HSV III. sorgt für dicke Überraschung

Cindy Rak, eine anonymisierte Spielerin, Katharina Stuth und Julia Niekrenz erwarten einen Freistoß von Anna Hepfer

Cindy Rak, eine anonymisierte Spielerin, Katharina Stuth und Julia Niekrenz erwarten einen Freistoß von Anna Hepfer

Die 3. Frauenmannschaft des HSV hat zum Auftakt der Verbandsligasaison für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Mit 4:1 (2:1) revanchierte sich das Team von Peter Schulz für die 1:2-Halbfinalpleite im Oddset-Pokal der letzten Saison gegen den Vorjahresfünften SC Vier- und Marschlande. Und das sechs Ausfällen zum Trotz und ohne Verstärkung aus der 2. Bundesliga. Aufgefüllt wurde der Kader von Kreisligaspielerinnen. Gemerkt hat man das jedoch nicht.

Eileen Rautenberg bringt den SCVM in Führung

Eileen Rautenberg bringt den SCVM in Führung

Zu Beginn hatte das junge HSV-Team noch gehörigen Respekt vor dem SCVM. Zwei Schüsse Richtung Tor wurden von Edvina Gara abgegeben, beide waren für die Keeperin Franziska Fischer kein Problem. Sie wurden aus 36 bzw. 24 Metern abgefeuert. Der Gast aus dem Süden Hamburgs zog in Person von Anna Hepfer und Ramona Schüssler zweimal drüber. Die erste Viertelstunde war ausgeglichen. Der HSV probierte es oft mit langen Bällen, Vier- und Marschlande zelebrierte eher Kurzpass mit Bällen hinter die Abwehr. Und ein solcher brachte auch das 0:1 in der 19. Minute, als Svenja Winter bei einem Pass von Daniela Marth in die Tiefe eine mögliche Abseitsposition aufhob. Eileen Rautenberg ließ nur noch die Hacken von sich sehen und traf dank des zögerlichen Herauskommens von HSV-Torhüterin Yasmine Sennewald zum Führungstreffer der Gäste.Das saß. Und es hätte drei Minuten später noch schlimmer kommen können. Diesesmal narrte Janine Sander die Viererkette des HSV, Tanja Barterkam im Laufduell mit Winter zum Abschluss, aber Sennewald war unten. Die Dritte berappelte sich danach. Rak erarbeitete sich den Ball in der 27. Minute im Mittelfeld und passte auf Vanessa Plieschke. Eine Abwehrspielerin ging dazwischen, aber Sarah Borgwardt setzte von der linken Seite nach, nahm ihr den Ball ab und zog ihn hoch aufs kurze Eck. Fischer versuchte vergeblich, das Tor zu verhindern, und der Ball schlug unter dem Jubel der HSV-Bank im Netz zum 1:1 ein. Nur acht Minuten hatte die SCVM-Führung Bestand gehabt – ein wichtiges Tor so schnell nach dem Rückschlag.

Heftiger Zweikampf mit Haken und Ösen zwischen Sander und Rak

Heftiger Zweikampf mit Haken und Ösen zwischen Sander und Rak

Die Rothosen setzten nach. Plieschkes Schuss aus 18 Metern wurde durch ein Abwehrbein entschärft. 60 Sekunden später gewann Gara das Leder im Mittelfeld. Den sich bietenden Platz nutzte sie, um eine Anspielstation zu suchen. Rechts war Jana Anger gestartet und bekam den Pass in den Lauf. Ihre Hereingabe rutschte vom Fuß, aber Torhüterin Fischer war so überrascht, dass dieses verunglückte Ding an ihr vorbei ins lange Eck flutschte – 2:1 (32.)! Unter gütiger Mithilfe der Schlussfrau hatte der Aufsteiger das Spiel gedreht und konnte es selbst kaum glauben. Jetzt waren sie am Drücker, und der SCVM bekam mit dem Spieltempo starke Probleme. Halblinks lief sich Gara im Strafraum frei und wurde zur Passempfängerin. Grätschend versuchte sie, Fischer zu überwinden, die aber lenkte ab, und der Ball landete nur am Pfosten (33.). Jetzt klappte auch das Zusammenspiel besser. Julia Niekrenz links raus, flache Hereingabe von Gara, Anger spitzelte den Ball Richtung Tor, aber Fischer touchierte ihn – Ecke (35.).

Fünf Minuten vor der Halbzeit kam Vier- und Marschlande nochmal. Sennewald griff bei einem Freistoß von Barter aus 25 Metern zu. Nach verunglücktem Abschlag kam Schüssler zum Abschluss, und Sennewald griff den eigentlich harmlosen Ball im Nachfassen. Nach dem 0:1 wirkte die Belgierin etwas nervös. Ihre Vorderleute versuchten das zu entkräften. Vorne. Pass von Niekrenz auf Gara, Ablage, und Hepfer blockte Raks 21-Meter-Schuss zur Ecke (43.). Damit ging es in die Halbzeitpause. Insgesamt war die HSV-Führung verdient. Nach dem 1:1 drehten sie auf. Zwar fehlten in ein paar Situationen Abgeklärtheit und Übersicht, das machten sie aber mit hohem Einsatz wieder wett. Die Gäste waren nur dann gefährlich, wenn die HSV-Abwehr weit aufrückte und Möglichkeiten bot, Bälle in die Tiefe zu spielen und sich überlaufen zu lassen. Eigentlich war der SCVM einfach auszurechnen, allerdings fehlte beim HSV das richtige Gegenmittel.

HSV-Coach Peter Schulz war anfangs der zweiten Hälfte angespannt.

HSV-Coach Peter Schulz war anfangs der zweiten Hälfte angespannt.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs zeigte sich das wieder. Vier- und Marschlande kam nun mit Macht wieder ins Spiel. Eine gefährliche Phase. Zunächst prüfte Barter Sennewald. Nachdem auf der anderen Seite Gesa Lippke einen Schlenzer von Rak passend für Fischer entschärft hatte, musste Sennewald am Fünfmeterraum bei einem Freistoß von Kleensang vor Hepfer zugreifen (50.). Die gelungene Reaktion sollte Sicherheit geben. Anders lässt sich die folgende Szene nicht erklären. Zum dritten Mal brachte ein Pass in die Tiefe des Raumes den HSV ins Wanken. Auf Zuspiel von Barter brach Schüssler durch und wollte im Strafraum an Sennewald vorbei. Die aber rettete mit einer Glanztat die Führung, nahm der Angreiferin den Ball vom Fuß (52.). Eine ganz starke Aktion der erst seit neun Tagen 16 Jahre alten Keeperin, die zu dieser Saison vom RSC Anderlecht zum HSV gewechselt war. Wer nicht ahnen konnte weswegen, der bekam es jetzt auf dem Silbertablett serviert.

Es war wieder Zeit, mal ein Zeichen zu setzen. Auf dem linken Flügel Edy Gara den Ball. Ihre überlegte Flanke erwischte Anger per Kopf, doch der Ball senkte sich Zentimeter rechts neben den Pfosten (57.). Fischer wäre machtlos gewesen. Es war der Auftakt einer stärkeren HSV-Phase. Zwei Minuten später wurde es wieder knapp, als ein Freistoß von Winter aus der eigenen Hälfte bis zu Gara in den Strafraum durchkam. Der Schlenzer aus halbrechter Position verfehlte das Tor wieder nur knapp. Die Angriffsspielerin war jetzt an fast jeder Offensivaktion beteiligt. Nach starkem Steilpass von ihr zögerte Plieschke zu lange mit dem Abschluss und bekam nur einen kraftlosen Abschluss zustande (63.). Da war mehr drin gewesen.

Torschützin Vanessa Plieschke herzt Edvina Gara nach dem 3:1

Torschützin Vanessa Plieschke herzt Edvina Gara nach dem 3:1

Die Partie öffnete sich etwas. Die Rothosen verloren zu viele Zweikämpfe. Plötzlich drückte wieder der SCVM. Links setzte sich Sander gegen [ANONYME SPIELERIN] [Anmerkung: Dieser Bericht wurde nachträglich bearbeitet. Begründung unter die-torjaeger.de] durch, ihre Hereingabe wollte Barter mit dem Bauch über die Linie drücken, doch da hatte Sennewald etwas dagegen (68.). Wieder der HSV. Flanke Anger von rechts, Garas Volley verunglückte freistehend, und Fischer hatte keine Mühe. Dann schickte [ANONYME SPIELERIN] Anger über rechts steil. Flanke an den Elfmeterpunkt, Kopfball Gara – Tor! Aber es zählte nicht. Schiedsrichter Heiko Bremer verweigerte wegen eines Fouls an Lippke zurecht die Anerkennung (70.). Normalerweise wird man bestraft, wenn man seine Chancen nicht nutzt. Da Cindy Rak kräftemäßig abbaute, ließ er sie den Platz mit Gara tauschen, die nun hinter den Spitzen die Fäden ziehen sollte. Die nächste Szene lief an beiden vorbei: Langer Freistoß von Winter aus der eigenen Spielfeldhälfte in den Strafraum, der SCVM bekam den Ball nicht zu fassen, dafür aber Plieschke: Sofort kam der Heber über Fischer hinweg – drin! Das 3:1 in der 71. Minute schien die Vorentscheidung zu sein.

Tanja Barter taucht frei vor Yasmine Sennewald auf und schießt am 3:2 vorbei

Tanja Barter taucht frei vor Yasmine Sennewald auf und schießt am 3:2 vorbei

Nur scheinbar. Der SCVM reagierte trotzig. Auf seine Art. Steilpass Schüssler auf Barter, die Abseitsfalle versagte, Barter war frei vor Sennewald, zog ab – rechts vorbei! Glück für den HSV. Postwendend die Antwort. Nach Foul von Anne Puttfarcken gab es Gelb für die Übeltäterin und Freistoß für die Gefoulte. Edy Gara machte es selbst, zirkelte den Ball über die Mauer, Fischer sah schlecht aus und konnte den Treffer nicht verhindern. Das 4:1 in der 76. Minute. Das musste doch jetzt die Entscheidung sein! Der zuvor noch nervöse Trainer Peter Schulz beruhigte sich zusehends.

Edvina Garas 4:1 bedeutete die Entscheidung

Edvina Garas 4:1 bedeutete die Entscheidung

Aber vorbei war das Spiel noch lange nicht. Gleiches Schema: Steilpass Rautenberg auf Barter, frei vor Sennewald, und die wurde nun endgültig zur Hexerin, wischte den Schuss am Kasten vorbei. Einmal mehr trieb sie Barter mit einer Klasseparade zur Verzweiflung (78.). Auf der anderen Seite hätte Rak den Sack endgültig zumachen können, aber nach Steilpass von Gara vergab sie. Dann ein Doppelwechsel: Patricia Zimmermann und Jaqueline Wolf kamen für Rak und Anger ins Spiel. Und waren nach zwanzig Sekunden schon in die nächste Tormöglichkeit eingebunden. Ablage Wolf nach rechts auf Zimmermann, doch deren Schuss wehrte Fischer mit den Füßen zur Ecke ab (81.). Hätte sie da getroffen, wäre der 3-Minuten-Kaltstart von Marcus Berg im Spiel gegen den BVB ein Scheißdreck dagegen gewesen. So blieb es beim 4:1. Daran änderte weder ein Flachschuss von Niekrenz (85.) noch ein Freistoß von Barter aus 25 Metern etwas (86.). Die letzte Möglichkeit hatte Wolf. Nach Steilpass von Gara kam sie aus dem Lauf zum Schuss, doch Fischer parierte mit ihrer besten Aktion zur Ecke (90.).

Der HSV-Sieg ging in Ordnung. Nach Schwächeperioden anfangs und Mitte der zweiten Halbzeit machten sie den Punktedreier in der Offensive perfekt – und in der Torwartposition. Dass sie kein Gegenmittel gegen die Steilpässe der Gäste fanden, sollte nachdenklich stimmen. Allerdings erwiesen sich die Rautenkickerinnen als zielsicherer, wenngleich das Ergebnis auch gut 12:6 hätte lauten können. Aber dieses Ergebnis hat auch Schattenseiten: Ab sofort dürfte sich der Eindruck des Mitfavoriten gefestigt haben, immerhin sprang der Aufsteiger auf Anhieb auf Rang zwei hinter dem Niendorfer TSV und noch vor dem Moorburger TSV. Doch letztlich zählt nur eines: Drei Punkte gegen den Abstieg.


Statistik:

Hamburger SV (4-4-2): Yasmine Sennewald – Alina Ogundipe, Svenja Winter, Katharina Stuth (C), [ANONYME SPIELERIN] – Sarah Borgwardt, Julia Niekrenz, Cindy Rak (81. Jaqueline Wolf), Jana Anger (81. Patricia Zimmermann) – Vanessa Plieschke, Edvina Gara

SC Vier- und Marschlande (4-2-3-1): Franziska Fischer – Sabrina Kleensang, Anna Hepfer, Gesa Lippke, Anne Puttfarcken – Ramona Schüssler, Daniela Marth (71. Sarina Buchholz) – Janine Sander, Tanja Barter, Dörthe Simon (79. Nicole Wittschack) – Eileen Rautenberg (90. Stefanie Bönki)

Schiedsrichter: Heiko Bremer mit Kenan Tarik Yavuz und Hans-Otto Facklam (alle Germania Schnelsen)

Tore: 0:1 Rautenberg (19., Rechtsschuss, Vorlage Marth), 1:1 Borgwardt (27., Rechtsschuss), 2:1 Anger (32., Rechtsschuss, Vorlage Gara), 3:1 Plieschke (71., Rechtsschuss, Vorlage Winter), 4:1 Gara (76., Rechtsschuss, Freistoß)

Gelbe Karten: Niekrenz (64., Foulspiel) – Rautenberg (61., Meckern), Puttfarcken (76., Foulspiel)


Herzlichst,
Euer Fuxi

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Eine Antwort to “HSV III. sorgt für dicke Überraschung”

  1. waschkau Says:

    Ein toller Bericht. Schade, dass wir so weit weg sind. Aber selbst hier in Quebec habt ihr fans uns ganz besonders stolz sind wir natürlich auf Yasmine, meine kleine Scvhwester.
    Weiter so 🙂
    Martina, Jean-LOuis und Andréas

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