Kommentar zum Tod von Robert Enke

Da blühten sie, die Spekulationen: Der Tod seiner Tochter, die Bakterieninfektion, die Nichtberücksichtigung für die Länderspiele gegen Chile und Elfenbeinküste – mediales Rätselraten um den Grund für den Selbstmord der deutschen Nummer 1. Er sei labil, ruhig, introvertiert gewesen.

Aber eigentlich hätte der deutschen Medienlandschaft nur wenig Besseres passieren können. Werbeplätze werden wertvoller, in den Onlinemedien gehen die Klickraten hoch. Aber sieht so echte Anteilnahme aus – Hauptsache, sie wird öffentlich wahrnehmbar geäußert?

Fest steht: Profifußballer zu sein ist nur solange ein Traumjob, wie man keine Höchstleistungen bringt. Mitläufer werden selten gefragt, was sie zu sagen haben. Man stellt nur denen die Fragen, für die man sich interessiert. Und dann geht es ins Persönlichste. Allein, dass direkt nach Bekanntwerden über einen Zusammenhang mit dem Tod von Enkes leiblicher Tochter vor drei Jahren spekuliert wurde, ist verräterisch. Die bekannten Fußballprofis eines Vereins arbeiten nicht nur sieben Tage pro Woche und nehmen sich nur zu festgelegten Zeiten Urlaub – die deutschen Gewerkschaften würden da auf die Barrikaden gehen -, sondern sie büßen mit den ersten überdurchschnittlichen Leistungen auch ihre Privatsphäre ein. Der Druck ist riesig.

Nie sind die richtigen Fragen gestellt worden. Und vor allem: Nie wurde wirklich zugehört. Das Entsetzen über den Tod weicht dem Entsetzen darüber, nichts bemerkt zu haben. Eigentlich perfide zu glauben, man hätte doch etwas mitbekommen müssen, wo man doch so viel über ihn gewusst zu haben glaubte.

Robert Enke hat sich eingepanzert, seine Depressionen vor der Öffentlichkeit versteckt. Er hat nie versucht, sich gegen den Druck zu wehren. Als er nach seinem ersten Auftritt bei Fenerbahce Istanbul 2003 nach einem schlechten Spiel von den eigenen Zuschauern mit Gegenständen beworfen wurde, löste er seinen Vertrag dort auf. Enke hat nie die Konfrontation gesucht, nie die mediale Aufmerksamkeit, die ihm jetzt erst recht zuteil wird.

Robert Enke war Nationaltorhüter. Er war Stammtorhüter bei Hannover 96. Er war Fußballprofi. Aber er war in erster Linie ein Mensch. Die meisten werden sich erst jetzt dieses Umstands bewusst. Und vielleicht ist deshalb die Bestürzung so groß.


Herzlichst,
Euer Fuxi

Anmerkung: Dieser Kommentar wurde ebenfalls bei Coutoo.de veröffentlicht.

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