Rundblick (10)

In Nachgebloggt (7) verwies ich kürzlich auf das peinliche Verhalten der Deutschen Presseagentur (dpa), als ein deutscher Regisseur ihre schlampige Arbeitsweise mit neuen Medien vorführte. Die angekündigten „schärferen Regeln“ scheinen allerdings noch nicht in Kraft getreten zu sein, wie man dem Bildblog entnehmen konnte. Sie vermeldete an ihre Kunden einen angeblichen Amoklauf an einer Zwickauer Schule, und selbst nachdem die Polizei mangels Waffenfund und konkreter Pläne für einen Amoklauf entwarnte, dass es keinen solchen gegeben habe, meldete die dpa weiterhin, dass ein Amoklauf vereitelt worden sei. Bei der dpa gibt es anscheinend eine institutionelle Form der Hyperlexie

Lernen tut man anscheinend auch beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) nur schwer. Malte Tech von den Freien Wählern und Uli König von der Piratenpartei empörten sich darüber, dass in der Berichterstattung der sh:z-Zeitungen nur die großen fünf Parteien plus Süd-Schleswigscher Wählerverband (SSW) Platz finden, was nicht weiter überraschend wäre, wäre nicht der Grödersbyer Bürgermeister Helmut Andresen (Freie Wähler) zunächst zu einem Interview ein- und dann auf Weisung der sh:z-Chefredaktion wieder ausgeladen worden. Auf die in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Freien und Piraten geäußerten Vorwürfe von „Stallorder“ und  der politischen Einflussnahme auf die Wähler reagierte der Verlag mit einer Stellungnahme, die weitestgehend an den Vorwürfen vorbei geht, gerade zu politisch relativiert, jedoch in keinster Weise auf Beweggründe für die Ausladung Andresens eingeht. Interessant wird es allerdings in den Kommentaren unterhalb der Online-Version der Stellungnahme. Unter anderem wird mehrfach darauf hingewiesen, wie positiv die sh:z-Blätter der CDU und Noch-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen gegenüber stehen, und dass beim Online-Auftritt massiv Werbebanner für die CDU geschaltet wurden.

Jaja, kompetente und freie Presse kommt langsam aus der Mode…

Wie auch der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld von Bürgerinnen und Bürgern.  Die HSH Nordbank zum Beispiel versicherte die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs gegen den Zusammenbruch von Lehman-Brothers. Allerdings versäumte Goldman Sachs die Frist zur Geltendmachung der Ansprüche um mehr als drei Wochen, wie die Hamburger Morgenpost berichtet. Die HSH Nordbank zahlte dennoch – und satte 45 Millionen Euro wanderten in die USA. Angeblich, um Gerede über eine mangelnde Liquidität der Nordbank zu vermeiden.

Am liebsten würde ich zur Polizei gehen und Anzeige wegen des Verdachts der Untreue erstatten. Was mich davon abhält: Ex-Aufsichtsrat Wolfgang Pein(lich)er und Ex-Vorstand Dirk Jens Nonnenmacher (auch der Name passt irgendwie, denn sieht man diesen Vorfall zusammen mit der Geschichte um seine 2,9-Millionen-Euro-Halteprämie, kann man schon den rationalen Glauben an das Gute im Menschen verlieren und sich in die Religion flüchten) sind so aalglatt, dass an ihnen alles abperlt. Andere gehen für das, wofür Peiner in seiner Karriere als Verantwortlicher für Eigentum der Stadt Hamburg verantwortlich zeigt, für viele Jahre nach Santa Fu. Peiner nicht – der wird Aufsichtsratsvorsitzender des Klassifizierers Germanischer Lloyd und Aufsichtsrat der Beiersdorf- und Tchibo-Dachgesellschaft maxingvest als Abgesandter der steinreichen, aber zerstrittenen Herz-Familie. Mit entsprechenden „Aufwandsentschädigungen“, wie man annehmen darf, und man kann sich vorstellen, wie er sich bei Parteifreund Ole im Rathaus für die Belange der Familie engagieren dürfte – anders als mit dieser Lobbyistenrolle lässt sich nicht erklären, wie man bei Herz einen Geldvernichter wie „Pleite-Peiner“ (Zitat Abendblatt) einsetzen kann.

Erklärungsbedarf hat man eigentlich auch beim VfL Bochum. Da wurde die Entlassung von Trainer Marcel Koller schon auf der Webseite bekannt gegeben, bevor überhaupt die Sitzung lief, auf dem die Demission beschlossen wurde. Und auch die Beurlaubung selbst verstehe ich nicht wirklich. Mit aufgewiegelt durch die Presse, forderten breite Teile der Fans im letzten Spiel seine Entlassung. Und der Vorstand gab nach. Dabei führte Koller den VfL auf Anhieb zurück in die Bundesliga und hielt ihn dort dreimal in Folge. Es scheint also so, als würden die Zuschauer in Bochum ihren eigenen Club verleugnen. Denn der VfL war nie ein glanzvoller Verein. Im Gegenteil: Nur per Wunder schafften sie es zweimal in den UEFA-Cup. Man sollte also meinen, jeder wüsste, dass es wie immer nur gegen den Abstieg geht. Und dass sich die Mannschaft finden muss. Statt dessen wurde dem kurzfristigen Denken nachgegeben. Wie zuvor schon bei Mainz 05 und Hannover 96. Ob das allerdings den Abstieg verhindern kann?

Lustiger wird es bei Peter Breuers Getwitter. Einer seiner Tweets lautet folgendermaßen:

Bei Starbucks. „Ein Stück Möhrenkuchen, bitte.“ „Was?“ „Na hier. Diesen Möhrenkuchen.“ „Ach so, sie meinen unserem Kärret Käk.“

Das bringt mich auf eine Idee. Man müsste bei den Moby-Dick-Steuermännern und Ihresgleichen einfach mal die englischen Bezeichnungen auf deutsch übersetzen und so ordern. Zum Beispiel bei den „U-Bahnen“:

„Guten Tag. Ich hätte gern ein fußlanges Honighafer mit Hähnchengürtelchen, Speck, Salat, Tomaten, eingelegten Gurken, Zwiebeln und Mexikanisch-Südwest, bitte.“

Und wer richtig Stil hat, leitet die Bestellung ein mit einem lässigen „Palim Palim“

Herzlichst,
Euer Fuxi

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2 Antworten to “Rundblick (10)”

  1. Der paranoide Irrsinn geht weiter « Ruhelos Says:

    […] wir gerade bei Strafanzeigen sind: Ich muss mich beim Hamburger Anwalt Gerhard Strate bedanken. Im Rundblick (10) hatte ich ja darüber laut nachgedacht, Strafanzeige gegen unbekannt wegen Verdachts der Untreue […]

  2. Rundblick (15) « Ruhelos Says:

    […] soll ja ganz heilsam sein. Das wäre dann wohl Herrn Nonnenmacher und den HSH-Nordbank-Finanzen zu empfehlen. Was da abläuft, ist unfassbar. Ende 2007 sollen laut […]

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