Mehr Tritte als Tore

Ein Beispiel für die Gangart von Ellas: Cevik holt ungeahndet Teixeira von den Füßen.

Ein Beispiel für die Gangart von Ellas: Cevik holt ungeahndet Teixeira von den Füßen.

In ihrem ersten Kreisligaspiel der Geschichte empfing die vierte Mannschaft des HSV die Zweite von Blau-Weiß Ellas. Es fing schon schlecht an: Bei Ellas hatte es eine Panne gegeben, ein Teil der Mannschaft kam mit Verspätung. So jedenfalls die offizielle Begründung, denn die erste Mannschaft spielte zwei Stunden zuvor in Tornesch in der Verbandsliga.

Nicht aufzulösen, aber Foul: Für Schricks Aktion gegen Wolf gab es Elfmeter.

Nicht aufzulösen, aber Foul: Für Schricks Aktion gegen Zimmermann gab es Elfmeter.

Als endlich mit Verspätung angepfiffen wurde, war Ellas nur zu neunt. Das störte den HSV naturgemäß nicht. Schon nach 22 Sekunden hatte Anna Lena Witt die erste Chance, doch nach Flanke von Jasmin Lüdemann schoss sie aus spitzem Winkel links drüber. Zwei Minuten später fiel aber das 1:0. Claudia Teixeira legte nach links ab, und Witt versenkte ins kurze Eck nicht unhaltbar zur Führung. Der HSV spielte munter gegen die dezimierten Gäste auf. Doppelpass Witt mit Ann-Christin Jonaß, und nach Witts Flanke traf Teixeira aus fünf Metern nur das Außennetz (6.). Kurz darauf traf dann aber Jaqueline Wolf von der Strafraumgrenze zum 2:0 in den Winkel (8.).

Teixeira schlenzt zum 4:0 ins Tor

Teixeira schlenzt zum 4:0 ins Tor

Das 3:0 ließ nicht lange auf sich warten. Patricia Zimmermann wurde steil hinter die Abwehr geschickt, wollte im Strafraum an Ellas-Keeperin Tiffany Schrick vorbei und wurde gelegt. Den verhängten Strafstoß verwandelte Jaqueline Wolf sicher (13.). Nur 60 Sekunden später erlief Teixeira einen eigentlich verlorenen Ball gegen Mareike Cevik, zog im Strafraum zum Tor und schlenzte lässig zum 4:0 ins lange Eck. Alina Ogundipe verpasste das 5:0 nach einem Eckball von Wolf, als sie drüber köpfte. Der HSV war klar überlegen, und man hatte nicht den Eindruck, dass es anders ausgesehen hätte, wäre Ellas zu elft. Immerhin: Sie vervollständigten langsam. Und kamen in der 19. Minute durch eine Unachtsamkeit zur ersten Möglichkeit. Nach einem langen Ball grätschte Maria Drougka das Leder harmlos Richtung Tor, und Jael Hannemann im Kasten des HSV konnte es problemlos aufnehmen. Auf der Gegenseite war Schrick gefordert, um einen Schuss von Bianca Kleberc nach Ablage von Zimmermann zu halten (20.).

Zimmermann spielt Schrick aus und macht das Tor

Zimmermann spielt Schrick aus und macht das Tor zum 9:0

Aber die Schlussfrau bekam nicht viel Zeit zum Durchschnaufen. In der 21. Minute war es wieder soweit. Rechts erarbeitete sich Zimmermann clever den Ball, passte in den Rücken von Vanessa Plieschke, aber die nahm den Ball an und setzte ihn aus der Drehung unter die Latte zum 5:0. Anstoß, Fehlpass, Witt dazwischen und mit alleinigem Zug zum Tor, gekrönt vom Schlenzer zum 6:0 (21.). Sekunden später köpfte Plieschke nach Flanke von Lüdemann knapp daneben. In der 24. Minute traf Kleberc aus der 2. Reihe nach einem verunglückten Kopfball von Teixeira die Latte. Den Nachschuss setzte Teixeira aus acht Metern drüber. Unverständlich, wie man so eine Chance nicht reinmachen kann. Entsprechend unzufrieden war HSV-Coach Max Pröbsting auch mit der Chancenverwertung, als kaum später Ogundipe nur mit Ausfallschritt eine Flanke von Zimmermann erreichte und das nächste Tor verpasste.

Laufduell zwischen Jonaß und Kremer. Ausnahmsweise sauber.

Laufduell zwischen Jonaß und Kremer. Ausnahmsweise sauber.

Diese klare Unterlegenheit der Gäste schürte Frust. Das Spiel wurde nickliger, und zunehmend wurde bei Ellas lamentiert. Wie nach 34 Minuten. Wolf lupfte den Ball in den Lauf von Zimmermann. Ellas monierte rein aus Gewohnheit schon lautstark Abseits, aber der Schiedsrichter ließ korrekter Weise laufen. Zimmermann wurde dann von Schrick umgerissen, aber Plieschke war mitgelaufen und versenkte zum 7:0, brachte so auch den Spielleiter Hans-Jürgen Pahl um die Verlegenheit, Rot ziehen zu müssen. Ein Tor für Ellas hätte an der Entwicklung wohl wenig geändert, aber nach einem zu kurzen Abstoß von Hannemann versuchte es die inzwischen hinzugekommene Sarah Pätzmann direkt, doch Hannemann machte den Fehler mit einer Fußabwehr wieder wett. Auf der Gegenseite setzte Witt Teixeira in Szene, doch die spitzelte nur ans Außennetz. Die B-Juniorin war da gerade wieder auf dem Platz, nachdem sie von Cevik an der Außenlinie mit gestrecktem Bein von den Füßen geholt worden war und länger behandelt werden musste. Ihre Revanche fiel sportlich aus: Nach Witt-Zuspiel ging sie ganz leicht an Cevik vorbei und traf trocken zum 8:0 (39.). Dabei blieb es nicht. Nach Balleroberung im Mittelfeld steckte Teixeira durch, Zimmermann spielte Schrick aus und netzte lässig zum 9:0 (42.). Halbzeit.

Jael Hannemann war selten gefordert

Jael Hannemann war selten gefordert

Das 9:0 war ohne große Mühen herausgespielt und hätte noch weitaus klarer ausfallen können. Vor allem aber hätte ein konsequenterer Spielleiter aufgrund der Härten und Sprüche der Gäste wohl längst aufgeräumt und mangels Spielerinnen abbrechen müssen. Das lief wohl aber ebenso unter Mitleid wie der Umstand, dass er 75 Sekunden zu früh zum Pausentee bat. Dass Ellas mit ihrer Art und Weise durchkamen, hatte für Claudia Teixeira Folgen: Nach dem Tritt von Cevik musste sie draußen bleiben, und Kristin Rosbander kam ins Spiel.

Witt erzielt mit dem Außenrist das 10:0

Witt erzielt mit dem Außenrist das 10:0

Inzwischen war Ellas vollständig. Die Spielrichtung änderte sich indes kaum. Einen direkt aufs Tor gezogenen Freistoß von Wolf fälschte Chantal Kremer ab, und Schrick fischte ihn runter. Schwer zu halten. Aus identischer Position kam Wolf erneut zum Freistoß. Den führte sie kurz auf Plieschke aus. Die verpatzte die Annahme am Strafraum, spitzelte aber weiter zu Kleberc. Die legte im Strafraum ab, und Witt schob aus neun Metern mit dem Außenrist an Schrick vorbei zum 10:0 ein. Obwohl zu elft, machte es Ellas dem HSV zu einfach. Zumindest abseits der Zweikämpfe. Wolf überlief Pätzmann und hatte die nächste Chance, aber Schrick parierte (54.).  Und ein weiterer Plieschke-Schuss traf das Außennetz. Danach ließ das Spielniveau etwas nach. Der HSV schaltete einen Gang zurück und erlaubte Blau-Weiß Ellas einige Angriffe, die aber zu unstrukturiert abliefen, um gefährlich zu sein. Zehn Minuten lang spielte sich das Geschehen zwischen den Strafräumen ab. Dann brachte Lüdemann den Ball von rechts herein an den Strafraum zu Wolf. Die nahm den Ball an, zog aus zwanzig Metern ab und zwang Schrick zur nächsten Parade. Es gab Eckball. Den brachte Wolf herein, die Kugel wurde zu kurz abgewehrt, und Witts Direktschuss aus 13 Metern fand den Weg zwischen Torwarthand und Latte hindurch ins Netz zum 11:0 (65.).

Letzte Szene: Entweder trifft Esmer den Ball - dann ist es Ecke - oder Plieschke - dann Elfmeter und Rot. Es gab Abstoß!

Letzte Szene: Entweder trifft Esmer den Ball - dann ist es Ecke - oder Plieschke - dann Elfmeter und Rot. Es gab Abstoß!

Ellas wollte den eigenen Treffer und drückte vehementer Richtung HSV-Kasten, begünstigt von einem schlechter stehenden HSV. Der vollzog den zweiten Wechsel: Ann-Christin Jonaß ging raus, und dafür kam Anke Retzlaff herein. Und während Jonaß an der Seitenlinie behandelt werden musste, machte Plieschke das Dutzend mit dem schönsten Treffer des Spiels voll: Zimmermann spielte aus der Zentrale links raus auf Witt. Die guckte, flankte dann butterweich in die Mitte, und Plieschke vollendete mit einer sehenswerten Volleyabnahme zum 12:0 (73.). Dann wieder eine – zumindest aus Gästesicht – strittige Szene. Zimmermann blockte einen Klärungsversuch ab, entging der Grätsche von Cevik und war frei vor Schrick. Sie legte den Ball rechts vorbei, wurde durch die Torhüterin behindert, konnte die Kugel aber noch vor der Linie erlaufen. Schon da wollten die Gäste kollektiv ein physisch absolut unmögliches Foul von Zimmermann gesehen haben und protestierten heftig. Zimmermann störte das nicht, sie schleppte den Ball zur Torlinie und stupste ihn zum 13:0 ein, während Schrick mit selbst verschuldeten Schmerzen liegen blieb (78.). Sie musste dann auch raus. Ellas war wieder in Unterzahl, und Pätzmann übernahm die Torhüterposition. Sie sollte ihren Kasten sauber halten. Nach Doppelpass mit Retzlaff zögerte Zimmermann beim Abschluss zu lange und schoss dann Pätzmann in die Arme (81.). Plieschke ballerte aus der Drehung ebenso drüber wie Kleberc in der gleichen Minute (84.). Eine abgerutschte Zimmermann-Flanke lenkte Pätzmann über den Querbalken. Eher überraschend war dann, dass der Schiedsrichter doch noch einmal eine Karte zückte: Drougka sah Gelb für eine Rangelei mit Zimmermann – nicht die erste Provokation. Nachdem Plieschke aus 14 Metern erneut nur Pätzmann in die Arme schoss, bekam Ellas die letzte Chance. Die HSV-Abwehr hatte das Spiel in der Nachspielzeit schon abgehakt; so konnte Gina Ungerbieler steil geschickt werden. Frei vor Hannemann legte sie nach rechts auf Ariadne Riga ab, und die schob den Ball zum Schlusspunkt ins leere Tor (90.+1).

Wenn sie nicht foulten, dann lamentierten und protestierten die Gäste

Wenn sie nicht foulten, dann lamentierten und protestierten die Gäste

Vom sportlichen Gesichtspunkt her war das Ergebnis zugunsten des HSV, der einzigen Mannschaft, die um wirkliches Fußballspielen bemüht war, hochgradig verdient und fiel durch die ausgelassenen Chancen noch um etwa ein Dutzend Tore zu gering aus. Die größte Erleichterung für den HSV dürfte nicht das klare Ergebnis gewesen sein, sondern dass „nur“ zwei Spielerinnen nach der Partie eine Behandlung benötigten. Da musste man Schlimmeres befürchten. Paradoxer – oder vielleicht auch typischer – Weise konnten die Spielerinnen von Ellas zwar austeilen, aber nichts einstecken – und der HSV legte bei weitem nicht eine so nickelige, unfaire „Spiel“weise an den Tag. Nach jedem Zweikampf wurde gejammert und protestiert, bei jedem Pass hinter die Abwehr Abseits reklamiert und lamentiert. Mit Fußball hatten die Aktionen der Gäste wenig bis nichts zu tun. Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, wie jemandem so eine Interpretation des Sports auch noch Spaß machen kann.


Statistik:

Hamburger SV IV.: Hannemann – Jonaß (72. Retzlaff), Ogundipe, Schlumbohm, Lüdemann – Witt, Plieschke, Wolf, Kleberc – Zimmermann, Teixeira (46. Rosbander)

VSK Blau-Weiß Ellas II.: Schrick – Kremer, Xenikou, Esmer, Öztürk, Pätzmann, Riga, Piparo, Drougka, Ungerbieler, Cevik – Eingewechselt: Aydin

Schiedsrichter: Hans-Jürgen Pahl (Glashütter SV)

Tore: 1:0 Witt (3., Linksschuss, Teixeira), 2:0 Wolf (8., Rechtsschuss), 3:0 Wolf (13., Rechtsschuss, Foulelfmeter), 4:0 Teixeira (14., Rechtsschuss), 5:0 Plieschke (21., Rechtsschuss, Zimmermann), 6:0 Witt (21., Linksschuss), 7:0 Plieschke (34., Rechtsschuss, Zimmermann), 8:0 Teixeira (39., Rechtsschuss, Witt), 9:0 Zimmermann (42., Rechtsschuss, Teixeira), 10:0 Witt (52., Linksschuss, Kleberc), 11:0 Witt (65., Rechtsschuss), 12:0 Plieschke (73., Rechtsschuss, Witt), 13:0 Zimmermann (78., Rechtsschuss), 13:1 Riga (90.+1, Rechtsschuss, Ungerbieler)

Gelbe Karte: – / Drougka (86., Rangelei)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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