Rundblick (16)

Ich war gestern beim Friseur. Und es dauerte. Nicht, weil meine Haare so schwierig zu machen wären, nein. Einfacher Trockenschnitt vom Meister. Das, was so lange dauerte, war das Nebengespräch. Bei Subventionen für Bauern ging’s los, führte über das Thema Energie und Öl hin zur geplanten Anja-Hajduk-Gedächtnis-Stadtbahn. Er ist bei letzterem Thema „Betroffener“, er wohnt in Steilshoop. Allein organisatorisch ist die geplante Strecke schon eine Katastrophe. Ich werde das bald mal mit einer Fotostrecke untermauern, wo die Probleme liegen werden. Und er pflichtete mir bei: Der Bedarf für eine Stadtbahn besteht auf dieser Strecke nicht. Denn die Buslinie 118, die ziemlich genau diese Strecke bedient, fährt mit 2-Achsern, nicht einmal mit Gelenkbussen, und der Zugangsbahnhof für den Schienenverkehr ist Rübenkamp und nicht Kellinghusenstraße. Selbst Sengelmannstraße wäre näher dran. Abgesehen davon, dass der südliche Teil der Steilshooper Allee bei einer Streckenführung durch die Gründgensstraße ohnehin abgeschnitten ist. Und wir kamen zu einer Erkenntnis: Die Stadtbahn ist die perfekte Begründung für längere AKW-Laufzeiten. Das bedeutet, dass die Grünen mit der Stadtbahn den Atomkraftgegnern in den Rücken fallen. Ausgerechnet!

Dabei ist das doch eigentlich die Paradedisziplin von Schwarz-Gelb. Wie bei der Pflegeversicherung. Dort wollen CDU und FDP den Einstieg in eine private Pflegeversicherung planieren und das Solidarprinzip abschaffen. Abgesehen davon, dass die Privatisierung gerade in diesen Sektoren nichts billiger gemacht hat. Siehe Krankenversicherung. Und das Ganze hat noch einen anderen Haken: Wäre die aktuelle Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise gravierender verlaufen, hätte es mit Sicherheit einige Versicherer dahingerafft. Was passiert denn wohl, wenn ein Konzern wie die Allianz oder Gerling in Schieflage gerät? Das kann nicht geschehen? Dachte man von Arcandor und Opel auch nicht… Was passiert also dann mit den Versicherungen? Was passiert mit Lebensversicherungen, mit Riester-Renten oder eben einer privaten Pflegeversicherung? Richtig: Der Staat muss eingreifen. Wie auch dann, wenn Menschen sich eben nicht privat zusatzversichern. Es heißt ja, es solle eine Pflicht zur privaten Pflegeversicherung geben. Aber wie ist das denn mit der Krankenversicherung? Die Pflicht gibt es auch dort. Und dennoch waren nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes 100.000 Kinder nicht krankenversichert. Wie sieht das wohl erst mit Erwachsenen aus? Und woher wissen wir, dass das, was eingezahlt wurde, auch die Kosten deckt? Wie ist die Kaufkraft eines Euros in 30 Jahren? Kann man dann damit ein Fahrrad kaufen oder vielleicht sogar nur einen Liter Leitungswasser? Wer weiß das schon? Woher soll man wissen, ob der Betrag ausreicht? Und wie sollen sich Geringverdiener und Arbeitslose vom FDP-Bürgergeld auch nur privat zusatzversichern?

Abgesehen davon, dass der Arbeitgeberanteil wegfallen soll. Das heißt: Entweder steigen die Einkommen um den Arbeitgeberanteil zuzüglich der auf diese Steigerung anfallenden Lohnsteuer und Abgaben (was bedeutet, dass die Arbeitgeber mehr zahlen müssen als vorher) – oder die Arbeitnehmer haben effektiv noch weniger im Portemonnaie, was bedeutet, dass sie weniger kaufen können und damit wieder die Binnenwirtschaft schwächen. Das läuft auf einen weiter verschärften Konkurrenzdruck zwischen Einzelhandelsgeschäften und den großen Ketten hinaus. Und bei den Zulieferern.

Da dürften sich die Milchbauern ja besonders freuen. Die halten ja jetzt schon die Hand auf Richtung Staat. Und warum? Weil ihnen die Mechanismen des Marktes nicht gefallen. Fakt ist, dass Milch zu günstig ist. Warum? Weil das Angebot zu groß für die Nachfrage ist, weil Importe aus dem Ausland billiger sind und weil die Menschen sich immer weniger leisten können. Das alles erzeugt Preisdruck. Die notwendige Regulierung wäre, dass einige Milchbauern sich anders orientieren. Die wenigsten Bauern sind aber fähig, ihr Geschäftskonzept zu überdenken und eine andere Nische zu suchen. Alternativ könnten Milchbauern pleite gehen, auch das wäre eine Marktbereinigung, um das Angebot der Nachfrage anzupassen. Statt dessen soll der Staat mit Subventionen einspringen. Denn das ist ja einfacher…

Einfach ist eigentlich auch die Schlussfolgerung von Studien der Duke University und der University of Michigan: Anhänger des Wahlverlierers verzeichnen am Wahlabend einen Absturz des Testosteronspiegels. Analyisert wurde das anhand der US-Präsidentschaftswahlen. Der Testosteronspiegel bei den Obama-Wählern blieb konstant, der bei McCain-Anhängern stürzte ab. Welch ein Wunder! Dass Erfolg für ein Testosteronhoch sorgt, sieht man an den Börsianern. Oder wie sonst lässt sich deren hirnrissige Risikobereitschaft erklären? Und wer hat schon mal nach einer Niederlage das dringende und euphorische Bedürfnis nach Sex verspürt?

Mein Testosteronspiegel könnte heute Abend steigen. Denn da spielt der HSV bei Celtic Glasgow. Ein Sieg wäre riesig. So riesig, dass ich fürchte, mir könnte die Hose platzen. 😀 Ungefähr so also, wenn sich Celtic-Coach Tony Mowbray mal über die Bundesliga auslässt. Der sagte nämlich laut Mopo, dass die Liga mehr Zuschauer als die Premier League und die Primera División habe, und dass das Produkt stimme. Aber auch das dürfte kaum verwunderlich sein. Zwar sind die TV-Einnahmen in beiden Ländern höher, aber genau das macht die Bundesliga auch günstiger und massentauglicher. Über die Preisgestaltung werden weniger Menschen vom Fußball ausgeschlossen als in England oder Spanien. Logisch, oder?

Eher unlogisch ist die DFL. Am Sonntag spielt der HSV auf Schalke. Zeitgleich spielen die Bremer allerdings in Bochum. Und das ist das Fatale. Denn um die Uhrzeit fährt nur noch ein Zug Richtung Norden. Mit Fans beider Vereine. Die sich ja auch so unglaublich gut verstehen. Eine Verlegung eines Spiels auf 15:30 Uhr, um das Problem zu verringern, lehnte die DFL ab. Deren Geschäftsführer, Ex-HSV-Sportchef Holger Hieronymus, sollte eigentlich in dieser ganzen suspekten Organisation am besten wissen, wie gut Bremer und HSVer aufeinander zu sprechen sind. Besonders nach reichlich Alkohol-„Genuss“. Ein Mopo-Onlineleser brachte es auf den Punkt:

„Sperr ne blutende Gazelle mitm ausgehungerten Löwen in ein Zimmer ein und wunder Dich wenn einer von beiden nicht rauskommt.“

Wohlgemerkt: In der gleichen Woche beschloss die Betriebsgesellschaft des Metronom auch im Hinblick auf randalierende Fußball-Vandalen ein absolutes Alkoholverbot in ihren Zügen. Vor dem Hintergrund muss man die DFL nicht verstehen, oder?

Aber denken wir mal positiv und hoffen, dass nichts passiert. So positiv, wie die Nominierungen der Frauen- und Juniorinnen-Bundestrainerinnen aus HSV-Sicht sind. Kim Kulig schaffte es erwartungsgemäß in den Kader für das Länderspiel der A-Nationalelf gegen die USA am 29. Oktober in Augsburg. Für die U20 darf Angelina Lübcke bei einem gemeinsamen Lehrgang mit der U19 in Hameln und Barsinghausen gegen Schweden ran. Erfreulich ist auch die aktuelle Teilnahme von C1-Juniorin Alina Witt am Sichtungslehrgang der U15 in Hennef. Neben ihr ist auch Selma Khan vom SC Nienstedten dabei. Wer den HSV-Neuzugang vom TSC Wellingsbüttel mal in Aktion erleben will, muss eineinhalb Wochen warten. Dann spielt die C1 am Samstag (31.10.) um 13 Uhr gegen DSC Hanseat. Zu dumm: Um 15:30 Uhr spielen die Profis gegen Gladbach und die 2. Frauen gegen Gütersloh. So richtig los geht’s mit Frauen und Mädchen erst an jenem Wochenende wieder, wenn die Ferien vorbei sind.

Samstag, 31.10.2009

B-Jun. ESV Einigkeit HSV 2.B 09:00 Sportplatz Dratelnstraße
(Wilhelmsburg)
D-Jun. HSV 1.D SC Nienstedten 11:30 Paul-Hauenschild-Sportanlage
Ulzburger Str. 95
(Norderstedt)
Kreisliga FC St. Pauli 2. HSV 4. 12:15 Sportplatz Feldstraße
(St. Pauli)
C-Jun. HSV 1.C DSC Hanseat 13:00 Paul-Hauenschild-Sportanlage
Ulzburger Str. 95
(Norderstedt)
2. BL
HSV 2. FSV Gütersloh 13:00 Wolfgang-Meyer-Stadion
Hagenbeckstraße 124
(Stellingen)
C-Jun. Altona 93 1.C HSV 2.C 14:00 Sportplatz Teutonia 05
Othmarscher Kirchenweg
(Altona)
Verbandsl. SC Eilbek HSV 3. 14:00 Sportplatz Fichtestraße
(Eilbek)
Bundesliga HSV Gladbach 15:30 HSH Nordbank Arena
Sylvesterallee 7
(Stellingen)

Sonntag, 01.11.2009

Sonderkl. HSV 7er Moorburger TSV 12:00 Paul-Hauenschild-Sportanlage
Ulzburger Str. 95
(Norderstedt)
D-Jun. ESV Einigkeit HSV 2.D 14:00 Sportplatz Dratelnstraße
(Wilhelmsburg)
B-Jun. HSV 1.B Bramfelder SV 14:00 Paul-Hauenschild-Sportanlage
Ulzburger Str. 95
(Norderstedt)
Bundesliga HSV 1. VfL Wolfsburg 14:00 Wolfgang-Meyer-Stadion
Hagenbeckstraße 124
(Stellingen)

(Die von mir anvisierten Spielbeobachtungen sind blau markiert.)

Herzlichst,
Euer Fuxi

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