Ein 0:0 der besseren Sorte

Kathrin Patzke war defensiv stark gefordert - hier gegen Lavinia Timme

Kathrin Patzke war defensiv stark gefordert - hier gegen Lavinia Timme

Wiedergutmachung war angesagt für die 2. Frauenmannschaft des HSV. Das 1:5 in Gersten war nach dem nach Ergebnissen guten Saisonstart mit vier Punkten in zwei Spielen ein Schlag ins Kontor. Nach 1:1 zur Pause lief nichts mehr. Und nun kam ausgerechnet der Tabellenzweite Turbine Potsdam II. mit der stärksten Offensive (13 Tore aus vier Spielen) und der viertbesten Defensive. Ungewohnt waren der Spielort und das Datum: Samstag um 13 Uhr auf der Paul-Hauenschild-Sportanlage in Norderstedt, weil das Wolfgang-Meyer-Stadion mit reichlich männlichen Nachwuchs-Bundesligaspielen ausgelastet war. Man durfte gespannt sein, wie sich das Team von Claudia von Lanken unter diesen Umständen schlagen würde.

Die erste HSV-Chance: Johanna Borkowski köpft ans Lattenkreuz

Die erste HSV-Chance: Johanna Borkowski köpft ans Lattenkreuz

Die Gäste aus Brandenburg hatten spielerisch zu Beginn Vorteile, aber der HSV kam nach neun Minuten zur ersten Chance. Und was für einer! Fata Salkunic, slowenische Leihgabe aus der Ersten und erst seit dieser Woche mit Spielberechtigung ausgestattet, brachte einen Eckball von der linken Seite herein, und aus neun Metern traf Johanna Borkowski – das Lattenkreuz! Den Nachschuss setzte Mayline Danner bedrängt über die Latte. Drei Minuten später brachte Jobina Lahr das Leder von rechts an den Strafraum, Katrin Miotke legte ab, und den 23-Meter-Schuss von Salkunic lenkte Potsdams Torhüterin Lena Hohlfeld rechts neben das Tor (12.). Die Gastgeber waren in der Anfangsphase gefährlicher und effektiver. Nach zwanzig Minuten berappelte sich aber der Tabellenzweite. Links wurde Ulrike Fechner steil geschickt und war so im Strafraum frei vor HSV-Keeperin Jennifer Weber. Die kam noch an den Schlenzer heran, dahinter aber war Lavinia Timme an den Fünfmeterraum gelaufen und schob ein. Dumm nur für die Potsdamerin: Die Schiedsrichterassistentin hatte eine Abseitsstellung beim Schuss von Fechner erkannt, und das Tor zählte nicht. Glück für den HSV. Zwei Minuten darauf vertändelte die zweite Bundesliga-Leihgabe Daniela Schacher rechts in der Verteidigung den Ball gegen Jennifer Cramer, und nach deren Pass versuchte es Fechner direkt mit einem Schuss, den sich Weber im Nachfassen griff. Der HSV arbeitete hinten schlampiger, leistete sich zu viele Ballverkuste und ging unnötige Risiken ein. Darauf lauerte Potsdam. Und dennoch hatten die Rothosen wieder eine Gelegenheit, als Borkowski einen Eckball von Salkunic mit dem Oberschenkel Richtung Tor brachte und Hohlfeld problemlos zugreifen konnte (26.).

Bei Fechners Schuss stand Timme im Abseits - das Tor zählte nicht

Bei Fechners Schuss stand Timme im Abseits - das Tor zählte nicht

Die Partie verflachte etwas, was Strafraumszenen anging. Henrike Schödel brachte einen Ball in der Hamburger Hälfte noch zu Bagehorn, ehe sie von Danner gefoult wurde. Schiedsrichterin Lohmeyer, die in der ersten Halbzeit eine gute Leistung ablieferte, ließ zunächst weiterlaufen, und erst als der Schuss von Bagehorn aus 30 Metern links das Tor verfehlte, zeigte die Spielleiterin der Hanseatin die Gelbe Karte (34.). Die letzte Chance des ersten Durchgangs hatte noch einmal der HSV. Salkunic, die sich trotz Sprachbarriere gut zurecht fand, setzte mit einem Steilpass Miotke in Szene, die frei vor Hohlfeld die große Möglichkeit zur Führung hatte. Sie zielte auf das rechte Eck, Hohlfeld ahnte das und lenkte den Schlenzer rechts neben den Pfosten (40.).

Turbine-Torhüterin Lena Hohlfeld vereitelt die Großchance von Kathrin Miotke

Turbine-Torhüterin Lena Hohlfeld vereitelt die Großchance von Kathrin Miotke

Die knapp 70 Zuschauer hatten eine ausgeglichene erste Halbzeit gesehen. Der HSV begann defensivstark und ließ die Offensive der Gäste nicht zur Entfaltung kommen, machte sie dann aber durch Fehler stark. Nur konnte Potsdam diese Szenen nicht in Treffer ummünzen. Die Hanseatinnen konnten sich offensiv etwas besser behaupten, es fehlte allerdings ein wenig am roten Faden. Salkunic agierte in der einen oder anderen Situation zu verspielt, ansonsten arbeitete der HSV viel nach hinten, auch Kathrin Patzke, die dadurch offensiv nur wenig Akzente setzen konnte.

Zweikampf zwischen Marie Klemme und Janka Rohrberg

Zweikampf zwischen Marie Klemme und Janka Rohrberg

Beide Teams gingen personell unverändert in die zweite Halbzeit, auch Patzke, die nach vielen Sprints schon müde wirkte, war noch dabei. Inzwischen hatte sie mit Jobina Lahr die Seite gewechselt. Analog tauschten beim Potsdam nun auch Fechner und Klemme die Flügel. Und die Gäste schienen jetzt die Führung zu wollen, nachdem der Pausenstand für sie angesichts der beiden HSV-Großchancen doch etwas schmeichelhaft gewesen war. Nach Steilpass von Bagehorn bugsierte Fechner die Kugel ins Tor, aber wieder war da vorher der Abseitspfiff, der das torlose Remis zementierte (47.). Etwas Glück hatten die Hamburgerinnen, als Schödel auf Fechner durchsteckte und diese den Ball grätschend links vorbei kickte (51.). Dann versetzte Timme links im Strafraum Borkowski und spielte zurück, von der Strafraumgrenze verzog Klemme jedoch (53.). Dem HSV gelang in dieser Phase kaum etwas nach vorn. Einzig Danner schoss in der 55. Minute aus 24 Metern knapp über den Querbalken.

Nach Ausrutscher von Dani Schacher hat Jennifer Cramer freie Bahn

Nach Ausrutscher von Dani Schacher hat Jennifer Cramer freie Bahn

Turbine hatte seine stärkste Zeit. Nach Zuspiel von Schödel ging Fechners Schuss rechts vorbei (61.). In der 66. Minute dribbelte Schödel an Borkowski vorbei aufs Tor, stand frei vor Weber und schob rechts neben den Kasten. Und nach unnötigem Ballverlust von Lahr auf links wurde Klemme von Fechner per Querpass bedient und schoss aus 15 Metern drüber (67.). Die Konzentration beim HSV ließ sichtbar nach. Potsdams Coach Kandler wollte das nun endlich in Tore ummünzen, brachte mit Sandra Starke für Lavinia Timme eine frische Offensivkraft. Doch zunächst ergab sich für die Platzherrinnen die Gelegenheit zur Führung. Salkunic erlief den Ball halblinks und spielte zu Miotke. Vor dem Strafraum passte sie noch einmal nach halbrechts zu Patzke. Im Dribbling setzte sie sich erfolgreich gegen Cramer durch, spitzelte die Kugel dann aber genau auf Hohlfeld. Da war mehr drin.

Kopfballduell zwischen HSV-Neuzugang Danner und Turbines Bester Schödel

Kopfballduell zwischen HSV-Neuzugang Danner und Turbines Bester Schödel

Das 1:0 hätte das Spiel noch interessanter gemacht, Potsdam hätte den HSV noch mehr unter Druck setzen müssen. Schacher verlor in der eigenen Hälfte fahrlässig die Kugel. Schödel passte auf halblinks zur gerade eingewechselten Starke, die sich den Ball aber zu weit vorlegte, und so konnte Weber im HSV-Kasten das Spielgerät sichern (72.). Das 0:1 schien eine Frage der Zeit, Turbine legte weiter zu. Nach Freistoßflanke von Schödel verpasste Ulbrich am Elfmeterpunkt nur knapp (80.). Dann kam wieder der HSV. Schacher rückte bei einem Konter auf und wurde diagonal von Salkunic bedient. Am Strafraum schlug sei einen Haken gegen Cramer, ihr anschließender Schuss auf Hohlfeld war aber zu harmlos. Potsdam konterte. Doppelpass zwischen Starke und Fechner, Querpass, aus 20 Metern zog Schödel ab, fand aber erneut ihre Meisterin in Weber, die abtauchte und mit einer Hand zur Ecke ablenkte (83.). Schödels Freistoß aus 23 Metern hielt sie kurz darauf sicher.

Die Enge des Spiels, abgelesen in den Gesichern von Claudia von Lanken und Miriam Scheib

Die Enge des Spiels, abgelesen in den Gesichern von Claudia von Lanken und Miriam Scheib

HSV-Trainerin Claudia von Lanken wechselte dann das einzige Mal aus. Nadine Odzakovic ersetzte Daniela Schacher auf der rechten Außenverteidigerposition (85.). Und die hätte fast mitjubeln dürfen. Danner passte quer auf Miotke. Die legte noch einmal nach rechts ab. Freistehend verpatzte Patzke die Ballannahme, und als sie die Kontrolle bekam, wehrte Hohlfeld den Schuss aus spitzem Winkel zur Ecke ab (87.). Die Schlussphase war nochmal reich an Chancen. Auf der anderen Seite war Klemme nach Diagonalpass von Cramer völlig frei vor Weber im Strafraum. Durch Hampeln versuchte sie, eine Reaktion der Torhüterin zu provozieren, schoss dann, doch die HSV-Keeperin blieb eiskalt und wehrte nicht nur mit einem Klassereflex ab, sondern schnappte sich den Ball sogar im Nachfassen. Damit hielt die den einen Punkt fest, rettete das Zu-null. Auf der anderen Seite versuchte es Miotke nach Zuspiel von Salkunic noch einmal aus 25 Metern, der Schuss ging klar vorbei, und damit stand das 0:0 fest.

Riesenchance für Kathrin Patzke - Hohlfeld wehrt ab

Riesenchance für Kathrin Patzke - Hohlfeld wehrt ab

Der HSV holte verdient einen Punkt bei einem torlosen Remis der besseren Sorte. Beide Teams hatten ihre Großchancen. Die zweite Halbzeit war offener und weniger taktisch geprägt, mit klaren Vorteilen für den Tabellenzweiten aus Brandenburg. Allerdings ärgerte der HSV die Gäste doch deutlich und freute sich über den Punkt mehr als die enttäuschte Zweite des Meisters.  Bestnoten in einer recht geschlossenen Mannschaftsleistung der Hanseatinnen verdienten sich insgesamt die beiden Innenverteidigerinnen Henrike Meiforth und Johanna Borkowski, bei den Brandenburgerinnen war Henrike Schödel als Dreh- und Angelpunkt sehr auffällig.


Statistik:

Hamburger SV II.: Jennifer Weber – Janka Rohrberg, Henrike Meiforth, Johanna Borkowski, Daniela Schacher (85. Nadine Odzakovic) – Sarah Begunk, Mayline Danner – Fata Salkunic – Kathrin Patzke, Jobina Lahr – Katrin Miotke

Turbine Potsdam II.: 22 Hohlfeld – Jennifer Cramer, Josephine Schlanke, Anna-Maria Ulbrich, Sandra Wiegand – Marie-Louise Bagehorn, Kristin Demann – Henrike Schödel – Ulrike Fechner, Lavinia Timme (69. Sandra Starke), Marie Klemme

Schiedsrichterin: Imke Lohmeyer (Holtland) mit Corinna Feldmann (Wietmarschen) und Nadine Palmen (Grohn)

Zuschauer: 70

Tore: keine

Gelbe Karten: Danner (Hamburg, 34. Minute, Foulspiel), Demann (Potsdam, 73. Minute, Foulspiel)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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