Alex Ferguson an der Seitenlinie steht, macht keinen Unterschied. Jeder Spieler erwartet von einem Trainer Loyalität. Solche Loyalität, wie er auch Paolo Guerrero entgegen gebracht hat. Es wäre ein Leichtes gewesen, Guerrero dem Pöbel zu opfern, der vor allem seitens der Presse nach Sensation geifernd auf die Demission des Peruaners wartete und damit auf ein Zeichen, dass „Fans“, wenn sie denn nur genug bezahlen, sich alles herausnehmen dürfen und die jährlichen Millionen ja auch als Schmerzensgeld zu begreifen seien.

Aber diese Loyalität ist keine Einbahnstraße. Diese Loyalität muss man auch von den Spielern einfordern können. Zumindest, wenn sie Charakter haben. Wie es um den Charakter einiger Spieler beim HSV bestellt ist, sieht man seit Wochen. Eigentlich seit der Winterpause. Nehmen wir nur mal Jerome Boateng. Der Mann, dessen Berater meint, sein Schützling sei bereit für die Champions League, und er müsse daher zu Manchester City wechseln (und ihm, ganz nebenbei, eine stattliche Provision verschaffen). Wenn man sich allerdings ansieht, was dieser Grünschnabel, dieses Weddinger Ghettokind, seitdem auf dem Platz abliefert, kann man City nur raten, mal an zwei gestandene Verteidiger vom Schlage John Terry heranzutreten, wenn sie Titel wollen. Unter Leistungsdruck scheint er zu grundsoliden Leistungen auch nicht fähig, wie die letzten Wochen beweisen. Ich denke da nur mal an das Kopfballgegentor vom Lütticher Mbokani im Viertelfinal-Hinspiel der EuropaLeague, bei dem sich ein A-Jugendlicher aus der Verbandsliga nicht dümmer hätte anstellen können. Nur wenn Joachim Löw blind, taub und dumm zugleich ist, nimmt er diese Luftnummer mit nach Südafrika.

Sein Partner in der Innenverteidigung, der immer als so konstant, kampfstark und charakterlich vorbildlich gepriesen wurde, Joris Mathijsen, leistete sich in Hoffenheim allerdings auch so ein Ding, das an seinem Gemeinschaftssinn zweifeln lässt: Er tauschte mit seinem Gegenspieler in der Halbzeit (!) sein Trikot! Verzeihung, Herr Mathijsen, wo sind wir denn hier?!? Es ist unfassbar. Als ob ihn das 0:3 seines Arbeitgebers in Hoffenheim überhaupt nichts anginge. Jeder normale Arbeitnehmer, der sich so in seinem Job verhalten würde, würde gnadenlos freigestellt. Aber dafür haben Hoffmann und der Aufsichtsrat, die sich an den kommenden Donnerstag wie an den letzten Strohhalm klammern, der die Guillotine noch abwenden könnte, nicht die Eier.

Eier haben bezahlte Fußballer beim HSV derzeit nur dann, wenn es um ihre eigenen, ganz persönlichen Interessen geht. Der Wohnwagenschieber mit der Nummer 5 ist da auch nur das kleinste Rädchen. Denken wir auch mal an Zé Roberto. So toll seine Leistungen in der Hinrunde waren, so schwach sind sie jetzt. Red Bull hin oder her – was er spielt, ist Alibifußball. Okay, einige Dinge kann man ja noch damit erklären, dass er keine Rückrundenvorbereitung hatte. Der Grund dafür ist allerdings mehr als mysteriös, und ich habe so den Eindruck, er hat zwei Monate gebraucht, um sich eine Ausrede für faulen Lenz auszudenken. Einen Verein und Arbeitgeber nicht zumindest auf dem Laufenden zu halten, warum man nicht zurückkehren kann, ist eine Frechheit, und die Strafe dafür war ein Witz! Da habe ich den Verein auch nicht verstanden, dass das nicht deutlicher sanktioniert wurde, und im Prinzip war das auch schon der Auslöser für den heutigen Schlendrian. Hoffmann und Labbadia haben gezeigt, dass man sowas mit ihnen einfach machen kann. Wer dabei jetzt an Guerrero denkt, liegt allerdings falsch: Seine Flugangst halte ich für sehr real, und dass er früher noch keine Flugreisen abgesagt hat, heißt ja nicht, dass er nicht schon vorher Probleme damit hatte, die man nicht unbedingt an die Öffentlichkeit tragen muss. Das ist eine sehr private Sache, die man auch möglichst stillschweigend löst. Wenn es denn geht. Hier sei an Dennis Bergkamp erinnert, der einige internationale Auswärtsspiele von Arsenal deshalb verpasste.

Aber zurück zu den Millionarios in roten Hosen. Noch so eine Spezies ist Mladen Petric. Seine Aussagen nach dem vermeintlichen Muskelfaserriss waren nicht gerade clever. Vor allem nicht so clever, wie man es von einem gestanden Profi wie ihm erwarten sollte. Er spielt ja nicht erst seit gestern Fußball, und dass die Presse sowas wieder ausschlachtet und auf Labbadia bezieht, muss er auch ohne Medienberater wissen. Dann äußert sich Labbadia dazu kritisch, um seine Position nicht weiter zu schwächen, und Petric mosert wieder herum, warum da wieder ein Fass aufgemacht werde… Bravo, Herr WM-Verpasser! Nach Ihrer Karriere können Sie bei BILD anfangen!

Wobei Labbadias Schwächen durchaus offensichtlich sind. Angefangen bei den Auswechslungen, die eine Zeitlang wirklich unverständlich waren. Auch die Dissonanzen um Frank Rost kann ich nicht nachvollziehen, gerade in dieser Phase. Rost hat einen Fehler gemacht und sich mit einer Clique aus dem Trainingslager vor dem letzten Heimspiel ins Kino abgesetzt – okay. Es wäre besser gewesen, die ganze Mannschaft mit einzubeziehen. Dafür wird Rost von Labbadia – zurecht – getadelt, aber offensichtlich in einer Art und Weise, dass er sich genötigt sieht, aus dem Mannschaftsrat zurückzutreten. Hallo, in was für einem Kindergarten sind wir denn hier?!? Kann man sowas vor einem wichtigen Bundesligaspiel nicht auf sich beruhen lassen? Rost ist ein Führungsspieler und alt genug, dass man mit ihm vernünftig redet. Es hätte völlig ausgereicht, ihm mitzuteilen, dass das so nicht geht, weil Cliquenbildung Gift ist und gerade der Mannschaftsgeist viel ausmacht, aber dass es ansonsten abgehakt ist.

Oder auch das Thema Trochowski. Meine Güte, den hätte Labbadia auch gleich in die Regionalliga schicken können, wenn er ihn demontieren wollte! Der ist ohnehin sein eigenes Thema. Wenn er spielt, dann versteckt er sich in der Regel nicht, sondern versucht – auch mit Distanzschüssen – Verantwortung zu übernehmen. Gegen Mainz hat er sogar, und das habe ich ihm hoch angerechnet, das gemacht, was als Außenspieler von ihm verlangt wird: Den Flügel zu halten und auch mal zur Grundlinie zu gehen. Wo er sonst in die Mitte zog, blieb er außen, um Demel zu unterstützen. Effektivität hin oder her, aber er lernt dazu! Wenn man ihn lässt. Und er spielt, wo er hingestellt wird. Nach den umstrittenen Auswechslungen gegen Mainz ging er sogar auf die 6er neben Zé Roberto! Auch wenn er eigentlich ein klassischer Spielmacher, ein 10er, wäre, denn da hätte er tatsächlich alle Freiheiten, und sein Wirken auf dem Platz zeigt eigentlich auch, dass er das braucht. Aber was macht Labbadia mit ihm? Tesche, Torun – alle anderen Optionen zieht er Trochowski vor. Eigentlich wäre der es, von dem Labbadia keine Leistung und Loyalität mehr erwarten müsste. Und dann kam die Szene in Hoffenheim, als Trochowski zum Einwurf rannte und verzweifelt darauf wartete, dass sich seine Mitspieler in Bewegung setzen…

Mal ganz abgesehen davon, dass die Verpflichtung von Ruud van Nistelrooy der größte Fehler seit Ailton war. Pardon, aber dass der diese Saison nicht mehr auf 100 Prozent kommt, ist klar. Er passt auch nicht in ein System, das von den Stürmern erwartet, dass einer von beiden immer zurückhängt und sich als Anspielstation anbietet. Das ist ja der größte Witz: van Nistelrooy würde von einem Spielmacher Trochowski am meisten profitieren! Oder von einem Spielmacher Zé Roberto, wenn der denn mal wieder Verantwortung übernehmen würde, anstatt hier und da mal mit der einen oder anderen Grätsche Leistung vorzutäuschen. Aber das ist der Haken: Die ganze Mannschaft versteckt sich hinter van Nistelrooy! Alle erwarten sie, dass er allein – wie in Stuttgart – die Spiele für sie gewinnt. Und Labbadia wurde damit der Druck auferlegt, ihn ständig spielen zu lassen, denn einen Weltstar wie ihn kann man doch nicht auf der Bank lassen! Wenn er denn nur noch einer wäre… Seinen Torriecher hat er ja noch, das will ich ja nicht in Abrede stellen. Aber er hat nicht viele Szenen auf dem Platz, und alles kapriziert sich auf ihn. Die Chance für die Sturmpartner, in seinem Windschatten zuzuschlagen? Außer Petric in Brügge reißt da keiner was, weder Guerrero gegen Fulham noch Berg gegen Mainz – obwohl der wenigstens Chancen hatte.

Die größte Aussage für den Spielercharakter macht aber die Diskrepanz zwischen Bundesliga-Nichtleistung und EuropaLeague-Euphorie. Zweimal stand es in letzteren Spielen auswärts Spitz auf Knopf, und beide Male kämpften sie sich weiter, während die Bundesliga sukzessive mit Durchhalteparolen innerlich abgeschenkt wurde. Nur: Was passiert, wenn die EuropaLeague nicht gewonnen wird? Dann gibt es in der kommenden Saison keine internationalen Spiele, und der HSV wird – und ich gehe fest davon aus, dass die „Operation Rathausmarkt“ scheitern wird – um Jahre zurückgeworfen. Nicht nur, dass Kaderverbesserungen dadurch schwerer werden, der Kader müsste auch deutlich verdünnt und verbilligt werden. Okay, um einige der hier genannten Spieler wäre es wahrlich nicht schade, und dazu zähle ich auch das beleidigte holländische Mimöschen Eljero Elia, das sich nicht zur Leistungserbringung genötigt sieht, wenn es nicht auf seiner Lieblingsposition linksaußen spielt – aber bei den HSV-„Fans“ gilt Trochowski als „limitiert“… Nein, es gibt reichlich entbehrliche Spieler, deren egomanische Charakter bestimmt keine Bereicherung für einen Club darstellen. Boateng, Elia, Zé Roberto, Petric, van Nistelrooy, Mathijsen – meinetwegen können die alle ersetzt werden. Am Hungertuch werden die dann nicht nagen. Es sind eben Edelnutten in Stollenschuhen: Sie verkaufen sich an den Meistbietenden, sind dabei aber wählerisch…

Vielleicht wäre das die Lösung? In Fulham müssten am Donnerstag einfach die ran, die mit ehrlichem und ganzem Herzen dabei sind und die, sollten sie es schaffen, das Stemmen des Pokals wirklich verdient hätten? Leute wie Bastian Reinhardt, Volker Schmidt, Kai-Fabian Schulz, Sören Bertram, Tomas Rincon, Christian Groß oder Hendrik Dettmann? Wenn die in Bausch und Bogen rausfliegen – das würde ich gern hinnehmen, solange sie alles geben. Mit einer Niederlage wegen fehlenden Könnens kann ich eher leben als mit einer Pleite wegen fehlenden Wollens, wie in den letzten Wochen oft gezeigt. Ein Titelgewinn in der EuropaLeague hätte für mich einen bitteren Beigeschmack. Wenn ich daran denke, wie die dreckigen Finger der genannten Leute dieses edle Ding in die Höhe recken und sie womöglich auch noch mehr als nur statistischen Eingang in die HSV-Chronik bekämen – widerlich! Was für eine Schmach muss das für echte Helden, echte Vorbilder wie Uwe Seeler, Kevin Keegan, Horst Hrubesch oder Manfred Kaltz sein, mit solchem charakterlosen Abschaum im gleichen Buch genannt zu werden. Und umso schlimmer, wenn sich Kinder solche ehrlosen Windbeutel als Vorbild nehmen! Bah, nein!

Das alles hat nichts mit dem HSV als solchem zu tun. Der HSV ist immer noch der großartigste Verein der Welt, und es gibt viele Gründe, sich mit ihm zu identifizieren und auf ihn stolz zu sein. Auch in dieser Saison: Die 1. Frauenmannschaft hat frühzeitig den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga gesichert, in der 2. Bundesliga Nord kämpft eine Hamburgerin um die Torjägerkrone, und die dritte Frauenmannschaft steht seit gestern als Hamburger Meister und Teilnehmer an der Aufstiegsrunde zur Regionalliga Nord gegen Werder Bremen II. und FFC Oldesloe II. fest und könnte die erste dritte Mannschaft in einer deutschen Regionalliga werden. Auch auf die ruhmreiche Vergangenheit, diesen goldenen Schuss von Felix Magath in Athen anno ’83 zum Beispiel, bin ich stolz. Nur nicht auf die aktuellen Repräsentanten bei den Männern. Ganz bestimmt nicht! Da man sie aber leider nicht an die Wand stellen und auspeitschen darf – tja, die Schari’a hat nicht nur schlechte Seiten -, würde ich sie vom letzten Bundesligaspieltag bis zum Beginn der FIFA-Schutzsperre am 17. Mai noch täglich über die Dörfer dieser Republik jagen, um sie im Testspielen Hohn und Spott aussetzen zu lassen. Und mit Glück würde der eine oder andere Nationalspieler wegen einer schwereren Verletzung noch die WM verpassen… Verdient hätte diesen Urlaub jedenfalls kein aktueller HSVer, vom verletzten Marcell Jansen oder Frank Rost mal abgesehen. Mit dem 12. Mai rechne ich ohnehin nicht mehr. Dafür haben diese Drecksäcke nicht genug Cojones.

Herzlichst,
Euer Fuxi

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