Eine unappetitliche Nacht

Das Etap-Hotel in Hamburg-Altona am Holstenkamp

Das Etap-Hotel in Hamburg-Altona am Holstenkamp

Am vergangenen Samstag besuchte ich mit meiner Freundin das Live-Hörspiel der „Drei Fragezeichen“ in der Color Line Arena. Die Nacht verbrachten wir im Etap-Hotel im Holstenkamp, eine etwa 10 Euro teure Taxifahrt entfernt von den Arenen im Volkspark. Bisher hatten wir mit der billigsten Kette der französischen Accor-Gruppe nur gute Erfahrungen gemacht. Dieses spezielle Hotel trübte diesen Eindruck nun allerdings etwas. Schade eigentlich.

Lage

Das Hotel liegt an der großen Kreuzung Kieler Straße/Holstenkamp

Das Hotel liegt an der großen Kreuzung Kieler Straße/Holstenkamp

Das Hotel, das laut Rechnung als „Hamburg City“ läuft, auf der Etap-Webseite aber als „Hamburg Altona“ deklariert wird, liegt im Holstenkamp 3 in Altona-Nord, kurz hinter der großen Kreuzung mit der sechsspurigen Nord-Süd-Achse Kieler Straße (B5). Der S-Bahnhof Diebsteich (S21/S3) ist etwa 400 Meter entfernt, die Veranstaltungsorte „HSH Nordbank Arena“ und „ColorLine-Arena“ im Volkspark sind in 3.800 Metern Entfernung erreichbar. Zum Fernbahnhof Altona sind es 3, zum Hauptbahnhof 6 und zum Flughafen12 Kilometer. Es gibt zwei Fensterfronten: Eine zum vierspurigen Holstenkamp und eine zum Innenhof. Kostenlose Parkplätze gibt es nicht, die Etap-eigenen Plätze in der Tiefgarage sind kostenpflichtig (4 € für 8 Stunden oder pro Tag).

Zimmer

Zimmer 311 im Etap Hamburg-Altona

Zimmer 311 im Etap Hamburg-Altona

Das Hotel verfügt über 180 Zimmer auf 5 Etagen, getrennt in Raucher- und Nichtraucherzimmer. Die Doppelzimmer sind ausgestattet mit einem Etagen- und einem 1,40 Meter breiten Doppelbett, einer Ecke mit Waschbecken, Spiegel, Mülleimer, Fernseher, Schreibecke, Dusche, Toilette und kostenlosem WLAN-Zugang. Dies ist die Grundausstattung, die ein Hotel bieten sollte.

Preis

Zimmer 311 im Etap Altona

Zimmer 311 im Etap Altona

Ein Zimmer kostete zum Reisezeitpunkt 53 € für eine Person, 10 € Zuschlag für die zweite Person und je 6 € für das Frühstück.

Komfort

Dusche und WC boten nicht viel Freiraum

Dusche und WC boten nicht viel Freiraum

Die Etap-Hotels gehören in der Accor-Gruppe zu den günstigen, schlichten Hotels. Andere Hotels der Gruppe, wie etwa Ibis oder die Tagungshotel-Ketten Mercure und Novotel bieten gegen entsprechenden Aufschlag höheren Komfort. Wir waren auf Grundlage unserer bisherigen Erfahrungen der Meinung, dass dieser Standard für unsere Zwecke ausreicht. Das Bett besteht aus einer Schaumstoffmatratze auf einem Sockel mit Pressspanplatte, entsprechend hart liegt man. Dusche und WC sind getrennt in einer Kunststoffkabine untergebracht, in der man – besonders bei der Toilette – keine großen Ansprüche an Bewegungsfreiheit stellen darf. Diese Kabine ist vor allem auf leichte Reinigung ausgelegt. Die getrennt davon in Fensternähe untergebrachte Waschecke bietet ein kleines Becken, zwei Zahnputzgläser und zwei Stücke Seife. Lichtschalter sind neben dem Bett und am Eingang angebracht.

Verkehr auf dem Holstenkamp vor dem Etap

Verkehr auf dem Holstenkamp vor dem Etap

Ins Zimmer gelangt man durch die Eingabe des sechsstelligen Türcodes, einen Schlüssel oder eine Karte gibt es nicht. Diesen Türcode braucht man auch nach dem Feierabend der Rezeption an der Tür. Vorteil des Systems ist, dass man auch spät am Abend noch am Automaten einchecken und ein Zimmer beziehen kann, sofern man über eine gültige Kreditkarte verfügt. Unser Zimmer war zumindest bei geschlossenem Fenster in Bezug auf Verkehrslärm des vierspurigen Holstenkamps ruhig. Lärm aus anderen Zimmern war jedoch zu hören, vor allem der laute Knall der Magnete an den Türen zu Dusche und Toilette.

Zustand

Verkratzte und rostige Duscharmatur

Verkratzte und rostige Duscharmatur

Das von uns bezogene Zimmer 311 hatte seine besten Zeiten hinter sich. Das konnte man vor allem an den Wänden ablesen, von denen nicht nur die Farbe der Raufasertapete allseits abgeschabt, sondern die auch schmutzig waren. Schäden in den Kunststoffwänden der Dusch-/WC-Kabine wurden bereits überlackt. Zudem fanden wir Roststellen am Hochbett und dessen Leiter vor. Die Armaturen des Duschabteils waren bereits stark verkratzt und rostig. Der Kalk am Duschkopf hielt sich immerhin in Grenzen. Der Teppich war deutlich erneuerungsbedürftig, da es das Reinigungspersonal es offensichtlich nicht schaffte, mit einem Staubsauger sämtlichen Schmutz in der vorgegebenen Zeit zu entfernen. Die Fernbedienung des TV-Gerätes, die nur über die Tasten Programm-rauf, Programm-runter, Lautstärke-rauf, Lautstärke-runter, Stumm und Aus verfügte, war schwergängig, die Stummschaltung funktionierte überhaupt nicht, die Batteriefachklappe fiel ab. Die Steckdose links neben der Waschecke war locker, auch die am Schreibtisch war nicht mehr richtig festgeschraubt. Auf dem Bett fehlte, anders als es in anderen Hotels dieser Gruppe Standard ist, der Überwurf.

Sauberkeit

Trauriger Höhepunkt: Ein benutztes Taschentuch unter der oberen Matratze

Trauriger Höhepunkt: Ein benutztes Taschentuch unter der oberen Matratze

Vor allem aber die Hygiene war mangelhaft. Aus den Lüftungsschlitzen rieselte uralter Staub, den man auch im Türspalt der Toilette vorfinden konnte. Eine Fuge in der Dusche war schimmlig, in der Ecke unten an der Türaufhängung sammelten sich Fusseln, Staub und Haare der Vormieter. Das Waschbecken hatte noch Dreckschlieren, in den Ecken des Sockels an der Kopfseite des Bettes waren deutlich sichtbare Verunreinigungen. Dies gipfelte in einem sehr gut erkennbaren Zahnpasta-Fleck (und wir hoffen wirklich, dass es nur Zahnpasta war) auf dem Boden vor dem Waschbecken. Fenster- und Bettrahmen waren in der Vertikalen staubig. Der Höhepunkt als Dokument einer mangelhaften Reinigung war ein benutztes Taschentuch unter der Matratze des Hochbetts. Dort lag auch einer der beiden Sätze frischer Handtücher. Das Tüpfelchen auf dem I waren dreckschwarze Fußabdrücke vor der Toilette.

Frühstück

Das Frühstücksbüffet bestand aus Brötchen, Brot, Knäcke, Marmelade (in Gläsern und in abgepackten Portionsbecherchen), Nutella, Müsli und Cornflakes, Butter und Becel, „Joghurt“, Magerquark sowie Apfeln. Verschiedene Teesorten wurden angeboten, heißes Wasser stand jedoch im Gegensatz zum Kaffee nicht sofort bereit, man musste danach fragen. Milch gab es warm und kalt. In einem weiteren Spender konnte man sich einen Pappbecher eines Fruchtaromagetränks nehmen. Kritikpunkte hier waren vor allem der „Joghurt“, der aus einem 4 Wochen haltbaren „Joghurterzeugnis“ bestand, dessen Inhaltsstoffe an zweiter Stelle einen „Glucose-Fructose-Sirup“, an dritter Stelle „Zucker“ und viertens „Fruchtaroma“ aufwiesen, ehe man zu einem geringen echten Fruchtanteil kam, und das Fruchtaromagetränk, bei dem man dieses typische Instantaroma deutlich herausschmeckte. Mit Fruchtsaft hat das nicht viel zu tun. Insgesamt sind sechs Euro pro Person, gemessen an dem Gebotenen, etwas zu hoch bemessen.

Reklamationsmanagement

Dreck auf dem Sockel neben dem Waschbecken

Dreck auf dem Sockel neben dem Waschbecken

Aus Zeitgründen (HSV-Spiel, Drei Fragezeichen) kamen wir erst bei der Abreise dazu, den Zustand des Zimmers zu rügen. Als wir dies taten, stimmte uns sofort ein weiterer weiblicher Gast am Tresen zu und bestätigte unsere Ausführungen. Die Dame an der Rezeption entschuldigte sich für die mangelnde Hygiene, verwies darauf, dass die Zimmer binnen eines Jahres renoviert würden – verbunden mit der Bitte, dann wieder einmal dort zu übernachten! – und meinte, der Zustand vor allem der Wände sei auf reisende Monteure und Bauarbeiter zurückzuführen. Als Entschädigung bot sie uns eine kostenlose Parkkarte an, so dass zumindest die zusätzlichen Parkhauskosten von acht Euro entfielen. Ihrer Bitte um eine Aufstellung der Mängel kamen wir nach. Dennoch werde ich es mir nicht nehmen lassen, den Kundenservice der Etap-Hotels vom Zustand des Zimmers zu unterrichten und darauf hinzuweisen, dass in diesem Fall die Qualitätskontrolle versagt hat. Ich denke, wer 75 Euro inkl. Frühstück zahlt, hat ein Anrecht auf ein zwar nicht luxuriöses, aber zumindest sauberes Zimmer.

Weitere Bilder

Aus der Lüftung über der Tür rieselte schon der Dreck

Aus der Lüftung über der Tür rieselte schon der Dreck

Und so sah es bei der Tür zur Dusche aus - widerlich!

Und so sah es bei der Tür zur Dusche aus - widerlich!

Diese Dreckspuren auf dem Klofußboden haben nichts mit dem Verhalten von Monteuren zu tun

Diese Dreckspuren auf dem Klofußboden haben nichts mit dem Verhalten von Monteuren zu tun

Ein solcher Fleck, prominent vor dem Waschbecken, sollte in Hotels jeglicher Qualität nicht vorkommen

Ein solcher Fleck, prominent vor dem Waschbecken, sollte in Hotels jeglicher Qualität nicht vorkommen


Herzlichst,
Euer Fuxi

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