Falsch

Irgend etwas lief falsch. Aber was war es? Ich konnte es mir nicht erklären. Es war doch alles so wunderbar! Ich war glücklich. Ich war glücklich! Überglücklich sogar! Und trotzdem war irgendwo tief in mir drin dieses unbestimmte Gefühl, dass etwas falsch war. Was sollte das? Sollte ich etwa nie glücklich werden?

Sie war so wunderbar! So liebevoll, zärtlich, einfühlsam. Ich sollte glücklich sein. Aber irgend etwas in mir drin sagte: Da läuft was falsch. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wir waren jetzt seit sechs Wochen zusammen. Sie passte zu mir wie die Faust aufs Auge, wie Arsch auf Eimer. Wenn ich einen Gedanken hatte, sprach sie ihn aus. Wenn ich Lust hatte, ging sie mir an die Wäsche. Brauchte ich etwas Zeit für mich, hatte sie etwas vor. Es gab nichts, was mich an ihr störte, und vielleicht war es genau das. Diese absolute Reibungslosigkeit.

Eine Ahnung davon, was nicht stimmte, bekam ich, als ich abends auf dem Heimweg noch bei meiner Bank vorbeiging, um Geld vom Automaten abzuheben. Ich fand meine EC-Karte nicht im Portemonnaie. Meine feste Überzeugung, dass ich sie nicht zuhause liegen gelassen hatte, bestätigte sich, als ich die Tür aufschloss und begriff, dass der gemütliche Fernsehabend ausfallen musste, weil der Flachbildfernseher schlicht nicht mehr da war. Wie der Festplattenrekorder. Und so einige andere Dinge. Doch was an dieser Beziehung falsch gewesen war, wollte ich erst einsehen, als ich ihre Erdgeschosswohnung, durch das Wohnzimmerfenster blickend, besenrein und leer vorfand.

Ich sah sie nur noch einmal wieder. Bei ihrer Verhandlung. Sie auf der Anklagebank neben ihren vier Komplizen, ich als Zeuge und Geschädigter. Immerhin: Sie bekam viereinhalb Jahre und ich mein Notebook wieder, das sie nicht schnell genug verkaufen konnten. Dummerweise erst, nachdem sie den Festplatteninhalt samt darauf befindlichem Geschäftsgeheimnis nach Vietnam verkauft hatten. Wenigstens war ich so wieder in der Lage, mir mithilfe des Notebooks einen neuen Job zu suchen. Und eine neue Freundin.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: