Neue Besen…

 

Der HSV am Boden, Freiburg feiert den Sieg

Der HSV am Boden, Freiburg feiert den Sieg

… kehren meistens – anders als es das Sprichwort suggeriert – eben nicht gut. Eine der Ausnahmen bildete der SC Freiburg, der wenige Tage nach dem Trainerwechsel von Günter Rommel zu Edgar Beck im neunten Versuch die ersten Saisonpunkte einfuhr. Zwar ohne spielerische Dominanz oder Brillianz, dafür aber mit grundsolidem, diszipliniertem Fußball gewannen sie verdient gegen einen HSV, dessen Einfallslosigkeit und wohl auch Überheblichkeit vermeintlich kleineren Teams gegenüber sukzessive zu einem Heimkomplex ausweitet.

 

Ein nachdenklicher Freiburger Neu-Coach Edgar Beck

Ein nachdenklicher Freiburger Neu-Coach Edgar Beck

Die Niederlage der Hanseaten am Fehlen von Nationalspielerin Kim Kulig festzumachen, wäre eine zu billige Ausrede. Denn auf dem Platz standen dennoch elf Spielerinnen mit Anspruch auf Bundesligatauglichkeit – und den Beweis an diesem Tag schuldig blieben. Im Tor stand mit Bianca Weech die einzige Hamburgerin, die fehlerlos bleiben sollte. Die Viererkette davor aus Heike Freese, Janina Haye, Nina Brüggemann und Marisa Ewers war – zumindest nominelle – Bestbesetzung. In die Doppelsechs war die wieder genesene Silva Lone Saländer neben Nina Jokuschies zurückgekehrt. Auf den Außenbahnen hatte Trainer Achim Feifel auf Lena Petermann und Maja Schubert gesetzt, und das Sturmduo bildeten Ana Maria Crnogorcevic und Denise Lehmann. Den Namen nach vier Stürmerinnen gegen die Breisgauerinnen, die bis dahin erst ein Tor geschossen und 24 Gegentore kassiert hatten – nur eins mehr als der HSV. Gästecoach Edgar Beck vertraute ebenfalls auf ein 4-4-2. Nachdem beim 0:3 gegen Bayern München nach einer halben Stunde Laura Benkarth für Marisa Brunner zwischen die Pfosten musste, stand die 17-Jährige nun von Beginn an im Kasten. Auch im Feld nahm er zwei Änderungen vor. In der Innenverteidigung brachte er Danique Stein neben Kerstin Boschert für die an Achillessehnenproblemen leidende Valeria Kleiner, dazu Verena Faißt und Stéphanie Wendlinger auf den defensiven Außenbahnen. Das Mittelfeld bestand aus Juliane Maier, Isabella Schmid, Myriam Krüger und Martina Moser. Julia Zirnstein ersetzte Anja Hegenauer als zweite Spitze neben Susanne Hartel.

Torschützin Juliane Maier beim Freistoß

Torschützin Juliane Maier beim Freistoß

Schon früh wurde klar, wie das Spiel laufen würde. Der SC Freiburg zog sich weit zurück und überließ den Hanseatinnen die Spielgestaltung, setzte auf Konter. Die kompakte Defensive machte es den Hamburgerinnen, die zunächst nur mit langen Bällen operierten, schwer. Die erste Offensivaktion des HSV in der 2. Minute war dann auch ein Fernschuss von Petermann aus mehr als dreißig Metern und landete auf dem Tornetz. Die Breisgauerinnen kamen erstmals in der 13. Minute in Strafraumnähe. Boschert schlug einen Freistoß auf Höhe der Mittellinie an den Strafraum. Dort gewann Zirnstein ihr Kopfballduell und leitete mit der Stirn zu Hartel weiter. Die dribbelte gegen zwei Verteidigerinnen in den Strafraum an den Elfmeterpunkt. Dort hatte Haye die Fußspitze dazwischen. Aber Maier setzte nach, schloss nicht sofort ab, sondern dribbelte noch einmal mit viel Selbstvertrauen Schubert aus und traf dann aus spitzem Winkel zum 0:1 ins lange Eck. Ein schönes Tor, allerdings auch mit gütiger Mithilfe eines viel zu statischen und passiven Tabellenachten, dessen nächste Annäherung an das Freiburger Tor aus einem Heber von Jokuschies aus 24 Metern bestand, der deutlich zu kurz geriet und ein dankbarer Ball für die SC-Keeperin war (14.).

 

Martina Moser im Dribbling gegen Heike Freese. Die Freiburgerin gehörte zu den Besten.

Martina Moser im Dribbling gegen Heike Freese. Die Freiburgerin gehörte zu den Besten.

Die Gastgeber, das musste man konstatieren, waren ziemlich schlecht gestaffelt und wählten mit den langen Pässen ein weiterhin untaugliches Mittel, denn die waren für Freiburg leichte Beute, spätestens nach Fehlern in der Ballbehandlung wechselte das Spielgerät den Besitzer. Es fehlten Bewegung ohne Ball und eine spielerische Linie, um die kontrolliert-defensiven Gäste in Bedrängnis zu bringen. Zudem brauchten die Feifel-Spielerinnen zu lange, um den Ball zu verarbeiten und die neue Spielsituation zu erfassen. Zeit, in der Freiburg entsprechend verschieben und die Räume wieder eng machen konnte. Der Gast gab seine Ordnung nicht auf, rückte kompakt mit kurzen Bällen aus der Tiefe der eigegen Spielhälfte. So hielten sie den HSV erfolgreich vom eigenen Tor fern. Die beste Szene des ersten Durchgangs machte allerdings den HSV-Fans unter den nur 283 Zuschauern Mut: Saländer dribbelte halblinks an Krüger vorbei und steckte steil durch auf Crnogorcevic, die sich hinter die Abwehr freigelaufen hatte. Anstatt den linken Fuß zu nehmen, versuchte es die Schweizerin mit dem rechten Außenrist und traf das Außennetz (37.). Der Torjubel der Hamburger auf der Tribüne kam zu früh. Ansonsten versuchte es Jokuschies erneut mit einem Fernschuss, der mehrere Meter das Tor verfehlte. Die Freiburgerinnen gewannen die entscheidenden Zweikämpfe, weil sie sie annahmen. Der HSV wirkte ratlos. Dafür kamen die Gäste nochmal. Erst ging ein harmloser Freistoß von Moser aus 35 Metern rechts vorbei. Dann war es kurz vor dem Halbzeitpfiff Susanne Hartel, die das 0:2 auf dem Kopf hatte: Moser wurde mit einem Diagonalpass rechts auf dem Flügel in Szene gesetzt, und ihre Flanke schädelte Hartel per Flugkopfball knapp vorbei. Die Pausenführung der Gäste war völlig verdient. Sie verhielten sich taktisch klug und diszipliniert, ohne unschlagbar zu wirken. Der HSV hingegen hatte keine Ideen, ließ alles vermissen, was man in der Bundesliga mitbringen muss. Vor allem Spielkultur.

Ana Maria Crnogorcevic hatte zwei Chancen im Spiel. Dieser Roller war absolut harmlos.

Ana Maria Crnogorcevic hatte zwei Chancen im Spiel. Dieser Roller war absolut harmlos.

Der zweite Durchgang änderte kaum etwas an diesen Umständen. Den ersten Schuss gab Hartel ab, deren Volley aus 18 Metern kein Problem für Weech darstellte (50.). Auf der anderen Seite wurde ein Verzweiflungsschüsschen von Freese aus 35 Metern leichte Beute für Benkarth (55.). Dem HSV fehlten weiterhin Impulse. Die sollten nun von der Bank kommen. Binnen elf Minuten schöpfte Achim Feifel sein Wechselkontingent voll aus, brachte Nicole Zweigler für Denise Lehmann, Angelina Lübcke für Heike Freese und Imke Wübbenhorst für Maja Schubert. Doch der gewünschte Effekt blieb aus. In der 72. Minute erst gab es wieder sowas wie einen ernsthaften Torschussversuch. Petermann bediente rechts Jokuschies. Deren Flanke kam aber nicht auf den Elfmeterpunkt, sondern vor den Strafraum zurück. Lübcke war aufgerückt und zog nach Ballannahme aus der Distanz ab – aufs Tornetz. Das war alles nicht zwingend. Freiburg verteidigte die Führung sicher. Tatjana Hummel ersetzte nun Julia Zirnstein. Aber zittern mussten sie bislang nicht. Sie mussten auch nicht mehr als das Nötigste tun – es reichte gegen diesen HSV. Auch die nächste Strafraumszene war ungefährlich. Petermann flankte von rechts kurz und flach. Nach Annahme versuchte es Crnogorcevic bedrängt aus der Drehung, allerdings hätte Benkarth im Freiburger Kasten schon im Koma liegen müssen, um diesen Kullerball durchzulassen (76.).

Die letzte Chance des HSV, Hayes Kopfball, kratzte Annika Eberhardt von der Linie.

Die letzte Chance des HSV, Hayes Kopfball, kratzte Annika Eberhardt von der Linie.

In der Folge hätten die Breisgauerinnen allerdings den Sack zumachen können – oder müssen. Nach Halbfeldflanke von Schmid rutschte Hartel, die unglücklich agierte und trotzdem durch ihre Präsenz schon Haye und Brüggemann nervös machte, der Ball durch, und Weech konnte ihn sichern. Drei Minuten später verlor Brüggemann am eigenen Strafraum den Ball gegen Moser. Die wuselte sich gegen Brüggemann und Haye durch, schob das Leder dann aber aus zehn Metern am langen Eck vorbei (81.). Das hätte die Entscheidung sein können, sein müssen. Das Abwehrverhalten des HSV hatte in dieser Szene etwas von einem Dilettantenball. Aber die Hoffnung auf den Rängen lebte noch, auch wenn der Angriffsvortrag viel zu pomadig eingeleitet, vor allem von Saländer selbst verschleppt wurde. Bei Freiburg kam Annika Eberhardt in der 87. Minute für Hartel. Zeit runterspielen. Doch die Eingewechselte bekam die Chance zum 0:2, als sie nach Steilpass von Moser aus 20 Metern schlenzte. Weech war unten und hielt (89.). Auf der Gegenseite köpfte Wübbenhorst nach einem von nur zwei brauchbaren Eckbällen – Jokuschies und Saländer versagten in dieser Disziplin, nur Lübcke war zu ordentlichen Hereingaben fähig – harmlos drüber. Nach einem weiteren taktischen Wechsel der Gäste, als Merza Julevic für Moser hereinkam, hatte der HSV die letzte Chance: Wieder Eckball Lübcke, Haye ging, von der eigenen Mitspielerin Wübbenhorst gestört, zum Kopfball und zielte auf den langen Pfosten. Dort aber stand Annika Eberhardt und kratzte den Ball per Kopf von der Linie (90.+3). Es blieb beim 0:1.

Nina Jokuschies war bedient. Der Frust über die unnötige Pleite saß tief.

Nina Jokuschies war bedient. Der Frust über die unnötige Pleite saß tief.

Und der Sieg der Gäste war auch hochverdient. Der HSV hatte gerade zwei ernstzunehmende Torchancen in 90 Minuten und blieb kämpferisch, spielerisch und taktisch vieles schuldig. Die Rothosen investierten nichts ins Spiel, nahezu alle Spielerinnen blieben hinter ihrem Leistungsniveau zurück. Sie präsentierten sich phlegmatisch und einfallslos. Freiburg begnügte sich mit disziplinierter Ordnung und defensiver Sicherheit und hatte dennoch ein Chancenplus auf seiner Seite. Es war nicht schön anzusehen, denn sie bedienten sich der typischen Igel-Taktik eines abstiegsbedrohten Teams. Das war auch ihr gutes Recht, immerhin waren sie damit erfolgreich. Und das ist es, was nach dem 22. Spieltag zählt. Nach dem Wie kräht dann kein Hahn mehr.


Statistik:

Hamburger SV: Weech – Freese (64. Lübcke), Haye, Brüggemann, Ewers – Petermann, Jokuschies, Saländer, Schubert (68. Wübbenhorst) – Crnogorcevic, Lehmann (57. Zweigler)

SC Freiburg: Benkarth – Faißt, Boschert, Stein, Wendlinger – Maier, Schmid, Krüger, Moser (90. Julevic) – Hartel (87. Eberhardt), Zirnstein (72. T. Hummel)

Schiedsrichterin: Chrsitiane Wenkel (Höxter) mit Sandy Kuchmann-Nowak (Hachelbich) und Corinna Hedt (Burgwedel)

Zuschauer: 283

Tor: 0:1 Maier (13.)

Gelbe Karten: keine


Herzlichst,
Euer Fuxi

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