HSV II. piekt Tabellenführer

Jobina Lahr grätscht Kerstin Nolte in die Beine. Es gibt Freistoß.

Jobina Lahr grätscht Kerstin Nolte in die Beine. Es gibt Freistoß.

Am 9. Spieltag kam es zum „HSV-Derby“ zwischen der Zweitvertretung der Hamburgerinnen und dem Bundesliga-Absteiger Herforder SV. Die Reserve der Hanseatinnen belegte einen für ihre Verhältnisse unterdurchschnittlichen achten Platz, Herford war verlustpunktfrei Ligaprimus. Die Ostwestfalen kamen also mit breiter Brust, und beim HSV war man schon mit einem Remis zufrieden. Nach dem Spiel war das allerdings durchaus diskutabel.

Jennifer Voss klärt gegen Kathrin Patzke. Die HSVerin war schwer zu stoppen

Jennifer Voss klärt gegen Kathrin Patzke. Die HSVerin war schwer zu stoppen

Hamburg musste auf personelle Verstärkung aus der Ersten weitgehend verzichten, denn Imke Wübbenhorst war bereits beim 0:1 gegen Freiburg eingewechselt worden. Die einzige Ausnahme war Torhüterin Gaëlle Thalmann. Claudia von Lanken setzte auf ein 4-4-2, durchaus mutig ausgerichtet. Vor Thalmann verteidigten Janka Rohrberg, Johanna Borkowski, Mayline Danner (in Abwesenheit von Henrike Meiforth) und Catharina Schimpf. Davor eine weitere Kette mit Jobina Lahr und Daniela Schacher auf den Flügeln, Carina Wolfgramm und Sarah Begunk zentral. Im Sturm sollte Seda Heinrich ihre Kapitänin Kathrin Patzke unterstützen. Herfords Trainerin Tanja Walter bediente sich des gleichen Systems mit Sonja Speckmann im Tor, der Viererkette Isabella Berger, Sabrina Schlottmann, Desiree Lenz und Christina Schulte, dem Mittelfeld mit Anna Laue, Kerstin Nolte, Jennifer Voss und Maxine Mittendorf und den beiden Spitzen Marie Pollmann und Jennifer Ninaus.

Auf dem Weg zur Führung: Patzke umkurvt Sonja Speckmann und schießt ein

Auf dem Weg zur Führung: Patzke umkurvt Sonja Speckmann und schießt ein

Die Gäste begannen mit Pressing, versuchten den HSV früh unter Druck zu setzen. Aber die Gastgeber konnten sich befreien und selbst nach vorn spielen. Mit Erfolg. In der 13. Minute spielte Schacher einen Diagonalpass genau in die Nahtstelle der Innenverteidigung. Dort hatte sich Patzke freigelaufen, umkurvte auch Speckmann und schob zum 1:0 ein. Eine kuriose Parallelität der Ereignisse, denn drei Stunden zuvor war auch der Underdog an gleicher Stelle in Führung gegangen – da hatte es für drei Punkte gereicht. Herford hatte Mühe, der HSV machte die Räume eng und gewann wichtige Zweikämpfe. Laue flankte von links, aber Ninaus‘ Kopfball verfehlte das Tor deutlich (24.). Dann gab es die erste echte Chance für die Ostwestfalinnen, als Laue einen Freistoß aus 27 Metern scharf und flach auf das rechte Eck zog und Thalmann mit Mühe zur Ecke abwehren konnte (26.). Vier Minuten später verzog Ninaus nach Zuspiel von Schulte aus der Drehung. Hamburg schaffte nur wenig Entlastung. In der 36. Minute zog Patzke aus 24 Metern ab, der Schuss landete schwach bei Speckmann. Die letzte Möglichkeit der ersten 45 Minuten hatte Herford durch Laue. Ihr Freistoß aus 28 Metern ging deutlich rechts vorbei (43.).

HSV II. verteidigte seine Führung gegen den stärker werdenden Druck des Tabellenführers aus einer stabilen Abwehr heraus, die dafür sorgte, dass die Gäste weitestgehend harmlos blieben. Die Hamburgerinnen setzten auf Konter. Der Herforder SV hatte mehr vom Spiel, kam aber nicht zu klaren Einschussgelegenheiten.

Zweikampf zwischen Herfords Dreifachtorschützin Anna Laue und HSV-Verteidigerin Catharina Schimpf

Zweikampf zwischen Herfords Dreifachtorschützin Anna Laue und HSV-Verteidigerin Catharina Schimpf

Das sollte sich im zweiten Durchgang ändern. Die begann mit zwei Wechseln auf Herforder Seite. Christina Schulte und Sabrina Schlottmann blieben in der Kabine, dafür übernahm Bianca Sauer die linke Verteidigung und Yvonne Hansmeier die rechte. Isabella Berger rückte in die Innenverteidigung. Doch zunächst erhielt der HSV die Großchance zum 2:0 per Konter. Lahr spielte an der Mittellinie Heinrich an. Die passte sofort steil auf Patzke. Im Strafraum setzte sich die Kapitänin des HSV gegen Lenz durch, flankte, und Begunk schoss volley links vorbei (49.). Zwei Minuten darauf brannte es im anderen Strafraum. Mittendorf schlug einen hohen Diagonalball in den Strafraum. Heinrich ließ Nolte zu viel Platz, doch deren Direktabnahme landete im hohen Bogen auf dem Querbalken. Der Druck auf den HSV wurde stärker, die Gastgeberinnen verloren zunehmend die Ordnung. Und sie wurden nervöser. Ninaus passte in die Gasse, Pollmann tauchte frei vor Thalmann auf – und schob am langen Eck vorbei (54.). Kurz darauf verpasste Pollmann eine Hereingabe Noltes von der Grundlinie.

Aber irgendwann tritt in so einer Situation einer von zwei Fällen ein: Das dominante Team macht den Ausgleich oder der in die Enge gedrängte Gegner aus dem Nichts das zweite Tor. In diesem Fall jubelte Herford. Ninaus passte in die Tiefe des Strafraumes, Laue legte den Ball an Borkowski vorbei, ließ auch Thalmann aussteigen und netzte in der 57. Minute zum hochverdienten 1:1. Der HSV zeigte sich jedoch nicht geschockt. Der Ausgleich sollte der Auftakt zu einer turbulenten halben Stunde sein. Nach einer Stunde setzte Schacher Heinrich ein, aber die schoss frei rechts vorbei. Das rächte sich postwendend: Herfords Konter trug Laue über die linke Seite. Nolte verpasste die Flanke, doch dann hatte Abwehrspielerin Janka Rohrberg einen völligen Aussetzer und legte der Gästespielerin den Ball zielgenau vor. Die ließ sich nicht lange bitten und traf im Liegen aus acht Metern ins rechte Eck zum 1:2 (61.). Auweia. So etwas darf nicht passieren. Zumal Rohrberg, die schon einige Erstligaeinsätze auf dem Konto hat, um die Rückkehr ins Feifel-Team kämpfte und in den gesamten 90 Minuten unsicher wirkte.

Bundesliga-Leihgabe Gaëlle Thalmann lenkt einen Laue-Freistoß zur Ecke

Bundesliga-Leihgabe Gaëlle Thalmann lenkt einen Laue-Freistoß zur Ecke

Herford wechselte im Anschluss an den Führungstreffer ein drittes Mal, brachte Fiona Rolfs für die blasse Maxine Mittendorf. Wer die Ostwestfalen aber nun auf der Siegerstraße wähnte, sah sich getäuscht. 64. Minute: Einwurf von Lahr auf der linken Seite auf Patzke. Nach kurzem Pass im Strafraum zu Wolfgramm wurde die kleine Mittelfeldrennerin zunächst abgeblockt. Im zweiten Versuch schlenzte sie aus zehn Metern halblinks an die Latte. Dann aber reagierte Begunk am schnellsten und bugsierte das Leder aus Nahdistanz zu ihrem ersten Saisontreffer und dem 2:2 über die Linie (64.). Aber auch das hielt nicht lange an. Laue ging im Duell mit Schacher im Strafraum zu Boden, und Schiedsrichterin Annett Unterbeck verhängte einen Strafstoß für Herford. Auf der Tribüne herrschte Uneinigkeit, ob da ein Trikotziehen vorgelegen hatte oder nicht. Pollmann war’s egal, sie verlud Thalmann zum 2:3 (66.). Was machte der HSV nun? Logisch: Den Ausgleich in der 70. Minute. Rohrbergs Steilpass nahm Patzke links mit, vernaschte Lenz im Tempodribbling, zog in den Strafraum und ungestört in den Fünfmeterraum, wackelte auch noch Speckmann mit einem angetäuschten Querpass aus und kickte die Kugel humorlos aus drei Metern ins kurze Eck zum 3:3. Eine irre Partie an der Hagenbeckstraße, die man so selten sieht.

Kathrin Patzke auf dem Weg zum 3:3, lässt die eingewechselte Yvonne Hansmeier schlecht aussehen.

Kathrin Patzke auf dem Weg zum 3:3, lässt die eingewechselte Yvonne Hansmeier schlecht aussehen.

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. 73. Minute: Pass von Hansmeier in die Tiefe, Pollmann legte kurz zurück, und Nolte traf aus zwanzig Metern erneut die Latte. Ninaus setzte jedoch nach, passte quer an Thalmann vorbei, und Laue bedankte sich mit dem 3:4. Würde der HSV wieder gegenhalten können? Begunk flankte aus dem rechten Halbfeld, Schacher verlängerte per Kopf, und so war Patzke hinter der Abwehr völlig frei und nicht im Abseits. Eigentlich eine Formalität für die Stürmerin. Eigentlich. Es war wohl zu einfach, denn die Torjägerin brauchte sich nur die Ecke auszusuchen, geriet beim Abschluss in Rücklage und schob rechts neben den Pfosten am 4:4 vorbei (77.)! Es sollte eine entscheidende Szene sein. Denn nun waren die Gäste eindeutig am Drücker. Zunächst bog Thalmann einen Schlenzer von Laue noch um den Pfosten (81.). Der HSV wechselte das einzige Mal aus, brachte Maria Marrocu für Seda Heinrich. Doch diese Maßnahme sollte wirkungslos verpuffen. Die nächste Großchance für den Tabellenführer rollte an: Steilpass Nolte, Pollmann kam frei zum Schuss, aber Thalmann wehrte ab, und den Nachschuss ballerte Ninaus drüber (84.). Die Schlussminute nahte. Und die Entscheidung. Nolte passte den Ball durch die Beine von Schacher auf Laue, und die ließ Thalmann nun freistehend keine Chance – 3:5 (90.).

Gaëlle Thalmann hielt, was zu halten war, und musste doch ein halbes Dutzend Gegentreffer hinnehmen.

Gaëlle Thalmann hielt, was zu halten war, und musste doch ein halbes Dutzend Gegentreffer hinnehmen.

Die Moral war gebrochen, und so kam es noch schlimmer. 91. Minute: Steilpass von Pollmann auf Nolte, und die erzielte das 3:6, obwohl Thalmann noch dran war. Das Schlusswort der Partie hatte dennoch der HSV. Schimpfs Freistoß aus dem rechten Halbfeld landete am linken Strafraumeck bei Patzke. Die drehte sich um ihre Gegenspielerin, schoss im Fallen aufs lange Eck – und überwand Speckmann erneut zum 4:6 (90.+2). Das war auch der Endstand, denn die Schiedsrichterin pfiff gar nicht erst wieder an. Beide Teams hatten in Halbzeit zwei eine katastrophale Defensivleistung geboten. Der HSV begünstigte die Herforder Tore vor allem durch ein zu großes Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld, so dass die Offensive des Tabellenführers auf die Viererkette auflaufen und sie mit Pässen in die Tiefe knacken konnte. Zudem wechselte Claudia von Lanken erst zu spät und nicht konsequent aus. Vor allem bei Rohrberg war zu erkennen, dass sie auf ihrer Seite allein überfordert war, was auch an den nun drei Spitzen der Gäste lag. Die setzten alles auf eine Karte mit bedingungsloser Offensive, die auch Hauptursache für die vier Gegentreffer war und den Wert in der Tabelle glatt verdoppelte. Allerdings steht auf der Haben-Seite der Gäste nun auch die ungeteilte beste Offensive der Liga. Einzig Kathrin Patzke war von den Gästen nie zu bremsen. Nicht auszudenken, wie das Spiel hätte laufen können, wenn sie das 4:4 erzielt hätte. So war der Sieg des Herforder SV zwar verdient – bei einem Chancenverhältnis von 15:8 -, fiel aber letztlich ein Tor zu hoch aus.


Statistik:

Hamburger SV: Thalmann – Rohrberg, Borkowski, Danner, Schimpf – Lahr, Wolfgramm, Begunk, Schacher – Heinrich (82. Marrocu), Patzke

Herforder SV: Speckmann – Berger, Schlottmann (46. Sauer), Lanz, Schulte (46. Hansmeier) – Laue, Nolte, Voss, Mittendorf (61. Rolfs) – Ninaus, Pollmann

Schiedsrichterin: Annett Unterbeck (Leipzig) mit Stefanie Zimmermann (Berlin) und Katharina Kruse (Senzig)

Zuschauer: 68

Tore: 1:0 Patzke (13.), 1:1 Laue (57.), 1:2 Nolte (61.), 2:2 Begunk (64.), 2:3 Pollmann (66./Foulelfmeter), 3:3 Patzke (70.), 3:4 Laue (73.), 3:5 Ninaus (90.), 3:6 Laue (90.+1), 4:6 Patzke (90.+2)

Gelbe Karten: keine


Herzlichst,
Euer Fuxi

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