HSV II. gewinnt Speckgürtel-Derby

Das Bild des Spieltags: Oldesloe geht zum Ball, Patzke dreht lamentierend ab

Das Bild des Spieltags: Oldesloe geht zum Ball, Patzke dreht lamentierend ab

Das Ende von Hin- oder Rückrunde ist beinahe traditionell die Zeit der Nordderbies. Während der HSV II. in der Vorwoche in einem Wahnsinnsspiel dem Herforder SV 4:6 unterlag, gewann der FFC Oldesloe das Schleswig-Holstein-Derby bei Holstein Kiel mit 3:2. Nun stand also das Speckgürtel-Derby zwischen dem HSV und dem FFC an, ehe es in der Folgewoche für die Hamburgerinnen im Duell der Hafenstädte gegen Holstein Kiel geht. So kann ein Spielplanmacher natürlich auch zum Saisonende, wenn vermutlich alle drei den Klassenerhalt bereits in der Tasche haben, noch Spannung reinbringen. Nur die Kulisse war – wie bei HSV II. traditionell – enttäuschend: Gerade 102 Zuschauer fanden sich trotz freien Eintritts an der Hagenbeckstraße ein.

Jenny Weber ist geschlagen, Torschützin Kristin Engel dreht nach dem 0:1 jubelnd ab

Jenny Weber ist geschlagen, Torschützin Kristin Engel dreht nach dem 0:1 jubelnd ab

Die Rothosen konnten im Vergleich zur Vorwoche wieder auf einige Spielerinnen zurückgreifen: Neben Abwehrspielerin Henrike Meiforth kehrte auch Stammkeeperin Jennifer Weber wieder in die Startelf zurück, und die slowenische Nationalspielerin Fata Salkunic war ebenfalls wieder mit von der Partie, spielte im Sturm neben der Dreifachtorschützin der Vorwoche, Kathrin Patzke. FFC-Coach Michael Clausen nahm im Vergleich zum 3:2 in Kiel nur eine Veränderung vor: Svenja Fritz rückte anstelle von Marieke Bauer wieder in die Startelf.

Sarah Begunk hat die Riesenchance zum Ausgleich, zögert aber zu lange, und Backhaus pariert zur Ecke

Sarah Begunk hat die Riesenchance zum Ausgleich, zögert aber zu lange, und Backhaus pariert zur Ecke

Zu Beginn wirkten die Gastgeberinnen etwas zielstrebiger. Nach zwei Minuten gab Sarah Begunk, an diesem Tag auf der rechten Außenbahn aufgeboten, den ersten Warnschuss ab. Und fünf Minuten später spielte Catharina Schimpf einen langen Ball aus der eigenen Hälfte auf Patzke, der beinahe zu einem Tor geführt hätte, doch die Stürmerin verpatzte die Ballmitnahme an Oldesloes Keeperin Janne Backhaus vorbei, und so war die Chance vertan. Dann der erste Vorstoß der Oldesloerinnen in der 11. Minute. Kucharski dribbelte an Wolfgramm vorbei zum Strafraum, passte vor Borkowski quer, und Kristin Engel konnte freistehend zum 0:1 einschieben. Das hatte der FFC schön herausgespielt gegen allerdings auch bedeutend zu zaghaft störende Gastgeberinnen. Die antworteten mit einem Schuss von Fata Salkunic aus 22 Metern, den Janne Backhaus im Flug fangen konnte (13.). Auf der anderen Seite hätte Ex-HSVerin Claudia Wenzel dem FFC eine noch komfortablere Ausgangsposition verschaffen können, als sie nach Fehlpass von Johanna Borkowski die Verteidigerin umkurvte, mit ihrem Linksschuss das Tor aber deutlich verfehlte (19.). Die 39-Jährige spielte von 1991 bis 2002 beim HSV und erlebte ihren Karrierehöhepunkt 2002 beim DFB-Pokalfinale in Berlin, als der HSV dem 1.FFC Frankfurt 0:5 unterlag. Seit 2005 will sie eigentlich jährlich ihre aktive Laufbahn beenden, ist aber als Kopf und Kapitänin des Teams praktisch unentbehrlich.

Bei diesem Zusammenprall bekommt Mirja Herrmann die Hand von Kathrin Patzke ins Gesicht...

Bei diesem Zusammenprall bekommt Mirja Herrmann die Hand von Kathrin Patzke ins Gesicht...

Nach etwa 20 Minuten kam aber der HSV II. besser ins Spielgeschehen hinein. Ein Freistoß von Schacher vom linken Strafraumeck hielt Backhaus sicher. Danach entwickelte sich die dickste Chance der Rothosen. Mayline Danner schickte Begunk mit einem Steilpass hinter die Abwehr auf die Reise. Die junge Mittelfeldspielerin war um Strafraum frei vor Backhaus, zögerte aber zu lange, und ihr Versuch aus spitzem Winkel wurde schließlich zur Ecke abgewehrt (24.). Danach verflachte die Partie etwas. Kathrin Patzke, schärfste Sturmwaffe der HSV-Reserve, war bis zu diesem Zeitpunkt stumpf geblieben. Sie rieb sich in Duellen auf und monierte ein ums andere Mal fast flehentlich vermeintliche Foulspiele, die Schiedsrichterin Kathrin Heimann nicht zu Pfiffen verleiteten. Vielleicht waren ihre Reaktionen auch einer negativen Grundeinstellung gegenüber dem Gegner geschuldet, immerhin hatte die Nummer 5 des HSV genau diese Spielweise, mit der sie nicht zurecht kommen mag, vorher befürchtet. Nur einmal teilte sie selbst aus, allerdings unfreiwillig: Bei einem unglücklichen Zusammenprall im Kampf um den Ball traf sie die frühere HSV-Verteidigerin Marja Herrmann (wechselte 2002 ebenfalls nach Oldesloe) mit dem Arm am Mund. Nach kurzer Behandlungspause konnte es allerdings für die Innenverteidigerin weitergehen. Dieser Zwischenfall, in dem Patzke „ausgeteilt“ hatte, hatte allerdings eine andere Folge. Begunk passte von rechts zur Mitte zu Jobina Lahr. Die behauptete den Ball, den ihr Verena Hildebrandt vom Fuß grätschte, der dann aber bei Patzke landete. Die umkurvte erst Franziska Koop, dann Mirja Herrmann und schließlich auch Joy Grube, schob dann an Backhaus vorbei zum 1:1 ins lange Eck (34.). Ein typisches Tor für die frühere Erstligaspielerin.

... und muss behandelt werden. Kurz darauf geht es weiter.

... und muss behandelt werden. Kurz darauf geht es weiter.

Der HSV versuchte nun nachzulegen. Lahr spielte halblinks steil auf Patzke, die – allerdings im Abseits – den Ball mitnahm. Doch Koop rettete zur Ecke (38.). Der FFC verlegte sich aufs Kontern. Koops langer Klärungsball in der 41. Minute landete bei Gaitana Lippert. Das Oldesloer Pendant zu Patzke spielte halblinks die aufgerückte Wenzel an. Bei deren Linksschuss war Weber jedoch unten. Und noch einmal bekamen sie die Möglichkeit zum 1:2, als Meiforth die Kugel fahrlässig vertändelte. Lippert marschierte über rechts, flankte, doch Kucharski traf den Ball per Kopf nicht richtig, so dass Borkowski retten konnte. Als die Stormarnerinnen sich schon in der Pause wähnten, kam noch einmal der HSV. Patzke wurde rechts steil geschickt. Backhaus rannte aus ihrem Kasten, doch Patzke erreichte den Ball vor ihr und vor der Auslinie und drehte ab. In der Mitte war Lahr mitgelaufen, und die sollte eigentlich die Adressatin der nachfolgenden Flanke sein. Der Ball rutschte Patzke jedoch ab, flog über die zurückeilende Torfrau hinweg und sprang knapp neben dem Pfosten links ins Netz zum 2:1 (45.+1). Ein Duseltor, das Patzke, die sich noch immer zu hart von den Verteidigerinnen angegangen wähnte, entsprechend bejubelte. Aber die Führung ging auch in Ordnung. Der HSV hatte sich insgesamt leichte Vorteile erspielt und war sowohl glücklicher als auch effektiver. Oldesloe hingegen sorgte mit Kontern beständig für Unruhe und Torgefahr, überbrückte schneller das Mittelfeld. Lippert war schwer zu stoppen, aber vor allem die nachrückenden Kräfte aus dem Mittelfeld, wie Torschützin Engel oder Wenzel waren schwer auszurechnen. Dazu kamen einfache Fehler des jungen HSV-Teams. Aber: Letztlich begünstigte auch zu zaghaftes Abwehrverhalten den Ausgleich der Hanseatinnen.

Claudia Wenzel vergibt freistehend ihre Großchance zum 3:2-Anschlusstreffer

Claudia Wenzel vergibt freistehend ihre Großchance zum 3:2-Anschlusstreffer

Für die zweite Hälfte nahm FFC-Coach Clausen eine personelle Veränderung vor: Verena Hildebrandt blieb in der Kabine, und für sie war nun Liva Zunker im Spiel. Die Partie blieb offen. Zunächst schuss Schacher aus 23 Metern knapp links drüber (46.). Auf der anderen Seite verlor sie den Ball leichtfertig an Wenzel, Lippert kam an den Ball und schickte Wenzel steil. Die hatte freie Bahn, hob den Ball dann aber rechts am Weber-Gehäuse vorbei (54.)! Das hätte eigentlich das 2:2 sein müssen, andererseits war Wenzel nie eine Torjägerin. Im DFB-Pokalfinale 2002 hieß ihre Gegenspielerin Birgit Prinz. Im Anschluss musste Oldesloe ein zweites Mal wechseln. Nachdem Svenja Fritz nach einem Foul an Carina Wolfgramm in der ersten Halbzeit mit Gelb vorbelastet war, brachte Clausen nun Marieke Bauer. Das Spiel blieb offen, und der HSV drückte auf das 3:1. In der 61. Minute wurde Patzke rechts mit einem langen Ball bedient. Gegen Herrmann schirmte sie den Ball ab, wartete und passte kurz zurück, als Salkunic nachgerückt war. Die nahm das Leder an und versenkte es trocken aus 17 Metern rechts unten. War das die Vorentscheidung?

Janne Backhaus wurde vier Mal überwunden, sah nur bei Patzkes 2:1 unglücklich aus. Hier hechtet sie einem Eckball entgegen, um ein Tor von Borkowski zu verhindern.

Janne Backhaus wurde vier Mal überwunden, sah nur bei Patzkes 2:1 unglücklich aus. Hier hechtet sie einem Eckball entgegen, um ein Tor von Borkowski zu verhindern.

Hamburg setzte nach. Schacher passte von links an den Strafraum, Begunk nahm an, setzte sich durch, dribbelte und schoss aus 15 Metern knapp links drüber (62.). Das Nachsetzen war nötig, denn der FFC gab sich noch lange nicht geschlagen. In der 67. Minute holte Borkowski Kucharski nach Zuspiel von Stefanie Storm von den Beinen. Den anschließenden Freistoß aus 17 Metern setzte Wenzel drüber. Auf der Gegenseite war Backhaus unten und hielt einen Abschluss von Danner nach Ablage von Schacher problemlos. Nur eine Minute später spielte Schacher das Spielgerät hoch und weit nach vorn. Patzke gewann das Kopfballduell gegen Herrmann, legte den Ball an Bauer vorbei, marschierte zum Elfmeterpunkt, dort auch an Backhaus vorbei und lochte zum 4:1 ein (70.). Damit war die Begegnung praktisch entschieden. Der HSV hatte sich deutlich gesteigert, agierte temporeich und druckvoll, wollte weitere Tore. Oldesloe kam dadurch nicht dazu, selbst Druck aufzubauen und den Anschlusstreffer zu erzwingen. Folge war das Gegentor – und beinahe das nächste hinterher. Lahr schickte Patzke über links. Nach deren Hereingabe musste Begunk abdrehen, legte dann aber noch für Lahr auf, und die schoss rechts vorbei (72.).

Der dritte Streich: Patzke hat sich gegen Herrmann und Bauer durchgesetzt und lässt beim 4:1 auch Backhaus keine Chance.

Der dritte Streich: Patzke hat sich gegen Herrmann und Bauer durchgesetzt und lässt beim 4:1 auch Backhaus keine Chance.

Beim HSV folgte nun der erste Wechsel. Fata Salkunic verließ das Feld, und Seda Heinrich kam ins Spiel. Und war an der nächsten Szene gleich beteiligt, als sie diagonal in den Strafraum passte, wo Begunk frei vor Backhaus im Fallen knapp rechts vorbei schoss. Begunk und Heinrich waren 2008 mit Holstein Kiel Norddeutsche B-Juniorinnen-Meister geworden – durch ein 2:1 gegen den HSV und zwei Tore von Heinrich. Bei Oldesloe kam der letzte Joker, Jacqueline Bleser für Kristina Kucharski. Nach einem Foul von Meiforth an Lippert, für das die Hamburgerin Gelb bekam, trat Koop den Freistoß flach aus 24 Metern, aber Weber war unten (83.). Nur eine Minute später konterte Oldesloe, Wenzel spielte steil auf Lippert hinter die weit aufgerückte Viererkette. In der 1-gegen-1-Situation wackelte die Stürmerin die HSV-Keeperin aus und traf flach zum 4:2 (84.). Aber das Spiel hätte auch noch 5:2 ausgehen können. Zunächst köpfte Heinrich nach Lahr-Eckball rechts vorbei (86.), dann verpasste Schacher den Schlusspunkt, als sie nach einem Solo aus 15 Metern nur die Latte traf (90.).

Nach Steilpass von Wenzel schließt Lippert den Konter mit dem 4:2 ab.

Nach Steilpass von Wenzel schließt Lippert den Konter mit dem 4:2 ab.

Aber auch so war das 4:2 verdient. Oldesloe gab sich nie auf, fand aber nur bedingt Gegenwehr gegen eine HSV-Mannschaft, die nach dem 2:1-Pausenstand erst so richtig aufgewacht war und seine Qualitäten ausspielte. Das war zu einigen Teilen aber auch der Trotzreaktion von Patzke zu verdanken, die sich anstelle des Lamentierens immer mehr fußballerisch in Szene setzen konnte und bewies, warum sie sportlich für die Mannschaft unglaublich wichtig ist. Dem FFC fehlte in den entscheidenden Momenten der Biss, um dieses Spiel ausgeglichen zu gestalten und den Anspruch auf die inoffzielle Vorherrschaft im Norden zu untermauern.


Statistik:

Hamburger SV II.: Jennifer Weber – Daniela Schacher, Henrike Meiforth, Johanna Borkowski, Catharina Schimpf – Jobina Lahr (88. Cathérine Knobloch), Mayline Danner, Carina Wolfgramm, Sarah Begunk – Kathrin Patzke, Fata Salkunic (74. Seda Heinrich)

FFC Oldesloe 2000: Janne Backhaus – Franziska Koop, Verena Hildebrandt (46. Liva Zunker), Mirja Herrmann, Joy Grube – Kristin Engel, Svenja Fritz (54. Marieke Bauer), Claudia Wenzel, Stefanie Storm – Kristina Kucharski (79. Jacqueline Bleser), Gaitana Lippert

Schiedsrichterin: Kathrin Heimann (Gladbeck) mit Caroline Telahr (Essen) und Regina Heim (Olpe)

Zuschauer: 102

Tore: 0:1 Engel (11.), 1:1 Patzke (34.), 2:1 Patzke (45.+1), 3:1 Salkunic (61.), 4:1 Patzke (70.), 4:2 Lippert (84.)

Gelbe Karten: Fritz (42. Minute, Oldesloe, Foulspiel), Meiforth (82. Minute, Hamburg, Foulspiel)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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