Am Ende stimmte nur das Ergebnis

Edvina Gara im Zweikampf

Edvina Gara im Zweikampf

Zweiter Spieltag in der Verbandsliga Hamburg. Die dritte Mannschaft des HSV reiste zum ersten Auswärtsspiel nach Harburg zur Freien Sport-Vereinigung. Dort, auf dem Sportplatz an der Außenmühle, regierte nicht weniger als das Chaos: Außenmühlenfest, und parallel dazu noch die 100-Jahr-Feier der Fußballabteilung in der FSV. So wurde die Anlage auch akustisch ausreichend beschallt: „Musik“ von Michael Wendler und Co. raubte ebenso den Nerv wie Geplärre-Fetzen einer Kinderbühne direkt neben dem Stadion. Bei richtiger Konzentration kein Problem, sollte man meinen. Nur wurde schnell klar, dass genau das beim HSV fehlte. Das Spiel wurde dann auch entsprechend.

Rabea Garbers köpft einen Ball vor der Gegenspielerin weg

Rabea Garbers köpft einen Ball vor der Gegenspielerin weg

Dabei hatte Peter Schulz noch Verstärkung bekommen. Aus der zweiten waren Nadine Odzakovic und Rabea Garbers abgestellt worden, dazu stand im Vergleich zum 4:1 in der Vorwoche gegen den SCVM Urlaubsrückkehrerin Tanja Thormählen zur Verfügung, die ihr Pflichtspieldebüt in der linken Außenverteidigung feierte. Insgesamt vier Veränderungen gab es im Team: Neben Thormählen, die Alina Ogundipe ersetzte, waren Garbers rechtsaußen (statt Jana Anger), Nadine Odzakovic halblinks (für Vanessa Plieschke) und Claudia Choinowski im Tor für Yasmine Sennewald in der Startelf. Auch die Bank war mit Jenny Schulz und Anna-Lisa Schlumbohm neu besetzt, da die Vierte am Sonntag ihr Debüt gegen Blau-Weiß Ellas II. feierte.

Nadine Odzakovic hat die Riesenchance zur Führung, trifft nur den Pfosten

Nadine Odzakovic hat die Riesenchance zur Führung, trifft nur den Pfosten.

Die FSV Harburg trat mit einer konsequenten Manndeckung an. Ungewohnt für den HSV war also nicht nur der Grandplatz, sondern auch der Umstand, dass der Gegner mit Libera und Vorstopperin agierte. Zudem standen die Gastgeberinnen sehr tief. Dem HSV fiel es schwer, hier Chancen herauszuspielen. Die erste richtige Möglichkeit gab es in der 11. Minute, und die war richtig gut: Nach Steilpass von Edvina Gara tauchte Odzakovic frei vor dem Tor auf, hob den Ball drüber, aber auch über das Gehäuse. Es dauerte weitere elf Minuten, da war es wieder Odzakovic. In der Hälfte der FSV erhielt sie das Leder, marschierte an ihrer Bewacherin vorbei frei aufs Tor zu, schlenzte aus 15 Metern – und traf den Pfosten. Sie setzte zwar nach, aber ihr gegrätschter Nachschuss wäre selbst dann nicht im Tor gelandet, wenn die Libera nicht geklärt hätte (22.). Die Höhepunkte waren an einer Hand abzuzählen, obwohl die Partie fast ausschließlich in der FSV-Hälfte ablief. Nach Odzakovics Ecke von rechts flog die Torhüterin unter dem Ball durch, aber Thormählen köpfte überrascht klar rechts vorbei (27.).

Nach dem Fehler der FSV-Torhüterin verfehlt Thormählens Kopfball das Tor

Nach dem Fehler der FSV-Torhüterin verfehlt Thormählens Kopfball das Tor

Von den Gastgeberinnen kam offensiv absolut nichts. Beim HSV III. auch nicht viel mehr. Sie waren zwar optisch überlegen, aber es passte vieles nicht zusammen. Immer wieder wurden einfallslos lange Bälle ausgepackt, die für die FSV leichte Beute waren. Alternativ agierten sie mit unkontrollierten, hüfthohen Bällen, die kaum vernünftig zu verarbeiten waren und zudem die Offenlegung technischer Schwächen begünstigten. Kurzum: Es fehlte ein spielerisches Konzept, und die Mannschaft war nicht in der Lage, auf die Harburger Spielweise angemessen zu reagieren. Selbst Ansagen von außen, wie zum Beispiel, dass Innenverteidigerin Svenja Winter bei Ecken in den Strafraum gehen und Cindy Rak nach hinten absichern sollte, wurden nicht automatisiert.

ANONYM klärt per Kopf

ANONYM klärt per Kopf

Mit zunehmender Spieldauer spielte der Zufall bei der Entstehung von Torszenen eine größere Rolle. In der 36. Minute wurde ein Schuss von Garbers nach Gara-Ablage abgefälscht und zur Ecke geklärt. Nach dem Eckball von Odzakovic verlängerte die Harburger Vorstopperin nach hinten, aber Garbers‘ kraftloser Kopfball landete in den Armen der Schlussfrau. Die letzte Chance kurz vor der Pause: Ecke Niekrenz von rechts, und Gara verlängerte per Kopf drüber (45.). Der HSV war spielbestimmend, aber zu unkonstruktiv und unkonzentriert. Die Harburgerinnen unterbanden den Spielfluss effektiv, ohne selbst Akzente zu setzen. Der Kreativabteilung von HSV III. fiel kollektiv nichts ein, was sie dagegen setzen konnten.

Harburgs Stürmerin vergibt die einzige Torchance des FSV Harburg gegen Svenja Winter

Harburgs Stürmerin vergibt die einzige Torchance des FSV Harburg gegen Winter

Der zweite Durchgang begann zunächst mit einem Schrecken: Der HSV bekam 20 Meter in der eigenen Hälfte die Kugel nicht weg, und plötzlich lief eine Angreiferin mit Ball Richtung Tor. Winter holte sie ein, bedrängte sie noch, und so spitzelte die Stürmerin links vorbei (47.). Aber es wäre typisch gewesen. Auf der anderen Seite brachte Odzakovic einen Freistoß von links an den Fünfmeterraum, halbhoch verpassten ihn alle, und im Gewirr blieb er einen Meter vor der Linie liegen, ehe die Libera ihn wegschlagen konnte (50.). Es war eine unansehnliche Partie, die nur durch das Schiedsrichtergespann Farbe bekam. Zunächst bekam die Kapitänin der FSV Gelb wegen Meckerns. Etwas später die Vorstopperin aus gleichem Grund.

Harburgs Libera F2 klärt vor Edvina Gara

Harburgs Libera klärt vor Edvina Gara

Die zweite Halbzeit war noch schwächer und zerfahrener als die erste. Beide boten unansehnliches Gekicke, das der Ligazugehörigkeit kräftig spottete. Der HSV konnte nicht, Harburg wollte nicht. Die FSV rückte zwar nun weiter aus der Abwehr heraus, und nun schienen die langen Bälle Erfolg zu versprechen. Wenn, ja wenn nicht das extrem schwache Schiedsrichtergespann gewesen wäre. Vor allem der Sportsfreund auf Seiten der FSV interpretierte Regel 11 wohl so: „Ein Spieler befindet sich in einer Abseitsstellung, wenn er ein HSV-Trikot trägt und frei aufs gegnerische Tor zulaufen kann.“So eine Begegnung kennt normalerweise nur drei Wege, wie sie nicht mit einem Unentschieden, vorzugsweise 0:0 endet: Durch eine Einzelaktion, Unfähigkeit des Unterliegenden oder extremen Dusel mit sämtlichen Gottheiten aller Religionen vereint in einer Tasche. In der 80. Minute, eine volle halbe Stunde nach der letzten Torszene, mussten alle drei Dinge zusammenkommen, um HSV-Coach Schulz zu einem lauten „Jaaa!“ zu verhelfen. [ANONYME SPIELERIN] [Anmerkung: Dieser Bericht wurde nachträglich bearbeitet. Begründung unter die-torjaeger.de] lupfte das Leder an den Strafraum. Die Libera bugsierte das Leder unkontrolliert nach hinten, wo Borgwardt und eine Gegenspielerin im Zweikampf an den Ball zu kommen versuchten. Die Harburgerin konnte nicht klären, und irgendwie landete der Ball plötzlich vor den Füßen von Odzakovic. Die spitzelte aus sechs Metern sofort aufs Tor, die Vorstopperin fälschte ab, und die Kugel senkte sich hinter der Torfrau in die Maschen zum 0:1. Da passte wieder alles zusammen – so ein Tor fällt nur in so einem Spiel, und solche Spiele werden nur mit solchen Toren entschieden. Denn das war auch die letzte Torszene der Begegnung. Nach Foul bekam Thormählen noch Gelb, und auch Garbers kassierte noch eine Verwarnung, weil sie den vorgeschriebenen Abstand von 9,15 Metern bei einem Freistoß nicht einhielt.

Nach dem Spiel: Zufriedenheit sieht anders aus.

Nach dem Spiel: Zufriedenheit sieht anders aus.

Unter dem Strich war das einzige, was an diesem Grottenkick stimmte, das Ergebnis. Dem HSV III. gelang wahrlich wenig, aber zumindest zeigten sie einen Hauch mehr Willen, hier überhaupt zu gewinnen, als die Gastgeberinnen. Deren Verhinderungstaktik wäre beinahe aufgegangen. Mit Verbandsligafußball hat das allerdings nichts zu tun. Diese Partie war nicht gerade geeignet, Vorbehalte gegenüber dem Frauenfußball auszuräumen. Im Gegenteil: Alle Parteien, sowohl die FSV als auch HSV und das Schiedsrichtergespann gaben sich alle Mühe, die Attraktivität eines verregneten Stadtteilfestes aufzuwerten. Aber das wäre ihnen mit dieser „Leistung“ auch in Bezug auf ein Wetthäkeln im Altersheim gelungen.


Statistik:

Hamburger SV III.: Choinowski – Thormählen, Winter, Stuth, [ANONYME SPIELERIN] – Borgwardt, Niekrenz, Rak – Odzakovic, Gara, Garbers

Schiedsrichter: Reinhold Haenel (SV Wilhelmsburg) mit Gespann

Tor: 0:1 Odzakovic (80., Rechtsschuss)

Gelbe Karten (HSV): Thormählen (87. Minute, Foulspiel), Garbers (89. Minute, Zeitspiel)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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