Moorburger Mut wird bestraft

Cathy Knobloch war eine von drei Zweitligareservistinnen im HSV-Team

Cathy Knobloch war eine von drei Zweitliga-Reservistinnen im HSV-Team

Dass die dritte Mannschaft des HSV nach fünf Spieltagen mit weißer Weste und fünf Punkten Vorsprung auf eine Verfolgergruppe mit Blau-Weiß Ellas, Meiendorfer SV, Niendorfer TSV und SC Eilbek an der Tabellenspitze stehen würde, hätte Trainer Peter Schulz nicht zu träumen gewagt. Für den Moorburger TSV begann die Saison nicht so gut. Nach dem vierten Platz im Vorjahr standen Nadia Papist, Kerstin Tamke, Jana Behrens und Ex-HSVerin Tanja Ossadnik auf der Seite der Abgänge. Zuletzt gab es drei Niederlagen in Folge mit 4:11 Toren. Der HSV war also klarer Favorit am Moorburger Elbdeich.

Paula Ziselsberger machte Dampf über rechts; hier gegen Meier und Kloth

Paula Ziselsberger machte Dampf über rechts; hier gegen Meier und Kloth

Und das nicht nur wegen der Tabellenführung. Drei Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft waren im Kader: Cathérine Knobloch, Annika Rode und Maria Marrocu. Aber auch eine B-Juniorin, Lara Wolff, gab ihren Einstand im Frauenbereich, war die zweite Spielerin des Jahrgangs 93 neben Torhüterin Saskia Schippmann. Und die Gäste legten gleich stark los. Nach 19 Sekunden kam Marrocu nach Abspiel von Paula Ziselsberger von rechts zum Abschluss, schoss der Moorburger Keeperin Julia Hochfeld in die Arme. Hochfeld war an diesem Tag eine von drei früheren HSVerinnnen neben Pia Diedrichsen und Elma Setkic, die nicht von Beginn an dabei war. Eine Minute nach dieser ersten Chance setzte Wolff das erste Zeichen, zog aus 22 Metern drüber. Die 16-Jährige spielte neben Cindy Rak, mit der sie vergangene Saison noch bei den B-Mädchen spielte, im zentralen Mittelfeld. Der Moorburger TSV stand tief in der eigenen Hälfte, machte es so dem HSV schwer. In der 13. Minute kickte Rak einen Abpraller direkt aufs Tor, und mit einer unsicheren Beinabwehr lenkte Hochfeld den Ball zur Ecke. Der nächste Angriff rollte über rechts. Im zweiten Versuch brachte Ziselsberger eine Flanke an den zweiten Pfosten. Dort versuchte es die im linken Mittelfeld aufgebotene Cathy Knobloch mit rechts, wurde aber abgeblockt, und den Nachschuss setzte Marrocu aus 14 Metern drüber (15.).

Marrocu jagt den Freistoß aus 18 Metern wuchtig knapp drüber

Marrocu jagt den Freistoß aus 18 Metern wuchtig knapp drüber

Der Tabellenführer spielte gut, hatte aber ein gravierendes Problem: Das Spiel über die Außenpositionen wurde kaum bis zur Grundlinie durchgebracht. Statt dessen gingen die Bälle oft in die Mitte, wo dann der Raum zum Kombinieren fehlte. So waren sie vermehrt zu Schüssen aus der zweiten Reihe gezwungen, die auch in der vielbeinigen Abwehr der Moorburgerinnen hängen blieben. Einen Fernschuss der aufgerückten Verteidigerin Annika Rode hielt Hochfeld sicher. Dann ballerte Marrocu in der 21. Minute einen Freistoß aus 18 Metern knapp über die Latte. Der TSV kam kaum aus der eigenen Hälfte, und wenn, stand die HSV-Abwehr gut. 28 Minuten waren gespielt, als Knobloch einen Eckball von links hoch an den langen Pfosten spielte. Sarah Borgwardt legte eher versehentlich in die Mitte für Rabea Garbers auf, und die brachte das Leder per Kullerball zum 0:1 im Netz unter. Der Bann war gebrochen. Aber der HSV hätte längst früher führen können. Neunzig Prozent der Aktionen spielten sich in der Moorburger Hälfte ab. Der Aufsteiger machte sich aber viele davon durch Ungenauigkeiten kaputt. Torschützin Garbers machte es in der 32. Minute dann fast zu genau, als sie im Doppelpass mit Rak zur Mitte zog und aus 25 Metern hoch abschloss. Hochfeld streckte sich, der Ball klatschte an die Latte, von dort an den Arm der fliegenden Torhüterin und zum 0:2 ins Tor. Nichts zu machen für die Schlussfrau, die dennoch unglücklich dabei aussah. Garbers hatte nun Lunte gerochen und probierte es nach 36 Minuten erneut aus ähnlicher Position. Der Schuss ging allerdings klar rechts vorbei.

Doppeltorschützin Rabea Garbers

Doppeltorschützin Rabea Garbers

So blieb es zur Pause beim 0:2, das leistungsgerecht war. Denn der HSV stand bei den Moorburger Konterversuchen sicher. Kein Wunder: Der TSV stand so tief, dass die Stürmerinnen Eniola Olasanya und Lea Menk völlig auf sich allein gestellt waren, und der HSV arbeitete entsprechend nach hinten, dass spätestens bei Abwehrchefin Katharina Stuth und Annika Rode Endstation war. Saskia Schippmann im HSV-Tor war fast beschäftigungslos. Dass es nur zwei Tore für den HSV waren, lag zu einem guten Teil auch daran, dass sie die engen Räume rund um den Gastgeber-Strafraum vor Probleme stellten. Es fehlte dem Spitzenreiter an zündenden Ideen und Inspirationen, um diesen Riegel mit konkreten, durchdachten und herausgespielten Aktionen zu knacken. Leistungsmäßig war das okay, spielerisch gab es noch Luft nach oben. Vor allem der linke Flügel war auf Höhe des Strafraums unterrepräsentiert. Das sah auf der rechten Seite mit [ANONYME SPIELERIN] [Anmerkung: Dieser Bericht wurde nachträglich bearbeitet. Begründung unter die-torjaeger.de] und Paula Ziselsberger besser aus.

Duell der 7er: Paula Ziselsberger gegen Ex-HSVerin Pia Diedrichsen

Duell der 7er: Paula Ziselsberger gegen Ex-HSVerin Pia Diedrichsen

Zur zweiten Halbzeit brachte TSV-Coach Dieter Sendrowski die frühere HSVerin Elma Setkic für Katharina Kloth. Seine Mannschaft sollte jetzt etwas weiter aus der eigenen Hälfte rücken und die eigene Offensive stärken. Doch genau das ging nach nicht einmal einer Minute schon schief. Ziselsberger passte rechts auf Borgwardt. Die ging an Diedrichsen vorbei und flankte an den Fünfer. Am ersten Pfosten verpasste Marrocu, dahinter aber war Knobloch einen Tick eher am Ball als Lina Oesmann und spitzelte den Ball zum 0:3 ins lange Eck (46.). Das war natürlich die Vorentscheidung. Aber Moorburg igelte sich nicht wieder so ein wie im ersten Durchgang, sondern versuchte dennoch, mehr nach vorn zu bewegen. Die erste halbe Chance hatte Vanessa Zawada mit einem Freistoß aus 32 Metern, der deutlich rechts vorbei ging. Auf der anderen Seite schoss Wolff nach Ablage von Rak aus 22 Metern links vorbei (49.).  Eine Minute später erarbeitete sich Marrocu die nächste Chance, als sie sich nach Pass von Ziselsberger im Strafraum behauptete, dann aber das Tor verfehlte. Debütantin Lara Wolff machte es besser – mit gütiger Mithilfe der Torhüterin. Auf Zuspiel von Borgwardt fasste sie sich aus 25 Metern ein Herz, zog stramm ab, und Hochfeld ließ den eigentlich unpräzisen Ball unter sich hindurch rutschen – 0:4 (53.). Das Premierentor hatte sich die 16-Jährige, die bei den B-Mädchen sonst links auf dem Flügel spielt, redlich verdient, spielte sie doch, als sei sie schon immer dabei gewesen. Sie hatte ihr Tor, Marrocu wartete noch darauf. Ziselsberger setzte sie mit kurzem Pass von rechts ein, die Stürmerin gewann auch das Dribbling im Strafraum, und doch donnerte ihr Schuss rechts über den Querbalken (54.).

Bemüht, aber äußerst glücklos: Maria Marrocu (hier gegen Pia Bischoff)

Bemüht, aber äußerst glücklos: Maria Marrocu (hier gegen Pia Bischoff)

Der HSV nahm nun einen Gang raus. Zudem war Wechselzeit angesagt. Nach 61 Minuten kam Ann-Christin Jonaß für [ANONYME SPIELERIN] und übernahm die linke Verteidigung. Garbers wechselte nach rechts. Drei Minuten später kam Stanmm-Innenverteidigerin Svenja Winter für Sarah Borgwardt. Für sie kam nun Annika Rode in die Spitze. Und das zahlte sich beim anschließenden Eckball aus. Den brachte Knobloch von links an den kurzen Pfosten, wo Rode volley aus sechs Metern ins kurze Eck zum 0:5 vollendete (64.). Ein Tor reichte ihr nicht. Aus 18 Metern zog sie eine Minute später ab, verzog aber. Bei Moorburg kam dann Julia Rudolph für Lea Menk. HSV-Coach Peter Schulz zog danach den letzten Joker, brachte Pajtesa Kameraj im zentralen Mittefeld für Cindy Rak. Und auch die durfte gleich mitjubeln. Denn Cathy Knobloch kam halblinks in Ballbesitz, drang am Eck in den Strafraum ein und traf trocken ins lange Eck zum 0:6 (67.). Der Mut der Moorburgerinnen war bestraft worden, auch wenn die Partie nun ansehnlicher war als die Abwehrschlacht der ersten 45 Minuten.

Annika Rode machte in Innenverteidigung und Sturm eine gute Figur

Annika Rode machte in Innenverteidigung und Sturm eine gute Figur

Die letzte Viertelstunde brach an. Und Rabea Garbers wollte erneut ihren dritten Treffer. Aus der eigenen Hälfte startete sie unbehelligt mit dem Ball, knallte ihn aus 24 Metern aufs kurze Eck, aber dieses Mal war Hochfeld mit einer guten Parade im bedrohten Eck, wehrte zur Ecke ab (74.). Auf der Gegenseite hatte der TSV dann seinen einzigen Torschuss, bei dem Schippmann eingreifen musste. Diedrichsen passte an den Strafraum zu Zawada, und deren Schuss aus der Drehung fing die Keeperin problemlos (75.). Die nächste HSV-Chance entstand aus einer guten Kombination. Wolff bediente links Knobloch, deren Flanke suchte Kameraj, doch die wurde beim Kopfball noch entscheidend gestört, so dass keine Gefahr für das TSV-Tor ausging (77.).

Vanessa Zawada, hier gegen Svenja Winter, hatte die einzigen Moorburger Torchancen

Vanessa Zawada (gegen Winter) hatte die einzigen Moorburger Torchancen

Danach  nahm der HSV etwas das Tempo raus. Abgeklärt spielten sie die Zeit herunter, aber immer wieder mit dem Versuch, aus Freiräumen Torgefahr zu entwickeln. Die letzten Möglichkeiten in der Schlussphase hatte Marrocu. Erst brachte Knobloch, die sich – beflügelt durch ihr Tor kurz nach dem Pausentee – an der linken Außenlinie in der zweiten Halbzeit deutlich besser einbrachte, eine Flanke vor den Strafraum, Marrocu nahm den Ball an, doch ihr Abschluss aus der Drehung wurde abgefälscht und entschärft. Und nach schwacher Ecke von Kameraj legte Rode für ihre Sturmkollegin auf, die haute schließlich aus 17 Metern drüber. Sie war die einzige, die in den letzten Minuten deutlich sichtbar Frust schob. Sie hatte einen gebrauchten Tag erwischt. Für das Ergebnis spielte das keine Rolle. Das 0:6 war auch in der Höhe verdient. Der HSV war überlegen, im zweiten Abschnitt auch spielerisch. Sie kombinierten flüssiger und gewannen bei Moorburger Gegenstoßversuchen die Zweikämpfe. Vorn nutzten sie die Räume, die Moorburg durch die weniger tief stehende Ausrichtung ließ. Aber die Gastgeber konnten trotz des Willens, zum Ehrentreffer zu kommen, zu keiner Zeit entscheidende Akzente setzen, lediglich andeuten. Bemerkenswert war noch, dass es in Moorburg nur eine einzige Schiedsrichterin gab, das Spiel ohne Gespann geleitet wurde. Das war selbst in Harburg noch anders.


Statistik:

Moorburger TSV: Julia Hochfeld – Katharina Kloth (46. Elma Setkic), Julia Oesmann, Stefanie Meier, Meike Zube – Pia Diedrichsen, Pia Bischoff, Lina Oesmann – Vanessa Zawada – Eniola Olasanya, Lea Menk (66. Julia Rudolph)

Hamburger SV III.: Saskia Schippmann – Rabea Garbers, Katharina Stuth, Annika Rode, [ANONYME SPIELERIN] (61. Ann-Christin Jonaß) – Cathérine Knobloch, Lara Wolff, Cindy Rak (67. Pajtesa Kameraj), Petra Ziselsberger – Sarah Borgwardt (64. Svenja Winter), Maria Marrocu

Schiedsrichterin: Christine Naujoks (FSV Harburg)

Tore: 0:1 Garbers (28.), 0:2 Garbers (32.), 0:3 Knobloch (46.), 0:4 Wolff (53.), 0:5 Rode (63.), 0:6 Knobloch (67.)

Gelbe Karten: keine


Herzlichst,
Euer Fuxi

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