Nachgebloggt (9)

Ich habe mich in der letzten Woche etwas zurückgehalten. Vor allem deshalb, weil mir die Berichterstattung über den Tod von Robert Enke auf die Nerven ging. Weniger die Masse als vielmehr der Umstand, dass eine solche persönliche Tragödie derart ausgeschlachtet wurde. Sehr pietätvoll, liebe Schmierfinken, sehr pietätvoll! Auch RTL darf sich angesprochen fühlen, das gestern eine „Dr. House“-Folge zeigte, in der sich Dr. Kutner umbrachte – wegen Depressionen, von denen niemand im Kollegium etwas mitbekam! (Allerdings musste der Seriencharakter sterben, da Schauspieler Kal Penn ausschied, um sich im Weißen Haus als Associate Director des Office of Public Liaison unter Präsident Barack Obama um Regierungskontakte zu asiatischen Einwanderern und Künstlern zu kümmern.)

Natürlich gab es auch bei Bloggern und Kommentatoren solche, denen die Selbstdarstellung mehr bedeutete als der Anstand. Aber insgesamt war ich doch überrascht, wie viele Blogger sich doch ausgesprochen dezent zum Tode Enkes und seinen Depressionen äußerten und wie deutlich kritisierend gegenüber den Medien. Und das beschränkt sich nicht nur auf den inoffiziellen Meinungsführer der Medienkritikblogger, Stefan Niggemeier. Sie nähren bei mir die Hoffnung, dass der Menschenschlag mit Gaffermentalität, der sich am Elend anderer weidet, irgendwann ausstirbt und auch bei der Journaille ein Umdenken stattfindet. Ich kaufe schon länger keine Zeitungen mehr – zu viel BILDismus. Und das ist auch das letzte Wort zum Thema Enke. Auf dass seine Witwe und Familie in Ruhe ihre Trauer bewältigen dürfen.

Etwas zu bewältigen hat auch Sky-Deutschland: Die Folgen des BIONADEismus. In den ersten drei Quartalen schrieb der Bezahlsender, der Premiere übernommen hatte, eine halbe Milliarde Euro Verlust. Zwar gewann der Sender 200.000 neue Kunden, rund 133.000 wollten das neue Angebot, das unter anderem eine Verteuerung der Bundesliga-Übertragungen beinhaltete, nicht annehmen. Mit einer so großen Zahl hatte Sky nicht kalkuliert. Folge: Der Sender muss auf niedrigerem Niveau profitabel gemacht werden. Und wie macht man das? Streng nach BIONADE-Masche: Man will dem einzelnen Kunden mehr Geld aus der Tasche ziehen. Wenn sich die Geschichte wiederholt – was wahrscheinlich ist -, muss sich die DFL bald auf die Suche nach einem neuen Abnehmer der Bundesligarechte machen. Arena wurde mit der Bundesliga auch nicht glücklich.

Sky-Chef Mark Williams, so hoffen die Anleger, beherrscht sein Geschäft. Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust denkt das – zumindest offiziell – auch von Dirk Jens Nonnenmacher, dem Chef der HSH Nordbank. Sieht man sich allerdings mal an, was unter Nonnenmacher alles (schief) gelaufen ist, wer jetzt als Bauernopfer präsentiert wird und wie sonst in der Branche gearbeitet wird, versteht er anscheinend auch etwas vom Verschleiern und Verdunkeln. Jeder normale Arbeitgeber würde mit diesem Arbeitethos achtkantig rausfliegen. Ohne Abfindung.

Gilt übrigens auch für die EU. Die will den USA nahezu unbegrenzten Zugriff auf Bankdaten gewähren. Und zwar nicht nur, wie bisher widerrechtlich über SWIFT, „nur“ internationale Überweisungen, sondern tuttikompletti, wie Heise-Redakteur Andreas Wilkens letzte Woche schrieb. Das beinhaltet auch den innereuropäischen und inländischen Bankverkehr. Der Hammer ist allerdings, dass die US-„Terrorfahnder“ – welch ein passender Begriff, immerhin kann man deren mit „Paranoia“ noch vorsichtig umschriebenen Geisteszustand und seine Folgen als Terror gegenüber der friedlichen Welt betrachten – umso mehr Daten bekommen sollen, je ungenauer die Anfrage formuliert ist. Zu deutsch: Fragen sie nach Daten von „Thomas Meyer, Mönckebergstraße 1, 20097 Hamburg“, bekommen sie die Daten dieses Einzelnen, fragen sie aber nach „einem Meyer aus Hamburg“, kriegen sie die Daten von allen 2.274 privaten und 378 gewerblichen Meyers im Hamburger Stadtgebiet inklusive Neuwerk, auch die Überweisung der Miete von Oma Meyer an ihre Hausverwaltung. Da fällt es einem doch wirklich leicht, sich vorzustellen, wie die Amerikaner dran verzweifeln werden, die Anfragen so genau wie möglich zu machen. Ich frage mich, wie das wohl aussieht, wenn es um einen „Herrn Krupp aus Duisburg“ aussieht…

Die EU ist ein Schweinestall, und ich hab sie schon lange in Verdacht, dass dort die Maul- und Klauenseuche herrscht. MKS-befallene Schweine werden gekeult. Da es aber keine überregionale Terroristengruppierung gibt, die diese ins Fadenkreuz nimmt, sind die EU’ler weitgehend sicher. An so etwas macht sich Al-Kaida doch nicht die Finger schmutzig, und die ETA kümmert sich nur ums Baskenland. Die eigentlichen Terroristen, die für Schrecken sorgen und persönliche Freiheiten massiv einschränken, sitzen in Brüssel und Straßburg.

Apropos Schweine: Die Schweinegrippe – was für ein Hype! Bisher sollen 18 Menschen in Deutschland der Neuen Influenza A erlegen sein. Viel? Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte 2007 einen Bericht zur normalen Influenza. Deren Sterblichkeitsrate lag in den Jahren 1985 bis 2000 zwischen etwa 950 und knapp 1.500 Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr. Das bedeutet, umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung, eine absolute Zahl von 779.000 bis 1,2 Millionen Toten, die jährlich die normale Grippe dahinrafft. Paradoxerweise kommt jetzt nach der „Lasst-Euch-impfen“-Welle mit anschließendem „Es-gibt-gar-nicht-genug-Impfstoff-für-alle“-Warnungen plötzlich die Warnung vor den Impfstoffen, es sei schon ein 21 Monate altes Kind nach der Impfung gestorben. So ein Mist aber auch für GlaxoSmithKline, Novartis, Baxter und Novartis-Behring – übrigens alles keine deutschen Unternehmen, die bisher zugelassene Impfstoffe stellen. Da bin ich doch mal gespannt, ob nicht demnächst von einem deutschen Hersteller ein Impfstoff herauskommt, der supergut helfen soll und supidupiverträglich ist…

Ich will niemandem vorschreiben, was er zu tun hat. Ich allerdings werde mich nicht impfen lassen. Nicht gegen die Schweinegrippe. Aber meine anderen Impfungen sollte ich vielleicht mal auffrischen. Wie zum Beispiel Tetanus, Polio, Diphterie und Masern.

Einen Kandidaten für eine Krankheit (ob bereits vorhanden oder im Anzug und in welcher Form, lasse ich mal dahingestellt) entdeckte ich letzte Woche:

BMW-Fahrer mit offenem Verdeck im November

BMW-Fahrer mit offenem Verdeck im November

Allerdings: Wenige Minuten später wurden ihm die 11 Grad doch etwas zu frisch, und er schloss das Verdeck…

Herzlichst,
Euer Fuxi

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