Nachgebloggt (7)

Du weißt, der Sommer ist vorbei, wenn Du morgens um 9 Uhr ins Auto steigst, und die Klimaanlage im Auto fängt an zu heizen…

Diese Erfahrung machte ich am Sonntag auf dem Weg zum Fußball. Dort angekommen, machte ich eine im Nachhinein durchaus beunruhigende Entdeckung: Mehrere Kubikmeter-Plastikcontainer mit der Aufschrift „Diphenylmethandiisocyanat“. Damit werden laut Wikipedia unter anderem MDF-Platten (mitteldicke Faserplatten, bekannt aus dem Baumarkt) beleimt. Die Menge ließ mich mutmaßen, dass das Zeug als Kleber oder zumindest Bestandteil des Klebers verwendet wurde, mit dem die Bahnen des neuen Kunstrasens auf der Paul-Hauenschild-Anlage in Ochsenzoll verleimt wurden. Das Beunruhigende steht im Wiki unter den Sicherheitshinweisen: „Weiterhin ist der Stoff als Krebserzeugend nach EG-Katerorie 3 (Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben) eingestuft.“

Beunruhigend dürfte auch sein, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) reagierte, als sie kürzlich von einem angeblichen Mitarbeiter eines angeblichen US-Dorf-TV-Senders in einem Provinzkaff angerufen wurde und einen vermeintlichen Terroranschlag beschrieben bekam. Letztlich waren es aber nur ein deutscher Regisseur und sein Team, die die dpa und andere Medien aufs Glatteis führten. Das Online-Magazin Coutoo hat da eine interessante Zusammenfassung.
Die Reaktion der dpa darauf nun: Schärfere Regeln. Oder anders ausgedrückt: Sie wollen mal wieder seriös journalistisch arbeiten…

Leitfäden sind groß in Mode. Das Blog „Grenzpfosten“ hat nach dem PR-Debakel von JAKO einen Leitfaden für Unternehmen für Streit mit Bloggern für die Unternehmen aufgestellt. Klingt sehr vernünftig. Aber auch simpel – schließlich hat allein JAKO genügend Fehler gemacht, um diese Regeln aufstellen zu können, ohne größere Kreativität vorweisen zu müssen.

Fehler sind menschlich. Manche tun aber nur weh. Wie zum Beispiel die, die ich bei der Suche nach Photoshop-Tutorials fand. Es ging um einen Effekt fließenden Wassers. Im Forum von tutorials.de stritten sich die User, welche Farbe das Wasser überhaupt hat. Herrlich nachzulesen, auch wenn’s schon aus 2002 stammt, also sieben Jahre alt ist. Da meint „4ce“, Wasser sei nicht blau, worauf „Duddle“ einen Klempner holen will. „Jan Seifert“ will „4ce“ beispringen und meint, Wasser sei weiß. Die Aussage von „Z-r0“, Wasser sei transparent, beendet die Diskussion aber auch nicht, denn „kart00n“ fällt ein, dass ja das Meer blau sei, also im Wasser auch blau enthalten sein müsse. Den Satz des Jahres liefert dann aber „Precifix“, dessen Aussage ich mal von sämtlichen Schwächen der Ortografie bereinigt habe, um ihn verständlich wiederzugeben:

„Das Meer ist nicht blau! Steck den Kopf rein und guck‘ nach!“

Sollten wir alle öfter mal machen: Dinge selbst inspizieren, aus der Nähe. Und wenn wir den Kopf ins Meer statt in den Sand stecken, kühlt das ab, und wir können alle besser denken.

Einen kühlen Kopf hätten auch die Veranstalter eines China-Symposiums, das im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse stattfand, bewahren sollen. Zwei kritische Autoren chinesischer Herkunft waren von den Veranstaltern gebeten worden, nicht in Frankfurt aufzuschlagen, weil das die chinesische Delegation vergrätzt hätte. Zu deutsch: Die Chinesen wollten nicht als die Deppen dastehen, wenn ihnen Chinesen im Exil vor Augen der Weltöffentlichkeit ihre „Verbrechen“ wie Zensur und Drangsalierung vorwerfen, ohne dass sie etwas zu erwidern hätten. Dass die Buchmesse-Veranstalter so reagiert haben, nennt man im Volksmund „Katzbuckeln“. Und es passte nicht wirklich zum Motto des Symposiums „China und die Welt – Wahrnehmung und Wirklichkeit“, denn wer könnte besser von der chinesischen Wirklichkeit berichten als jemand, der auch bereit ist, die dunklen Seiten anzusprechen? Als Alternative hatten sie den Dissidenten Auftritte bei der Buchmesse selbst offeriert, da diese inhaltlich nicht kontrollierbar sei. Und genau deswegen sperrt China auch den Internetzugang zum Auftritt der Buchmesse. Konfrontation ausgeschlossen. Super gemacht, liebe Buchmesse!

Fast genauso super wie 1und1. Die haben einige tausend Kunden angeschrieben, dass bei denen demnächst ca. 10 Tage lang kein Internet funktionieren wird, weil sie die Technik so umstellen, dass nicht mehr allein die Telekom Carrier des DSL-Anschlusses ist. Man könne aber in ein Komplettangebot mit der neuen Technik umsteigen – mit neu beginnender 24-Monate-Mindestvertragslaufzeit. Da kann man also zwischen dem Tod durch Ersticken und dem durch Ertrinken wählen. Was für Nassauer! (Und gegen diese Bezeichnung, liebe 1und1-ler könnt ihr nix, dank Eurer räumlichen Nähe zum „Naturpark Nassau“ bei Elgendorf… 😀 )

Für mich wäre so ein dummdreistes Verhalten ja eine Einladung zum Wechsel des Anbieters. Vor allem, da 1und1 sich mit diesem Ausfall haarscharf an der Grenze der eigenen Leistungsbeschreibung (AGB) bewegt. Der Konzern aus Montabaur bietet DSL mit 97% Verfügbarkeit im Jahresmittel. Das heißt, dass an 354,05 Tagen im Jahr DSL verfügbar sein muss. 10,95 Tage darf Internet im Schnitt aufs Jahr gerechnet ausfallen. Da darf den Rest des Jahres nix mehr passieren, sonst haben sie den Vertrag nicht erfüllt. 1und1 gibt sich ja auch sonst große Mühe, den Kundenstamm zu verschlanken und dann teuer von anderen Unternehmen zuzukaufen, wie zuletzt bei Freenet. Sowas muss man eigentlich mit dem Weggang belohnen. Und wenn die Telekomiker eines sind, dann das: Schnell bei der Fehlerbehebung, während man bei 1und1 warten muss, bis die ein freies Technikerintervall für einen übrig haben. Die Erfahrung musste meine Freundin in diesem Jahr schon machen. Von daher werde ich mir sicherlich für den nächsten Wechselzeitpunkt eine Alternative überlegen. Danke für die Erinnerung, liebe Montabaurer!

Herzlichst,
Euer Fuxi

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3 Antworten to “Nachgebloggt (7)”

  1. Rundblick (10) « Ruhelos Says:

    […] By fuxionline In Nachgebloggt (7) verwies ich kürzlich auf das peinliche Verhalten der Deutschen Presseagentur (dpa), als ein […]

  2. Nachgebloggt (8) « Ruhelos Says:

    […] stoppen. Aber das Internet legt bei Meldungen den Turbo ein. Diese Einsicht musste auch schon die dpa erleiden. So ist es eben: Des einen Freud ist des anderen Leid. Wo Dir das Internet heute noch […]

  3. Rundblick (18) « Ruhelos Says:

    […] Ein Wort, das mich zur dpa, zur Deutschen Presse-Agentur, bringt. In Nachgebloggt (7) hatte ich ja vom Scoop eines deutschen Filmemachers berichtet, der einen angeblichen Terroranschlag […]

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