„Schulzdown“ in Norderstedt

HSV-Coach Peter Schulz (links) und sein Meiendorfer Pendant gleichen Nachnamens (rechts)

HSV-Coach Peter Schulz (links) und sein Meiendorfer Pendant gleichen Nachnamens (rechts)

Für die dritte Mannschaft des Hamburger SV ging es am 10. Spieltag der Verbandsliga auch reell wieder um die Tabellenführung. Nachdem das Spiel des Konkurrenten SC Eilbek aus Witterungsgründen abgesagt worden war, konnten die Rothosen nach gespielten Spielen gleich- und nach Punkten vorbeiziehen. Voraussetzung war ein Sieg gegen den Meiendorfer SV, einen unangenehmen Gegner, mit dem HSV-Teams aber schon häufiger in der Vorbereitung auf Hin- oder Rückserie die Klingen gekreuzt hatten. Man kannte sich also.  Doch das war nicht das Bemerkenswerteste an dieser Partie, sondern dass es ein „Schulzdown“ war. Beide Coaches, Peter vom HSV und Thomas vom MSV, teilten den gleichen Nachnamen, und waren Trainer ihrer jeweiligen Töchter. Während Thomas Schulz‘ Sprössling Tatjana beim MSV als beste Torschützin ihres Team im Sturm wirbeln sollte, sah Jenny beim HSV von draußen zu, da sie für das Spiel der Vierten gegen SCALA vorgesehen war.

Vera Homp übrspringt die fast einen Kopf größere Angelika Beushausen

Vera Homp überspringt die fast einen Kopf größere Angelika Beushausen

Zehn Minuten brauchten beide Teams für die Abtastphase, dann beendete Meiendorf sie abrupt: Aus halbrechter Position schlug Angelika Beushausen einen langen Ball an den Strafraum, HSV-Abwehrspielerin [ANONYME SPIELERIN] [Anmerkung: Dieser Bericht wurde nachträglich bearbeitet. Begründung unter die-torjaeger.de] fabrizierte einen Querschläger, und dahinter sagte eine Meiendorfer Stürmerin herzlich „danke“ mit dem 0:1. Torschützin: Tatjana Schulz – wer sonst – mit ihrem neunten Ligatreffer. Die Gastgeberinnen kamen nur langsam in Tritt. Zwar bemühten sie sich darum, das Spiel zu machen, begingen dabei aber viel zu viele vermeidbare technische Fehler. Und auch taktisch bewegte sich die Mannschaft nicht so, wie sich ihr Trainer das vorgestellt hatte. Die bis zur 20. Minute einzigen Torschüsse kamen von der erst 16-jährigen Lara Wolff: Einen Freistoß schlug sie vom rechten Strafraumeck ans Außennetz (11.), und fünf Minuten später zielte sie aus 25 Metern knapp rechts neben den Pfosten. Insgesamt hatte Meiendorf wenig Mühe, sich den weitgehend unstrukturiert wirkenden Angriffen des HSV zu erwehren, und ihre eigenen schnellen Gegenzüge versprühten mehr Gefahr. Auch Cindy Raks schwacher Abschluss nach Zuspiel von Paula Ziselsberger änderte daran nichts. Gefährlich wurde es erst in der 27. Minute erstmals wirklich. Eine der mehr als ein Dutzend von Wolff getretenen Eckbälle wurde vor den Strafraum abgewehrt. Zweitliga-Leihgabe Vera Homp dribbelte an drei Gegenspielerinnen vorbei in den Sechzehner, stand frei vor Keeperin Jennifer Brandis, doch ihr Schuss war so unplatziert, dass die Torhüterin, die die Ecke geahnt hatte, abwehren konnte. Homp setzte noch einmal nach, spitzelte das Leder an der Schlussfrau vorbei, die aber klärte dann mit einer Grätsche zur Ecke. HSV-Coach Peter Schulz hätte sich die Haare raufen können – wenn da welche zum Raufen gewesen wären.

Kopfballduell zwischen Tatjana Schulz und Pajtesa Kameraj. Die Meiendorferin traf zum 0:1.

Kopfballduell zwischen Tatjana Schulz und Pajtesa Kameraj. Die Meiendorferin traf zum 0:1.

Nach einer halben Stunde war der HSV feldüberlegen, ließ jedoch in Strafraumnähe die letzte Konsequenz vermissen. Dann flankte [ANONYME SPIELERIN] von halbrechts, Ziselsberger verlor das Kopfballduell gegen Beushausen, doch Homp kam aus der zweiten Reihe zum Direktschuss und traf nur den Pfosten. Drei Minuten später passte Cindy Rak von halbrechts vor den Strafraum, Homp nahm das Leder an, und ihr abgefälschter Schuss ging knapp rechts vorbei (34.). Vor der Pause wurde Meiendorf nur noch einmal halbwegs gefährlich, als Frauke Graetz einen Freistoß aus 21 Metern deutlich über die Latte knallte (36.). Der Meiendorfer SV wartete auf Fehler und Kontermöglichkeiten. Beim HSV sah es bis zum Strafraum nun besser aus, zeigte aber immer noch zu viele Unzulänglichkeiten, vor allem in Strafraumnähe, wo Meiendorf engmaschig wartete. Auch die letzte Chance des ersten Durchgangs blieb ungenutzt: Annika Rode spielte links Wolff an. Die übersprang die Grätsche von Graetz und zog einfach mal frech aus der Halbposition ab. Brandis machte sich lang und lenkte den Schuss am Tor vorbei. So blieb es beim 0:1.

Hängende Köpfe und deutliche Worte: HSV-Coach Peter Schulz hatte einiges in der Pause anzusprechen.

Hängende Köpfe und deutliche Worte: HSV-Coach Peter Schulz hatte einiges in der Pause anzusprechen.

Der HSV-Trainer konnte mit seinem Team nicht zufrieden sein. Seine Schützlinge agierten oft zu zögerlich und unkonzentriert. Ihre Fehler brachten Entlastung für die Gäste, die gar nicht viel tun mussten, um die Führung zu verteidigen. Natürlich hatte der Aufsteiger seine Großchancen bekommen, vor allem durch Zweitliga-Leihgabe Homp. Spielerisch allerdings war keine entsprechende Niveauhebung zu erkennen. Kathrin Miotke war bis dato völlig unauffällig, geradezu wirkungslos.

Vera Homp mit einer Großchance per Kopf. Ihr Vater Tobias war Bundesligaprofi beim HSV und FC Homburg.

Vera Homp mit einer Großchance per Kopf. Ihr Vater Tobias war Bundesligaprofi beim HSV und FC Homburg.

Für den zweiten Durchgang hatte sich der HSV einiges vorgenommen. Doch zunächst sah es aus wie in den ersten 45 Minuten. Pajtesa Kameraj spielte einen Verlegenheitsball in den Strafraum, der für Brandis kein Problem darstellen sollte – dennoch ließ sie die Kugel prallen. Ziselsberger kam in Ballbesitz, drehte sich und legte für Miotke auf. Das Ergebnis war ein völlig verpatzter Schuss, der zu ihrer Wirkung der bisherigen 49 Minuten auf dem Platz passte. Der HSV spielte weiter nach vorn. Stuths Freistoß von links verpasste Homp am ersten Pfosten, dahinter war aber Wolff frei, und der Ball tropfte ihr von der Innenseite knapp am Tor vorbei ab (53.). Und wieder folgte eine chaotische Strafraumszene, die der HSV nicht ausnutzte. Brandis boxte eine Wolff-Ecke zurück auf den Flügel. Dort ließ das Küken Stefanie Hellwig stehen und flankte flach herein. Homp verpatzte die Ballannahme, dahinter bekam aber Rode die Kugel unter Kontrolle. Sie spitzelte zu Miotke, die das Leder dann unkontrolliert Richtung Tor spitzelte, und mit der Fußspitze klärte Brandis schließlich zum nächsten Eckball (53.).

Nach dem Sololauf zum Ausgleich bekommt Kathrin Miotke eine berechtigte Gratulation von Teamkollegin Paula Ziselsberger

Nach dem Sololauf zum Ausgleich bekommt Kathrin Miotke eine berechtigte Gratulation von Teamkollegin Paula Ziselsberger

Beim MSV kam nun Anika Jack für Melanie Bußmann herein. Dass die Gäste immer noch führten, war der Harmlosigkeit des HSV zuzuschreiben. Ein Beispiel: Ecke Wolff von rechts, Rode verpasste, und dahinter beförderte Homp den Ball aufs Tornetz (59.). Sie drängten weiter auf den Ausgleich, ohne größere Gefahr zu entwickeln. Das lag wohl auch an der mangelnden Bindung von Homp und Miotke ans Spiel. Bis zur 64. Minute, als Letztgenannte Moral bewies. Meiendorf verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball kurz hinter der Mittellinie. In der eigenen Spielhälfte kam Miotke in Ballbesitz und startete durch. Sie konnte ihren Sololauf durch die MSV-Hälfte völlig ungestört durchziehen bis zum Strafraum, und dort schoss sie trocken unten links zum erlösenden 1:1 ein, unhaltbar für Brandis. Nach Spielanteilen und Torschüssen war der Ausgleich hochverdient.

Paula Ziselsberger kann aus drei Metern alles klar machen, trifft aber nur ans Außennetz

Paula Ziselsberger kann aus drei Metern alles klar machen, trifft aber nur ans Außennetz. Zum 3:1 fehlt in dieser Szene der Killerinstinkt.

Das Tor löste nicht nur bei Miotke eine Kopfbarriere. In den folgenden 25 Minuten erarbeiteten sie sich noch zehn weitere Chancen. Zunächst konnte Brandis einen Schuss von Wolff aus der Drehung aufnehen. Dann prüfte Ziselsberger Brandis mit einem Schuss aus 19 Metern mit dem schwächeren linken Fuß. Die Torhüterin wehrte zur Ecke ab (69.). Dann verlor Meiendorf den Ball am eigenen Strafraum. Kameraj spielte nach halblinks zu Homp, die sich im Zweikampf behaupten konnte und im Fallen aus der Drehung aufs kurze Eck abschloss. Dabei erwischte sie Brandis auf dem falschen Fuß, und der Ball schlug zum umjubelten 2:1 ein (70.). Auch dieses Ergebnis war mittlerweile verdient. Meiendorf wirkte bereits k.o., und so drängten die Platzherrinnen auf die Vorentscheidung. Nach Ecke von Wolff köpfte Homp am zweiten Pfosten links vorbei (73.). Nach dem zweiten Meiendorfer Wechsel, als Stephanie Gerull für Stefanie Hellwig gekommen war, brachte Wolff wieder einen Eckball herein, der abgewehrt wurde. Vor dem Strafraum probierte es [ANONYME SPIELERIN] mit einem flachen Direktschuss aus 21 Metern, den Brandis hielt (74.). Nächste Ecke von Wolff, am zweiten Pfosten kam Homp frei zum Kopfball – knapp drüber (76.). Und in der 77. Minute drosch Wolff einen Freistoß aus 19 Metern zentral scharf aufs Tor. Brandis klatschte ab vor die Füße von Ziselsberger, die aber traf aus drei Metern nur das Außennetz! Sie schürten die Gäste phasenweise ein, vor dem Kasten aber fehlte der Killerinstinkt.  Das war inzwischen das einzige Manko im zweiten Spielabschnitt.

Tatjana Schulz kann es nicht fassen - gerade hat sie das 2:2 vergeben

Tatjana Schulz kann es nicht fassen - gerade hat sie das 2:2 vergeben

Nach dieser vergebenen Chance meldete sich aber der Gast nochmal zu Wort und verdeutlichte, dass das 2:1 noch lange nicht das zementierte Endergebnis sein sollte. Franziska Kalloch kam bei einem Gerull-Freistoß von rechts zu spät, dahinter war aber Schulz völlig frei – und traf mit dem Schienbein im Fünfmeterraum Zentimeter links daneben (78.). Was für eine Ausgleichsmöglichkeit! Nochmal Meiendorf. Graetz‘ Einwurf von links verlängerte Schulz mit der Stirn auf den Fuß von Kalloch, der Schuss jedoch war zu schwach, um Claudia Choinowski im HSV-Kasten zu überwinden. Thomas Schulz zog den letzten Joker: Svenja Payne kam für Angelika Beushausen. Auch der HSV wechselte nun. B-Juniorin Denise Meinberg feierte ihren Einstand anstelle von Paula Ziselsberger. Im direkten Anschluss brachte Wolff eine Ecke herein, Homp kam zum Kopfball, aber am Pfosten schlug Nadine Terheyde die Kugel von der Linie, verhinderte so die Entscheidung (85.). In der 88. Minute war es Kameraj, die aus 20 Metern nach Ablage von Miotke drüber schoss. Die 90. Minute: Wolff knüppelte einen Freistoß aus 21 Metern stramm auf die Torwartecke. Brandis tauchte ab, war mit der Hand dran und lenkte das Geschoss an den Pfosten. Den Abpraller klärte eine Verteidigerin zur Ecke. Aber Brandis hatte sich weh getan, musste behandelt werden. Den nachfolgenden Eckball brachte wieder Wolff halbhoch herein, Miotke verlängerte per Fuß aufs lange Eck, doch dort stand wieder Terheyde, rettete erneut auf der Linie. Auch Meiendorf bekam noch seine Ausgleichschance in der Nachspielzeit. Graetz trat in 26 Metern Entfernung zum Freistoß an. Noch einmal Zittern beim HSV. Last-Minute-Gegentore kassierten schon viele Mannschaften auf der Welt bei knapper Führung. Doch Graetz‘ Versuch flog rechts über den Winkel (90.+2). Das war’s.

Beste bei Meiendorf war Jennifer "Jey" Brandis. Sie bewahrte den MSV mit vielen Paraden vor einer höheren Niederlage.

Beste bei Meiendorf war Jennifer "Jey" Brandis. Sie bewahrte den MSV mit vielen Paraden vor einer höheren Niederlage.

Der HSV hatte sich im zweiten Durchgang deutlich gesteigert, spielte druckvoll, schnell, und mit den Toren kam auch das Selbstvertrauen. Allerdings vergaben sie zu viele Chancen, und auch Brandis machte mit starken Paraden viele zunichte, sorgte dafür, dass ihr Team im Spiel blieb. Letztlich ging das Ergebnis aber vollauf in Ordnung.


Statistik:

Hamburger SV III.: Claudia Choinowski – Katharina Stuth, Tanja Thormählen, Annika Rode, [ANONYME SPIELERIN] – Lara Wolff, Pajtesa Kameraj, Cindy Rak – Vera Homp, Paula Ziselsberger (85. Denise Meinberg) – Kathrin Miotke

Meiendorfer SV: Jennifer Brandis – Azra Kunosic, Nadine Terheyde, Sirkka Neugebauer, Angelika Beushausen (83. Svenja Payne) – Stefanie Hellwig (73. Stephanie Gerull), Frauke Graetz, Melanie Bußmann (57. Anika Jack) – Katrin Gebhardt – Tatjana Schulz, Franziska Kalloch

Schiedsrichter: Onur Karakaya (Grün-Weiß Eimsbüttel) mit Gespann

Tore: 0:1 Schulz (10.), 1:1 Miotke (64.), 2:1 Homp (70.)

Gelbe Karten: keine


Herzlichst,
Euer Fuxi

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Eine Antwort to “„Schulzdown“ in Norderstedt”

  1. Jey Says:

    Hey Fuxi,

    dass warten hat sich gelohnt,sehr schöner Spielbericht;)
    ich wollte fragen ob du mir das letzte Foto zukommen lassen kannst?
    wäre super nett:D

    lg

    Jennifer Brandis

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