Der Schatzi-Streit

Am vergangenen Samstag wurde ich in einem Schnäppchenmarkt Zeuge eines lustigen Disputs bei einem Paar. (Um Irritationen zu vermeiden: Es trug sich in einem Touristengebiet in Ostholstein zu, wo verkaufsoffener Feiertag war.) Ich schlenderte also mit meiner Freundin durch besagten Markt, der einem ihrer ehemaligen Klassenkameraden gehörte. Genauer gesagt: Ich trottete so meiner Freundin hinterher und rollte schon mit den Augen, als sie zu den Weihnachtsdevotionalien kam. Nicht, dass sie ein riesiger Weihnachtsfan mit eigenem Baum und zwanzig Kisten Behang wäre. Anders als der weibliche Teil eines Pärchens, das sich für die christfestlichen Artikel interessierte und ungefähr in unserer Altersklasse war.

Natürlich entsponn sich ein Dialog, wie toll doch das eine oder andere sei. Doch während es beim Mann („M“) natürlich bei der Bewunderung des Schönen blieb – bei der Beharrlichkeit seiner Begleiterin wäre ich nicht verwundert, stünde diese Einstellung diametral zu der in Bezug auf andere Frauen -, setzte bei der Dame („F“) der Sammlertrieb ein. Interessant daran war vor allem die Art des verbalen Umgangs miteinander, der mangels Diskretion akustisch gut vernehmbar war. Soweit meine Detailerinnerung reicht, hörte sich das ungefähr so an:

F: Schau mal hier! Das ist doch schön! Das gefällt mir.
M: Aber Du hast doch schon so viele Sachen, Mausi!
F: Bärchen, aber nicht so etwas…
M: Wo sollen wir denn das alles lassen?
F: Schatz, das geht schon…
M: Mäuschen, wie willst Du das zu Weihnachten alles aufhängen?
F: Ach, Schatzi, das ist doch so schön. Oder das hier…

Es dauerte ungefähr zehn Sekunden, und länger konnten wir nicht zuhören. Ansonsten wären wir in schallendes Gelächter ausgebrochen. Meine Freundin grinste auch schon von einem Ohr zum anderen, während wir uns mit dem Rücken zu dem Pärchen langsam entfernten. Ich muss dazu sagen: Es war nicht laut. nicht mit Nachdruck, nicht quengelnd, nein. Das war ein hochgradig subtiler Streit, gelebt in einem so zuckersüßen Tonfall, dass schlagartig sämtlicher Naschkram im Laden verblasste. Man mochte nach einer Insulinspritze rufen. Wäre dieser Disput nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen worden, wie hätte er wohl dann hinter verschlossenen Türen ausgesehen? Vermutlich so:

F: Schau mal hier! Das ist schön kitschig! Das gefällt mir. Das will ich.
M: Sind die drei Kartons auf dem Dachboden nicht schon genug?
F: Nein. Ich will das! Diese Christbaumkugel ist völlig anders als die 150 Stück auf dem Dachboden. Die hier ist schön!
M: Und ich darf den ganzen Schrott, für den Du mein hart erarbeitetes Geld rausschmeißt, wieder schleppen!
F: Das schaffst Du schon, sei nicht so eine Memme!
M: Warum muss unsere Wohnung zu Weihnachten immer wie eine Coca-Cola-Weihnachtswerbung aussehen?!?
F: Du bist ein unsensibler und unromantischer Sack!

Aber „Schatzi“, „Mausi“ und „Bärchen“ hört sich viel sanfter an. Zumindest, wenn frau die Haushaltskasse für Nippes plündern will….

Herzlichst,
Euer Fuxi

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: