Nachgebloggt

Wie schon gesagt, ich war eine Woche weg. Im Urlaub an der Ostsee. Camping!

Das war kein spontaner Entschluss. Im Gegenteil. Unsere Familie campt seit 1968 immer auf dem gleichen Campingplatz zwischen Oldenburg/Holstein und Fehmarn an der wagrischen Ostseeküste. Im dritten Jahr wechselten sie auf die Wiese, wo wir auch immer noch liegen. Mit einem alten englischen Wohnwagen, den es so nie wieder geben wird. Aber ich muss leider sagen, dass die Qualität dort auch extrem nachgelassen hat.

Wir kochen inzwischen äußerst selten selbst. Der einfache Grund ist: Es ist vor allem mittags gern sauwarm. 40 Grad im Wagen sind keine Seltenheit, im Zelt sind es kaum weniger. Und dann noch den Gasherd anschmeißen, mit Pötten und Pannen hantieren? Dann noch großer Abwasch? Nein, Arbeit gibt es da schon genug. Der Rasen beispielsweise war so hoch, dass der 20 Jahre alte Rasenmäher seine letzten Umdrehungen machte und nun im Schrottcontainer auf Abholung wartet. Der neue kostete keine 50 Euro. Es ist immer was zu tun. Dann noch kochen?

Es gibt auf diesem Campingplatz einen Imbiss und ein Kneipenrestaurant namens „Fährhaus“. Der Imbiss wurde noch vor sechs Jahren von einem dänischen Ehepaar betrieben und bot eine ordentliche Karte. Als der Campingplatzbesitzer sich allerdings genau darüber beschwerte, weil die beiden Imbissbetreiber direkte Konkurrenz zum Fährhaus waren, und ihnen eine Karte auferlegen wollte, machten die sich am Saisonende auf und davon. Nach Spanien. Auf einen Campingplatz. Seither wechselten die Imbiss- und Fährhausbetreiber alle ein bis zwei Jahre. Zu Lasten der Qualität. Im Imbiss gibt es jetzt nur noch Schnitzel, Wurst und Pommes. Das Fährhaus – gleicher Betreiber – hat eine umfangreiche Karte, aber leider nicht alles dabei. Labskaus, Zander – da braucht man selbst in der Hochsaison schon Glück. Dafür gibt es über zehn verschiedene Schnitzelvariationen!

Organisatorisch wird es umso toller. Beispiel? Am Wochenende, als wir da ankamen, war Sommerfest. Das Fährhaus war mittags geschlossen, nur der Imbiss offen. Ich bestellte Currywurst mit Pommes und halben Hahn mit Pommes. Currywurst und die Pommes waren kein Problem. Das halbe Hähnchen allerdings musste ich mir links neben dem Imbiss bei einem Extra-Stand holen – und auch dort extra bezahlen. Betrieben wurde der Stand vom Mann der im Imbiss beschäftigten. Und wie bekam ich das halbe Hähnchen zum Mitnehmen? Halbe Pappschale oben, halbe Pappschale unten. Und erntete einen schiefen Blick, als ich darum bat, dass die Dame im Imbiss das Hähnchen zumindest nochmal etwas handlicher einpackte – in Alufolie.

Noch ein Beispiel: Letzter Abend. Soweit gingen wir immerhin auf Nummer sicher, dass wir Essen nur noch abends holten. Es entsponn folgender Dialog, der nicht ständigen Verfügbarkeit von Speisen auf der Karte durch vorheriges Fragen Rechnung tragend:
Ich: „Haben Sie gebackenen Feta?“
Bedienung: „Nein!“
Ich: „Okay, wie sieht es mit gebackenem Camembert aus?“
Bedienung: (zur Kollegin) „Äääähhhh… kannst Du mal kurz helfen???“
Kollegin: „Ja….“ (Und zu mir) „Was soll’s sein?“
Ich: „Habt Ihr gebackenen Feta?“
Kollegin: „Klar. Nochwas?“
Ich: „Ja, einmal Geschnitzeltes pikante.“
Kollegin: (zur Bedienung) „Schreib nur ‚pikante‘ drauf und groß ‚Außer Haus‘ drüber.“ (zu mir) „Dauert so ungefähr 40 Minuten.“

Später erfuhr ich, dass die Bedienung ihren ersten Tag hatte. Und den völlig unvorbereitet anging. Okay, mangelnde Kartenkenntnis ist nicht so dramatisch – wenn man denn von selbst auf die Idee kommt, bei einer Bestellung notfalls auch mal reinzugucken und bei der Verfügbarkeit mal in der Küche nachzufragen.
Aber für meinen Geschmack passt diese Bedienung perfekt zum restlichen Betreiberteam. Die scheinen angesichts ihres Organisationsgrades ohnehin nicht aus der Gastronomie zu kommen…

Ja, mit so etwas muss man sich dann rumärgern. Dagegen sind die umliegenden Mitcamper ja geradezu harmlos. Da ertrage ich auch die Oranje-Schnecken (haben ihr „Haus“ immer dabei ;-)) klaglos.

Aber jeder Urlaub hat auch ein Ende. Und das ist auch gut so. Denn so muss ich nachts nicht mehr 150 Meter durch die Nacht zum Toilettenhaus stolpern und kann den verbleibenden Sonntag nutzen, um ein Fußballspiel in Wellingsbüttel zu besuchen und darüber zu berichten. Hier, in meinem Blog. 🙂

Herzlichst,
Euer Fuxi

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