Rundblick (3)

Die Schlagzeile des Tages lieferte für mich die „Netzeitung“. Zur Verhaftung von Cameron Douglas titelt sie:

Nach misslungenem Drogen-Schmuggel:
Michael Douglas «sehr enttäuscht» von Sohn

Wie es wirklich gemeint ist, wird aus dem Artikel hinreichend klar. Die eindeutige Ambivalenz ist dennoch lustig.

Weniger lustig dürfte der Abend für die 2. B-Mädchen des HSV gewesen sein. Zumindest die zweite Halbzeit. Die Truppe von Thorsten Wolff war eingesprungen, nachdem der SV Henstedt-Ulzburg ein Testspiel gegen die Dritte kurzfristig abgesagt hatte. In der ersten Halbzeit war es auch Peter Schulz, Trainer der Dritten, der am Motzen war. Seine Mannschaft, immerhin Aufsteiger in die Verbandsliga, führte nach einer Viertelstunde 2:0 und kassierte von den Mädchen dann zwei Tore, an denen Torhüterin Saskia Schippmann, eigentlich ein großes Talent, beide Male nicht unschuldig war. Und so wurde Schulz gegenüber seiner Mannschaft doch deutlich lauter und nahm sogar ersatzlos zwei Spielerinnen runter mit der Ankündigung: „Jetzt will ich Laufarbeit sehen, und wenn Ihr jetzt nicht lauft, nehm‘ ich noch zwei runter!“ Und zu neunt lief es tatsächlich besser. Immerhin reichte es zum 3:2-Treffer vor der Halbzeitpause.

Die Ansprache war dementsprechend deftig. Aber sein Team beherzigte offenbar seine Worte, denn schnell hieß es zu Beginn der zweiten Hälfte 5:2. Nach dem 6:2 waren bei den B2-Mädchen Spannung und Konzentration raus. Die Dritte konnte beinahe nach Belieben spielen, und der 19:2-Endstand basierte dann auch noch auf einigen leichtfertig vergebenen Chancen. Bitter für die B2, die auch noch personelle Verstärkung aus der Dritten durch Bianca Kleberc und Nadja Preston erhalten hatte.

Verstärkung erhielt auch eine Frau aus Nordwestmecklenburg heute früh auf meinem Weg zur Arbeit. Auf dem Rücksitz der Sohn, auf dem Beifahrersitz der Mann. Mit Faltkarte auf dem Schoß. Sowas nennt man wohl „Analog-Navi“.

Ein Navi bräuchte auch Peter Hintze (Raumfahrtlobbyist in der CDU) mal. Trotz Neuverschuldung und Wirtschaftskrise macht er massiv Werbung für eine unbemannte deutsche Mondmission. Klar, kostet ja auch nur ein paar Milliarden. Zur Info: Die Anfang der 90er Jahre gescheiterte Mars-Observer-Mission kostete eine Milliarde US-Dollar, seinerzeit umgerechnet 1,6 Milliarden D-Mark oder in heutiger Währung 820 Millionen Euro. Ohne Landung, reine Überwachung aus der Ferne.

Ich meine, es wäre ja manchmal ganz wünschenswert, wenn man eine deutsche Landemöglichkeit auf dem Mond hätte. Für Politiker mit Hirngespinsten, zum Beispiel.

Oder für BILD-Redakteure einschließlich deren Chef. Das inoffizielle CDU/CSU-Parteiblatt mit den vier Buchstaben droht nämlich zu versagen. Was drücken sie nicht auf die Tränendrüse, um Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) zum Wahlsieg zu schreiben! Die geben sich wirklich alle Mühe, den in Österreich wegen fahrlässiger Tötung Verurteilten zum Opfer umzuschreiben. Aber anscheinend sind die Thüringer dann doch nicht so blöd, wie so mancher, den gängigen Klischees über Ostdeutsche folgend, denken mag. Einer infratest dimap-Umfrage zufolge hat die CDU die absolute Mehrheit verloren und kommt selbst in einer Koalition mit der FDP nicht auf die erforderliche Mehrheit. Die wäre derzeit nur mit der SPD zu erreichen, die selbst nur dritte Kraft hinter der Linkspartei ist.
Da kommt auf Kai Diekmann und Co. noch viel Arbeit zu bis zum 27. September…

Viel Arbeit werden wahrscheinlich auch die Angestellten vom Alando Palais in Osnabrück haben. Oder auch nicht. Die veranstalten am 19. September eine Ü40-Party, bei der auch SAILOR auftritt. Dumm für meine Freundin und mich: Wir sind zu jung, und auf eine Nachfrage bekam ich auch entsprechende Antwort. Sie sähen sonst die „Glaubwürdigkeit dieses Party-Themas“ gefährdet. Aha.

Zum guten Schluss möchte ich noch auf ein anderes Blog hinweisen. Das von Jule/“Stinkesocke“. Jule ist 16 und nach einem Unfall querschnittgelähmt: Eine frühverrentete Lehrerin hatte sie an einer grünen Ampel überfahren, weil sie dachte, das Mädchen würde zur Seite springen. Ein Jahr Krankenhaus kam dabei heraus und ein Leben im Rollstuhl.

Beim Lesen des Blogs beeindruckt mich vor allem, wie sie damit zurecht kommt. Nicht, dass sie jedwede Probleme und Sorgen völlig locker anginge. Aber sie geht sie an. Man merkt zwar, dass ihr das Leben mit Behinderung neu ist, aber Verbitterung kann ich nicht herauslesen. Gleichzeitig lehrt es mich ein wenig Demut. Ich kann laufen, bin beim Einkaufen nicht auf Behindertenparkplätze angewiesen (und dass diese nicht ständig durch zu faule Geher belegt sind), habe Kontrolle über Blase und Darm und muss bei der Auswahl des Arztes meines Vertrauens nicht darauf achten, dass er Spezialist für meine Lebenssituation ist. Für mich sind das Selbstverständlichkeiten, über die ich normalerweise nicht nachdenken muss. Für Jule sind das echte, erst zu bewältigende Aufgaben. Dagegen sind die Probleme, mit denen ich mich herumschlage, tendenziell eher Kinkerlitzchen. Das dürfte den meisten gesunden, nicht behinderten Menschen so gehen. Dass es auch anders, viel schwerer und schlimmer sein könnte, darüber sollte man manchmal wirklich nachdenken, bevor man sich groß aufregt.

Und nicht zuletzt hat sie eine angenehme Art zu schreiben.

Herzlichst,
Euer Fuxi

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Eine Antwort to “Rundblick (3)”

  1. Spooky « Ruhelos Says:

    […] hab’ gerade mal wieder bei Jule im Blog vorbeigeschaut. Jule, das ist – für alle, die diesen Blogeintrag noch nicht kennen – eine 17-Jährige, die wegen Querschnittlähmung im Rolli sitzt, nachdem […]

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