Ein Dutzend für Egenbüttel

HSV-Coach Max Pröbsting war über weite Strecken nicht zufrieden

HSV-Coach Max Pröbsting war über weite Strecken nicht zufrieden

Am letzten September-Sonntag zeigte sich der Himmel noch einmal von seiner schönen Seite: Sonnenschein und satte 21 Grad begleiteten die vierte HSV-Frauenmannschaft bei ihrem dritten Kreisliga-Spiel gegen den SC Egenbüttel. Der HSV empfing die Gäste als Tabellenführer, nachdem dem 13:1 zum Auftakt gegen die Zweite von Ellas eine 3:0-Wertung wegen Nichtantretens des SV Lieth gefolgt war. Egenbüttel hatte sein erstes Spiel gegen die Zweite von St. Pauli gewonnen, zuletzt aber 0:3 per Wertung verloren. Es schien eine einfache Aufgabe für das Team von Max Pröbsting zu werden.

Vanessa Plieschke auf der Suche nach einer Anspielstation

Vanessa Plieschke auf der Suche nach einer Anspielstation

Wurde es auch. Im Tor stand Sabine Gercken aus der fünften Mannschaft, die lediglich Kleinfeld in der Sonderklasse spielt. Ansonsten waren Julia Niekrenz und Jana Anger dabei, die man sonst eher aus dem Dunstkreis der Dritten kennt. Von Beginn an war es eine einseitige Partie, die sich fast ausschließlich in der Hälfte des SC Egenbüttel abspielte. Bereits nach sieben Minuten schob Vanessa Plieschke eine Hereingabe von rechts zum 1:0 ein, und nur zwei Minuten später traf Patricia Zimmermann mit links zum 2:0 (9.). Trotzdem hatte der HSV deutliche Mühe mit den tief stehenden Gästen, aber zum Teil auch mit sich selbst. In der 13. Minute lenkte Egenbüttels Torhüterin Katharina Richter einen 30-Meter-Freistoß von Niekrenz über die Latte. Sechs Minuten darauf verursachte sie durch eine Unsicherheit bei einem 40-Meter-Freistoß von Alina Ogundipe einen Eckball. Den brachte Niekrenz von links herein, aber Egenbüttel klärte zunächst zurück auf den linken Flügel. Erneut flankte Niekrenz scharf, und am zweiten Pfosten bugsierte Ogundipe das Leder aus fünf Metern volley ins kurze Eck zum 3:0 (19.).

Abwehrspielerin Jenny Schulz, hier gegen Miriam Nissen, hatte wenig zu tun

Abwehrspielerin Jenny Schulz, hier gegen Miriam Nissen, hatte wenig zu tun

Die Hamburgerinnen bekamen Chancen fast im Minutentakt. Sie schnürten Egenbüttel in deren eigener Hälfte ein. Aber viele Möglichkeiten wurden auch bereits im Ansatz vergeben. Nach Angers Flanke von rechts wurde der Versuch von Zimmermann in der 23. Minute abgeblockt. Kurz darauf war ein Schuss von Ogundipe aus 22 Metern kein Problem für Richter. Dann schlug Egenbüttels Mittelfeldspielerin Sandy Kruse ein Luftloch und trat an einem Steilpass von Niekrenz vorbei, wodurch Anger frei zum Schuss kam, doch Richter sicherte sich den Ball im Nachfassen. Danach fand ein Plieschke-Schuss nur die Arme Richters. Dann spielte Ann-Christin Lühmann von links kurz zu Zimmermann, die in den Strafraum ging und für Plieschke auflegte. Deren Ball aus 14 Metern strich knapp rechts vorbei (27.). Sie waren überdeutlich überlegen, aber schwach im Abschluss. Nach Steilpass von Niekrenz traf Zimmermann mit links nur das Außennetz. Noch besser war ihre Chance in der 32. Minute. Ogundipe legte rechts auf Svenja Metz. In deren eigentlich harmlosen Schuss lief Zimmermann hinein – und traf aus fünf Metern nur die Torhüterin! Eine Minute später köpfte Plieschke nach Flanke von Anger links daneben. Dann traute sich auch Lühmann aus der Viererkette an den Strafraum, schloss ein Solo mit einem Flachschuss auf Richter ab (37.).

Im SCE-Strafraum ging es mitunter turbulent zu

Im SCE-Strafraum ging es mitunter turbulent zu

Kurz vor der Pause wurde die Abschlussflaute dann aber doch überwunden. Auf dem rechten Flügel vernaschte Anger Sandy Kruse und flankte. Plieschke verlor das Kopfballduell, aber Zimmermann stocherte nach und brachte so ihrer Sturmkollegin die zweite Chance, die diese auch aus zwei Metern zum 4:0 nutzte (42.). Es zeigte das Dilemma vor dem Tor auf: Sie hatten ein Dutzend gute Chancen gehabt, viele davon aber aus Ungenauigkeit, Hektik und fehlender Konzentration vergeben. Hinzu kamen Timingprobleme. Und dann wiederum war es das genaue Gegenteil, wenn sie es zu genau machen wollten. Vom SC Egenbüttel war nur in der Rückwärtsbewegung etwas zu sehen. Eine Handvoll Male schafften sie es in die Hamburger Hälfte, zum Strafraum jedoch kein einziges Mal.

Aktivposten Jana Anger verlädt Sandy Kruse

Aktivposten Jana Anger verlädt Sandy Kruse

So sah es dann auch im zweiten Durchgang aus, den HSV-Coach Max Pröbsting mit einer personellen Veränderung anging: Julia Niekrenz blieb draußen und wurde durch Jaqueline Wolf ersetzt. Sein Team brauchte drei Chancen zum 5:0. Zunächst war ein hoher Schuss Plieschkes von der Strafraumgrenze kein Problem für Richter, dann probierte es Wolf flach aus ähnlicher Entfernung, mit dem gleichen Ergebnis. Dann bekam Miriam Nissen nach einem Foul an Jenny Schulz die Gelbe Karte. Den anschließenden Freistoß brachte Jana Anger, die nun mit Patricia Zimmermann die Seite gewechselt hatte, von links herein, Wolf verlängerte, aber die Szene schien vorbei. Dann setzte Zimmermann nach und legte für Svenja Metz auf, die das Leder schließlich unter der Latte einnetzte (53.). Wieder entwickelten sich Möglichkeiten im Minutentakt. Vor dem Strafraum kam Plieschke an den Ball, hatte viel Zeit und kam aus 15 Metern zum Schuss – 6:0 (54.). Danach verpasste Zimmermann eine Hereingabe von Anger, Angers Schuss vom Strafraumeck nach erneutem schönen Steilpass von Lühmann landete in den Armen von Richter, Zimmermann ballerte nach Querschläger von Giulia Mauritz aus halbrechter Position drüber (58.). Man konnte aber sehen, dass die Hereinnahme von Jaqueline Wolf positive Auswirkungen auf das HSV-Spiel hatte. Auch zählbar. Nach kurzem Zuspiel von Anger auf der linken Seite spielte Wolf Nissen aus, zog flach ab, und Richter konnte den Ball nicht mehr entscheidend ablenken, vom Innenpfosten sprang er zum 7:0 ins Tor (59.).

Außenverteidigerin Ann-Christin Lühmann sucht den Weg an Jennifer Axmann vorbei

Außenverteidigerin Ann-Christin Lühmann sucht den Weg an Jennifer Axmann vorbei

Es war ein lockerer Aufgalopp. Zu locker für den Geschmack von Max Pröbsting, der im Verlauf der zweiten Halbzeit den aufkommenden Schlendrian mit vielen Positionswechseln bekämpfte und beispielsweise Vanessa Plieschke aus der Sturmspitze bis tief ins eigene Mittelfeld durchreichte. Auch, weil sich die Hanseatinnen am und im Strafraum gegenseitig den Platz raubten, immer wieder zu zahlreich in Richtung gegnerisches Tor aufrückten und die ausgegebene Grundordnung nicht einhielten. Ein Verhalten, das Mannschaften in einer höheren Spielklasse schon bestrafen. Dafür jedoch war Egenbüttel einfach zu schwach. Zwar bemühten sie sich, auch mal verstärkt aus der eigenen Hälfte zu kommen, gelingen wollte es ihnen noch nicht. Der HSV suchte weitere Ergebnisverbesserungen. Rechts erlief Metz den Ball, gewann einen Zweikampf und passte dann zu Zimmermann, die aber nut den Außenpfosten traf (61.). Beim 8:0 in der 62. Minute half die SCE-Keeperin Katharina Richter kräftig mit. Plieschke hob den Ball in den Strafraum. Richter war vor Wolf da, ließ das Spielgerät aber fallen, und Wolf dankte es ihr. Und wieder nur kurz darauf musste Richter abermals hinter sich greifen. Mit einem Bauerntrick narrte Plieschke eine Gegenspielerin, passte steil in den Strafraum, und erneut spitzelte Wolf den Ball in die Maschen (65.). Wer mitgezählt hat, hat’s bemerkt: Es war ein lupenreiner Hattrick binnen sechs Minuten.

Alina Ogundipe setzt sich gegen Nadja Borynec durch. Sie setzte viele Akzente.

Alina Ogundipe setzt sich gegen Nadja Borynec durch. Sie setzte viele Akzente.

In Minute 66 überließ Wolf dann eine Vorlage von Ogundipe für Zimmermann, und hier konnte sich Richter mit einer Parade zum Eckball auszeichnen. Aber das Glück war dem SCE nicht hold. 23 Minuten vor dem Ende musste Gil Mauritz verletzt raus, und da Egenbüttel keine Ersatzspielerin zur Verfügung hatte, mussten sie den Rest der Partie auch noch in Unterzahl bestreiten. Der HSV ließ sich zunächst nicht irritieren. Einen Schuss von Anger aus 19 Metern ließ Richter prallen, aber der SCE konnte klären. Und wieder parierte die Rellinger Schlussfrau einen Zimmermann-Schuss nach Ogundipe-Vorlage zur Ecke (69.). Das 10:0 zwanzig Minuten vor dem Ende läutete dann eine Phase ein, in der die Tormöglichkeiten seltener wurden. Nach Eckball von Ogundipe verpassten Freund und Feind, doch Kristin Rosbander erlief die Kugel links vom Strafraum. Sie probierte es mit einem Schuss, aber Jennifer Axmann blockte diesen ab. Wolf setzte nach und zog selbst ab – wieder blockte Axmann. Dann aber wählte Wolf mit Übersicht das kurze Eck und hatte damit Erfolg. Die Frage war jetzt, ob es einen höheren Sieg geben würde als zum Einstand gegen Blau-Weiß Ellas II. In der 73. Minute schoss Anger nach Steilpass von Plieschke hinter die Abwehr links vorbei. Drei Minuten darauf bereitete Plieschke den Weg für Wolf – rechts vorbei. Wieder zwei Minuten später schob Zimmermann nach Kombination über Wolf und Ogundipe aus fünf Metern rechts daneben. Plieschke verzog aus 24 Metern knapp drüber (79.). Direkt im Anschluss fing Ogundipe den Abstoß ab und leitete die Kugel zu Wolf, die wiederum auf den Elfmeterpunkt passte, wo Zimmermann heranrauschte und zum 11:0 verwandelte (79.).

Vor den Augen von Anna-Lisa Schlumbohm und Alina Ogundipe bedient Vanessa Plieschke links Jana Anger

Vor den Augen von Anna-Lisa Schlumbohm und Alina Ogundipe bedient Vanessa Plieschke links Jana Anger

Die Schlussphase war mau. Egenbüttel kam nun immerhin per Konter in Strafraumnähe, für einen Torschuss reichte es nicht. Gercken blieb unbeschäftigt. Dafür wollte der HSV das Dutzend voll machen. Ogundipe verpasste vier Minuten vor dem Abpfiff eine Flanke von Anger. Die letzte Torszene brachte letztlich doch das 12:0. Ablage von Ogundipe in den Strafraum, Metzt kam aus 13 Metern halbrechts zum Schuss und traf zum Endstand ins lange Eck. Es war ein klarer und auch in der Höhe verdienter Sieg eines HSV, der aber noch höher hätte ausfallen können. Immerhin betrug das Chancenverhältnis am Ende 41:0. Die Gäste aus dem Kreis Pinneberg hatten nur in der Defensive etwas entgegenzusetzen, stand 89 Minuten lang mit der kompletten Besetzung hinten drin. Dennoch war HSV-Coach Pröbsting während der gesamten Spielzeit immer wieder dabei, mit Anweisungen Korrekturen vorzunehmen, oder es zumindest zu versuchen. Ihm missfiel vor allem, dass die taktische Formation zu selten eingehalten wurde und die Räume am Strafraum unnötig eng gemacht wurden. Daran, dass seine Mannschaft an diesem Tag Tabellenführer der Kreisliga West bleiben würde, gab es jedoch nie ernsthaft Zweifel.


Statistik:

Hamburger SV IV.: Gercken – Lühmann, Schulz, Ogundipe, Schlumbohm – Rosbander, Metz, Niekrenz (46. Wolf) – Zimmermann, Plieschke, Anger

SC Egenbüttel: Richter – Kruse, Borynec, Trabert, Nissen, Giulia Mauritz – Gerhold, Jahnke, Axmann – Oppen – Gil Mauritz

Tore: 1:0 Plieschke (7.), 2:0 Zimmermann (9.), 3:0 Ogundipe (19.), 4:0 Plieschke (42.), 5:0 Metz (53.), 6:0 Plieschke (54.), 7:0 Wolf (59.), 8:0 Wolf (62.), 9:0 Wolf (65.), 10:0 Wolf (70.), 11:0 Zimmermann (79.), 12:0 Metz (88.)

Gelbe Karten: Nissen (Egenbüttel, 53. Minute, Foulspiel), Oppen (Egenbüttel, 61. Minute, Meckern)


Herzlichst,
Euer Fuxi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: