In Bewegung (2)

Ich bin heiser und lutsche Lakritzbonbons. Meine Lungen brennen, nachdem mir so gegen 15:42 Uhr die Luft ausging.

Ich war zuhause. Im Wohnzimmer mit dem grünen Naturteppich. Vor dem 388-Zoll-Fernseher. Sylvesterallee in Hamburg. Endlich wieder.

HSH Nordbank Arena, HSV, Hamburg

Kurz vor Anpfiff dachte ich noch: „Bloß kein frühes Tor. Oder vielleicht doch, dann reicht es wenigstens zum Unentschieden.“ Dann gab’s das Eigentor vom in Hamburg geborenen Patrick Ovomaltine Owomoyela. Auch wenn im Stadion schließlich Guerrero und im Videotext der Ex-Dortmunder Demel als Torschütze genannt wurde. Mal sehen, was der DFB dazu sagt. Mein erster Gedanke: Jetzt bloß kein… da flog schon der Kopfball von Błaszczykowski auf die Stirn von Valdez und dessen Schädler über Rost hinweg … Gegentor. Was soll man da machen? Dass Aogo das Kopfballduell mit „Kuba“ verliert – ja okay, meinetwegen, das kommt vor. Aber dass dann Boateng nicht auf Valdez geht, Demel dem Dortmunder nicht folgt, weil er denkt, dass Boateng übernimmt, und im Endeffekt Rost auch zu spät rauskommt, weil ja eigentlich zwei Verteidiger so ein Ding verhindern sollten – mir will diese mangelnde Defensivabstimmung nicht in den Kopf! Warum ist es nicht möglich, mal zu null zu spielen?

Das ist aber auch das einzige, das ich zu bemängeln habe, abgesehen von immer wieder auftretender (Fahr)Lässigkeit zum falschen Zeitpunkt. Sowohl Zé Roberto als auch Trochowski waren da ab und zu solche Kandidaten, und prompt wurd’s gefährlich. Unnötigerweise, denn der HSV hatte – dank der neuen Statistikauswertung auf der Anzeigetafel – mit 65% gewonnenen Zweikämpfen Dortmund im Griff. Immerhin kam nach dem 1:1 eine Trotzreaktion nach dem Motto „Heut‘ nich‘!“. Ausgerechnet durch den „alten Sack“ Zé Roberto, bei dessen Verpflichtung ich noch die Stirn gerunzelt und die Augenbrauen gehoben hatte. Sorry dafür, Zé, Du bist ’n Guter! Wie auch Eljero Elia – es fehlt noch die Genauigkeit im Abschluss, aber das war ein geiles Spiel. „Elli“ macht Olic nicht vergessen, er ist auch kein Ersatz für ihn – aber ein anderer Spielertyp, der für den HSV ebenso wichtig werden könnte. Seine Vorarbeit zum 3:1 war zum Zungeschnalzen. Nur schade, dass ihm ein Tor verwehrt blieb. Dafür hat Marcus Berg (den die BVB-Webseite zu „Markus Rosenberg“ machte) eins gemacht. Ich weiß nicht, wie ich ihn nennen soll. „Billy“ (nach dem Regal), „Elch“? War jetzt auch kein Weltklassetor, aber eines nach dem Motto: „Er stand da, wo ein Stürmer stehen muss“.

Wenn die Defensivarbeit und vor allem die Abstimmung noch deutlich verbessert wird, bin ich guten Mutes. Ansonsten war’s ein starkes Bundesligaspiel mit einer weitestgehend geschlossenen Mannschaftsleistung. Fast schon versöhnlicher Fußball, angesichts der vorherigen Leistungen. Zu 90 Prozent aber der, den wir sehen wollen.

Ein Wort noch zum Schiri Kempter: Chapeau! Mein Vordermann in der Nordtribüne ließ keine Gelegenheit aus, um über Kempter zu meckern. Auch bei korrekten Entscheidungen. Bis zu jener 83. Minute, als Rangelov ins Tor traf. Die HSV-Feldspieler protestierten nicht. Die Bank tat es nicht. Auch die Fans nicht – mein Vordermann: „Unnötig!“ Und auch ich hatte nur das Tor gesehen. Nur Frank Rost motzte, ich wunderte mich. Und Kempter, der das 4:2 schon gegeben hatte, ging auf die Beschwerden Rosts hin zum Assistenten. Die Befragung ergab: Sahin stand im Abseits, und zwar so, dass er Rost behinderte. Also aktiv. Und so nahm Kempter zur Überraschung aller die Entscheidung zurück, zeigte Freistoß HSV an. Kompliment – nicht viele Schiedsrichter haben die Eier, eine Entscheidung zurückzunehmen.

Leider reichte das 4:1 nicht für die Tabellenführung, weil Wolfsburg mit dem zweiten Saisonsieg in Köln ein 0:1 drehte. In Stuttgart zeigte Elson, dass er doch Brasilianer ist, und schoss beim 4:2 gegen Freiburg zwei Tore. Wie auf der Gegenseite Idrissou. Ebenfalls den Nachweis des Brasilianerseins erbrachte auch Caio beim 1:0 der Frankfurter gegen Nürnberg. Zu doof, dass das nicht reichte. Bunjaku hatte was dagegen. Interessanter Mann.

Leverkusen schaffte ein knappes 1:0 gegen Hoffenheim und Timo Hildebrand in WM-Form. Der hätte das Ding von Valdez heute nicht kassiert… Bayern tritt dank Gomez noch auf der Stelle – sonst hätten sie gegen Bremen völlig vergeigt. Aber kann ein 1:1 gegen eine Mannschaft wie Werder für Bayern-Ansprüche genug sein? Gegen Mittelmaß? Immerhin: Werder ist da, wo Hannover und Mainz hin wollen. Bancé kann anscheinend nicht nur eine Frau schlagen, sondern auch Tore schießen. Blöd, dass Stajner das neuerdings auch vom Elfmeterpunkt kann.

Ein bisschen gewundert habe ich mich über Holstein Kiel. Nach drei Niederlagen in Folge in der dritten Liga putzten die die Zweite von Werder Bremen satt mit 4:0. Im ersten Saisonspiel ohne Marco Stier, der gegen seinen Ex-Club sicher gern gespielt hätte. Und plötzlich Sieg. Ich hoffe für meinen alten Campingplatz-Kicker-Kumpel nicht, dass das jetzt zur Regelmäßigkeit wird. Aber ein bisschen Gewitzel wird er sicher ertragen müssen.

Witze über Ralf Bartels verbieten sich. Der schmeißt nämlich mit Eisenkugeln. Bei der Leichtathletik-WM in Berlin tat er das sehr erfolgreich – Bronze mit 21,37 Metern. Also: Wen der sauer auf einen ist, sollte man auf der Flucht einen Sicherheitsabstand von mindestens 25 Meter einhalten…

Herzlichst,
Euer Fuxi

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