Geglückte Debüts für zwei Teilzeit-Torhüterinnen

Sarah Lohse erzielte drei Tore für den HSV und setzt sich hier gegen Cosima Söchting durch

Sarah Lohse erzielte drei Tore für den HSV und setzt sich hier gegen Cosima Söchting durch

Für die B-Juniorinnen des HSV war das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli nicht nur ein Derby der beiden bekanntesten Hamburger Fußballvereine. Es war auch das Debüt der neuen Trainerin in Alleinregie. Thorsten Wenzel war in der Vorwoche wegen mangelnder Unterstützung durch die Bundesliga – so die offizielle Begründung – zurückgetreten. Man kann sich leicht ausrechnen, dass es dabei nicht um die Abstellung von Spielerinnen wie Lena Petermann ging. Nun also war Andrea Rehfeldt verantwortlich, und das, obwohl sie auch erst im Sommer als Zweitliga-Torhüterin vom FFC Oldesloe zum HSV gewechselt war. Aber nicht nur für sie war dieses Spiel eine Premiere: Die belgische U17-Nationalkeeperin Yasmine Sennewald war erstmals als Feldspielerin im Kader.

Lohse gehörte in der Anfangsphase noch zu den besten HSVerinnen. Hier lässt sie Alina Bensch ins Leere laufen.

Lohse gehörte in der Anfangsphase noch zu den besten HSVerinnen. Hier lässt sie Alina Bensch ins Leere laufen.

Die personellen Veränderungen waren, wenn überhaupt, überschaubar. Beide Teams setzten auf ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Beim HSV stand Saskia Schippmann zwischen den Pfosten. Links und rechts in der Kette verteidigten Julia Trabe und Denise Meinberg, innen Alena Rauch und Johanna Karrenbauer. Vor der Abwehr sollte Kristin Witte auf der „Sechs“ abräumen und Fjolla Gara hinter den Spitzen unterstützen. Für die Flügelarbeit waren Lysianne Poleska und Jennifer Kaminski verantwortlich. Den Sturm bildeten Carrie Gattke und Sarah Lohse. Beim FC St. Pauli bildete die eher untersetzte Torhüterin Sabrina Kosche einen deutlichen optischen Kontrast zu ihrem groß gewachsenen HSV-Pendant. Die Viererkette besetzten Leilah Sulejmani, Alina Bensch, Cosima Söchting und Matti Jaiteh. Im Mittelfeld agierten Natascha Hintzen links, Marie-Sophie Beck zentral und Franziska Meyer rechts, davor Cristiana dos Santos Souza hinter den beiden Spitzen Seda Caylak und Eylyl Söyleylen.

St. Pauli versteckte sich nicht und spielte munter auf Sieg. Seda Caylak und Denise Meinberg im Duell.

St. Pauli versteckte sich nicht und spielte munter auf Sieg. Seda Caylak und Denise Meinberg im Duell.

Spielerisch war die Partie in der ersten Halbzeit vor allem eines: Zerfahren. Der HSV startete zwar feldüberlegen, aber auch fehlerintensiv und konteranfällig ins Spiel. Den Auftakt machte Sarah Lohse, die nach einem abgeblockten Schuss von Kristin Witte aus halblinker Position den Nachschuss rechts neben das Gehäuse der Gastgeber setzte (2.). Aber auch St. Pauli kam schnell zu einer Einschussgelegenheit. Nach Pass von Söyleylen stürmte Beck in den Sechzehner, ihren Schuss hielt Schippmann aber sicher. Es ging hin und her. Nun war wieder der HSV an der Reihe. Meinberg warf rechts auf Kaminski ein und bekam den Ball zurück, aber nach ihrer Flanke konnte St. Pauli im Gewühl klären, ehe Gara einschießen konnte (4.). Auf der anderen Seite setzte Meyer einen Schuss aus 17 Metern volley links vorbei. Die Chancen vor beiden Toren blieben weitgehend harmlos. Eine Flanke von Kaminski wurde abgewehrt, Witte probierte es aus dem Lauf flach, doch der 25-Meter-Schuss war kein Problem für Kosche (11.). Dann kam Poleska nach einem Stellungsfehler von Söchting in aussichtsreiche Position, wurde aber wieder eingeholt, und ihr Schüsschen verfehlte den Kasten. Der HSV wirkte etwas behäbig und halbherzig in seinen Aktionen. St. Pauli ging aggressiv in die Zweikämpfe, versteckte sich nicht und bereitete dem Tabellenführer so viel Mühe.

Der HSV kämpfte sich in die Partie. Julia Trabe gewinnt das Kopfballduell gegen Eylyl Söyleylen

Der HSV kämpfte sich in die Partie. Julia Trabe gewinnt das Kopfballduell gegen Eylyl Söyleylen

Bis dato war es kein schönes Spiel, das aber nach einer Viertelstunde einen nachhaltigen Impuls bekommen sollte. Nach einem Fehlpass von Gara konterte Pauli über rechts, dos Santos Souza wurde auf dem Flügel geschickt. Poleska konnte ihr nicht folgen, und auch Trabe verlor das Laufduell. Rechts im Strafraum zog die Paulianerin dann einfach ab und traf an Schippmann vorbei ins lange Eck zum 1:0 (15.)! Und das war auch nicht ganz unverdient. Der HSV war unkonzentriert, beging leichte Fehler und Ungenauigkeiten. Fünf Minuten nach der Führung fing Gara einen Abstoß von Sulejmani ab und köpfte ihn nach vorn. Sarah Lohse war schneller als die Innenverteidigung und schoss das Leder über Kosche hinweg zum 1:1 in die Maschen (20.). In der Folge entwickelte der HSV nun mehr Schwung. Gattke schickte links Poleska auf den Flügel. Ihre Flanke in den Rücken von Lohse wurde von St. Pauli rausgespitzelt, aber Gara kam aus 23 Metern zu einem fulminanten Schuss, der laut klatschend an den linken Pfosten krachte (23.). Aber der HSV suchte weiterhin seine spielerische Linie. Insgesamt gab es viele Zweikämpfe, von denen St. Pauli viele gewann, weil sie eng an ihren Gegenspielerinnen standen und Fehler erzwingen konnten. So waren die meisten Schüsse des HSV so harmlos wie der von Gara in der 29. Minute aus 18 Metern oder Meinbergs Schlenzer auf Kosche eine Minute später. St. Paulis Manko war die Abwehr und das Spiel von hinten heraus. Erneut fing Trabe einen Abstoß von Sulejmani ab und spielte links steil auf Gattke. Im Strafraum setzte die sich gegen Söchting durch und schob das Leder zum 1:2 ins lange Eck (31.). Nur 60 Sekunden später bediente Lohse halblinks erneut Gattke. Die Stürmerin marschierte in den Strafraum, ließ mit einem Haken Jaiteh ins Leere laufen und versetzte auch Söchting, ehe sie den Ball über Kosche hinweg ins Tor schlenzte – 1:3 (32.). Die letzte Torszene des Durchgangs war ein Aufsetzer von Witte aus 28 Metern, harmlos für Kosche.

Carrie Gattke legt den Ball an Matti Jaiteh vorbei und trifft dann zum 1:2

Carrie Gattke legt den Ball an Matti Jaiteh vorbei und trifft dann zum 1:2

Nach der Leistungssteigerung war die Führung des HSV durchaus verdient, wenn auch zu hoch. Nach dem Ausgleich kam von St. Pauli offensiv nichts Gefährliches mehr, auch weil das 1:1 den Tabellenführer beflügelte. Die Rothosen waren nun konsequenter und stabilisierten ihre Abwehr. Pauli hatte einzelne Spielerinnen wie Söyleylen, dos Santos Souza und Caylak, die dem HSV Probleme bereiteten. Insgesamt gemein hatten beide aber Defizite im Spielaufbau.

Die neue HSV-Trainerin Andrea Rehfeldt in der Halbzeitbesprechung mit Alena Rauch

Die neue HSV-Trainerin Andrea Rehfeldt in der Halbzeitbesprechung mit Alena Rauch

Nach zwei Wechseln in der ersten Hälfte wechselte St. Pauli in der Pause erneut zweimal. Beim HSV blieb es bei dem einen Tausch, nachdem Elena Fisahn für Johanna Karrenbauer in der 37. Minute das Feld betreten hatte. Und in diesem Durchgang sollte sich der HSV deutlich verbessert zeigen. Doch zunächst hatte St. Pauli eine Möglichkeit. Nach einem Ballverlust von Poleska lief dos Santos Souza mit Ball zum Strafraum. Fisahn konnte sie nur mit einem Textilvergehen stoppen, wobei das Foulspiel vor dem Strafraum begann und sich bis hinter die Sechzehnergrenze zog. Schiedsrichter Markus Vesper verhängte keine Gelbe Karte und auch keinen Strafstoß, den die FIFA-Auslegungsrichtlinien für Regel 12 hier eigentlich vorsieht. Dusel für den HSV, Pech für St. Pauli. Den Freist0ß von dos Santos Souza aus 17 Metern lenkte die Abwehrmauer zur Ecke ab (41.). Dann aber kamen die Gäste. Trabe schlug einen hohen, langen Ball in den Strafraum, Lohse kam nach Fehler von Meyer an den Ball, spielte Meyer noch einmal aus und traf aus fünf Metern zum 1:4 (44.). Kosche war dran, konnte aber nichts mehr ausrichten. Zwei Minuten später flankte Fisahn von links, und Sulejmani lenkte den Ball unglücklich zum 1:5 ins eigene Netz (46.).

Entsetzen bei Leilah Sulejmani über ihr Eigentor zum 1:5. Mitspielerin Franziska Meyer lacht - noch: Vierzehn Minuten später unterläuft ihr das gleiche Missgeschick

Entsetzen bei Leilah Sulejmani über ihr Eigentor zum 1:5. Franziska Meyer lacht - noch: Vierzehn Minuten später unterläuft ihr das gleiche Missgeschick

Aber die Braun-Weißen gaben sich nicht auf. Nach einem Fehler von Trabe konnte Paulis Beste, Cristiana dos Santos Souza, frei aufs HSV-Tor zulaufen, zögerte aber dann mit dem Abschluss zu lange, und so konnte Keeperin Schippmann den Schlenzerversuch in der 1-gegen-1-Situation abwehren (50.). St. Pauli traf das Tor nicht, der HSV umso mehr. Im Gegenzug düpierte ein Steilpass von Gara die Abwehr der Gastgeberinnen, Lohse hatte keine Mühe, den Ball an Kosche vorbei zum 1:6 zu versenken. Gerade 51 Minuten waren gespielt. Pechvogel Söchting ging dann bei Pauli raus, und es kam Jennifer Schönbeck herein. Aber die Spielanteile waren inzwischen deutlich verteilt. Der HSV war mehr um einen konstruktiven Spielaufbau bemüht und präsentierte sich kämpferischer als über weite Strecken der ersten Hälfte. Zudem fingen sie immer wieder braun-weiße Torabstöße ab. Lohse gelang das in der 57. Minute, dann passte sie nach rechts, Kaminski brachte das Spielgerät vor den Strafraum, wo Gara es annahm und überlegt aus 17 Metern im langen Eck versenkte. In den verbleibenden 23 Minuten wollte St. Pauli das Ergebnis zumindest einstellig halten. Das klappte nur bedingt. Poleskas Ecke verlängerte Gara mit dem Kopf, und Meyer lenkte die Kugel erneut ins eigene Netz. Das zweite Pauli-Eigentor bedeutete das 1:8 nach einer Stunde.

Jennifer Kaminski zieht ab, aber Jennifer Schönbeck blockt ab. Die HSVerin war stark auf dem Flügel, aber unkonzentriert im Abschluss.

Jennifer Kaminski zieht ab, aber Jennifer Schönbeck blockt. Die HSVerin war stark auf dem Flügel, aber unkonzentriert im Abschluss.

Nun wechselte aber auch der HSV dreifach. Die komplette Offensive aus Gara, Gattke und Lohse ging raus, dafür kamen Yamine Sennewald, Anna-Lena Witt und Vanessa Grube. Es wirkte sich nicht sehr negativ auf das Spielgeschehen aus, der HSV dominierte weiter. Aus knapp 30 Metern traf Trabe die Latte. Beim Abpraller reagierte die gerade eingewechselte Grube am schnellsten, schoss aber genau auf Kosche. Zweite Nachschusschance für Grube, gleiches Ergebnis. Und im dritten Anlauf ging der Schuss aus zehn Metern rechts vorbei (65.). Irgendwie war es ausgleichende Gerechtigkeit, immerhin hatte St. Pauli auch dem HSV unfreiwillig mit zwei Selbsttoren geholfen. Den nächsten Versuch von Sennewald von der Strafraumgrenze hielt Kosche sicher.  Die Verhältnisse waren klar. Der HSV war bissiger, drängender, wollte unbedingt weitere Tore. Aber das eröffnete hin und wieder auch Freiräume für Pauli-Konter. Nach langem Ball von Caylak erreichte dos Santos Souza den Ball vor Fisahn, ihr Heber ging aber drüber (71.). In der Schlussphase kam aber wieder der HSV. Wittes Roller aus 17 Metern nach Ablage von Witt war harmlos (75.), Sekunden später aber schickte Meinberg rechts Sennewald auf die Reise, deren Flanke wurde abgefälscht, und aus 16 Metern versenkte Witte zum 1:9. Wieder war Kosche dran gewesen. Für den Schlusspunkt sorgte dann die Vorlagengeberin selbst. Bei ihrem Debüt im Feld spielte Grube quer, und Sennewald versenkte aus 13 Metern flach zum 1:10, dem Innenpfosten sei Dank (77.). Die letzte Chance hatte noch einmal Sennewald, der man beim Wechsel vom Tor ins Feld keine Umstellungsprobleme anmerkte. Aber ihr Schlenzer verfehlte das Tor in der 78. Minute.

Elena Fisahn lässt Cristiana dos Santos Souza aussteigen

Elena Fisahn lässt Cristiana dos Santos Souza aussteigen

Der Sieg für den HSV war auch in der Höhe verdient. Sie taten im zweiten Durchgang das, was sie im ersten lange Zeit unterlassen hatten. Dem Dauerdruck konnte der FC St. Pauli nicht mehr standhalten. Vielleicht wäre die Partie anders gelaufen, hätte Schiedsrichter Vesper kurz nach Wiederanpfiff auf Elfmeter entschieden. Aber die Rothosen verbesserten vor allem ihren Spielfluss, der Ball wurde kontrollierter gespielt und die immer noch zahlreichen Zweikämpfe ernsthafter angegangen. Dennoch hat die Mannschaft noch Steigerungspotenzial. Neu-Coach Andrea Rehfeldt wird sich jedenfalls keine Existenzfrage stellen müssen. Erfreulich war aber, dass es verhältnismäßig wenige Auswechslungen gegeben hat. Vor allem Rehfehdt wechselte ausgewechselte Spielerinnen nicht wieder ein – wie im Frauenbereich. Aber auch ihr Kollege bei St. Pauli bemühte sich, einige Mädchen durchspielen zu lassen.


Statistik:

FC St. Pauli: Sabrina Kosche – Leilah Sulejmani (60. Seda Caylak), Alina Bensch (41. Natascha Hintzen / 75. Gaitri Mehra), Cosima Söchting (51. Jennifer Schönbeck), Matti Jaiteh – Natascha Hintzen (37. Eylyl Söyleylen), Marie-Sophie Beck, Franziska Meyer – Cristiana dos Santos Souza (32. Aylin Özer) – Seda Caylak (41. Cristiana dos Santos Souza), Eylyl Söyleylen (27. Franziska Rieck)

Hamburger SV I.: Saskia Schippmann – Julia Trabe, Alena Rauch, Johanna Karrenbauer (37. Elena Fisahn), Denise Meinberg – Lysianne Poleska, Kristin Witte, Jennifer Kaminski – Fjolla Gara (63. Anna-Lena Witt) – Carrie Gattke (63. Vanessa Grube), Sarah Lohse (63. Yasmine Sennewald)

Schiedsrichter: Markus Vesper (Teutonia 05)

Tore: 1:0 dos Santos Souza (15.), 1:1 Lohse (20.), 1:2 Gattke (31.), 1:3 Gattke (32.), 1:4 Lohse (44.), 1:5 Sulejmani (46., Eigentor), 1:6 Lohse (51.), 1:7 Gara (57.), 1:8 Meyer (60., Eigentor), 1:9 Witte (76.), 1:10 Sennewald (77.)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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Eine Antwort to “Geglückte Debüts für zwei Teilzeit-Torhüterinnen”

  1. st.pauli Says:

    Sehr schöner Bericht =). aber die Torhüterin von pauli heißt sabrina kOsche und nicht kAsche.

    Danke für den Hinweis! Konnte wohl mal wieder meine eigene Schrift nicht lesen. Fuxi

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