Das liebe Geld und andere Idiotien

Bundesverteidigungsminister Bundesarbeitsminister Franz-Josef Jung (CDU) – das ist der, der meint, in Afghanistan gebe es keinen Krieg – hat sich zu den Renten geäußert. Wörtlich sagte er laut einer Pressemitteilung seines Ministeriums:

„Die gesetzliche Rentenversicherung ist und bleibt stabil und verlässlich. Die Rentenfinanzen sind trotz der demographischen Herausforderung gesichert.

Und das, obwohl die Renten bis 2023 um im Schnitt 1,6 Prozent jährlich steigen, der Beitragssatz bis 2014 aber stabil bleiben und danach sinken soll, eher er bis 2023 auf 20,6 Prozent steigt. Das sind 15 Jahre in die Zukunft vorausgerechnet – was hätte man wohl 1994 prognostiziert, welches der Hauptkriegsschauplatz für die Bundeswehr 2009 sein würde? Soweit zum Thema Prognosen.

Die Rente soll also sicher sein? Komisch – da gab’s doch mal einen, der das schon mal behauptet hat…

Also, 2023 zahlen wir statt 19,9 dann 20,6 Prozent unseres Einkommens für die Rente? Und wie wir wissen, sollen wir ja zusätzlich privat vorsorgen. Zu Blüms Zeiten lag der Rentenbeitragssatz übrigens bei 18,5 Prozent – ohne private Zusatzversicherung… Herrliche Zeiten waren das. Damals hatte man auch noch Geld für teure Anschaffungen. Wie zum Beispiel sauteure italienische Blechsandalen wie den Fiat 500. In der teuersten Variante kostet der ca. 23.000 Euro laut Liste (inklusive Ausstattung). Einem Bericht von Heise zufolge treibt es der Stromkonzern RWE allerdings auf die Spitze. Er bietet den 500 als von Micro-Vett umgerüstetes Elektro-Auto im Bundle mit Strom-Ladebox oder Ladesäule an. Wer bis 30.6.2011 kauft, erhält das Paket für monatlich 899 Euro für das Auto zuzüglich 69 Euro für die Ladebox oder 199 Euro für die Ladesäule (beides inklusive Strom-Grundpreis) als 30-Monate-Leasingvertrag mit 14.299 Euro optionaler Schlussrate. Ab 1.7.2011 kostet das Auto monatlich sogar 1.399 Euro. Natürlich exklusive Erschließungskosten und Standortfindung für Säule oder Box beim Kunden! Und eine Kilowattstunde schlägt mit 22 Cent zu Buche.

Zusammengerechnet bedeutet es, dass der Elektro-500er auf die 30-monatige Laufzeit satte 47.239 Euro kostet, sofern man danach die Schlussrate überweist und die Ladesäule bucht, für das Paket mit Box fallen immerhin noch 43.339 Euro an! Natürlich bietet RWE auch den direkten Kauf an – und berechnet für das gleiche Paket 61.500 (Box) bzw. 64.500 Euro (Säule).

Welcher Vollidiot fällt auf sowas rein? Dabei verkennen die, die „vorneweg gehen“, ein riesiges Argumentationspotenzial: Hätten sie ein für die Masse annehmbares Angebot für dieses 355 Zentimeter lange, 163 Zentimeter breite und 149 Zentimeter hohe rollende Elementarteilchen und damit eine bedeutende Nachfrage, wäre der erhöhte Strombedarf doch ein Totschlagargument für die Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Aber so ist es ja immer: Um die Welt zu verbessern, muss man Konzerne und Lobbies mit Gesetzen prügeln. Das ist die „Lex Katalysator“.

Wofür könnte man denn noch Geld ausgeben, wenn man welches hätte? Zum Beispiel für Online-Abklatsche von Druckprodukten. Die BLÖD macht ja demnächst seine bild.de-Onlineinhalte für’s iPhone kostenpflichtig – als Einstieg -, und pocht gleichzeitig auf die Einführung eines erweiterten Leistungsschutzrechtes nach Vorbild der Film- und Musikindustrie. Demnächst verlangt auch „The Times“ Geld. Umgerechnet einen Euro für 24 Stunden Zugang zu Artikeln der Times Online, analog zum Druckprodukt. Dass das so funktioniert, glaube ich kaum. Denn kaum eine Nachricht ist so exklusiv, dass sie nicht auf einem anderen Medium wiedergegeben wird. Notfalls im Radio, Fernsehen, Videotext, wenn nicht gar bei den Newsaggregatoren. Bei Yahoo! zum Beispiel lese ich regelmäßig die Mitteilungen der großen Agenturen wie AP, AFP, ddp, dpa und Co. Kostenlos. Ich gehe davon aus, dass Yahoo! die Agenturmeldungen bezahlt. Und es wird immer einen geben, der Meldungen veröffentlicht, und sei es, dass er die den Meldungen zu Grunde liegenden Informationen neu in einem eigenen Artikel verpackt.

Zahlen für das Lesen von Artikeln – das gibt es auch jetzt schon im Internet. Beispielsweise bei der Stiftung Warentest oder Ökotest. Warentest bietet eine Monatsflatrate für 7,50 € oder 1,50 € für alle Ergebnisse eines Tests. Ökotest verlangt zwei Euro für Testresultate. Hab ich das schon mal in Anspruch genommen? Nö, bisher gab es dafür keine Veranlassung. Wobei ich eines ganz klar sagen muss: Bei denen wäre das Geld wenigstens sinnvoll angelegt. Die sind nämlich seriös. Bei „journalistischen“ Produkten kann man sich da hingegen nie sicher sein.

Ein solches „journalistisches Produkt“ ist auch ein Artikel der Netzeitung zum Thema „Kondome fürs Klima„. Knapp zusammengefasst: Der UN-Weltbevölkerungsfonds (UNFPA) und die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) glauben, dass 2050 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Durch den Einsatz von Verhütungsmitteln vor allem in Entwicklungsländern, wofür die Mittel zwischen 1995 und 2007 um fast die Hälfte gekürzt worden seien, könne man durch die Reduzierung der Weltbevölkerung um eine Millarde Menschen ein bis zwei Milliarden Tonnen CO2 jährlich einsparen. Dazu schränkte die UNFPA ein, der Zusammenhang zwischen Weltbevölkerungswachstum und Klimawandel sei nicht wissenschaftlich belegt, und reichte Zahlen zum CO2-Pro-Kopf-Ausstoß, aus denen hervorgeht, dass in den USA 19,7 Tonnen CO2 pro Kopf produziert werden, in Indien 1,31 Tonnen und in Bangladesch nur 270 Kilogramm.

Dazu müsste man allerdings wissen, wie das gemessen wird. Das kann nur stichprobenartig geschehen. Messpunkte sind nicht bekannt, können sich aber, sofern sie wissenschaftlichen Anspruch haben, nur in Industriebetrieben befinden. Und da stellt sich dann schon wieder die Frage, ob in Größe, Produktivität und Produktpalette vergleichbare Standorte gemessen oder die Unterschiede nur kalkuliert werden. Fest steht, dass die Ergebnisse hochgerechnet werden. Und dann setzt man sie in Relation zur Bevölkerung. Nur dass man gegen China und Indien da immer schlecht aussieht. Denn Indien hat knapp 1,2 Milliarden Einwohner, die USA nur 305 Millionen. Die Bevölkerungsdichte beträgt in Indien 349 Einwohner pro Quadratkilometer, in den USA sind es 31. Solange man keine Dokumentation der Mess- und Berechnungsmethoden in Händen hält und diese nicht einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten, ist diese Meldung kaum aussagekräftig.

Und ganz nebenbei: Wie sieht eigentlich die CO2-Bilanz eines einzelnen Kondoms aus, sowohl bei Herstellung wie auch bei Transport – und Anwendung? Nicht, dass man durch die Anwendung mehr Kohlendioxid ausstößt als ohne Kondom…

Herzlichst,
Euer Fuxi

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