Rundblick (2)

Schumi macht’s nicht! Gestern verkündete er, dass er sein Comeback doch nicht durchzieht. Die Verletzungen vom Motorradrennunfall seien zu groß, das Risiko daraus ebenso. Das ist okay. Halswirbel, Schädelbasis – das sind böse Verletzungen. Und Schumacher ist keine 20 mehr. Er ist 40. Ich habe dafür Verständnis, wie deutsche, italienische, englische und teils auch spanische Medien (die sich schon auf das Comeback freuten, ausgerechnet im spanischen Valencia, da wären sie mit der Berichterstattung auf der Pole Position gewesen).

Nur zwei spanische Zeitungen mosern. El Periódico rügt Schumacher für seine vollmundige Ankündigung, die er nun zurücknehmen muss, und As fühlt sich an der Nase herumgeführt.
Ganz unbegründet ist das nicht. Schließlich wurde konkret auf ein Comeback hingearbeitet, ohne Beachtung der körperlichen Umstände. Er fuhr 67 Runden in Mugello in einem „abgewrackten“ Renner und ackerte im Kart. Und das nicht nur zwei Tage. Immer wieder wurde von einem Zwicken im Nacken gesprochen, nie vom Schädelbasisbruch. Man muss dabei die Frage stellen, ob nicht diese Tests schon eine Gefahr für seine Gesundheit darstellten.
So bleibt ein fader Beigeschmack, der eine Frage unbeantwortet lässt: Konnte er überhaupt mithalten?

Mithalten – das konnte das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan gegen die deutsche Elf. Bloß gut, dass das Spiel schon so früh um 18 Uhr lief – zur Primetime hätte man angesichts der Attraktivität der deutschen Spielweise durchaus mit  Bettschwere kämpfen müssen. Ich bin ehrlich: Ich hätte der Vogts-Truppe zum Ende der zweiten Hälfte einen Spieler gewünscht, der weiß, wo das Tor steht. Verdient hätten sie es gehabt, so wie Mertesacker, Tasci und Schäfer ein ums andere Mal vorgeführt wurden. Ich habe Enke noch nie so wütend erlebt – abseits von Hannover, aber selbst da dürfte bei ihm Resignation überwiegen. Lichtblicke habe ich vor allem bei Lahm und Cacau gesehen, einige andere Nationalspieler sollten sich allerdings dringend mal hinterfragen. Günther Netzer sagt zwar, es gibt keine Kleinen mehr. Ich wage zu widersprechen. Es gibt sie – wenn man als Gegner denn will. Die deutsche Elf wollte nicht, und das kommt dann dabei raus: Ein verschenkter Mittwochvorabend.

Verschenkt hat auch unser neuer CSU-Politstar, Bundesminister Dr. iur. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Silvester Freiherr von und zu Guttenberg, etwas. Und zwar Aufträge für Gesetzentwürfe. Im Fokus steht jetzt ein konkreter Entwurf, der von einer international tätigen Großkanzlei mit über 2.000 Rechtsverdrehernanwälten formuliert wurde. Das Bundeswirtschaftsministerium behauptet, das Gesetz sei nicht komplett erarbeitet, sondern nur im Text formuliert worden. Die inhaltlichen Vorgaben seien vom Wirtschaftsstaatssekretär Otremba erstellt worden. Dennoch sind Justizministerin Zypries (SPD), FDP-General Niebel, Grüne und Linke auf den Palmen.

Verständlicherweise. Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass externe „Berater“ tätig sein und Fachkompetenz einbringen. Wenn allerdings der halbe Bundestag aus Juristen besteht und das Bundeswirtschaftsministerium auch noch von einem geleitet wird, ist das mehr als bezeichnend. Aber warum sollte bei Guttenberg auch Kompetenz vorhanden sein, wo bei der von der Leyen doch auch keine für’s Ministeramt nötig war? Und warum sollte nicht Guttenberg auch sein eigenes Konjunkturprogramm basteln, von dem immerhin eine Großkanzlei etwas hat? Wenn man Opel retten kann, dann doch sicher auch diese Kanzlei, deren beratende Tätigkeit unter anderem bei der existenzbedrohten und mit Steuermitteln geretteten IKB nicht gerade ein Ruhmesblatt ist…

Aus menschlicher Sicht ist das Verhalten der Republikaner in den USA auch nicht gerade eines. Es geht – mal wieder – um die Krankenversicherung. Präsident Obama will ein System einführen, das jedem Amerikaner eine Krankenversicherung garantiert. Das passt wiederum den Republikanern nicht, denn sie stecken so tief im Hintern der Konzerne wie hier zu Lande nicht mal FDP und CDU/CSU. Die holen jede mögliche Keule raus, vom Sozialismus-Vorwurf über Handgreiflichkeiten gegenüber demokratischen Abgeordneten bis hin zum Vorwurf, damit würde Senioren-Euthanasie gefördert.

Na klar, es darf ja auch nicht sein, dass amerikanische Krankenversicherungen für das Geld, das sie kassieren, auch Leistungen erbringen müssen! 12,7 Milliarden Dollar Gewinn und damit eine über 400-prozentige Steigerung zwischen 2000 und 2007 waren das für die gesamte Branche, während im gleichen Zeitraum die Zahl der nicht versicherten Amerikaner um knapp 20 Prozent gestiegen ist, auf über 45 Millionen. Das sind 15 % der Bevölkerung. Nicht zu vergessen, dass viele Leistungen von Versicherten überhaupt nicht übernommen werden und teilweise illegaler Behandlungstourismus ins benachbarte Kanada stattfindet. Dass sich auch noch ein Schwarzer erdreistet, das tatsächlich durchzusetzen, nachdem die Bemühungen in der Clinton-Ära noch als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet waren, muss selbstverständlich darin begründet sein, dass Obama einen Hass auf alle Weißen habe (Glenn Beck, Kommentator FOX News) und dieses Konzept aus Adolf Hitlers Konzeptbuch stamme (Rush Limbaugh)…

Man stelle sich mal vor, die CDU verlöre die kommende Bundestagswahl in Bausch und Bogen, SPD und Grüne kämen (ohne Linke) zusammen auf knapp 60% Stimmanteil, und Angela Merkel würde versuchen, mit ähnlicher Schärfe SPD-Programme zu kommentieren und massiv im Lager von NPD, Reps, DVU und den Söhnen und Töchtern der Schaulustigen von Rostock-Lichtenhagen auf Stimmenfang zu gehen…

Gehen will ich am Samstag auch. Zum Fußball. Borussia Dortmund ist zu Gast in der HSH Nordbank-Arena. Allerdings befürchte ich da schon Chaos. Denn an diesem Wochenende sind in Hamburg die Cyclassics. Das heißt: Am Sonntag sollte man besser nicht im Bereich Innenstadt/Elbe/Süderelbe etwas vorhaben oder gar wohnen. Die HSV- und BVB-Fans werden allenfalls durch bereits vorbereitete Aufbauten gegängelt, immerhin gehen Jedermann- und Profistrecke in der Schnackenburgallee an den Arenen vorbei und weiter über den Binsbarg. Ich freu mich ja soooo sehr darüber. Flüchte ich am Sonntag eben in die andere Richtung: In Henstedt-Ulzburg am Rhen spielt der SVHU in der SH-Liga um 15 Uhr gegen Holstein Kiels Zwote. Trainer beim SVHU ist ein alter Bekannter: Jens Martens, Ex-Trainer der HSV-Frauen. Ich freu mich schon drauf.

Herzlichst,
Euer Fuxi

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