Nachgebloggt (4)

Endlich komme ich mal wieder zum Schreiben. Die Woche war ein wenig turbulent. Aber ich hatte zumindest Zeit für einige Gedanken.

Zunächst mal staune ich über den HSV. Erst 4:1 gegen die Biene Majas aus dem Ruhrpott, dann Donnerstag 5:1 bei EA Guingamp. Das Spiel gegen den BVB lässt mich noch nicht ganz los. Die Anfangsphase hat was Legendäres. Und immerhin haben wir gezeigt, dass wir fast so gut sind wie Real Madrid. Denen gelang immerhin ein 5:0 gegen den BVB im Geburtstagsspiel. Cristiano Ronaldo, Kaká, und wie sie alle heißen, konnten fast nach Belieben tricksen. Aber für die Primera División ist Dortmund auch nicht gerade ein Gradmesser… Okay, En Avant Guingamp für den HSV nun auch nicht wesentlich. Aber Petric trifft wieder, Berg hat auch wieder eins gemacht – um den Sturm mach ich mir im Augenblick wenig Sorgen. Eher um die Abwehr, wenn ausgerechnet in Wolfsburg Demel und Jansen ausfallen. Boateng wieder auf rechts, das wäre ja nicht der größte Verlust, wenn, ja wenn die Alternative David Rozehnal sich entscheiden könnte, sich nicht so amateurhaft wie in Freiburg den Ball abjagen zu lassen. Wir werden sehen. Vor allem in der Anfangsphase. Wer’s noch nicht gemerkt hat: Der HSV hat in den bisherigen sechs Pflichtspielen dieser Saison von insgesamt 17 (!) Toren satte acht in der Anfangsviertelstunde erzielt. Sind ja nur knappe 50 Prozent (genau: 47,06 %).

Das kommt ungefähr an die Erfolgsquote der deutschen Athleten bei der Leichtathletik-WM ran. Das Bild, das sie abgeben, ist derzeit äußerst super: Gold für Steffi Nerius, die mal wieder bewies, dass Jugend nicht alles ist. Gold für Diskuswerfer Robert Harting, dessen öffentlich geäußerte Meinung nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Bronze gab es für Hochspringer Raul Spank, höhengleich mit dem Gold-Gewinner. Ähnliches schaffte auch Ariane Friedrich, ebenfalls Bronze. Sympathisch macht sie vor allem ihre Art, auch eine solche Medaille ohne Groll hinzunehmen und sich einfach darüber zu freuen.

Ein bisschen leid tut mir Franka Dietzsch. Beim Diskuswerfen flog sie in der Qualifikation raus, in ihrem letzten internationalen Auftritt. Schade, aber vielleicht war das auch das überdeutliche Zeichen des überschrittenen Zenits. Man soll ja abtreten, solange man sich sein Ansehen nicht kaputt gemacht hat. Dietzsch bleibt in Erinnerung. Man hätte ihr nur einen rühmlicheren Abtritt gewünscht. So stand sie dann im Schatten von Nadine Müller, die im Finale immerhin Sechste wurde. Für eine 23-jährige „Unbekannte“ nicht schlecht.

Leid tut mir auch Caster Semenya. Ich weiß nicht, ob ich „er“ oder „sie“ sagen soll. „Es“ jedenfalls nicht. Semenya gewann über die 800 Meter souveränst Gold. Das Problem: Es ist unklar, ob Semenya männlich oder weiblich ist. Rein optisch eher Ersteres. Und nun ranken sich die Mythen. Zudem muss Semenya sich einer Untersuchung unterziehen, ob er/sie als Mann oder als Frau gilt. Angeblich, so ein früherer Trainer, sei Semenya Hermaphrodit, also mit beiderlei Geschlechtsmerkmalen ausgestattet, und hätte nicht bei den Frauen starten dürfen. Ganz egal, wie es nun wirklich ist: Für einen 18-jährigen Menschen aus einem Land wie Südafrika ist so eine Diskussion über intimste Dinge eine Katastrophe. Da wäre der südafrikanische Verband gefragt gewesen, das vorher ein für allemal zu klären. Vor allem, da sich die Athletin (als solche gilt sie, bis das Gegenteil bewiesen ist) binnen vierzehn Monaten um fast 20 Sekunden verbesserte: Im Juni 2008 lief sie in Pune noch 2:11,98 über die 800 Meter, bei der WM 1:55,45. Noch krasser ist die Verbesserung über 1.500 Meter: Dort sind es 25 Sekunden binnen 16 Monaten. Auch da muss man die Frage stellen, ob nicht medikamentös nachgeholfen wurde. Immerhin ist sie über diese Distanz eine Sekunde schneller als der schnellste männliche Zehnkämpfer, der Algerier Larbi Bouraada, der damit eine persönliche Bestleistung aufstellte. Die Spezialisten der Männer allerdings sind hier nochmal knapp 35 Sekunden schneller.

Zwei Dopingfälle gab es bisher bei der WM. Nur. Sieht man sich die Fabel-Leistungen von Usain Bolt an, kann man kaum glauben, dass sein Test negativ ausfiel. Amaka Oguebunam (19) hat’s erwischt. Trotz viertem Platz hätte sie ohnehin nicht im Finale antreten können: Disqualifikation, weil sie eine Hürde nicht regelgerecht übersprang. Allerdings stand sie noch für die 400 Meter im Halbfinale und war für die 4×400-Meter-Staffel aufgestellt. Der erste Erwischte war Jamal Chatbi (25) aus Marokko. Er darf bei den 3.000 Meter Hindernis nicht ran. Dass es Menschen aus solchen Staaten trifft, kann ich allerdings durchaus nachvollziehen. Es hängt persönlich viel vom Erfolg ab. Vor allem Geld. Und ich halte es für möglich, dass die beiden auch naiv genug waren, sich das von ihren Trainern oder Sport“medizinern“ aufschwatzen zu lassen, ohne die Folgen einschätzen zu können. Umso härter treffen sie die zu erwartenden 2-Jahr-Sperren.

Und dann war da noch der „Master of Grätsche“. Ich hab’s zufällig entdeckt. Ende der 80er bis Mitte der 90er gab es in der Bundesliga zwei Eisenfüße: Uli Borowka (Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen) und Carsten Kober (HSV). Ersterer ist jetzt Scout beim DFB. Als Ex-Nationalspieler mit einer alkoholischen Vergangenheit wollten die Menschen in Frankfurt ihn wohl nicht im Stich lassen. Die Presse jedenfalls wurde durch den 388-maligen Bundesligaspieler zeitweise gut mit Material gefüttert. Carsten Kober, liebevoll „Master of Grätsche“ genannt, hat’s ein wenig anders angestellt. Bodenständiger, wie ich diese Woche erkennen durfte. Er betreibt in Hoheluft-West nämlich eine Servicevertretung der Generali-Versicherung. Nun jagt er also keine gegnerischen Stürmer, sondern Versicherungskunden. So, wie sich manche Versicherungskonzerne in Deutschland gebaren, dürfte das dann allerdings auf das Gleiche rauslaufen…

Herzlichst,
Euer Fuxi

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